Fußballfans fordern bis heute singend, ihre Spieler mögen denen des FC Bayern ihre Lederhosen ausziehen. Das Lied ist längst Folklore, Anti-Folklore-Folklore, ernst meint die Lederhosenfeindlichkeit kaum jemand mehr. In Wirklichkeit nämlich ziehen sich die, die da singen, nicht selten selbst Lederhosen an, um fernab von München ein Oktoberfest zu feiern mit Fassanstich und Umstata. ( Um die Karte zu vergrößern, klicken Sie hier )

Die Tradition des Oktoberfest-Imitierens ist neben dem Public Viewing die wichtigste neue Volksfesttradition des zu Ende gehenden Jahrzehnts. Als einzige Nicht-Bayern finden die Schwaben an dieser Tradition kaum Gefallen, sie sind seit 165 Jahren damit beschäftigt, die Cannstädter Wasen zu feiern und für genauso gut wie das Oktoberfest zu halten.

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Die bayernfernen Oktoberfeste entstanden wohl, weil das Bayerische heute keine Angst mehr macht (siehe CSU und BayernLB). Und weil sich die Leute zwar nach Bräuchen sehnen (wegen Globalisierung und so), es aber peinlich fänden, die eigene Tracht rauszukramen und anzuziehen. Kompromiss: ironisch Oktoberfest feiern.

Recherche: Philipp Wurm