Der Präsident der französische Vogelschutzorganisation LPO, Allain Bougrain Dubourg, mit einem Ortolan. Dubourg kritisiert die Jagd auf den seltenen Vogel © NicolasTucat/AFP/Getty Images

Schon lange bevor es ein gemeinsames Europa gab, genossen die Zugvögel ihre Freizügigkeit: via Frankreich und Spanien nach Afrika! Aber sie waren eben auch »vogelfrei«, wurden massenhaft geschossen oder gefangen. Um zu verhindern, dass viele Arten gänzlich ausstarben, schuf die EU ihre Vogelschutzrichtlinie. Sie verbot schon 1979 das Fallenstellen und die Jagd auf gefährdete Arten. Doch selbst im »Jahr der Biodiversität« 2010 werden immer noch Massen geschützter Vögel gejagt und abgeknallt. Und der Staat kollaboriert.

Typisch für das Problem ist die Gartenammer, auch Ortolan genannt. Dieser Singvogel gilt in Skandinavien, großen Teilen Deutschlands und in der Schweiz als stark gefährdet . Während man ihn in Mitteleuropa mit aufwendigen Schutzprogrammen erhalten will, stellen ihm in Frankreich jetzt wieder Hunderte Wilderer Fallen. Zehntausendfach fangen sie den typischen Ackervogel und mästen ihn. »Fettammer« gilt als Delikatesse. Einst wurde sie Staatsgästen im Élysée serviert, François Mitterrand galt als Liebhaber.

Die französische Vogelschutzorganisation LPO (Ligue pour la Protection des Oiseaux) , Partnerorganisation des deutschen Naturschutzbundes Nabu, musste kürzlich bei Kontrollen feststellen: Es wird weiter emsig gewildert. »Das Unrecht verschafft sich weiter sein Recht«, klagt der LPO-Präsident, Allain Bougrain Dubourg. Er geißelt vor allem die jahrelange staatliche Duldung des illegalen Treibens. Obwohl das französische Umweltministerium »null Toleranz« bei der Ortolanjagd gelobt hatte, ging es laut LPO mit empörten »Traditionsjägern« folgenden Deal ein: Der Fang wird diesmal vom 20. August bis 15. September geduldet – solange es bei maximal fünf Lockvögeln und 30 Fallen pro Wilderer bleibt.

Ein Beitrag des Senders TF1 zeigt (in französischer Sprache), wie Tierschützer der LPO Ortolane aus Käfigen der Wilderer befreien

Höchste Zeit für die EU, hier einzuschreiten. Sie hat ja auch deutschen Bundesländern Sanktionen angedroht, etwa wegen Bummelei beim Ausweisen von Vogelschutzgebieten. Zugvögel aber brauchen europaweiten Schutz. Es ist doch absurd, wenn die einen in die Pfanne hauen, was andere aufwendig hegen.