Film "Bal – Honig" Im stillen Fluss der ZeichenSeite 2/2

Mit der Abwesenheit des Vaters und der Suche nach ihm verschieben sich die Gewichte von Kaplanoğlus Film. Es ist ganz offenkundig, dass er nicht einfach geflohen sein kann, schließlich ist er ein Waldläufer, der nie und nimmer »in die Welt hinaus«, sondern allenfalls immer tiefer »in den Wald hinein« gehen würde.

Es bedeutet für den Zuschauer eine ungewöhnliche Herausforderung, dem stillen Spiel und Fluss all dieser Zeichen in Bal – Honig nachzuspüren. Und dieser stete und leise Appell an unsere Sinne bewirkt, dass wir selbst, vorübergehend, zu Waldläufern, zu Fährten lesenden Kindern und aufmerksamen Lehrern werden – ganz wie jene, die aus dieser anatolischen Ferne zu uns sprechen.

Die dritte Gemeinschaft schließlich, in die das Kind förmlich eintaucht, ist ein ausgelassenes Fest vieler Menschen unter freiem Himmel. Hier öffnet sich die Kamera zum ersten und einzigen Mal und gibt den Blick auf ein großes Hochtal, auf ein von Menschen belebtes Panorama frei. Neben einem großen Schlachtgelage wird getanzt: gemeinschaftlich, frenetisch, heidnisch. Yusuf und seine Mutter sind hierhergekommen, um den vermissten Vater aufzuspüren. Ein verzweifelter Versuch, das Verschwinden erklärlich zu machen.

Kaplanoğlus Film entlässt den Zuschauer mit einem Gefühl tiefer und anhaltender Verwunderung. Verwundert sind wir nicht nur über das Schicksal dieser kleinen Familie, sondern auch über die Möglichkeit des Kinos, uns in Zustände einer heilsamen Selbstentfremdung zu versetzen, wie wir sie allenfalls aus Träumen kennen.

 
Leser-Kommentare
  1. ich habe zwar noch nichts von dem film gesehen aber schon viel gehört und freue mich sehr darauf.
    hoffentlich wird dem zuschauer bewusst das wir mit unserer
    umwelt schlecht umgehen.
    noch ist zeit die uhr anzuhalten viel spass und tiefe
    eindrücke beim film http://imkerei-ahrens.de/

  2. hier noch mal ein interessanter link über unsere natur
    http://regenwald.org/rege...
    das ist einer der gründe warum es den bienen schlecht geht und danach uns allen gruss vom imker aus der heide

    • ttgg
    • 08.02.2011 um 11:35 Uhr

    Gestern konnt ich mir den Film Bal-Honig mit meinen Kindern ansehen - und war etwas enttäuscht. Der Film ist unglaublich ruhig und fast ohne jegliche Aktion, die Figuren sind ausführlich gezeichnet, um sie zu verstehen. Der Film ist düster und bedrohlich, der Junge erinnert mich an meinen behinderten Sohn und seine Probleme in der Welt. D.h. ich konnte keinen Bezug zu dem Kontrast Schule bzw. Zivilisation und Natur erkennen. Durch den Aritikel hier, habe ich erst gelesen, dass dieser Bezug dargestellt werde. Der Schluss war somit für mich der Verlust des Vaters für den behinderten Sohn, der dann alleine und hilflos zurückbleibt. Ein weiterer Eindruck war bezogen auf Kameraführung und Regie, dass der Film vielleicht von Schülern einer Schule in einem Schulprojekt gemacht worden ist.

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  • Quelle DIE ZEIT, 09.09.2010 Nr. 37
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