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Bolivien setzt auf Lithium, den begehrten Rohstoff für moderne Batterien. von 

Ein Land ist im Lithiumrausch: Das arme Bolivien soll mehr von der begehrten Substanz besitzen als jede andere Nation. Schätzungen der amerikanischen Behörde U.S. Geological Survey zufolge gibt es weltweit rund 25,5 Millionen Tonnen Lithium , etwa neun Millionen auf bolivianischem Boden.

Aus Lithium wird Lithiumcarbonat gewonnen. Und das ist ein wesentlicher Bestandteil aufladbarer Akkus der neuen Generation . Die sind schon heute sehr gefragt. Je mehr Elektroautos auf die Straße kommen, desto stärker wächst die Nachfrage. Die Jagd auf die Vorräte ist voll im Gang.

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In La Paz werben Investoren aus aller Welt um die Gunst der Regierung. Die Mischkonzerne Bolloré aus Frankreich und Sumitomo aus Japan, der koreanische Batteriefabrikant LG und Japans Mitsubishi möchten das Lithium des Landes fördern. Doch Präsident Evo Morales und seine Minister halten sich bedeckt. Man werde die Angebote prüfen, sagt Bergbauminister José Antonio Pimentel Castillo.

Bolivien will selbst von seinen Schätzen profitieren und die Beteiligung auswärtigen Kapitals möglichst gering halten. Alle Rohstoffe gehören dem Land, das schreibt die neue Verfassung des Landes fest. "Es ist das erste Mal, dass uns unser Reichtum bewusst wird", sagt der Minister in seinem Büro im 14. Stock. "500 Jahre lang war Oberperu (Boliviens Name zu Kolonialzeit, Anm. d. Red.) berühmt für seine Schätze. Aber nichts davon wurde in die Entwicklung unseres Landes investiert. Wir sind der Bettler auf dem goldenen Thron."

Mithilfe des Lithiums soll sich das jetzt ändern. Doch wo künftig Wohlstand geschaffen werden soll, befindet sich bislang noch eine Baustelle. Boliviens Schatz liegt unter dem Salar de Uyuni, einem 11.000 Quadratkilometer großen Salzsee im Andenhochland, auf 3653 Metern über dem Meer. Am Rande der gleißend weißen Einöde, in Allca Loma, baut die staatliche Bergbaugesellschaft Comibol an einer Versuchsfabrik, die noch in diesem Jahr anfangen soll, Lithiumcarbonat herzustellen. Seit zwei Jahren werkeln die Arbeiter hier schon, doch vom Hauptgebäude, das die wichtigsten Produktionsanlagen beherbergen soll, steht noch nicht einmal der Rohbau. Um Lithium zu gewinnen, müsste man die Salzlauge aus dem Salar in große Becken leiten, aus denen nach und nach das Wasser verdunstet. Doch in Allca Loma sind auf Holzbänken im Staub bloß Plastikschüsseln aufgereiht, die eine gelbliche Flüssigkeit enthalten, in einiger Entfernung sind kleine Probebecken in die Salzkruste gegraben.

Leserkommentare
  1. Wann ist ein Land jemals durch Bodenschätze reich geworden? Diese werden doch normalerweise zum Fluch, wie man in Bolivien selbst, am Beispiel des Cerro Rico in Potosí, überprüfen kann.
    http://de.wikipedia.org/w...í#Menschliche_Kosten_des_Reichtums
    Zum Beispiel Chile muss gesagt werden, dass dort zwar viel Lithium abgebaut wird, aber kein Royalty kassiert wird, und unter Piñera auch nicht existieren wird. Was hat das Land also davon, dass haufenweise Bodenschätze gefördert werden, ausser Lithium auch Kupfer und andere Erze, und sich zumeist ausländische Firmen eine goldene Nase verdienen? Ein paar, zugegebenermassen relativ gut bezahlte aber prekäre, Arbeitsplätze, wie man hier überprüfen kann:
    http://www.zeit.de/gesell...
    Ausserdem könnte man noch die ökologischen Schäden nennen, die von den fördernden Firmen natürlich ganz elegant nicht übernommen werden. Aus Chile ist Pascua Lama ein weltweites Paradebeispie geworden.
    http://de.wikipedia.org/w...

  2. "Wann ist ein Land jemals durch Bodenschätze reich geworden?"

    ... ja dann wohl eher nicht Länder wie Kuweit, Saudi-Arabien, die VAE, Norwegen, und andere? Auch in der Vergangenheit dürfte man leicht Beispiele für wohlhabende Länder durch Rohstoffexporte finden.

    Und bei Thema ökologische Schäden sollten Sie ebenfalls nochmals in sich gehen und ganz genau überdenken, ob Sie Ihre gewagte Aussage in der Relation zu all den Ölkatastrophen noch aufrecht erhalten wollen.

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    Sie haben Recht, die Aussage ist im weltweiten Massstab zugebenermassen etwas übertrieben, auf Lateinamerika bezogen aber absolut zutreffend.
    Wie gesagt wird in Chile kein Royalty kassiert. Die Kupferfirmen kriegen das Kupfer geschenkt, müssen es nur abbauen. Nur indirekt profitiert die Wirtschaft davon, in Form von Arbeitsplätzen, die zugegebenermassen einen wichtigen Bereich des Arbeitsmarktes ausmachen. Aufgrund von fehlenden Steuereinnahmen wird aber nichts investiert, z.B. in die Entwicklung einer weiterverarbeitenden Industrie. Ein bisschen wenig finde ich und ist eben auch durchgängig die Crux von bodenschatzreichen Ländern.
    Im Bezug auf die Ölkatastrophen. Die sind sicher schlimm, aber das heisst doch nicht, dass der Staat grundsätzlich die ökologischen Folgen von Aktivitäten im Bergbau übernehmen muss.

  3. Sie haben Recht, die Aussage ist im weltweiten Massstab zugebenermassen etwas übertrieben, auf Lateinamerika bezogen aber absolut zutreffend.
    Wie gesagt wird in Chile kein Royalty kassiert. Die Kupferfirmen kriegen das Kupfer geschenkt, müssen es nur abbauen. Nur indirekt profitiert die Wirtschaft davon, in Form von Arbeitsplätzen, die zugegebenermassen einen wichtigen Bereich des Arbeitsmarktes ausmachen. Aufgrund von fehlenden Steuereinnahmen wird aber nichts investiert, z.B. in die Entwicklung einer weiterverarbeitenden Industrie. Ein bisschen wenig finde ich und ist eben auch durchgängig die Crux von bodenschatzreichen Ländern.
    Im Bezug auf die Ölkatastrophen. Die sind sicher schlimm, aber das heisst doch nicht, dass der Staat grundsätzlich die ökologischen Folgen von Aktivitäten im Bergbau übernehmen muss.

    Antwort auf "Sie meinen mit..."

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