Viel Rauch und der süßliche Duft gesottenen Fleischs dringen aus Faidas Imbissbude. Im Wirrwarr des Markts von Mugogo hat sie sich in einem Blätterverschlag eingerichtet. Drinnen brennt am Boden ein Feuer. Darauf ein Blechtopf mit in Soße schwimmenden Fleischstücken: ein Gulasch von Meerschweinchen.

Mugogo liegt ganz im Osten des Kongo, unweit des Kivu-Sees und der Grenze zu Ruanda. Als die deutsche Agronomin Brigitte Maass vor einem Jahr in die Region kam, war sie überrascht, in den Häusern vieler Kleinbauern und in deren Kochtöpfen Meerschweinchen zu sehen. Sie kannte zwar die Vorliebe der Südamerikaner, sich diese Tiere einzuverleiben: In den Anden züchtet man die Nager seit 7000 Jahren als Fleischlieferanten; in Peru gibt es sie gebraten auf der Straße und im Süden Kolumbiens zerlegt im Supermarkt zu kaufen. Doch Meerschweinchen in Afrika? Davon hatte Maass, die am Internationalen Zentrum für tropische Landwirtschaft in Nairobi forscht, nie gehört.

Dabei seien Meerschweinchen gerade in kriegsgeplagten Ländern ideale Nutztiere, sagt sie heute. Seit Jahren toben im Osten Kongos Bürgerkriege. Hungernde Milizen plündern regelmäßig Bauernhaushalte und rauben Tiere des Fleisches wegen. »Die kleinen Meerschweinchen lassen sich viel leichter vor den Plünderern verstecken als etwa Ziegen oder Rinder«, sagt Maass. Menschen auf der Flucht könnten sie in einen Sack stecken und mitnehmen.

Zudem bekommen Meerschweinchen praktisch jeden Monat Junge. Selbst mit nur wenigen nach einer Plünderung übrig gebliebenen Meerschweinchen können Bäuerinnen sehr viel schneller einen neuen Bestand aufbauen, als dies bei anderen Tierarten möglich wäre. Als Folge des Kriegs konnten sich die Meerschweinchen bei den kongolesischen Kleinbauern durchsetzen.

Wie und wann die Nager nach Afrika gekommen sind, weiß man nicht so genau. Wahrscheinlich via Europa. »Die frühen europäischen Kolonialisten haben sie mitgebracht«, vermutet der kongolesische Meerschweinchenzüchter Thierry Metre. Missionare hätten die Tiere in den Klöstern gehalten. Und die Missionsärzte empfahlen mangelernährten Afrikanern früher, Meerschweinchenblut zu trinken. Dies ist weniger skurril, als es aus heutiger Sicht anmuten mag: Blut enthält wichtige Nährstoffe und Spurenelemente.