Als der Sozialdemokrat Tony Blair in Großbritannien an die Macht kam, waren die Linken auf der Insel gleich skeptisch. Der Anführer von New Labour schien ihnen eine »Margaret Thatcher with a smiling face«, nichts anderes als eine lächelnde Ausgabe der eisernen Lady, die ein paar Jahre vor ihm regiert hatte.

Auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel lächelt gerne mal freundlich, wenngleich verschmitzter und zurückhaltender als der stets Zähne zeigende Tony Blair. Und auch sie gibt sich als Frau der Mitte und der Modernität.

All das hindert allerdings ihre Koalition nicht daran, ihr nahestehende Gruppen zu bedienen. Das geht nicht immer so frech und offen zu wie bei den Hoteliers. Als die ihr Steuergeschenk erhielten, hatte die FDP in den Meinungsumfragen noch zweistellige Werte, und die Koalition schien sich vieles erlauben zu können. Heute ist es anders: Diesmal musste viel gefochten und gestritten werden, bevor Schwarz-Gelb weitere Milliardengewinne für die Stromkonzerne absegnete.

Trotzdem versucht es die Koalition gleich wieder. Gesundheitsexperten aus ihren Reihen haben eine Art Förderprogramm für die privaten Krankenversicherungen entwickelt. Für die sollen demnach bald auch Preisnachlässe auf Arzneimittel gelten, die eigentlich auf die viel größeren gesetzlichen Kassen beschränkt waren und für sie ausgehandelt werden. Und Mitglieder der Gesetzlichen, die genug verdienen, sollen schneller als bisher zu den Privaten wechseln dürfen.

Was sollen die Privaten für diese und noch weitere Vorteile ihrerseits abgeben? Soweit bekannt, nichts.

Natürlich gäbe es gute Gründe, die Arbeitsteilung der gesetzlichen und privaten Kassen neu zu regeln – vor allem, wenn man sie auf Dauer enger zusammenwachsen lassen wollte. Das deutsche Trennsystem ist an willkürlichen Grenzen und Regeln ja kaum zu überbieten.

Doch das neuerliche Vorhaben passt eher in die Kategorie der politischen Freundeshilfe. Vielleicht kommen die Pläne auch nicht durch – die Pharmalobby und CSU-Politiker wehren sich. Das Motto scheint zu sein: Man kann es ja mal versuchen.

Fährt die selbst ernannte Regierung der Mitte fort mit solchen Aktionen, wird sie reichlich einseitig. Man könnte sagen, dafür wurde sie doch auch gewählt. Doch so offensichtlich mögen es nicht einmal die Wähler, wie alle Beliebtheitsumfragen zeigen . Denn das ist der Fluch des Klientelismus. Am Ende wenden sich selbst die Bedienten wegen Unwohlseins ab.

Angela Merkel muss aufpassen, dass sie nicht noch verglichen wird mit Guido Westerwelle – in dem Fall allerdings mit einem ernsten Gesicht.