Stromkonzerne Gut vernetzt
Die Energieriesen haben in hundert Jahren gelernt, wie man Politik macht. Und doch ist der Atomkompromiss vielleicht ihr letzter großer Sieg.
© Ralph Orlowski/Getty Images

RWE-Chef Jürgen Großmann, E.on-Chef Johannes Teyssen und Bundeskanzlerin Angela Merkel
War es am vergangenen Sonntag tatsächlich so einfach? Da haben Spitzenpolitiker aus den Fraktionen von CDU und FDP in aller Stille mit Vertretern der vier großen Energiekonzerne gesprochen. »Sich rückkoppeln« nennt es ein Teilnehmer. Wo denn ihre wirkliche Schmerzgrenze liege, lautete sinngemäß die Frage.
Dann stand die schwarz-gelbe Einigung : Je nach Strompreis nehmen die Konzerne bis zu 100 Milliarden Euro zusätzlichen Gewinn über die verlängerte Laufzeit der Atomkraftwerke ein, schätzt das Freiburger Öko-Institut. Erst schöpft der Staat einen Teil durch Steuern ab, dann folgt ein Vertrag zwischen Energiewirtschaft und Bund, dessen Eckpunkte noch in der Nacht zum Montag schriftlich festgehalten und von Anwälten in aktienrechtlich bindende Form gebracht wurden.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Joachim Pfeiffer nennt dieses Energiekonzept »einen Marshallplan«, ähnlich umfassend und weitsichtig wie das US-Programm zum Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Westeuropa. Pfeiffer koordiniert in der Fraktion die Energiepolitik .
- E.on
-
Umsatz: 81,8 Mrd. Euro
Gewinn: 9,6 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 88.227
Atomkraftwerke: 6
- RWE
-
Umsatz: 47,7 Mrd. Euro
Gewinn: 7,1 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 70.726
Atomkraftwerke: 5
- EnBW
-
Umsatz: 15,6 Mrd. Euro
Gewinn: 1,8 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 20.914
Atomkraftwerke: 4
- Vattenfall
-
Umsatz: 14,5 Mrd. Euro
Gewinn: 0,9 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 20.980
Atomkraftwerke: 2 - außer Betrieb
Die Zahlen stammen von Vattenfall Europe (Deutschland und Polen)
Trotzdem bleibt der Eindruck, dass die großen Energiekonzerne sehr gut wegkommen. Dass sie ihre herausragende Stellung in der Stromwirtschaft sichern konnten. Wenn Manager gängeln und drängeln, ist das ihr gutes Recht. Bloß wie kommt es, dass die von E.on, RWE, EnBW und Vattenfall so erfolgreich sind? Wie kommt es, dass sie so viel Macht und Einfluss haben?
Die Antwort führt hundert Jahre zurück und von dort wieder in die Gegenwart: Es gibt einen stromindustriell-politischen Komplex. Staat und Maschinenbau oder Staat und Einzelhandel würde niemand als Einheit betrachten. Die Energiewirtschaft ist da anders.
Natürlich haben sich Beziehungen verändert. Aber eine Szene, noch ziemlich frisch, verdeutlicht die gewachsene Nähe. Der Stromkonzern EnBW hatte ins Hotel Interconti geladen, und gekommen waren Konzernvertreter, Politiker – und einige Beamte. Unter ihnen war auch Gerald Hennenhöfer. Momentan ist er oberster staatlicher Aufseher über die Atomkraft im Bundesumweltministerium, vorher war er Lobbyist für E.on, davor schon einmal staatlicher Chefaufseher für die Reaktorsicherheit. Seit 1998 hat er also zwei Mal die Seiten gewechselt.
Nachdem an jenem Abend genug Zeit verstrichen war, um ein paar Gläser Schampus zu trinken, diskutierte die Runde gemeinsam Energieszenarien, und man kam zu dem Schluss: Wenn die Atommeiler noch lange laufen sollten, müsse man die Debatte darauf lenken, wie teuer es in Wahrheit sei, noch mehr erneuerbare Energie zu erzeugen. Wie viel es kosten würde, wenn man die Meiler schnell abschalte.
- Datum 08.09.2010 - 11:56 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 09.09.2010 Nr. 37
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ermöglichte doch erst die Bildung dieser Großkonzerne.
Wurde hier leider zu Unrecht nicht aufgeführt obwohl es noch bis 50 Jahre nach dem Krieg von Bedeutung war.
http://de.wikipedia.org/w...
Schade daß man Tippfehler nachträglich nicht mehr korrigieren kann :(
Schade daß man Tippfehler nachträglich nicht mehr korrigieren kann :(
Schade daß man Tippfehler nachträglich nicht mehr korrigieren kann :(
aber warum genau nun der Atomkompromiss der "letzte große Sieg" gewesen sein könnte, das ist mir nach dem Lesen noch nicht ganz klar geworden. Die Regierung war in einem Dilemma und glaubte nicht die Energiewende ohne E.on und Co. organisieren und finanzieren zu können?
Wie sehen denn das die üblichen Verdächtigen in unseren Foren?
Herzlichst Crest
Wir sollten durch die Postulierung eines "stromindustriell-politischen Komplexes" nicht den Blick darauf verlieren, daß Lobbyismus (fast hätte ich gesagt Bestechung) ein strukturelles Problem ist.
Auch andere Branchen schaffen es, sich Vorteile zu Lasten der Allgemeinheit zu verschaffen - die Pharmaindustrie drückt in D regelmäßig die höchsten Preise durch, die Hotelbranche hat ihren Steuervorteil, die Autoindustrie bekam ihre Abwrackprämie etc. etc.
Neu ist, daß dieser Trend immer dreister, hemmungsloser um sich greift. Es wird nicht mal mehr versucht, die Sache möglichst unauffällig zu gestalten.
warum wir uns eigentlich so aufregen. Wir haben es doch selbst in der Hand, wohre wir unseren Strom beziehen.
Bei www.VERIVOX.de und einigen anderen haben wir doch die ganze Bandbreite der Anbieter.
Bezieht den Strom von eben den kleinen (Beispiel http://www.ews-schoenau.de/) oder sonst wen.
Neulich hatte ich eine Befragung miterlebt, bei der demonstrierende AKW-Gegner gefragt wurden, woher sie ihren Strom beziehen. Die Antworten waren erschreckend.
Aber es ist halt doch einfacher, den Maulhelden zu machen, anstatt mal wirklich etwas gegen den Atomstrom zu tun.
Bei den ganzen vermeintlich kleinen Stromanbietern sollte man genau so kritisch sein wie bei den vermeintlichen Billiganbietern. In der Regel sind das auch nur Ableger der 4 Großen Konzerne, um diejenigen, die auf den Billigsektor abwandern wieder einzufangen. Meine Empfindung ist, dass es strikten Gebietsschutz und Preisabsprachen zwischen den 4 Großen gibt. Da die Überwachungsinstrumente, wie z.B. das Bundeskartellamt ganau so korrupt und käuflich wie die Politik an und für sich sind, werden diese Mißstände nur nie Gegenstand einer Diskussion sein.
Im Prinzip genau wie bei den Tankstellen. Auf einem nicht abgesprochen (Preis)markt wird immer jemand über den Preis versuchen, sich Marktanteile zu sichern. In einer Region herrschen aber komischerweise immer annähernd gleiche Preise für Benzin und Diesel egal bei welchem Anbieter ich ihn kaufen möchte.
Im Übrigen finde auch ich es sehr erschreckend wie offensichtlich Politiker zur Zeit deutlich machen, dass sie nur käufliche Erfüllungsschergen verschiedenster Lobbies sind und sich um das Gemeinwohl nicht mehr die Bohne scheren.
Noch mehr erschüttert mich, dass der Michel das mit sich machen lässt und - um zu zeigen, dass die Dämlichkeit unschlagbar ist - auch noch schwarz-gelb wählen.
Bei den ganzen vermeintlich kleinen Stromanbietern sollte man genau so kritisch sein wie bei den vermeintlichen Billiganbietern. In der Regel sind das auch nur Ableger der 4 Großen Konzerne, um diejenigen, die auf den Billigsektor abwandern wieder einzufangen. Meine Empfindung ist, dass es strikten Gebietsschutz und Preisabsprachen zwischen den 4 Großen gibt. Da die Überwachungsinstrumente, wie z.B. das Bundeskartellamt ganau so korrupt und käuflich wie die Politik an und für sich sind, werden diese Mißstände nur nie Gegenstand einer Diskussion sein.
Im Prinzip genau wie bei den Tankstellen. Auf einem nicht abgesprochen (Preis)markt wird immer jemand über den Preis versuchen, sich Marktanteile zu sichern. In einer Region herrschen aber komischerweise immer annähernd gleiche Preise für Benzin und Diesel egal bei welchem Anbieter ich ihn kaufen möchte.
Im Übrigen finde auch ich es sehr erschreckend wie offensichtlich Politiker zur Zeit deutlich machen, dass sie nur käufliche Erfüllungsschergen verschiedenster Lobbies sind und sich um das Gemeinwohl nicht mehr die Bohne scheren.
Noch mehr erschüttert mich, dass der Michel das mit sich machen lässt und - um zu zeigen, dass die Dämlichkeit unschlagbar ist - auch noch schwarz-gelb wählen.
die alte Seilschaften aus den Zeiten der Industrielaisierung, wo der Rauptierkapitalismus noch etwas galt...
Leider hat sich die Regierung mit diesem 'Kompromiss' mal wieder ein Armutszeugnis ausgestellt und fällt ins letzte Jahrhundert in die Zeiten der Bonner Republik von Kohl zurück, die eine regelrechte Renaissance erlebt. Aber das wir uns von den Eliten Mittelmäßigkeite bescheinigen lassen müssen, obwohl wir längst weiter sein könnte ist ja nichts neues.
Bei den ganzen vermeintlich kleinen Stromanbietern sollte man genau so kritisch sein wie bei den vermeintlichen Billiganbietern. In der Regel sind das auch nur Ableger der 4 Großen Konzerne, um diejenigen, die auf den Billigsektor abwandern wieder einzufangen. Meine Empfindung ist, dass es strikten Gebietsschutz und Preisabsprachen zwischen den 4 Großen gibt. Da die Überwachungsinstrumente, wie z.B. das Bundeskartellamt ganau so korrupt und käuflich wie die Politik an und für sich sind, werden diese Mißstände nur nie Gegenstand einer Diskussion sein.
Im Prinzip genau wie bei den Tankstellen. Auf einem nicht abgesprochen (Preis)markt wird immer jemand über den Preis versuchen, sich Marktanteile zu sichern. In einer Region herrschen aber komischerweise immer annähernd gleiche Preise für Benzin und Diesel egal bei welchem Anbieter ich ihn kaufen möchte.
Im Übrigen finde auch ich es sehr erschreckend wie offensichtlich Politiker zur Zeit deutlich machen, dass sie nur käufliche Erfüllungsschergen verschiedenster Lobbies sind und sich um das Gemeinwohl nicht mehr die Bohne scheren.
Noch mehr erschüttert mich, dass der Michel das mit sich machen lässt und - um zu zeigen, dass die Dämlichkeit unschlagbar ist - auch noch schwarz-gelb wählen.
Sicher haben Sie recht, es ist fast undurchschaubar, was sich so alles auf dem Markt rumtummelt, um an die Abbieger wieder einzusammeln. Alle gro´ßen Anbieter haben kleinere Discounter in die Welt gesetzt, um die abtrünnigen über einen Umweg doch wieder einzusammeln. Mediamarkt, Saturn, Real, Metro ist ja ein ähnliches Beispiel.
Aber es gibt die Anbieter, die nichts mit den großen am Hut haben. Das Beispiel Schönau macht es deutlich. Klar machen die ihre Preise auch über die Börse. Sie sollen ja auch gewinnorientiert arbeiten.
Aber ich denke, wir als Verbraucher können sehr wohl entscheiden, wer unseren Strom produzieren darf, wer also das Geld bekommen soll.
Eine wichtige Entscheidung steht allerdings noch aus, und ich hab allerdings wenig Hoffnung, daß sich daran etwas ändern wird. Die Netze sollten entprivatisiert werden. Spätestens dann müssten sich die 4 großen um andere Geschäftsfelder bemühen. Solange wir aber unsere Mutti da oben sitzen haben, wird da jedoch ohnehin nichts gehen. Dafür sorgen schon Mutti mit ihrem Guido samt der "pfälzer Weinkönigin" Brüderle.
Sicher haben Sie recht, es ist fast undurchschaubar, was sich so alles auf dem Markt rumtummelt, um an die Abbieger wieder einzusammeln. Alle gro´ßen Anbieter haben kleinere Discounter in die Welt gesetzt, um die abtrünnigen über einen Umweg doch wieder einzusammeln. Mediamarkt, Saturn, Real, Metro ist ja ein ähnliches Beispiel.
Aber es gibt die Anbieter, die nichts mit den großen am Hut haben. Das Beispiel Schönau macht es deutlich. Klar machen die ihre Preise auch über die Börse. Sie sollen ja auch gewinnorientiert arbeiten.
Aber ich denke, wir als Verbraucher können sehr wohl entscheiden, wer unseren Strom produzieren darf, wer also das Geld bekommen soll.
Eine wichtige Entscheidung steht allerdings noch aus, und ich hab allerdings wenig Hoffnung, daß sich daran etwas ändern wird. Die Netze sollten entprivatisiert werden. Spätestens dann müssten sich die 4 großen um andere Geschäftsfelder bemühen. Solange wir aber unsere Mutti da oben sitzen haben, wird da jedoch ohnehin nichts gehen. Dafür sorgen schon Mutti mit ihrem Guido samt der "pfälzer Weinkönigin" Brüderle.
Die Bundesregierung Merkel/Westerwelle, die "Ständige Vertretung" der Firma Mövenpick, der Finanzindustrie und der Atomenergie in Deutschland.
Bei entsprechender Macht und/oder Kapital werden auch gerne Anweisungen anderer Interessengruppen ausgeführt
Natürlich 1 zu 1, zuverläßlich und unverzüglich.
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