Schauspielerin Jasmin Tabatabai "Ich besuche das Haus meiner Kindheit in Teheran"

Die deutsch-iranische Schauspielerin Jasmin Tabatabai träumt von einem Iran nach dem Mullahregime.

Vor wenigen Wochen hatte ich einen Traum, den ich in ähnlicher Form schon seit vielen Jahren träume. In diesem Traum besuche ich das Haus in Teheran, in dem ich als Kind gelebt habe. Darin ist jetzt eine Schule. Der Traum spielt in einer anderen, in einer neuen Zeit: Ich stehe im Garten, die schönen, alten Bäume meiner Kindheit wurden gefällt, als die Schule dort einzog, aber jetzt ist wieder alles begrünt. Das Besondere ist: Ich bin unverschleiert und unterhalte mich mit der ebenfalls unverschleierten Schulleiterin. Ich erzähle ihr, dass ich in diesem Haus aufgewachsen bin, dass es meinem Vater in den Wirren der Revolution weggenommen wurde. Gemeinsam mit der Lehrerin gehe ich durch die Räume, vieles sieht anders aus, aber ich erkenne die eine oder andere Nische wieder.

Jasmin Tabatabai

Jasmin Tabatabai wurde 1967 als Tochter einer Deutschen und eines Iraners in Teheran geboren. Heute lebt die Schauspielerin in Berlin. In diesen Tagen erscheint ihr Roman »Rosenjahre«, in dem sie das Leben ihrer Mutter und ihre eigene Kindheit in Iran verarbeitet

Noch Stunden nach dem Aufwachen war ich sehr berührt von diesem Traum. Die Straßen Teherans, unser Haus, alles war so friedvoll, und keine Frau war verschleiert. Die Menschen waren fröhlich, sie hatten keine Angst mehr, in der Öffentlichkeit zu lachen und zu tanzen. Es war ein zum Besseren veränderter Iran, eine Zeit nach dem Mullahregime. Es ist mein großer Lebenstraum, dass dieses Terrorregime im Iran verschwindet, dass Andersdenkende dort nicht mehr unterdrückt werden und die Frauen nicht mehr rechtlos sind. Ich träume davon, mit meinen beiden Töchtern und meinem Lebensgefährten in den Iran zu reisen und ihnen das wunderschöne Land und die tollen Menschen dort zu zeigen.

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Ich habe einen Traum
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Wie viele andere Exiliraner, die öffentlich Kritik am dortigen Regime geäußert haben, wage ich nicht, in den Iran zu reisen, solange die Mullahs an der Macht sind. Wenn in Deutschland über den Iran geredet wird, geht es meistens um religiösen Fanatismus, um Antisemitismus, Steinigungen oder die Atombombe. Das Heimatland meines Vaters hat eine sehr tragische Entwicklung genommen. Der Iran der Mullahs ist nicht der Iran, den ich kenne. Ich träume davon, dass meine Freunde im Ausland die andere Seite des Iran kennenlernen: die wunderbaren Menschen dort, voller Humor, Wärme und Familiensinn, die großartige alte Kultur. Vor allem träume ich davon, dass es den Menschen dort gelingt, sich von diesem Regime zu befreien. Ich weiß, dass die große Mehrheit der Iraner unter diesem Regime sehr unglücklich ist, vor allem die jüngeren.

Im Iran leben noch viele meiner Verwandten. Zwei meiner Nichten, die dort aufgewachsen sind, studieren mittlerweile in Berlin, sie leben in meinem Haus – so hat sich auch mein Traum von der Großfamilie erfüllt. Ihnen und ihrer Generation wünsche ich, dass die Veränderung gelingt. Im letzten Jahr waren ja schon Ansätze sichtbar, bei den Demonstrationen nach dem Wahlbetrug. Der Protest schwelt unter der Oberfläche weiter. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Entwicklung, der Traum von einem anderen Iran, langfristig aufzuhalten ist.

Aufgezeichnet von Jörg Böckem

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. Wie sich die Bilder gleichen! Zu Zeiten des Schahs erzähl-
    ten Exil-Iraner uns vergleichbare Träume. Eigenartigerweise
    beanspruchen Exilanten immer, ihr wahres Heimatland zu
    repräsentieren. Meine Sympathie gehört weder ihnen noch den
    jeweiligen Machthabern, sondern den Millionen, die unter
    schwierigen Lebensumständen ausharren und nicht flüchten,
    sei es in Asien oder Afrika.

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    • eras
    • 12.09.2010 um 19:38 Uhr

    ...unter dem Schah und dem Iran unter den Mullahs ist (und das beschreibt Frau Tabatabai hier) der Eingriff in das private Leben. Beide Regime kann man klar als Diktatur kennzeichnen, die ihre politische Macht mit gewaltsamen Mitteln verteidigen und verteidigten. Aber unter dem Schah hat niemand den Menschen vorgeschrieben, wie sie zu leben und zu lieben haben.

    Und was das Ausharren angeht. Der Vater von Frau Tabatabai ist im Iran geblieben. Und als sie mit ihrer (deutschen) Mutter in die Bundesrepublik kam, war sie gerade einmal 11 Jahre alt. Womit wohl so ziemlich jedes ihrer Argumente ins Leere läuft...

    @2: Wenn Sie so viele Schauspielerinnen kennen, die sich im heutigen Iran wohl fühlen, dann wird es Ihnen bestimmt nichts ausmachen, mal einige von denen zu nennen...?

    • eras
    • 12.09.2010 um 19:38 Uhr

    ...unter dem Schah und dem Iran unter den Mullahs ist (und das beschreibt Frau Tabatabai hier) der Eingriff in das private Leben. Beide Regime kann man klar als Diktatur kennzeichnen, die ihre politische Macht mit gewaltsamen Mitteln verteidigen und verteidigten. Aber unter dem Schah hat niemand den Menschen vorgeschrieben, wie sie zu leben und zu lieben haben.

    Und was das Ausharren angeht. Der Vater von Frau Tabatabai ist im Iran geblieben. Und als sie mit ihrer (deutschen) Mutter in die Bundesrepublik kam, war sie gerade einmal 11 Jahre alt. Womit wohl so ziemlich jedes ihrer Argumente ins Leere läuft...

    @2: Wenn Sie so viele Schauspielerinnen kennen, die sich im heutigen Iran wohl fühlen, dann wird es Ihnen bestimmt nichts ausmachen, mal einige von denen zu nennen...?

  2. Da kommen ja sehr viele bekannte Vorurteile zusammen.
    Es gibt sehr viele Schauspielerinnen im Iran , die die Meinung von Frau Tabatabei nicht teilen wuerden.
    Man kann diesen Bericht getrost als ' Wort zum Sonntag ' einstufen , ohne wahre Substanz.

  3. werden sie ihn verwirklichen können.
    Träumen reicht aber nicht.

    • eras
    • 12.09.2010 um 19:38 Uhr

    ...unter dem Schah und dem Iran unter den Mullahs ist (und das beschreibt Frau Tabatabai hier) der Eingriff in das private Leben. Beide Regime kann man klar als Diktatur kennzeichnen, die ihre politische Macht mit gewaltsamen Mitteln verteidigen und verteidigten. Aber unter dem Schah hat niemand den Menschen vorgeschrieben, wie sie zu leben und zu lieben haben.

    Und was das Ausharren angeht. Der Vater von Frau Tabatabai ist im Iran geblieben. Und als sie mit ihrer (deutschen) Mutter in die Bundesrepublik kam, war sie gerade einmal 11 Jahre alt. Womit wohl so ziemlich jedes ihrer Argumente ins Leere läuft...

    @2: Wenn Sie so viele Schauspielerinnen kennen, die sich im heutigen Iran wohl fühlen, dann wird es Ihnen bestimmt nichts ausmachen, mal einige von denen zu nennen...?

    Antwort auf "Rückblick"
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    Elnaz Shakerdoost
    Shila Khodadad
    Niki Karimi
    Mehrneh Mahintorabi
    Soraya Ghassemi
    und hunderte von anderen....

    Elnaz Shakerdoost
    Shila Khodadad
    Niki Karimi
    Mehrneh Mahintorabi
    Soraya Ghassemi
    und hunderte von anderen....

    • FahadA
    • 12.09.2010 um 19:49 Uhr

    Nanu, nur Tabatabai? Keine Berichterstattung über die an Brustkrebs erkrankte Sara Shourd, die neue Anreicherungsanlage in Abyek, die angebliche Verstimmung im Verhältnis zwischen Ahmadinejad und Khamenei? Ist Herr Gehlen im Urlaub?

  4. Elnaz Shakerdoost
    Shila Khodadad
    Niki Karimi
    Mehrneh Mahintorabi
    Soraya Ghassemi
    und hunderte von anderen....

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    in diesem System der Bespitzelung und Unterdrückung?

    Denn dies war ja die Frage, die an sie gerichtet wurde.

    in diesem System der Bespitzelung und Unterdrückung?

    Denn dies war ja die Frage, die an sie gerichtet wurde.

  5. von ganzem Herzen, dass ihr Traum in Erfüllung geht.

    Eine Leser-Empfehlung
  6. in diesem System der Bespitzelung und Unterdrückung?

    Denn dies war ja die Frage, die an sie gerichtet wurde.

    Antwort auf "Aus dem Stehgreif"
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    Auf ein neues. Da mein Text verhunzt wurde, erweitere ich einfach meine Frage.

    Und diese Frauen fühlen sich alle wohl in diesem System der Bespitzelung und Unterdrückung?
    Diese Frauen sind frei sich in der Öffentlichkeit so zu kleiden, wie sie es wollen?

    Denn dies war ja die Frage, die an sie gerichtet wurde.

    Was weiss ich , ob sie sich wohl fuehlen.
    Fuehlen sich alle Schauspielerinnen auf der Welt wohl , ausser im Iran , oder wie darf man das verstehen ? . Haben Sie etwa Hellseherfaehigkeiten , oder beziehen Sie Ihre Informationen aus Kreisen der Exil-Iraner ?

    Auf ein neues. Da mein Text verhunzt wurde, erweitere ich einfach meine Frage.

    Und diese Frauen fühlen sich alle wohl in diesem System der Bespitzelung und Unterdrückung?
    Diese Frauen sind frei sich in der Öffentlichkeit so zu kleiden, wie sie es wollen?

    Denn dies war ja die Frage, die an sie gerichtet wurde.

    Was weiss ich , ob sie sich wohl fuehlen.
    Fuehlen sich alle Schauspielerinnen auf der Welt wohl , ausser im Iran , oder wie darf man das verstehen ? . Haben Sie etwa Hellseherfaehigkeiten , oder beziehen Sie Ihre Informationen aus Kreisen der Exil-Iraner ?

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