Shebeens gibt es viele im südlichen Afrika. Die Container der zumeist illegal betriebenen Kneipen reihen sich an manchen Landstraßen Namibias wie Schuhkartons aneinander. Ihre Wellblechhaut reflektiert das gleißende Sonnenlicht. Seit Kurzem fangen einige Kneipiers diese Energie mit ein paar Solarmodulen ein. Das hat sich während der Fußball-WM bewährt. Die Übertragungen aus den plärrenden Radiogeräten waren besser zu verstehen als je zuvor. Die ratternden Dieselgeneratoren, die bisher allein für die Stromversorgung zuständig waren, sind seitdem fast überflüssig.

Die Investition in saubere Energie lohnt sich in Namibia wie im großen Nachbarland Südafrika. Der Betrieb der Dieselmaschinen ist sehr ineffizient, galt bisher aber als einzige Option, weit entfernt vom Stromnetz Elektrizität zu erzeugen. "Die Kilowattstunde Strom kostet bei reinem Dieselbetrieb für eine Farm in Südafrika rund 75 Cent", sagt Energiespezialist Conrad Roedern. Der 57-Jährige lebt seit 20 Jahren in Namibia und hat die Installation von Solarsystemen im südlichen Afrika zu seinem Projekt gemacht. Mit einer Solarstromanlage sinke der Preis auf 52 Cent, rechnet er vor. Die fossil befeuerten Generatoren werden ständig an- und ausgeschaltet werden; das führt zu hohem Verschleiß und Spritverbrauch. Hinzu kommt, dass der Diesel, der sich in den vergangenen Jahren tendenziell verteuert hat, ein Drittel der Kosten ausmacht. Dagegen wurden Solarmodule in den vergangenen 24 Monaten um ein Drittel billiger.

Umgerechnet 50 Cent kostet das Aufladen eines Handys mit Solarstrom

Deshalb sind die bläulichen Module über den Straßen Südafrikas nun immer häufiger zu sehen. Roedern berichtet von findigen Jungunternehmern, die für umgerechnet 50 Cent Mobiltelefone mit Solarenergie aufladen. Das ist im vom Handyfieber erfassten Land fern von Stromnetzen ein einträgliches Geschäft. Auch die Zahl der Friseure steigt, die ihre Läden solar umrüsten. "Eine Kilowattstunde reicht für einhundert solar-elektrische Haarschnitte, die für rund drei Euro verkauft werden", schwärmt Roedern. "Solarstrom ist für Afrika die große Chance, sich wirtschaftlich eigenständig zu entwickeln", sagt auch Hermann Scheer, Träger des Alternativen Nobelpreises.

Die Sonne könnte im südlichen Afrika tatsächlich zur wichtigsten Energiequelle werden. Ihre Einstrahlung am südlichen Wendekreis ist mehr als doppelt so hoch ist wie im Norden Europas. Während sie in Hamburg pro Quadratmeter jährlich rund 900 Kilowattstunden an Energie liefert, sind es im südafrikanischen Johannesburg fast 2000.

"Regenerative Energien wie Wind und Sonne zu nutzen heißt, auf regionale Spezialitäten statt auf teure Importe zu setzen", umschreibt Chantal Naidoo von der südafrikanischen Entwicklungsbank DBSA das solare Potenzial für ihr Land. Es bestehe dazu eine "kritische Notwendigkeit" – auch um die negativen Erfahrungen aus früheren Energiekrisen mit ihren landesweiten Stromausfällen künftig zu vermeiden. Hintergrund war, dass der Ausbau der Elektrizitätsversorgung im größten Schwellenland südlich der Sahara mit dem Wirtschaftswachstum nicht hatte Schritt halten können. Die DBSA prüft, ob sie künftig Investitionen in Solaranlagen finanziell fördern soll.

"Wir hatten 2008 an zwei von sieben Tagen keinen Strom", erinnert sich Ben Bremer. In der Provinz Eastern Cape – rund hundert Kilometer von der Hafenstadt Port Elizabeth am Indischen Ozean entfernt – unterhält er eine Wildhüterschule. Die Unsicherheit sei der zentrale Grund gewesen, die Versorgung seiner neuen Farm der Sonne zu überlassen. Seitdem sorgen 30 Module auf einer von Kakteengewächsen und Dornensträuchern umgebenen Holzkonstruktion für den Strombedarf der Schule und ihrer zwölf Studenten. Auch ökonomisch ist Bremer von dem System überzeugt. "Der Anschluss an das vier Kilometer entfernte Stromnetz wäre teurer geworden." Damit befreite er sich zugleich von den absehbaren Preissteigerungen für Netzstrom in Südafrika. Der Strommonopolist Eskom hat bis 2013 Tariferhöhungen von jährlich mehr als 13 Prozent angekündigt, um einen Teil seiner dringend erforderlichen Investitionen in Kraftwerke und Netze zu refinanzieren.