1353
Bern schließt ein Bündnis mit Uri, Schwyz und Unterwalden, die sich, zusammen mit Luzern, bereits zwei Jahre davor mit Zürich verbündet haben. Die Waldstätte bringen damit die beiden Reichsstädte indirekt in eine Allianz, welche die mittelalterliche Grenze überwindet, die im Aare-Raum Burgund und Schwaben sowie die Bistümer Lausanne und Konstanz getrennt hat. Reichsstädte heißen deshalb so, weil sie ihre Herrschaftsrechte dem Herrscher im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation verdanken und ihm unmittelbar unterstellt sind. Wenn er aber seine Schutzverpflichtungen nicht wahrnehmen kann, schließen sich Reichsstädte oft zu Städtebünden zusammen, um ihre Herrschaftsordnung und den Landfrieden gemeinsam zu wahren. In dieser Hinsicht sind Zürich und Bern keine Ausnahme. Ungewöhnlich ist hingegen, dass sie auch ländliche Potentaten zu Partnern nehmen, wie sie im 14. Jahrhundert in den Innerschweizer Talschaften an die Macht kommen: eine Mischung aus Großbauern und abgestiegenen Niederadligen, die durch Handel mit Vieh und Söldnern nach Norditalien und Süddeutschland wohlhabend geworden sind. Ebenfalls ungewöhnlich ist, dass sich dieses Netzwerk allmählich verfestigt und dauerhaft wird. Voraussetzung dafür sind die großen, bevölkerungsreichen Territorien, die Zürich, Luzern und vor allem Bern – die größte Stadtrepublik nördlich der Alpen – erwerben. Zumeist geschieht dies gewaltlos, durch Kauf, Pfandschaften oder die Verleihung des Bürgerrechts an Landsässige und ganze Gemeinden. Ein militärisches Abenteuer aber hat Folgen: Mit dem Segen des Königs nehmen die Eidgenossen 1415 den Habsburgern ihre aargauischen Stammlande ab. Damit wird die territoriale Lücke zwischen Bern, Zürich und Luzern geschlossen, und die eidgenössischen Orte sehen sich erstmals durch eine gemeinsame Aufgabe zu kontinuierlicher und – an der Tagsatzung – institutionalisierter Zusammenarbeit verpflichtet: die Verwaltung der »Gemeinen Herrschaften«.

1450
Bern vermittelt den Frieden zwischen Zürich und den übrigen Eidgenossen mit Schwyz an der Spitze. Im »Alten Zürichkrieg« wollen sich die Zürcher Kaufleute die Expansion zu den Bündner Alpenpässen hin offenhalten und suchen dabei Rückhalt beim obersten Herrn der »keiserlichen Stadt«: König FriedrichIII. aus dem Hause Habsburg. Zürich behält 1450 zwar sein Territorium, muss aber die Expansionspläne und sein Bündnis mit Friedrich III. aufgeben. Dieses wird nun, rückblickend und gemäß der Innerschweizer Sichtweise, zu einem Verrat Zürichs an seinen Bundespflichten umgedeutet. Die Bündnisbriefe, welche die Waldstätte im 14. Jahrhundert mit Zürich, Luzern und Zug geschlossen haben, werden zerstört und neu beschworen. Es fehlen nun aber die freie Bündniswahl der Orte und die Vorbehalte zugunsten von Habsburg. Erst in der Innerschweizer Perspektive von 1450 wird die Adelsdynastie, bisher manchmal Gegenspieler, oft aber auch Partner, zu einem historischen »Erbfeind« der Eidgenossen. In den folgenden Jahrzehnten wird, ebenfalls von der Innerschweiz aus, die Befreiungssage mit Tell, Bundesschwur und Burgenbruch erfunden, um die neuen Gemeinsamkeiten historisch möglichst weit zurückzudatieren. 

1499
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erwerben die eidgenössischen Jungmannschaften einen ambivalenten Ruf als gewaltbereite Krieger, die in den Burgunderkriegen berühmte Ritterheere schlagen und mit Saubannerzügen in Richtung Genfer See und Bodensee Schutzgelder erpressen. Als Ordnungsgewalt stoßen sie am Hoch- und Alpenrhein mit dem Schwäbischen Bund zusammen, in dem Fürsten, Adlige und Städte vereint sind. Der folgende »Schwabenkrieg« heißt nördlich des Rheins »Schweizerkrieg« und macht deutlich, dass hiermit die Teilung des früheren Herzogtums Schwaben mit Konstanz und dem Bodensee im Zentrum besiegelt wird. Die »Kuh-Schweizer« stehen nun als deutscher Stamm neben den »Sau-Schwaben«. Neue Identität schaffen nicht nur solche gegenseitigen Sodomie-Unterstellungen. Dank ihrer Schlachtensiege verstehen sich die Eidgenossen als von Gott auserwähltes Volk, und die Humanisten entdecken die Helvetier als angebliche Vorfahren, die in Freiheit in dem Land gelebt hätten, das nun (seit 1513) von den »Dreizehn alten Orten« und ihren Verbündeten beherrscht wird. Erst im späten 19. Jahrhundert lässt die nationale Geschichtsschreibung mit dem Schwabenkrieg eine »faktische Unabhängigkeit« vom Reich beginnen. Das Gegenteil ist wahr: Staatlichkeit und Herrschaftsrechte der eidgenössischen Orte beruhen auf Privilegien der deutschen Könige, weshalb über den kantonalen Wappen zum Teil bis ins 18. Jahrhundert ein gekrönter Reichsadler prangen wird.