Der Pfandbrief ist der Klassiker unter den Anlageinstrumenten. Ein bisschen angestaubt vielleicht, aber hoch respektiert und hervorragend beleumundet. Ein Investment für solche, die es solide mögen. Umso größer war der Schock, als Pfandbriefbanken in der Finanzkrise reihenweise ins Straucheln kamen: Die Hypo Real Estate (HRE) beispielsweise, die nun schon wieder Staatshilfe braucht . Die WestLB ebenso. Oder die HSH Nordbank , die auch am Tropf des Staates hängt. Viele Anleger stellen sich seither die Frage: Wenn die Banken wanken – wankt dann auch der Pfandbrief? " Pfandbriefe sind ins Gerede gekommen , vor allem durch die negativen Schlagzeilen der Hypo Real Estate", sagt Volker Blau, Pfandbriefexperte der Fondsgesellschaft Pimco, einer Tochter der Allianz.

Zu Unrecht. Ja, die Finanzkrise war eine Feuerprobe für den Pfandbrief, doch er hat sie bestanden. Pfandbriefe sind ein Geschäft zwischen drei Parteien. Die erste Partei, der Anleger, leiht einer Bank Geld und bekommt dafür einen Pfandbrief. Die zweite Partei, die Bank, zahlt das Geld nach Ablauf einer festgelegten Frist an den Anleger zurück, zwischenzeitlich erhält er dafür Zinsen – so wie bei jeder Anleihe. Die dritte Partei ist der Bankkunde, an den die Bank das Geld des Anlegers weiterreicht, etwa in Form eines Immobilienkredits.

Derzeit bringen Pfandbriefe je nach Laufzeit zwischen 1,4 und 2,8 Prozent garantierte Zinsen pro Jahr. Bei fünf Jahren Laufzeit etwa sind das 1,9 Prozent. Zum Vergleich: Eine Bundesanleihe mit derselben Laufzeit bringt nur 1,5 Prozent pro Jahr. Langfristig gleicht der Zins bei Pfandbriefen aber kaum mehr als die Inflation aus. Die Papiere eignen sich also eher dazu, Geld zu erhalten, als es zu vermehren.

Pfandbriefe haben eine lange Tradition und sind das einzige Finanzinstrument, dessen Urheberrecht in Deutschland liegt. Sie gehen zurück auf den Preußenkönig Friedrich den Großen, der die Urform der Papiere im 18. Jahrhundert einführte, um nach Ende des Siebenjährigen Krieges die Kreditnot des Landadels zu lindern. Heute sind Pfandbriefe ein Milliardenmarkt. Allein im vergangenen Jahr kauften Investoren für rund 110 Milliarden Euro neue Pfandbriefe. Fast alle Deutschen haben mit den Papieren zu tun. Entweder unmittelbar als Anleger oder als Kreditnehmer, deren Kredite die Bank über Pfandbriefe refinanziert. Oder zumindest indirekt als Versicherungskunden – denn Versicherer gehören zu den größten Gläubigern von Pfandbriefen. Die deutsche Assekuranz hat derzeit nach Angaben des Branchenverbands GDV rund 235 Milliarden Euro in Pfandbriefe investiert.

In der Krise ist der urdeutsche Pfandbrief sogar ein Exportschlager. Immer mehr Länder legen ähnliche Versionen des Papiers auf, sogenannte Covered Bonds. Ausländische Anleger schätzen sie als sicheres Investment. Banken wollen sich mit den Papieren günstig refinanzieren, denn für sie zahlen sie derzeit deutlich geringere Risikoaufschläge als für andere Schuldverschreibungen.

"Covered Bonds können Amerika wieder aufbauen", jubelte das Wirtschaftsmagazin Forbes bereits vor zwei Jahren. Führende Banken des Landes erklärten, in diesem Markt mitmischen zu wollen. In Europa sind vor allem Spanien, Großbritannien, Frankreich und Irland vorn dabei, auch im Norden wächst der Markt. Weltweit gaben Anleger im vergangenen Jahr rund 529 Milliarden Euro für Covered Bonds aus. Zwei Jahre zuvor waren es nur 464 Milliarden. "Es gibt gerade einen regelrechten Hype", sagt Christian Walburg vom Verband Deutscher Pfandbriefbanken (VDP). Der deutsche Langeweiler, ein Exportschlager. Kein Wunder, sagt Walburg, "der deutsche Pfandbrief stand in der Krise eben wie eine Eins." Und tatsächlich, passiert ist in der Finanzkrise trotz aller Befürchtungen – nichts. Wäre der Pfandbrief gestürzt, hätten Millionen Kleinanleger ihr Geld verloren. Die Versicherungsbranche wäre in große Schwierigkeiten geraten, die Preise für Immobilienkredite wären gestiegen. Pfandbriefbanken finanzieren derzeit 27 Prozent aller privaten und die Hälfte der gewerblichen Immobilienkredite.