Alternativer Antrieb Leitmarkt Deutschland? So nicht
Um die Chancen der E-Mobilität zu nutzen, muss der Staat mehr und gezielter investieren.
Elektroautos, Hybride und Hochleistungsbatterien sind ein riesiger Wachstumsmarkt. Deshalb will Bundeskanzlerin Angela Merkel Deutschland zum »Leitmarkt« für Elektromobilität machen. Schaut man näher hin, entpuppt sich die Ankündigung als heiße Luft. Auch das Ziel, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu bringen, wird verfehlt. Hochleistungsakkus und Elektroautos werden kapitalintensiv produziert und eignen sich ideal, im Hochlohnland Deutschland Jobs zu schaffen. Würden wir uns von diesem Markt im Jahr 2025 das gleiche Stück wie vom weltweiten Automarkt abschneiden, entspräche das 100.000 neuen Arbeitsplätzen.
Die Realität sieht leider anders aus. Das größte Förderprojekt für Elektromobilität sind acht Modellregionen, in die 115 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II fließen. Dabei werden über 190 Einzelprojekte unterstützt. Im Schnitt liegt die Fördersumme pro Projekt bei 605.000 Euro. Es dominiert das föderalistische Prinzip, das nach dem »Gießkannenprinzip« subventioniert. So demonstriert die Rhein-Main-Region etwa die Elektromobilität entlang einer »Buslinie 103«, indem etwa erneuerbare Energien für das Laden von E-Fahrrädern genutzt werden.

lehrt Betriebswirtschaft an der Universität Duisburg-Essen und ist dort auch Direktor des CAR-Center Automotive Research.
Während in den USA, in China, Korea, Frankreich, England oder Portugal mit hoher staatlicher Förderung Batteriewerke hochgezogen werden, konzentrieren wir uns auf die Buslinie 103. Zusätzlich gibt es Doppelt- und Dreifachforschung. Fast überall wird die Ladestruktur getestet, überwiegend mit regionalen Energieversorgern. In mehreren Regionen werden Diesel-Hybridbusse in den Busverkehr aufgenommen. Hybridbusse sind längst Serienprodukte, ebenso wie E-Roller und E-Fahrräder, die im Rahmen vieler Projekte getestet werden. E-Bikes gibt es in fast jedem Baumarkt als China-Importe. Impulse zur Industrialisierung der Elektromobilität sind aus diesen Projekten kaum zu erwarten. Es mangelt an Leuchtturmprojekten, auf die sich die Förderung konzentriert.
Bereits im Jahr 2015 werden die weltweit entstehenden Werke Batterien für 2,5 Millionen E-Autos bauen. In Deutschland bestehen dann lediglich Kapazitäten für die Akkus für 20.000 bis 30.000 Stromer. Statt der gewünschten Million werden nach unseren Berechnungen im Jahr 2020 weniger als 600.000 E-Fahrzeuge auf deutschen Straßen fahren. Merkels Ziel wird aus vielen Gründen verfehlt: Da Industrieprojekte kaum gefördert werden, bleibt die Produktion von E-Autos und Akkus in Deutschland niedrig, die Preise aber bleiben hoch. Zwei Drittel der in Deutschland verkauften Autos stammen von deutschen Herstellern, deswegen fehlt hier der Impuls von der Angebotsseite. Derzeit fahren hierzulande gerade mal 1600 Elektroautos. Bis 2012 ändert sich daran wenig. Selbst wenn dann eine rasante Steigerung erfolgt, kommen wir gerade mal auf 290.000 Stromer im Jahr 2020. Zählen wir noch die ab 2013 angekündigten Plug-in-Hybride dazu, also Hybride, die an der Steckdose nachgeladen werden können, erreichen wir bei günstigstem Verlauf maximal 600.000 Fahrzeuge.
Im März hat VW-Chef Martin Winterkorn verkündet, im Jahr 2018 sollen drei Prozent aller Fahrzeuge des Konzerns elektrisch angetrieben werden. Rechnet man das auf die hiesigen VW/Audi-Marktanteile von knapp einen Drittel um, werden 2018 bei uns 25.500 E-Autos dieser Marken verkauft.
Zudem fehlen bei uns die Anreize, um das Elektroauto zum Objekt der Begierde zu machen. Staatliche Kaufprämien wie etwa in Frankreich oder den USA sind nicht zu erkennen. Daneben haben die Stromer aber auch keinerlei Vorteile im Verkehr, wie etwa die Nutzung von Busspuren. Zudem bremst teurer deutscher Strom.
Die rückwärts gerichtete Abwrackprämie kostete fünf Milliarden Euro. Beim Langfristthema E–Mobilität verzetteln wir uns: Der »Leitmarkt« wurde nach dem Gießkannenprinzip mit bislang gerade mal 150 Millionen Euro angeschoben. Das Ei des Kolumbus liefert aber Verkehrsminister Ramsauer. Durch die Einführung von Wechselkennzeichen soll hierzulande das Elektroauto forciert werden. Deutschland läuft die Zeit davon.
- Datum 20.09.2010 - 13:43 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 16.09.2010 Nr. 38
- Kommentare 13
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... was und wie gefördert wird. So lange die Konzerne noch feines Geld mit normalen Autos verdienen, gibt es für sie keinen Grund, übermäßig aktiv zu werden. Weitere Marktteilnehmer würde, wenn sie heute tatsächlich wirksam gefördert würden, womöglich in wenigen Jahren in den Markt drängen.
Es ist sinnlos, von Politikern etwas zu fordern, da die Wirtschaft bestimmt. Die Profite von heute sind wichtiger als das Auskommen von morgen. Bei Autos ist das in Deutschland nur wenig anders als im Finanzsektor.
Bevor hier vom Staat auch nur ein Euro in Automobile investiert wird, die nicht in Deutschland gebaut werden weil unsere selbstverliebten deutschen Hersteller sich abwechselnd als weltweiter Technologieführer in diesem unbestrittenen Zukunftsmarkt betiteln, aber leider kein einziges serientaugliches Fahrzeug verfügbar haben, sollten sich genau diese Koryphäen auf eine einheitliche Strategie einigen und ein förderungswürdiges Konzept vorlegen.
Wenn man den in kurzfristiger Vergangenheit abgelieferten Statements aus den Entwicklungsabteilungen dieser Technikhochburgen glaubt ist stellenweise deren Batterie teurer als ein ganzes Fahrzeug von der Konkurrenz. Sich bei den wirklichen Marktführern in diesen Technologien mit Aktien einzukaufen um damit den deutschen Markt für deren Vertrieb abzuschotten wird nicht ewig funktionieren. Das Interesse der Käufer für diese Technologie wird genauso unterschätzt wie damals die Abwrackprämie. 1 Million Elektrofahrzeuge in Deutschland bis 2020 sind kein Problem, nur leider wird der geringste Anteil davon in Deutschland produziert werden.
D-land ist doch keine Planwirtschaft oder?
Wenn die dt. Autohersteller es verpennen , dann sind sie irgendwann Pleite, denn der Markt reguliert das dann schon (FDP Mantra). Diese Subventionierung, nach dem Motto Risiken sozialisieren, Gewinne danach privatisieren, muss aufhören.
Gut ist auch der Satz "Zudem bremst teurer deutscher Strom."
Den haben die Dt. ja erst dank Ökoterroristen. Obwohl so als Experiment wäre es spannend zu sehen, wie die regenerativen Energieformen den Energie Bedarf decken, oder eben auch nicht.
Herr Dudenhöfer vergisst, dass die Märkte nicht gleich sind. In Deutschland kann sich E-Mobilität nicht durchsetzen, weil Strom hier viel zu teuer ist. Dazu kommen noch die Kosten für E-Mobilität, beim E-Roller fallen bspw. 20€/100km an, denn die Akkus halten im Schnitt nur 1 Jahr, kosten aber 600€. Da kommt dann auf 100km noch 90 Cent Strom, dazu muss aber gesagt werden, dass E-Mobile diese 100km nur auf gerader Strecke unter Laborbedingungen schaffen. Im Alltag und bei unterschiedlichen Wetterbedingungen sind 90 Cent a 30 km realistisch.
Der E-Antrieb ist ein Irrsinn. Die deutsche Wirtschaft täte gut daran, sich um effiziente Gasbetriebe zu kümmern. Die kann man nämlich mit Gas betreiben, dass bei den Müllentsorgern gewonnen werden kann. Böte Sprit quasi Fixpreis mit fallender Tendenz, denn Müll wird nicht weniger.
Aber da kann man im Moment reden und reden, im Moment herrscht die Meinungsdiktatur der Grünen und die verstanden noch nie etwas von Umweltpolitik. Die behaupten das stetig und mittlerweile hinterfragt das keiner mehr. Aber es ist so nicht!
Herr Dudenhöfer möchte doch nur dem Bürger verklickern, dass er doch bitte Geld für E-Autos locker macht. VW und Konsorten haben die Zeichen der Zeit auch heute noch nicht erkannt, nun betteln sie um Geld von der Politik. Aber: Der Markt wird es schon richten. Oder Westerwelle, ein hohles und lautes Fass, dröhnt in Berlin herum und bekommt die Politkomiker in Berlin noch zu einer Geldspritze zu Gunsten der Autolobby rum. Ist WW dann verbrannt und abgehalftert, dann ist ihm ein Posten bei der Automafia sicher...
… dass das Portemonnaie des Steuerzahlers irgendwann leer ist. Es muss doch nicht die Kapitalseite geschont werden.
Sollen sie sich ein Beispiel an Henry Ford nehmen. Der konnte Farmern, die bisher nur Pferdegespanne besaßen, auch Autos verkaufen. Entwickelt hat er sie selber.
Ach ja, Volkswagen schuldet meinem Großvater noch 990 Reichsmark.
Radfahren?
Es ist doch hier im Lande sowieso schon ständig ein Tanz ums goldene, äh heilige Blechle, oder?
Chancen der E-Mobilität, als ob es davon weniger Staus gäbe, wollt ihr alle so weitermachen wie bisher? Wo soll das enden, bei 7 Meter Meeresspiegelanstieg?
Ist das nicht jener z. T. daimleralimentierte „Überall-Adabei-Experte“, der seine Expertise im Herbst 2007 u. a. damit belegte, dass er z. B. hier in der Zeit feststellte, eine CO2-basierte Kfz-Steuer käme für Deutschland nicht in Frage, weil wir dann in der EU eine Alleinstellung hätten – dabei leider außer acht lassend, dass Spanien und Großbritannien bereits seinerzeit schon seit vielen Jahren rein CO2-basierte Kfz-Steuermodelle hatten.
Wenn er also hier massive Steuergeld-Förderung für die superreiche deutsche Automobilindustrie zum Entwickeln von E-Mobilität fordert, sollte man dies also mit der gebotenen Vorsicht zur Kenntnis nehmen. Zu deutlich hört man diesem Liedlein an, wes Brot der ißt, der‘s anstimmt. Bei seiner Markt- und Branchenkenntnis würde ich mich nicht wundern, wenn sich die von ihm als Allheilmittel für die Zukunft beworbene E-Mobilität als teurer Schuß in den Ofen erwiese, denn: sauber geht anders, wenn man sich die Akku-Technologie und -Rohstofflage ebenso anschaut wie die Erzeugung der „sauberen“ Antriebsenergie. Schließlich ist derzeit die Laufzeitverlängerung der Kernkraftanlagen sehr viel sicherer zu prognostizieren, als die notwendigere deutliche Laufzeitverlängerung der Antriebsakkus von Elektromobilen.
Bleibt die Frage, wie es Schaumschläger wie Dudenhöffer immer wieder in die Spalten sich selbst seriös nennender Medien schaffen – fließt da etwa ein kleiner Anschubstrom, der nicht im Kernkraftwerk, sondern in der Bundesdruckerei erzeugt wurde?
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