Fragen an den Altkanzler Verstehen Sie das, Herr Schmidt?

In diesem Land darf jeder seine Meinung sagen, aber über Integration wird erst wieder gestritten, seit Thilo Sarrazin seine abenteuerlichen Thesen vertritt. Deutschland schafft es nicht, alle Migranten einzubinden – und die SPD nicht alle Genossen.

ZEIT-Herausgeber und Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt

ZEIT-Herausgeber und Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt

ZEITmagazin: Lieber Herr Schmidt, ich kann mich kaum an eine heftigere Debatte erinnern als diese jetzt über Sarrazins Buch. Wie lässt sich das erklären?

Helmut Schmidt: Es lässt sich dadurch erklären, dass Sie relativ jung sind. Wenn Sie zum Beispiel 85 Jahre alt oder 91 so wie ich wären, dann würden Sie sich an heftige öffentliche Auseinandersetzungen und Debatten erinnern, zum Beispiel über die atomare Bewaffnung der Bundeswehr in den Fünfzigern. Oder über die damals sogenannte neue Ostpolitik in den Siebzigern. Oder später über den Nato-Doppelbeschluss.

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ZEITmagazin: Das waren ja aber Grundsatzfragen der Politik. Hier hat sich eine politisch marginale Figur in einem Buch mit zum Teil abenteuerlichen Thesen an die Öffentlichkeit gewagt. Und es gibt dieses Riesenecho.

Schmidt: Die Debatten früher waren jedenfalls nicht an eine einzelne Person geknüpft. Erst später, beim Nato-Doppelbeschluss, konzentrierte es sich dann zum Teil auf die Person Schmidt und später auf die Person Kohl.

ZEITmagazin: Welchen Nerv hat Thilo Sarrazin getroffen?

Schmidt: Offenbar mehrere gleichzeitig. Einige davon sind Nerven einer bestimmten Gruppe von Leuten. Zum Beispiel gibt es unter den jüdischen Mitbürgern einige, die sich getroffen fühlen von einer nebenher gemachten Bemerkung über die jüdischen Gene. Aber das allgemeine Interesse hat mindestens zwei Wurzeln. Erstens: Die Sachverhalte, die er beschreibt, von denen er ausgeht und für deren Therapie er Vorschläge macht und aus denen er Schlussfolgerungen zieht, die werden von vielen Leuten in Deutschland ähnlich gesehen.

ZEITmagazin: Sie meinen die Defizite der Integration.

Schmidt: Ja; nicht alle seine sonstigen Äußerungen werden geteilt. Und das Zweite ist: Seine sonstigen Äußerungen haben viele Leute provoziert, vor allen Dingen die Presse und die politische Klasse. Die haben zunächst eine ziemlich konzentrische Verachtungs- und Verurteilungsattitüde entfaltet, bis sie gemerkt haben – die Journalisten zuerst –, dass wesentliche Teile des Publikums ganz anders denken. Und dann wurden sie nachdenklich. Es kommt ein Drittes hinzu: Dass seine Partei, der er 30 oder 40 Jahre angehört, die Sozialdemokraten, mit dem Gedanken umgeht, ihn aus der Partei rauszuschmeißen. Das finden viele Leute nicht in Ordnung.

ZEITmagazin: Und Sie?

Schmidt: Ich finde es auch nicht in Ordnung.

ZEITmagazin: Warum nicht?

Schmidt: Man muss erst einmal zuhören und fragen und reden. Wir haben früher alle möglichen abweichenden Mitglieder der sozialdemokratischen Partei auch nicht als Erstes mit einem Ausschlussverfahren bedroht. Wir haben sie ertragen. Was über die SPD hinaus von Bedeutung ist, ist der Umstand, dass die Freiheit, die Meinung laut und öffentlich zu sagen, im Falle Sarrazin als gefährdet erscheint. Sie ist in Wirklichkeit nicht gefährdet. Aber wenn da jemand etwas gesagt hat, was mir nicht passt, dass ich dem dann gleich sage, ich gebe dir nicht mehr die Hand, ich will dich nicht mehr sehen – das erscheint als eine Verachtung der Meinung, die jemand anders geäußert hat. Das Grundgesetz erlaubt gute, aber auch falsche Politik. Die im Artikel 5 garantierte Meinungsfreiheit gilt nicht nur für richtige, sondern ebenso für falsche Meinungen. Dass der als sozialdemokratischer Finanzsenator sehr erfolgreiche Sarrazin provokante Äußerungen tut, daran gibt es allerdings keinen Zweifel, und ich hätte ihm, wenn er mich gefragt hätte, zur Mäßigung geraten.

ZEITmagazin: Können Sie denn die Empörung vieler Menschen verstehen, wenn jemand wieder versucht, genetisch zu argumentieren?

Schmidt: Das ist eine der Schwächen nicht nur seiner Argumentation, sondern auch seiner Gedankenführung. Die Vermischung von Vererbung – einem genetischen Vorgang – mit kulturellen Traditionen, die er vornimmt, diese Vermischung halte ich für einen Irrtum. Es sind nicht ursächlich ihre Gene, die jene Leute aus asiatischen Ländern nach Deutschland mitbringen, welche sich schwer integrieren lassen und sich zum Teil auch gar nicht richtig integrieren möchten. Aber sie bringen kulturelle Traditionen mit, Traditionen des Benehmens, der moralischen Überzeugung, es sind Verhaltensnormen, die durch Vorbild, Beispiel, Schule, Elternhaus und Freundschaften tradiert werden.

Leser-Kommentare
  1. Man kann nur hoffen, dass der gegenwärtige Parteichef sich Ihre Worte zu Herzen nimmt. Von Sarrazin geht die Welt nicht unter - nicht einmal die sozialdemokratische.

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    • joG
    • 16.09.2010 um 18:54 Uhr

    ....dass Herr Schmidt das richtig sieht.

    • B.V.
    • 17.09.2010 um 14:12 Uhr

    ... ein Rauswurf von Sarrazin würde nur eine gewisse Engstirnigkeit offen legen, damit tut die Partei sich keinen Gefallen. Altkanzler Schmidt kann man nur zustimmen!

    • joG
    • 16.09.2010 um 18:54 Uhr

    ....dass Herr Schmidt das richtig sieht.

    • B.V.
    • 17.09.2010 um 14:12 Uhr

    ... ein Rauswurf von Sarrazin würde nur eine gewisse Engstirnigkeit offen legen, damit tut die Partei sich keinen Gefallen. Altkanzler Schmidt kann man nur zustimmen!

  2. Ich hoffe, das Herr Gabriel jetzt nicht noch ein Parteiausschlussverfahren einleitet.
    Ach, (son Goethe Aach )hätte Die Zeit doch so vernünftig über Herrn Sarrazin berichtet.

  3. Wenn Länder wie Kanada, USA, Australien oder Neuseeland ganz besonders auf die berufliche Qualifikation ihrer Einwanderer achten, die in einem durchaus aussagekräftigen Verhältnis zum durchschnittlichen IQ der Einwanderer steht, was ist dann so unsachlich oder gar moralisch verwerflich an der Feststellung, dass die wenig qualifizierten Einwanderer aus dem ländlichen Anatolien einen mittlerweile unproduktiven Faktor der deutschen Volkswirtschaft bedeuten? Ganz abgesehen von Problemen des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

    Und wenn weltweit wissenschaftlich anerkannt ist, dass Intelligenz zu 50 bis 80 % erblich bedingt ist, dann ist doch auch die Frage nach dem produktiven Zugewinn der Nachkommen jener anatolischen Bauern nur folgerichtig.

    Indes ist deren Reproduktion erfolgreich.

    Man sehe sich ferner einmal an, in welchem statistischen Missverhältnis die auffällig hohe Zahl der derzeitigen Leistungsempfänger von Hartz IV usw. mit türkischem Hintergrund zu den nicht einmal 5% Türken (2 Mio reine Türken, 1 Mio eingedeutschte Türken) der bundesdeutschen Gesamtbevölkerungszahl von ca. 82 Mio steht.

    Was also ist in diesem Zusammenhang falsch an der kritischen Einbeziehung genetischer Fragestellungen?

    Jenseits aller Multikulti-Sozialromantik erkennt ansonsten jeder sofort an, dass Haar-, Augen- und Hautfarbe genauso vererbbar sind wie andere physiologische oder physiognomischen Merkmale. Abgesehen von Begabungen wie z.B. Musikalität oder charakterlichen Merkmalen.

    [Anmerkung: Bitte belegen Sie Ihre Aussagen mit standhaften Quellen, sonst erwecken Sie den Eindruck, dem Zweck der Diffamierung muslimischer Mingranten zu dienen. Dies kann auf dieser Plattform nicht akzeptiert werden. Die Redaktion/ew]

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    Diese Gendebatte ist komplett ueberfluessig, weil es das eigentliche Problem, die Integration von Auslaendern, in den Hintergrund drueckt. Als Loesung fuer diese Probleme vorzuschlagen, dass die "guten" Deutschen jetzt mehr Kinder bekommen, ist ein kompletter Bloedsinn. Als Biologin weiss ich wovon ich rede und leider gibt es ein unglaubliches Halbwissen ueber die Zusammenhaenge zwischen Intelligenz, Genen und dann noch den Mendelschen Regeln, das diese Diskussion im Moment bestimmt. Und nix da mit "das wird man ja wohl noch sagen duerfen". Nein, es ist populistischer Bloedsinn, der von vielen Leuten unterschrieben wird, weil es vielen die eigene Verantworung abnimmt. Die Integrationsprobleme sind da und Deutschland wird sich nicht abschaffen, weil es von anatolischen "wenig qualifizierten Einwanderern" ueberwachsen wird. Das Problem ist, wie von Herr Schmidt angesprochen, hausgemacht und wir koennen jetzt nicht auf eine Gendebatte zurueckgreifen, die unser eigenes Versagen nur kurzfristig ausblenden kann.
    Danke Herr Schmidt fuer diese klaren Worte.

    • Isaidy
    • 16.09.2010 um 17:11 Uhr

    "Und wenn weltweit wissenschaftlich anerkannt ist, dass Intelligenz zu 50 bis 80 % erblich bedingt ist, dann ist doch auch die Frage nach dem produktiven Zugewinn der Nachkommen jener anatolischen Bauern nur folgerichtig".

    Diese Behauptung der vererbbaren Intelilligenz ist mitnichten bewiesen, sie ist vollkommener Schwachsinn. Diese krude Behauptung ist ein Freibrief für all jene, die denken, dass Menschen bestimmter Herkunft keine finanziellen Mittel zur Bildung zur Verfügung gestellt bekommen müssen, weil das ohnehin vergebene Liebesmühe wäre. Das ist eine haarsträubende These. Menschen, die aus einfachsten und bildungstechnisch benachteiligten Verhältnissen kommen, können bei guter Förderung ihre kognitiven Fähigkeiten in hohem Maße steigern, ihr brachliegendes Potenzial besser nutzen. Wen man vernachlässigt, der degeneriert, und das gilt nicht etwa nur für Menschen aus von S. genannten Gebieten oder Schichten. Wie kann man sich darein versteigen, eine solche angebliche statistisch erwiesene Aussage zu glauben? Das ist entweder Ignoranz, weil man sich zur "upper class" wähnt oder Naivität, weil man glaubt, was selbsternannte "Wissenschaftler" von sich geben.

    • keox
    • 16.09.2010 um 18:34 Uhr

    "Was also ist in diesem Zusammenhang falsch an der kritischen Einbeziehung genetischer Fragestellungen?"

    richtig mit Ihrer Einstellung, dann schlägt meine Phantasie aber Purzelbäume wenn ich mir Ihre Eltern vorstelle.

    • joG
    • 16.09.2010 um 18:53 Uhr

    ....Intelligenz zu 50 bis 80 % erblich bedingt ist, ...."

    Ist es das? Ich kenne keinen anerkannten Wissenschaftler, der das glaubt so zeigen zu können. Schon bei dem Ausdruck "Intelligenz" bekommt man ein Definitionsproblem ohne darauf überhaupt eingegangen zu sein, wie man die "50 bis 80" Prozent bestimmen könnte. Meines Erachtens hört sich das nur an, als hätte man Wissen.

    • drxt
    • 16.09.2010 um 19:44 Uhr

    "Wenn Länder wie Kanada, USA, Australien oder Neuseeland ganz besonders auf die berufliche Qualifikation ihrer Einwanderer achten, die in einem durchaus aussagekräftigen Verhältnis zum durchschnittlichen IQ der Einwanderer steht, was ist dann so unsachlich oder gar moralisch verwerflich an der Feststellung, dass die wenig qualifizierten Einwanderer aus dem ländlichen Anatolien einen mittlerweile unproduktiven Faktor der deutschen Volkswirtschaft bedeuten?"

    Es ist moralisch verwerflich, weil wir hier über Menschen reden und nicht über "unproduktive Faktoren".
    Wenn du das nicht verstehst, dann hast du den Geist der Deutschen Verfassung nicht verstanden und gehörst damit nicht in dieses Land.

    Liebe Grüße,
    ein integrierter Russlanddeutscher

    Quote: "Und wenn weltweit wissenschaftlich anerkannt ist, dass Intelligenz zu 50 bis 80 % erblich bedingt ist..."End Quote

    1. Richtig ist, dass die Wissenschaft nachgewiesen hat, dass vererbte Anlagen einen Einfluss auf die VARIANZ (quadrierte Abweichung)der bei der Person gemessenen Intelligenz vom Mittelwert einer bestimmten Normierungsgruppe hat.

    2. Die Varianz einer Variablen kann niemals etwas über den absoluten Wert der zugrunde liegenden Variablen aussagen. Deshalb ist Ihre obige Aussage

    3. einfach Blödsinn

    Sie machen einen grundlegenden Fehler, wenn Sie Qualifikation mit Intelligenz gleichsetzen. Der Einwanderer aus dem laendlichen Anatolien mag wenig qualifiziert sein, aber deshalb gleich dumm? Wenn er eine so gute Ausbildung wie Sie genossen haette, wer weiss, waere er vielleicht Ihr Chef und sie der kleine Angestellte.

    Diese Gendebatte ist komplett ueberfluessig, weil es das eigentliche Problem, die Integration von Auslaendern, in den Hintergrund drueckt. Als Loesung fuer diese Probleme vorzuschlagen, dass die "guten" Deutschen jetzt mehr Kinder bekommen, ist ein kompletter Bloedsinn. Als Biologin weiss ich wovon ich rede und leider gibt es ein unglaubliches Halbwissen ueber die Zusammenhaenge zwischen Intelligenz, Genen und dann noch den Mendelschen Regeln, das diese Diskussion im Moment bestimmt. Und nix da mit "das wird man ja wohl noch sagen duerfen". Nein, es ist populistischer Bloedsinn, der von vielen Leuten unterschrieben wird, weil es vielen die eigene Verantworung abnimmt. Die Integrationsprobleme sind da und Deutschland wird sich nicht abschaffen, weil es von anatolischen "wenig qualifizierten Einwanderern" ueberwachsen wird. Das Problem ist, wie von Herr Schmidt angesprochen, hausgemacht und wir koennen jetzt nicht auf eine Gendebatte zurueckgreifen, die unser eigenes Versagen nur kurzfristig ausblenden kann.
    Danke Herr Schmidt fuer diese klaren Worte.

    • Isaidy
    • 16.09.2010 um 17:11 Uhr

    "Und wenn weltweit wissenschaftlich anerkannt ist, dass Intelligenz zu 50 bis 80 % erblich bedingt ist, dann ist doch auch die Frage nach dem produktiven Zugewinn der Nachkommen jener anatolischen Bauern nur folgerichtig".

    Diese Behauptung der vererbbaren Intelilligenz ist mitnichten bewiesen, sie ist vollkommener Schwachsinn. Diese krude Behauptung ist ein Freibrief für all jene, die denken, dass Menschen bestimmter Herkunft keine finanziellen Mittel zur Bildung zur Verfügung gestellt bekommen müssen, weil das ohnehin vergebene Liebesmühe wäre. Das ist eine haarsträubende These. Menschen, die aus einfachsten und bildungstechnisch benachteiligten Verhältnissen kommen, können bei guter Förderung ihre kognitiven Fähigkeiten in hohem Maße steigern, ihr brachliegendes Potenzial besser nutzen. Wen man vernachlässigt, der degeneriert, und das gilt nicht etwa nur für Menschen aus von S. genannten Gebieten oder Schichten. Wie kann man sich darein versteigen, eine solche angebliche statistisch erwiesene Aussage zu glauben? Das ist entweder Ignoranz, weil man sich zur "upper class" wähnt oder Naivität, weil man glaubt, was selbsternannte "Wissenschaftler" von sich geben.

    • keox
    • 16.09.2010 um 18:34 Uhr

    "Was also ist in diesem Zusammenhang falsch an der kritischen Einbeziehung genetischer Fragestellungen?"

    richtig mit Ihrer Einstellung, dann schlägt meine Phantasie aber Purzelbäume wenn ich mir Ihre Eltern vorstelle.

    • joG
    • 16.09.2010 um 18:53 Uhr

    ....Intelligenz zu 50 bis 80 % erblich bedingt ist, ...."

    Ist es das? Ich kenne keinen anerkannten Wissenschaftler, der das glaubt so zeigen zu können. Schon bei dem Ausdruck "Intelligenz" bekommt man ein Definitionsproblem ohne darauf überhaupt eingegangen zu sein, wie man die "50 bis 80" Prozent bestimmen könnte. Meines Erachtens hört sich das nur an, als hätte man Wissen.

    • drxt
    • 16.09.2010 um 19:44 Uhr

    "Wenn Länder wie Kanada, USA, Australien oder Neuseeland ganz besonders auf die berufliche Qualifikation ihrer Einwanderer achten, die in einem durchaus aussagekräftigen Verhältnis zum durchschnittlichen IQ der Einwanderer steht, was ist dann so unsachlich oder gar moralisch verwerflich an der Feststellung, dass die wenig qualifizierten Einwanderer aus dem ländlichen Anatolien einen mittlerweile unproduktiven Faktor der deutschen Volkswirtschaft bedeuten?"

    Es ist moralisch verwerflich, weil wir hier über Menschen reden und nicht über "unproduktive Faktoren".
    Wenn du das nicht verstehst, dann hast du den Geist der Deutschen Verfassung nicht verstanden und gehörst damit nicht in dieses Land.

    Liebe Grüße,
    ein integrierter Russlanddeutscher

    Quote: "Und wenn weltweit wissenschaftlich anerkannt ist, dass Intelligenz zu 50 bis 80 % erblich bedingt ist..."End Quote

    1. Richtig ist, dass die Wissenschaft nachgewiesen hat, dass vererbte Anlagen einen Einfluss auf die VARIANZ (quadrierte Abweichung)der bei der Person gemessenen Intelligenz vom Mittelwert einer bestimmten Normierungsgruppe hat.

    2. Die Varianz einer Variablen kann niemals etwas über den absoluten Wert der zugrunde liegenden Variablen aussagen. Deshalb ist Ihre obige Aussage

    3. einfach Blödsinn

    Sie machen einen grundlegenden Fehler, wenn Sie Qualifikation mit Intelligenz gleichsetzen. Der Einwanderer aus dem laendlichen Anatolien mag wenig qualifiziert sein, aber deshalb gleich dumm? Wenn er eine so gute Ausbildung wie Sie genossen haette, wer weiss, waere er vielleicht Ihr Chef und sie der kleine Angestellte.

  4. Diese Gendebatte ist komplett ueberfluessig, weil es das eigentliche Problem, die Integration von Auslaendern, in den Hintergrund drueckt. Als Loesung fuer diese Probleme vorzuschlagen, dass die "guten" Deutschen jetzt mehr Kinder bekommen, ist ein kompletter Bloedsinn. Als Biologin weiss ich wovon ich rede und leider gibt es ein unglaubliches Halbwissen ueber die Zusammenhaenge zwischen Intelligenz, Genen und dann noch den Mendelschen Regeln, das diese Diskussion im Moment bestimmt. Und nix da mit "das wird man ja wohl noch sagen duerfen". Nein, es ist populistischer Bloedsinn, der von vielen Leuten unterschrieben wird, weil es vielen die eigene Verantworung abnimmt. Die Integrationsprobleme sind da und Deutschland wird sich nicht abschaffen, weil es von anatolischen "wenig qualifizierten Einwanderern" ueberwachsen wird. Das Problem ist, wie von Herr Schmidt angesprochen, hausgemacht und wir koennen jetzt nicht auf eine Gendebatte zurueckgreifen, die unser eigenes Versagen nur kurzfristig ausblenden kann.
    Danke Herr Schmidt fuer diese klaren Worte.

    • Isaidy
    • 16.09.2010 um 17:11 Uhr

    "Und wenn weltweit wissenschaftlich anerkannt ist, dass Intelligenz zu 50 bis 80 % erblich bedingt ist, dann ist doch auch die Frage nach dem produktiven Zugewinn der Nachkommen jener anatolischen Bauern nur folgerichtig".

    Diese Behauptung der vererbbaren Intelilligenz ist mitnichten bewiesen, sie ist vollkommener Schwachsinn. Diese krude Behauptung ist ein Freibrief für all jene, die denken, dass Menschen bestimmter Herkunft keine finanziellen Mittel zur Bildung zur Verfügung gestellt bekommen müssen, weil das ohnehin vergebene Liebesmühe wäre. Das ist eine haarsträubende These. Menschen, die aus einfachsten und bildungstechnisch benachteiligten Verhältnissen kommen, können bei guter Förderung ihre kognitiven Fähigkeiten in hohem Maße steigern, ihr brachliegendes Potenzial besser nutzen. Wen man vernachlässigt, der degeneriert, und das gilt nicht etwa nur für Menschen aus von S. genannten Gebieten oder Schichten. Wie kann man sich darein versteigen, eine solche angebliche statistisch erwiesene Aussage zu glauben? Das ist entweder Ignoranz, weil man sich zur "upper class" wähnt oder Naivität, weil man glaubt, was selbsternannte "Wissenschaftler" von sich geben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • etiam
    • 16.09.2010 um 18:01 Uhr

    Zunächst die immer offene Frage: selbstverständlich ist Intelligenz hochgradig vererblich - siehe beispielsweise Annu Rev Neurosci. 2005;28:1-23.
    Genetics of brain structure and intelligence.
    Die SPD in Form von Gabriel agiert bei der Diskussion wie das Rumpelstielzchen: Es kann nicht sein, was nicht sein darf! In Gabriels Kommentar hier in der Zeit zieht er in seiner Not statt belastbarer Fakten noch den Verrat an der Aufklärung zu seiner Rechtfertigung heran und erkennt gar nicht, dass sein angeberisch aufgetragener intellektueller Scharfsinn in Wahrheit das Gegenteil von Scharfsinn ist - wohltuend anders hier bei Schmidt:
    Es geht keinesfalls darum, wer aus welchen Gründen wie intelligent ist - dass es hier Unterschiede gibt, und dass sich die Natur einen Dreck um sozialistische Gleichheitsideologien schert, dürfte dem Hartgesottensten so langsam dämmern. Die einzige Frage ist, wie die Gesellschaft damit umgeht.
    Und Gabriels SPD tut sich keinen Gefallen, wenn sie das Unvermeidbare leugnet und aus der Partei ausschliesst nur um es nicht adequat zu behandeln.
    Die Würde des Menschen ist unantastbar - der Intelligente nimmt sie sich selbst, integriert sich alleine (hier die Querverbindung, Herr Schmidt), und braucht keine Hilfe - dem anderen sollte man Unterstützung bieten - aber nicht dadurch, dass man sein Problem verallgemeinert und damit negiert! Das ist würdelos und unSOZIAL!

    • Leire
    • 17.09.2010 um 10:26 Uhr

    "Warum wird die Intelligenz nur zu 75% vererbt?"
    http://www.ib.hu-berlin.d...

    Rainer Riemann und Frank M. Spinath: Genetik und Persönlichkeit, In: Jürgen Henning und Petra Netter (Hrsg.): Biopsychologische Grundlagen der Persönlichkeit, München Elsevier – Spektrum Akademischer Verlag, ISBN 3-8274-0488-6, S. 617

    „Die verschiedenen Ansätze zur Untersuchung der Erblichkeit der Intelligenz erbringen keine vollständig konsistenten Befunde. Die höchsten Erblichkeitsschätzungen von etwa h(2) = 70% resultierten aus Studien an getrennt aufgewachsenen eineiigen Zwillingen, während sowohl der Vergleich eineiiger mit zweieiigen Zwillingen als auch Adoptionsstudien Erblichkeitsschätzungen erbringen, welche eher bei h(2) = 50% liegen, mitunter auch darunter. Ganz zweifellos jedoch konvergieren die Befunde dahingehend, dass individuelle Unterschiede im IQ zu einem erheblichen Teil genetisch bedingt sind. Weiterhin konvergieren die Befunde dahingehend, dass die unterschiedliche Qualität der Familienumwelt zu individuellen Unterschieden in der Intelligenz beiträgt. Die Schätzungen für c(2) schwanken dabei zwischen 20% und 40%.“
    Peter Borkenau: Anlage und Umwelt, Göttingen Hogrefe – Verlag für Psychologie, ISBN 3-8017-0662-1, S. 133

    http://de.metapedia.org/w...

    http://www.v-weiss.de/pub...

    http://www.v-weiss.de/tab...

    • Leire
    • 17.09.2010 um 10:26 Uhr

    »Intelligenzforscher: „Sarrazin zu beschimpfen, führt nicht weiter“«
    T. Sarrazin warnt vor einer Verdummung der Gesellschaft – weil Menschen aus bildungsfernen Schichten besonders viele Kinder bekämen. So Unrecht habe er nicht, sagt Intelligenzforscher Siegfried Lehrl .
    http://www.focus.de/wisse...

    "Was ist dran an Sarrazins Thesen?"
    Sarrazins Thesen sind, was die psychologischen Aspekte betrifft, im Großen und Ganzen mit dem Kenntnisstand der modernen psychologischen Forschung vereinbar. Hier und da ließe sich sicher eine abweichende Gewichtung vornehmen. Massive Fehlinterpretationen haben wir aber nicht gefunden. Sarrazin macht auch Vorschläge zur Förderung von Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern. Seine diesbezüglichen Anregungen sind vernünftig und unterscheiden sich wenig von denen, die in der aktuellen bildungspolitischen Diskussion auch von anderen geäußert werden (z. B. mehr Krippen; mehr und bessere Kindergärten; intensivierte Sprachförderung; Ganztagsschulen). (...)
    http://www.faz.net/s/Rub9...

    • etiam
    • 16.09.2010 um 18:01 Uhr

    Zunächst die immer offene Frage: selbstverständlich ist Intelligenz hochgradig vererblich - siehe beispielsweise Annu Rev Neurosci. 2005;28:1-23.
    Genetics of brain structure and intelligence.
    Die SPD in Form von Gabriel agiert bei der Diskussion wie das Rumpelstielzchen: Es kann nicht sein, was nicht sein darf! In Gabriels Kommentar hier in der Zeit zieht er in seiner Not statt belastbarer Fakten noch den Verrat an der Aufklärung zu seiner Rechtfertigung heran und erkennt gar nicht, dass sein angeberisch aufgetragener intellektueller Scharfsinn in Wahrheit das Gegenteil von Scharfsinn ist - wohltuend anders hier bei Schmidt:
    Es geht keinesfalls darum, wer aus welchen Gründen wie intelligent ist - dass es hier Unterschiede gibt, und dass sich die Natur einen Dreck um sozialistische Gleichheitsideologien schert, dürfte dem Hartgesottensten so langsam dämmern. Die einzige Frage ist, wie die Gesellschaft damit umgeht.
    Und Gabriels SPD tut sich keinen Gefallen, wenn sie das Unvermeidbare leugnet und aus der Partei ausschliesst nur um es nicht adequat zu behandeln.
    Die Würde des Menschen ist unantastbar - der Intelligente nimmt sie sich selbst, integriert sich alleine (hier die Querverbindung, Herr Schmidt), und braucht keine Hilfe - dem anderen sollte man Unterstützung bieten - aber nicht dadurch, dass man sein Problem verallgemeinert und damit negiert! Das ist würdelos und unSOZIAL!

    • Leire
    • 17.09.2010 um 10:26 Uhr

    "Warum wird die Intelligenz nur zu 75% vererbt?"
    http://www.ib.hu-berlin.d...

    Rainer Riemann und Frank M. Spinath: Genetik und Persönlichkeit, In: Jürgen Henning und Petra Netter (Hrsg.): Biopsychologische Grundlagen der Persönlichkeit, München Elsevier – Spektrum Akademischer Verlag, ISBN 3-8274-0488-6, S. 617

    „Die verschiedenen Ansätze zur Untersuchung der Erblichkeit der Intelligenz erbringen keine vollständig konsistenten Befunde. Die höchsten Erblichkeitsschätzungen von etwa h(2) = 70% resultierten aus Studien an getrennt aufgewachsenen eineiigen Zwillingen, während sowohl der Vergleich eineiiger mit zweieiigen Zwillingen als auch Adoptionsstudien Erblichkeitsschätzungen erbringen, welche eher bei h(2) = 50% liegen, mitunter auch darunter. Ganz zweifellos jedoch konvergieren die Befunde dahingehend, dass individuelle Unterschiede im IQ zu einem erheblichen Teil genetisch bedingt sind. Weiterhin konvergieren die Befunde dahingehend, dass die unterschiedliche Qualität der Familienumwelt zu individuellen Unterschieden in der Intelligenz beiträgt. Die Schätzungen für c(2) schwanken dabei zwischen 20% und 40%.“
    Peter Borkenau: Anlage und Umwelt, Göttingen Hogrefe – Verlag für Psychologie, ISBN 3-8017-0662-1, S. 133

    http://de.metapedia.org/w...

    http://www.v-weiss.de/pub...

    http://www.v-weiss.de/tab...

    • Leire
    • 17.09.2010 um 10:26 Uhr

    »Intelligenzforscher: „Sarrazin zu beschimpfen, führt nicht weiter“«
    T. Sarrazin warnt vor einer Verdummung der Gesellschaft – weil Menschen aus bildungsfernen Schichten besonders viele Kinder bekämen. So Unrecht habe er nicht, sagt Intelligenzforscher Siegfried Lehrl .
    http://www.focus.de/wisse...

    "Was ist dran an Sarrazins Thesen?"
    Sarrazins Thesen sind, was die psychologischen Aspekte betrifft, im Großen und Ganzen mit dem Kenntnisstand der modernen psychologischen Forschung vereinbar. Hier und da ließe sich sicher eine abweichende Gewichtung vornehmen. Massive Fehlinterpretationen haben wir aber nicht gefunden. Sarrazin macht auch Vorschläge zur Förderung von Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern. Seine diesbezüglichen Anregungen sind vernünftig und unterscheiden sich wenig von denen, die in der aktuellen bildungspolitischen Diskussion auch von anderen geäußert werden (z. B. mehr Krippen; mehr und bessere Kindergärten; intensivierte Sprachförderung; Ganztagsschulen). (...)
    http://www.faz.net/s/Rub9...

    • etiam
    • 16.09.2010 um 18:01 Uhr

    Zunächst die immer offene Frage: selbstverständlich ist Intelligenz hochgradig vererblich - siehe beispielsweise Annu Rev Neurosci. 2005;28:1-23.
    Genetics of brain structure and intelligence.
    Die SPD in Form von Gabriel agiert bei der Diskussion wie das Rumpelstielzchen: Es kann nicht sein, was nicht sein darf! In Gabriels Kommentar hier in der Zeit zieht er in seiner Not statt belastbarer Fakten noch den Verrat an der Aufklärung zu seiner Rechtfertigung heran und erkennt gar nicht, dass sein angeberisch aufgetragener intellektueller Scharfsinn in Wahrheit das Gegenteil von Scharfsinn ist - wohltuend anders hier bei Schmidt:
    Es geht keinesfalls darum, wer aus welchen Gründen wie intelligent ist - dass es hier Unterschiede gibt, und dass sich die Natur einen Dreck um sozialistische Gleichheitsideologien schert, dürfte dem Hartgesottensten so langsam dämmern. Die einzige Frage ist, wie die Gesellschaft damit umgeht.
    Und Gabriels SPD tut sich keinen Gefallen, wenn sie das Unvermeidbare leugnet und aus der Partei ausschliesst nur um es nicht adequat zu behandeln.
    Die Würde des Menschen ist unantastbar - der Intelligente nimmt sie sich selbst, integriert sich alleine (hier die Querverbindung, Herr Schmidt), und braucht keine Hilfe - dem anderen sollte man Unterstützung bieten - aber nicht dadurch, dass man sein Problem verallgemeinert und damit negiert! Das ist würdelos und unSOZIAL!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Im Buch "The Bell Curve" von Richard Herrnstein und Charles Murray (1994 bzw. 1996) finden Sie eine ausführliche Begründung für die Erblichkeit der Intelligenz und Verweise auf die Originalarbeiten.

    Doch kann man die Erblichkeit der Intelligenz auch ohne Zwillingsforschung nachweisen:

    (1) Die heutige Stellung des Menschen auf der Erde verdankt unsere Spezies nur ihrer höheren Intelligenz. Wäre dieses dominante Merkmal nicht vererbbar, hätte es keine Auslese gegeben und man könnte die heutige Stellung des Menschen nicht mit der Evolutionstheorie erklären.

    (2) Der IQ in einer Population, oder einer genügend großen Stichprobe, ist normal verteilt, was z. B. bedeutet, daß nur 5% einen IQ ≥ 125 haben und nur 2% einen IQ ≥130. Gäbe es keine, oder nur eine sehr kleine, erbliche Komponente, dann müßte bei gleichen äußeren Bedingungen, der IQ keiner Normalverteilung genügen, sondern für alle etwa gleich sein. Doch dem ist nicht so, wie man bei Geschwistern und anderen homogenen Gruppen, z.B. Schüler der oberen Mittelschicht, die aus vergleichbaren Elternhäusern kommen, sehen kann.

    Sie sollten versuchen, die Wirklichkeit nüchtern zu betrachten und nicht mit der rosaroten Brille eines Idealisten, der meint alle Menschen hätten das gleiche intellektuelle Potential, das man nur richtig fördern müsse.

    Im Buch "The Bell Curve" von Richard Herrnstein und Charles Murray (1994 bzw. 1996) finden Sie eine ausführliche Begründung für die Erblichkeit der Intelligenz und Verweise auf die Originalarbeiten.

    Doch kann man die Erblichkeit der Intelligenz auch ohne Zwillingsforschung nachweisen:

    (1) Die heutige Stellung des Menschen auf der Erde verdankt unsere Spezies nur ihrer höheren Intelligenz. Wäre dieses dominante Merkmal nicht vererbbar, hätte es keine Auslese gegeben und man könnte die heutige Stellung des Menschen nicht mit der Evolutionstheorie erklären.

    (2) Der IQ in einer Population, oder einer genügend großen Stichprobe, ist normal verteilt, was z. B. bedeutet, daß nur 5% einen IQ ≥ 125 haben und nur 2% einen IQ ≥130. Gäbe es keine, oder nur eine sehr kleine, erbliche Komponente, dann müßte bei gleichen äußeren Bedingungen, der IQ keiner Normalverteilung genügen, sondern für alle etwa gleich sein. Doch dem ist nicht so, wie man bei Geschwistern und anderen homogenen Gruppen, z.B. Schüler der oberen Mittelschicht, die aus vergleichbaren Elternhäusern kommen, sehen kann.

    Sie sollten versuchen, die Wirklichkeit nüchtern zu betrachten und nicht mit der rosaroten Brille eines Idealisten, der meint alle Menschen hätten das gleiche intellektuelle Potential, das man nur richtig fördern müsse.

  5. Sie haben meines Erachtens vollkommen recht.

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