DIE ZEIT: Sie verlassen nach sechs Jahren die ARD. Was war das für eine Zeit?

Harald Schmidt: Ich war mit Fritz Pleitgen, dem ehemaligen Intendanten, mal essen. Ich erinnere einen langen Monolog von ihm. Dann gab es ein Treffen mit Ulrich Deppendorf, da fragte er mich, ob ich mir was vorstellen könne über Türken im Vorabendprogramm. Ich machte einen Ein-Satz-Witz: Kommt ein Türke zur Arbeit. Wir haben gelacht, viel mehr war nicht. Ja, und dann habe ich Volker Herres, den Programmdirektor, bei Waldi Hartmanns Bühnenprogramm getroffen. Viel mehr Gespräche gab es nicht.

ZEIT: Man konnte lesen, Sie waren im Gespräch als Nachfolger von Mathias Richling als Chef beim Satiregipfel.

Schmidt: Das habe ich auch gelesen. Ich habe immer alles nur gelesen, gesprochen hat mit mir niemand. Ich hatte Mathias Richling sofort dreimal aufgeregt auf der Mailbox, mit der Bitte um Rückruf. Ich konnte ihn sofort beruhigen. Der Satiregipfel kam für mich nie infrage, ich sehe mich nicht als Kabarettisten. Ich veranstalte keine Abende mehr mit dem Sinn, am Ende recht zu behalten. Ich bin ein Late-Night-Moderator.

ZEIT: Was hatte die ARD sonst für Pläne mit Ihnen?

Schmidt: Weiß ich nicht. Ab und zu erreichte mich irgendein Konzept. Und da ich immer davon ausging, dass in der ARD nur absolute Topleute am Werk sind, nahm ich jede Idee total ernst.

ZEIT: Sie versprühen Gift.

Schmidt: Nein, gar nicht. Ich habe gar keinen Groll. Ich hatte eine gute Zeit bei der ARD. Aber als ehemaliger Marxist und einstiger Zivildienstleistender kann ich viel mit dem Satz anfangen: »Völker, hört die Signale!« Ich habe die Signale verstanden. Die Weihnachtsgrüße sind Jahr für Jahr formeller geworden.

ZEIT: Noch einmal gefragt: Es gab keinerlei Gespräche der Hauptverantwortlichen über Ihre Zukunft bei der ARD?

Schmidt: Nein. Mein Vertrag endet im Mai nächsten Jahres. Ich bin davon überzeugt, dass, wenn ich jetzt nicht gegangen wäre, unsere Zusammenarbeit aufgrund der möglichen neuen Angebote sowieso aufgehört hätte. Jetzt, am Montag dieser Woche, gab es ein Gespräch zwischen der ARD und meinem Produzenten und Partner Fred Kogel, da sollte auch über die Zukunft geredet werden. Da hat Kogel ihnen gesagt, dass wir am Freitag bei Sat.1 unterschrieben haben. Ich muss überhaupt sagen, dass mein Vereinswechsel in erster Linie von Kogel eingefädelt wurde. Ich war jetzt nur am Freitag bei der Vertragsunterzeichnung dabei. Kogel hat die richtige Entscheidung getroffen. Er sagte mir schon Anfang des Jahres, dass er es gut fände, wenn ich meine Frequenz auf dem Schirm wieder steigern würde. Ich hatte sechsundzwanzig Sendungen im Jahr bei der ARD, bei Sat.1 werden es mehr als siebzig sein. Darauf freue ich mich.

ZEIT: Wie ist jetzt die Stimmung bei der ARD nach Ihrer Entscheidung?

Schmidt: Ich glaube, die freuen sich. Die sind erleichtert, die wussten nicht, wohin mit mir. Jetzt hinterlasse ich 26 Sendeplätze und ’ne Menge Kohle. Mein Etat reicht für 500 Ina-Müller-Sendungen.

ZEIT: Und wie geht es Ihnen? Wieder Late Night, wieder Sat.1.