Pendelnde Arbeiter radeln an den Kühltürmen eines Kohlekraftwerks in einem Vorort von Peking vorbei © Frederic J. Brown/AFP/Getty Images

2 -Giganten wollen zusammen 150 Millionen Dollar investieren. Das wird bei Weitem nicht reichen, um ihre Energieprobleme zu lösen, aber es ist ein Anfang – und eine Geste. So weit, dem Zentrum auch einen gemeinsamen Sitz zu geben, wollten die neuen Partner aber nicht gehen. Es wird Hauptquartiere in beiden Ländern geben. In den ersten Projekten wollen die Forscher klimafreundliche Autos und Kohlekraftwerke entwickeln; die werden sowohl in den USA als auch in China dringend gebraucht.

Die bösen Buben der Klimapolitik wollen gemeinsame Sache machen: Die USA und China, die größten Energieverbraucher und Abgassünder der Welt, haben ein Zentrum für die Erforschung sauberer Energie gegründet. Die sonst heftig konkurrierenden CO

Erstaunlicher noch als der Schulterschluss der beiden Rivalen sind jedoch die Motive der USA. Was verspricht sich die Hightech-Nation von einer Zusammenarbeit mit dem als Klima-Schmuddelkind und Plagiator vom Dienst verschrienen Reich der Mitte? Oberflächlich betrachtet ist der Handel klar – Spitzenforschung gegen Marktchancen. Doch da ist mehr, sagt Dennis Assanis, der Direktor des Michigan Memorial Phoenix Energy Institute und Chef des Autoprojekts: "Die Universitäten in China sind stark darin, Technologien als komplette Prototypen zu demonstrieren." Das könne die Stärke der USA in der Entwicklung neuer Technik gut ergänzen.

Vom Labor auf die Straße, von 0 auf 100 in kürzester Zeit – das ist eine chinesische Spezialität, auch in anderen Bereichen. Beispiel CO 2 -arme Kohlekraftwerke: Innerhalb von neun Monaten wurde in Peking eine Pilotanlage hochgezogen; bis 2015 will China eine Anlage bauen, die Kohlendioxid aus dem Abgas abscheidet, damit es unterirdisch gespeichert werden kann. Gut möglich, dass es das erste Kraftwerk dieser Art in der Welt sein wird, denn ähnliche Vorhaben in den USA oder in Deutschland kommen nur schleichend voran ( ZEIT Nr. 24/09 ). Im aktuellen Energiekonzept der deutschen Bundesregierung sind zwar zwei Testanlagen vorgesehen – Probelauf aber erst 2020.

Amerikanische Forscher haben offenbar erkannt, dass eine Zusammenarbeit den Weg von der Theorie zur Praxis verkürzen kann. Auch deutsche Wissenschaftler sollten ihre bereits bestehenden Kooperationen mit China ausbauen. Wenn jemand Erfahrung damit hat, technologische Entwicklungen schnell umzusetzen, und das in großem Stil, dann ist es China. Das Kohleland montierte innerhalb kürzester Zeit die weltweit zweitgrößte Phalanx von Windkraftanlagen. Deshalb können sich auch Energiepolitiker etwas vom chinesischen Pragmatismus abschauen; besonders in Deutschland, wo die Regierung ein halbherziges Energiekonzept als großen Wurf feiert.

Aber der Ökoboom in China hat auch eine Kehrseite. Aus Plänen wird dort auch deshalb so schnell Realität, weil sich ihre Umsetzung einfach befehlen lässt, mitunter ohne Rücksicht auf Verluste. Ein Endlager für CO 2 ? Kein Problem!

Das bringt die Technik voran, aber auch Risiken mit sich. Und da könnte wiederum China etwas aus der Kooperation lernen: Dass es manchmal auch klug ist, Gefahren genauer zu prüfen. Und für den Westen sollte das Lernziel klar lauten: Ökopragmatismus ja, Ökodiktatur nein.