© ZEIT-Grafik

Ein kleiner Bach, darüber dunkle Tannen an steilen Hängen – kühl und still liegt das Haselbachtal oberhalb von Bad Säckingen zwischen Basel und Konstanz.

In zehn Jahren soll es komplett geflutet sein. Bis zu 75 Meter hoch stünde das Wasser, abgeriegelt von einer der höchsten Staumauern Deutschlands. Gut zehn Kilometer entfernt, hoch im Bergmassiv, wird ein zweiter Kunstsee entstehen. Die Spitze des 1020 Meter hohen Abhaus muss dafür gesprengt, das Geröll zu einem Ringdamm aufgeschichtet und betoniert werden.

Neun Millionen Kubikmeter Wasser könnten dann durch meterdicke unterirdische Rohre zwischen Ober- und Unterbecken des sogenannten Pumpspeicherwerks hin und her schießen (siehe Infografik). Strom würde dabei nicht erzeugt, das Großprojekt soll der effizenten Energiespeicherung dienen. Für die sichere Stromversorgung sind solche Anlagen unverzichtbar. 1400 Megawatt – so viel wie ein großes Atomkraftwerk – könnte das in einer Kaverne tief im Inneren des Bergs errichtete Kraftwerk innerhalb weniger Sekunden ins Netz einspeisen – oder, wenn das Wasser den Berg wieder hinaufgepumpt wird, verbrauchen. 1,2 Milliarden Euro soll der Bau kosten, Deutschlands größtes Pumpspeicherwerk.

Michael Peter und die anderen Mitglieder der "Bürgerinitiative zum Erhalt des Abhaus und des Haselbachtals" wollen das Projekt verhindern. Mehr als 7500 Unterschriften haben sie zwei Jahre vor dem geplanten Beginn der Bauarbeiten in den umliegenden Dörfern und Kleinstädten gesammelt, fast 1000 Einwände wurden gegen das Raumordnungsverfahren erhoben und müssen vom zuständigen Regierungspräsidium auf einem Erörterungstermin Ende September im Bad Säckinger Kurhaus abgearbeitet werden.

Sprengungen und Lkw-Kolonnen gefährden Ökologie und Tourismus

"Eine einzigartige Berglandschaft würde unwiederbringlich versiegelt", sagt Peter mit Blick über den nebelverhangenen Hotzenwald hinauf zum Abhau. Mehr als vierzig vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten gebe es hier. Peter hat in Folie verschweißte Schaubilder und Karten bei sich. Darauf ist zu sehen, wie die geplanten Baustellen in ein Wasserschutzgebiet hineinragen und direkt an Vogelschutzzonen grenzen. Fünf Jahre Sprengungen, Lärm, Staub und Zehntausende Lkw-Fahrten über die kurvigen Sträßchen würden Touristen verschrecken und die Heilquellen des Kurorts Bad Säckingen gefährden.

Auf die Ökologie beruft sich auch der Bauherr, die Schluchseewerk AG. Das Gemeinschaftsunternehmen der Stromriesen RWE und EnBW baut und betreibt seit mehr als achtzig Jahren Pumpspeicherwerke im Südschwarzwald. Derzeit sorgt ein System aus 14 Staubecken und fünf Kraftwerken für ein Viertel der deutschen Pumpspeicherwerksleistung. Der geplante Neubau würde diese Kapazität fast verdoppeln. "Für einen wachsenden Anteil erneuerbarer Energien sind wir dringend auf neue Pumpspeicherwerke angewiesen", sagt der Projektleiter, Andreas Schmidt.

Seine Powerpoint-Folien zeigen, warum Haselbachtal und Abhau ideale Voraussetzungen dafür bieten. "Der Hotzenwald ist ein besonders standfestes Gebirge aus Gneis und Granit", sagt der gelernte Vermessungsingenieur, "die Baumaßnahmen finden außerhalb der bestehenden Schutzgebiete statt, niemand muss dafür umgesiedelt werden, der Strom kann in das bestehende Umspannwerk eingespeist werden, ein Neubau von Freileitungen ist nicht nötig." Ein "absolutes Alleinstellungsmerkmal" sei zudem die Fallhöhe des Wassers vom Oberbecken auf die Turbinen 600 Meter unterhalb im Berg. "So gut wie hier ist das Verhältnis zwischen Flächenbedarf und Kraftwerksleistung nirgendwo sonst in Deutschland."