Einmarsch in Tibet Der höfliche Überfall

Vor sechzig Jahren, im Herbst 1950, marschierten die Chinesen in Tibet ein

Chinesische Truppen marschieren um 1950 durch das tibetische Hochland. Gerade erst war die Volksbefreiungsarmee in Tibet eingerückt

Chinesische Truppen marschieren um 1950 durch das tibetische Hochland. Gerade erst war die Volksbefreiungsarmee in Tibet eingerückt

Im September 1950 war es so weit. Chinas Volksbefreiungsarmee hatte ihre Vorbereitungen abgeschlossen. Die neue Straße zur tibetischen Grenze am Oberlauf des Jangtsekiang war fertig, und die Truppen hatten sechs Monate intensives Training hinter sich. Sie waren gerüstet für Kämpfe im Hochgebirge, für Märsche in hohem Tempo. In raschen Vorstößen sollten Tibets Truppen eingekesselt werden.

Der entscheidende Mann am Ort war Deng Xiaoping, später de facto Nachfolger Mao Tse-tungs, seinerzeit politischer Kommissar der Militärregion Südwest. Gewalt wollte er nur sparsam einsetzen. Stattdessen sollten möglichst viele Tibeter für das neue Regime gewonnen werden. Proklamationen versprachen »Garantie der Religionsfreiheit, Respekt vor Sitten und Gebräuchen und Schutz der Klöster und Tempel«. Die Soldaten bekamen Unterricht in tibetischer Religion, Kultur und Sprache. Unermüdlich wurde ihnen eingeschärft, »den Massen nicht eine Nadel wegzunehmen. […] Sprecht freundlich zu den Leuten.«

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Direkte Verhandlungen hatte es zwischen Peking und Lhasa noch nicht gegeben. Aber die Tibeter wussten aus dem Radio, dass Chinas Truppen noch 1950 Tibet »befreien« wollten. Am 16. September traf sich immerhin in Delhi eine Delegation unter Leitung von Shakabpa Wangchuk Deden, einem Beamten vierten Grades, mit dem neuen chinesischen Botschafter Yuan Chung-hsien. Shakabpa versuchte Pekings Mann begreiflich zu machen, dass eine Befreiung Tibets vom Imperialismus ganz unnötig sei, denn es gebe keine imperialistischen Einflüsse. Dies freue ihn zu hören, erwiderte Yuan. Drei Punkte stünden allerdings nicht zur Verhandlung: Tibet sei als Teil Chinas zu betrachten, China sei verantwortlich für Tibets Verteidigung, und alle Verbindungen zu fremden Ländern würden von der Volksrepublik geregelt. Yuan erklärte, falls die Tibeter diese drei Punkte nicht akzeptierten, sei der Krieg unvermeidlich.

Shakabpa machte sich keine Illusionen. In Gesprächen mit ausländischen Diplomaten und Politikern hatte er mehrmals gefragt, ob Tibet auf Hilfe von außen hoffen könne. Vor allem die indische Haltung war wichtig. Premierminister Jawaharlal Nehru erklärte den Tibetern, sie sollten verhandeln. Beharrten sie auf ihrer Unabhängigkeit, werde es allerdings »sehr schwierig, eine Vereinbarung zu erzielen«. Offensichtlich wollte Nehru, der ohnehin darüber verärgert war, dass Tibet kurz zuvor noch territoriale Forderungen an sein Land gerichtet hatte, Indiens Verhältnis zu China nicht belasten. So empfahl Shakabpa schließlich seiner eigenen Regierung in Lhasa eindringlich, flexibel zu sein. Aber die regierenden Mönche und weltlichen Adeligen konnten zu keinem Entschluss kommen. Am 28. September wurde Shakabpa beschieden, er solle versuchen, die Chinesen hinzuhalten. Eine absurd hilflose Weisung.

Am 7. Oktober überquerte die Volksbefreiungsarmee an drei Stellen den Jangtsekiang. Die schwachen tibetischen Truppen wurden völlig überrascht und konnten nur sporadisch Widerstand leisten. Ngabö Ngawang Jigme, der örtliche Provinzgouverneur, erbat aus Lhasa Instruktionen. Aber er bekam keine Antwort. Die Spitzenbeamten waren beim Picknick und durften nicht gestört werden.

Ngabö entschloss sich zum Rückzug aus der Provinzhauptstadt Tschamdo. Aber wie Robert Ford, ein englischer Funkspezialist in tibetischen Diensten, beobachtete: »In der Stadt brach Panik aus. Die Leute liefen in alle Richtungen und versuchten mitzunehmen, was sie tragen konnten.« Um Tibets Truppen stand es derweil schlecht: »Die tibetische Armee war nicht auf einen Rückzug vorbereitet. Als die Soldaten an die Front gegangen waren, hatten sie ihre Familien mitgenommen. So begleiteten die Kämpfer Frauen und Kinder, dazu kamen halbe Haushalte, aufgetürmt auf Yaks oder Mauleseln. Man sah Zelte, Töpfe und Pfannen, Teppiche, Buttergefäße, Kleidungsbündel, und man sah Babys auf dem Rücken ihrer Mütter. Ein fantastischer Anblick.«

Am 19. Oktober unterzeichnete Ngabö die Kapitulation seiner Truppen. Die Tibeter mussten sich Ansprachen über den Sozialismus und die Einheit des Mutterlandes anhören, bekamen dann aber Geld und Lebensmittel und durften nach Hause gehen. Chinas Soldaten legten in der Tat eine mustergültige Disziplin an den Tag.

Leser-Kommentare
    • nux
    • 17.09.2010 um 17:00 Uhr

    ...Herr Zank für diesen Artikel ohne das übliche Schwarzweiß-Bild mit "China ist böse und Tibet gut".

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    Auf den ersten drei Seiten, wird die Rückständigkeit und Feudalherschaft des Dalei Lamas beschrieben danach die Auswirkungen der Wirrungen der Kulturrevolution, die ja unbestritten ein Akt des Wahnsinns waren.
    Ich fand den Artikel eigentlich recht ausgewogen, obwohl mit dem letzten Absatz durchaus die politische Position des Authors preisgegeben wird, eben deswegen muss man zu diesem Artikel gratulieren.

    Auf den ersten drei Seiten, wird die Rückständigkeit und Feudalherschaft des Dalei Lamas beschrieben danach die Auswirkungen der Wirrungen der Kulturrevolution, die ja unbestritten ein Akt des Wahnsinns waren.
    Ich fand den Artikel eigentlich recht ausgewogen, obwohl mit dem letzten Absatz durchaus die politische Position des Authors preisgegeben wird, eben deswegen muss man zu diesem Artikel gratulieren.

  1. nux meint ja mit "ohne das übliche Schwarzweiß-Bild mit "China ist böse und Tibet gut"", dass der Artikel ausgewogen ist.

    Hinsichtlich des letzten Abschnitts bin ich mir nicht sicher: Nationalstaat war eine Geschichte des 19. Jahrhunderts als Marx und Engels lebten. Den hat es vor und nach der 1950er Besetzung nicht gegeben in Tibet. Der buddhistische Gottestaat, der kurz vor den olympischen Spielen mit Mord und Todschlag wieder sein hässliches Gesicht zeigt, als Mönche wüteten, hat ja mit Nation nichts zu tun.

    Han-Chinesen und Mongolen hat es in Tibet seit vielen Jahrhunderten immer gegeben. Der erste Dalai Lama wurde ja auch von einem Chinesen eingesetzt. Nation passt im 21. Jahrhundert nicht mehr. Deutschland hat ja auch in den letzten hundert Jahren vielfach sein Verwaltungsgebiet geändert. Allein, die Säkularisierung in Europa war 150 Jahre vor der in Tibet. Von daher kann man für die Tibeter hoffen, dass sie vielleicht mit den Han-Chinesen den brutalen Feudalismus schneller überwinden wie wir in Europa es in Europa geschafft haben bei Klerus und Adel.
    Zumal Propaganda-Feldzüge heute immer misslingen, auf allen Seiten.

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    • reven
    • 18.09.2010 um 3:49 Uhr

    "Han-Chinesen und Mongolen hat es in Tibet seit vielen Jahrhunderten immer gegeben. "

    Machen Sie sich nicht lächerlich.Nach Ihrer Logik könnte man auch meinen, dass Frankreich oder England zu Deutschland gehören, weil es dort seit vielen Jahrhunderten Deutsche gegeben hat.Die Han-Chinesen und Mongolen waren eine absolute Minderheit im Alten Tibet.Vor 1950 wurde Tibet noch nie von den Han-Chinesen unterworfen.

    • reven
    • 18.09.2010 um 4:25 Uhr

    "Der erste Dalai Lama wurde ja auch von einem Chinesen eingesetzt. "

    Nein.Sönam Gyatsho bekam den Titel "Dalai lama" erstmals vom Mongolenfürst Altan Khan. Und der Altan Khan hat seinerzeit gegen das (han)chinesische Reich der Ming gekämpft.

    Der postum zum ersten Dalai Lama erklärten Gendün Drub war nur ein Abt in Tibet und wurde NICHT von Chinesen als Abt eingesetzt.Überhaupt hatten die Chinesen der Ming-Dynastie nur sehr wenig Einfluss auf Tibet.

    Der Titel "Dalai Lama " setzt sich aus dem Mongolischen und Tibetischen zusammen ! Der Titel und der Posten des Dalai Lamas wurde von einem mongolischen König, Altan Khan, der Schutzpatron Tibets war ins Leben gerufen ! Dieser förderte den Buddhismus in der Mongolei. Welches "hässliches Gesicht " ?! Versetz dich mal in die Lage eines Tibeters ! Das Leben in China ist für sie nicht lebenswert ! Die Umstände müssen so schlimm sein, dass sogar friedliebende Mönche zu Gewalttätern werden !!!

    • reven
    • 18.09.2010 um 3:49 Uhr

    "Han-Chinesen und Mongolen hat es in Tibet seit vielen Jahrhunderten immer gegeben. "

    Machen Sie sich nicht lächerlich.Nach Ihrer Logik könnte man auch meinen, dass Frankreich oder England zu Deutschland gehören, weil es dort seit vielen Jahrhunderten Deutsche gegeben hat.Die Han-Chinesen und Mongolen waren eine absolute Minderheit im Alten Tibet.Vor 1950 wurde Tibet noch nie von den Han-Chinesen unterworfen.

    • reven
    • 18.09.2010 um 4:25 Uhr

    "Der erste Dalai Lama wurde ja auch von einem Chinesen eingesetzt. "

    Nein.Sönam Gyatsho bekam den Titel "Dalai lama" erstmals vom Mongolenfürst Altan Khan. Und der Altan Khan hat seinerzeit gegen das (han)chinesische Reich der Ming gekämpft.

    Der postum zum ersten Dalai Lama erklärten Gendün Drub war nur ein Abt in Tibet und wurde NICHT von Chinesen als Abt eingesetzt.Überhaupt hatten die Chinesen der Ming-Dynastie nur sehr wenig Einfluss auf Tibet.

    Der Titel "Dalai Lama " setzt sich aus dem Mongolischen und Tibetischen zusammen ! Der Titel und der Posten des Dalai Lamas wurde von einem mongolischen König, Altan Khan, der Schutzpatron Tibets war ins Leben gerufen ! Dieser förderte den Buddhismus in der Mongolei. Welches "hässliches Gesicht " ?! Versetz dich mal in die Lage eines Tibeters ! Das Leben in China ist für sie nicht lebenswert ! Die Umstände müssen so schlimm sein, dass sogar friedliebende Mönche zu Gewalttätern werden !!!

  2. "Nach dem Aufstand 1959 zeigte China dann sein grausames Gesicht"

    Von wem stammt die Formulierung "grausames Gesicht". Im Artikel wird die von Zank nicht erwähnt. Ist sie von den Online-Redakteuren dazu gedichtet worden oder tatsächlich von Zank? Die Formulierung passt auf jeden Fall nicht zum Artikel.

  3. Ein sehr gelungener Artikel! Es wurde Geschichte Tibet der neuer Zeit gut beschrieben. Leider einige Stellen politisch nicht ganz neutral wie z.B. "grausames Gesicht" und "Nationen", solche Sachen haben mit der Geschichte nichts zu tun. Tibeter, Han-Chinesen usw. sind Volksgruppen und keine Nationen. Ob das Vorgehen grausam war oder angemessen, ist für die Geschichte gar nicht wichtig, wichtig ist nur, was geschah.

    Man sieht hier klar, dass Tibet nie richtig unabhängig war wie immer behautet. Wenn man chinesische Geschichte kennt, weiß man, dass es in derselben Zeit (etwa zwischen den zwei Weltkriegen) unzählig unabhängige Gebiete innerhalb China gab. Dass Tibet ein Sonderfall ist, ist sicher wegen der Lage (Dach der Welt und die Grenze zu Indien) und Marketing des Westen. Im Artikel ist auch sichtlich, dass es in Tibet nicht nur Tibeter gab und dass Tibeter nicht nur in Tibet zu Hause waren. Tibeter gehören zu einer Volksgruppe, welche in höheren Bergen wohnen, diese wohnte und wohnt von der Mongolei bis Südost China. Es wäre auch interessant, wenn man nicht nur die letzten paar Hundert Jahre, sondern die Tausende von Jahren der Geschichte anschaut könnte.

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    • reven
    • 18.09.2010 um 2:46 Uhr

    Natürlich waren die Tibeter eine Nation.
    Wenn man die chinesische Geschichte kennt, dann weiss man, dass die Han-Chinesen, die eigentlichen Chinesen im ethnischen Sinne, bei der Revolution von 1911 einen han-chinesischen Nationalstaat schaffen und die mandschurische Fremdherrschaft über China (Das Kaiserreich von Qing) stürzen wollten.Um die Mandschuren aus China zu vertreiben, waren die han-chinesischen Revolutionäre um Sun Yat-Sen (der später als Vater der chinesischen Nation verehrt wird) auch bereit, die nicht-han-chinesischen Gebiete des Kaiserreiches aufzugeben.
    Tibet war zur Zeit des Qing-Kaissereiches eine Art Protektorat der Mandschuren.Die Tibeter waren dem Mandschurischen Kaiserhof zur Treue verpflichtet, aber nicht den Han-Chinesen oder den han-chinesisch dominierten chinesischen Nationalstaat.Genauer gesagt besaßen die Tibeter sowohl im Mongolischen Yuan-Reich (das China fast 100 jahre beherrschte), als auch im Mandschurischen Reich Qing einen höheren Status als die von Mongolen und Mandschuren unterworfenen Chinesen.

    • reven
    • 18.09.2010 um 3:11 Uhr

    1911 riefen die Han-Chinesen die Repulik China aus.Ein jahr später brach das mandschurische Qing Reich in sich zusammen und der letzte Qing-Kaiser musste abdanken.

    Dann versuchte die neue han-chinesisch dominierte chinesische Republik das imperiale Erbe der Qing zu übernehmen.Sie erhob territoriale Ansprüche auf die nicht-Han Gebiete des mandschurischen Reiches.

    Tibet wollte aber nicht Teil der neuen han-chinesisch dominierten chinesischen Republik sein, also erklärte Tibet 1913 zusammen mit der Mongolei sich für unabhängig.Und Tibet blieb unabängig, bis Tibet 1950 von der VR China annektiert wurde.

    Übrigens war Korea auch ein Protektorat des mandschurischen Qing-Reiches, das erst 1897 unabhängig wurde.Nach deiner Logik könnte man das also auch als ein Argument eines chinesischen Annektion Koreas nutzen.

    China selber verfiel 1916 im Bürgerkrieg der Warlords, nachdem sich Yuan-Shi-kai zum Kaiser gekrönt hatte und daran scheitert war.Dann war die Zentralregierung in Peking nicht in der Lage, das Land politisch zu einen.Jedoch wurde China 1928, zumindest offiziell, unter der Flagge der nationalchinesischen Regierung von Nanking wieder vereint.

    Der Unterschied zu Tibet war, dass die chinesischen Provinzen selbst unter der Herrschaft der Walords die Souveränität der Republik China akzeptierten und in die Republik eigegliedert waren, obgleich sie der zentralregierung manchmal nicht gehorchten.

    • reven
    • 18.09.2010 um 4:03 Uhr

    "Im Artikel ist auch sichtlich, dass es in Tibet nicht nur Tibeter gab und dass Tibeter nicht nur in Tibet zu Hause waren. Tibeter gehören zu einer Volksgruppe, welche in höheren Bergen wohnen, diese wohnte und wohnt von der Mongolei bis Südost China"

    Natürlich gibt es auch Tibeter außerhalb ihres hauptsächlichen Siedlungsraumes.Es gibt auch eine Deutsche Minderheit in vielen europäischen Ländern.In nahezu allen südasiatischen ländern gibt es eine signifikante han-chinesische Minderheit.

    Was wollen Sie damit sagen?

    • Banuta
    • 18.09.2010 um 9:46 Uhr

    "Ob das Vorgehen grausam war oder angemessen, ist für die Geschichte gar nicht wichtig, wichtig ist nur, was geschah."

    Ob Umstände grausam waren oder nicht ist eine essentielle Feststellung, auch für den geschichtlichen Diskurs. Andernfalls würde man jedem historischen Vorgang nicht gerecht, da man jedes Vorgehen verklären würde.

    Soviel Kritik muss an jedem erlaubt sein, da praktisch jedes Volk einen oder mehrere dunkle Flecken in ihrer Geschichte hat. Dieser Verantwortung muss man sich stellen und das auch aushalten. Auch der Verweis auf "vor der eigenen Haustüre kehren" ist kein Argument, vielmehr widersetzt man sich der Aufbereitung der eigenen Vergangenheit und lenkt gezielt auf andere.

    Das gesagte trifft natürlich auch in besonderem Maße auf uns zu, auch wir müssen Kritik aushalten und das ist gut so.

    • reven
    • 18.09.2010 um 2:46 Uhr

    Natürlich waren die Tibeter eine Nation.
    Wenn man die chinesische Geschichte kennt, dann weiss man, dass die Han-Chinesen, die eigentlichen Chinesen im ethnischen Sinne, bei der Revolution von 1911 einen han-chinesischen Nationalstaat schaffen und die mandschurische Fremdherrschaft über China (Das Kaiserreich von Qing) stürzen wollten.Um die Mandschuren aus China zu vertreiben, waren die han-chinesischen Revolutionäre um Sun Yat-Sen (der später als Vater der chinesischen Nation verehrt wird) auch bereit, die nicht-han-chinesischen Gebiete des Kaiserreiches aufzugeben.
    Tibet war zur Zeit des Qing-Kaissereiches eine Art Protektorat der Mandschuren.Die Tibeter waren dem Mandschurischen Kaiserhof zur Treue verpflichtet, aber nicht den Han-Chinesen oder den han-chinesisch dominierten chinesischen Nationalstaat.Genauer gesagt besaßen die Tibeter sowohl im Mongolischen Yuan-Reich (das China fast 100 jahre beherrschte), als auch im Mandschurischen Reich Qing einen höheren Status als die von Mongolen und Mandschuren unterworfenen Chinesen.

    • reven
    • 18.09.2010 um 3:11 Uhr

    1911 riefen die Han-Chinesen die Repulik China aus.Ein jahr später brach das mandschurische Qing Reich in sich zusammen und der letzte Qing-Kaiser musste abdanken.

    Dann versuchte die neue han-chinesisch dominierte chinesische Republik das imperiale Erbe der Qing zu übernehmen.Sie erhob territoriale Ansprüche auf die nicht-Han Gebiete des mandschurischen Reiches.

    Tibet wollte aber nicht Teil der neuen han-chinesisch dominierten chinesischen Republik sein, also erklärte Tibet 1913 zusammen mit der Mongolei sich für unabhängig.Und Tibet blieb unabängig, bis Tibet 1950 von der VR China annektiert wurde.

    Übrigens war Korea auch ein Protektorat des mandschurischen Qing-Reiches, das erst 1897 unabhängig wurde.Nach deiner Logik könnte man das also auch als ein Argument eines chinesischen Annektion Koreas nutzen.

    China selber verfiel 1916 im Bürgerkrieg der Warlords, nachdem sich Yuan-Shi-kai zum Kaiser gekrönt hatte und daran scheitert war.Dann war die Zentralregierung in Peking nicht in der Lage, das Land politisch zu einen.Jedoch wurde China 1928, zumindest offiziell, unter der Flagge der nationalchinesischen Regierung von Nanking wieder vereint.

    Der Unterschied zu Tibet war, dass die chinesischen Provinzen selbst unter der Herrschaft der Walords die Souveränität der Republik China akzeptierten und in die Republik eigegliedert waren, obgleich sie der zentralregierung manchmal nicht gehorchten.

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    • 18.09.2010 um 4:03 Uhr

    "Im Artikel ist auch sichtlich, dass es in Tibet nicht nur Tibeter gab und dass Tibeter nicht nur in Tibet zu Hause waren. Tibeter gehören zu einer Volksgruppe, welche in höheren Bergen wohnen, diese wohnte und wohnt von der Mongolei bis Südost China"

    Natürlich gibt es auch Tibeter außerhalb ihres hauptsächlichen Siedlungsraumes.Es gibt auch eine Deutsche Minderheit in vielen europäischen Ländern.In nahezu allen südasiatischen ländern gibt es eine signifikante han-chinesische Minderheit.

    Was wollen Sie damit sagen?

    • Banuta
    • 18.09.2010 um 9:46 Uhr

    "Ob das Vorgehen grausam war oder angemessen, ist für die Geschichte gar nicht wichtig, wichtig ist nur, was geschah."

    Ob Umstände grausam waren oder nicht ist eine essentielle Feststellung, auch für den geschichtlichen Diskurs. Andernfalls würde man jedem historischen Vorgang nicht gerecht, da man jedes Vorgehen verklären würde.

    Soviel Kritik muss an jedem erlaubt sein, da praktisch jedes Volk einen oder mehrere dunkle Flecken in ihrer Geschichte hat. Dieser Verantwortung muss man sich stellen und das auch aushalten. Auch der Verweis auf "vor der eigenen Haustüre kehren" ist kein Argument, vielmehr widersetzt man sich der Aufbereitung der eigenen Vergangenheit und lenkt gezielt auf andere.

    Das gesagte trifft natürlich auch in besonderem Maße auf uns zu, auch wir müssen Kritik aushalten und das ist gut so.

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    • 18.09.2010 um 2:46 Uhr

    Natürlich waren die Tibeter eine Nation.
    Wenn man die chinesische Geschichte kennt, dann weiss man, dass die Han-Chinesen, die eigentlichen Chinesen im ethnischen Sinne, bei der Revolution von 1911 einen han-chinesischen Nationalstaat schaffen und die mandschurische Fremdherrschaft über China (Das Kaiserreich von Qing) stürzen wollten.Um die Mandschuren aus China zu vertreiben, waren die han-chinesischen Revolutionäre um Sun Yat-Sen (der später als Vater der chinesischen Nation verehrt wird) auch bereit, die nicht-han-chinesischen Gebiete des Kaiserreiches aufzugeben.
    Tibet war zur Zeit des Qing-Kaissereiches eine Art Protektorat der Mandschuren.Die Tibeter waren dem Mandschurischen Kaiserhof zur Treue verpflichtet, aber nicht den Han-Chinesen oder den han-chinesisch dominierten chinesischen Nationalstaat.Genauer gesagt besaßen die Tibeter sowohl im Mongolischen Yuan-Reich (das China fast 100 jahre beherrschte), als auch im Mandschurischen Reich Qing einen höheren Status als die von Mongolen und Mandschuren unterworfenen Chinesen.

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    • 18.09.2010 um 3:11 Uhr

    1911 riefen die Han-Chinesen die Repulik China aus.Ein jahr später brach das mandschurische Qing Reich in sich zusammen und der letzte Qing-Kaiser musste abdanken.

    Dann versuchte die neue han-chinesisch dominierte chinesische Republik das imperiale Erbe der Qing zu übernehmen.Sie erhob territoriale Ansprüche auf die nicht-Han Gebiete des mandschurischen Reiches.

    Tibet wollte aber nicht Teil der neuen han-chinesisch dominierten chinesischen Republik sein, also erklärte Tibet 1913 zusammen mit der Mongolei sich für unabhängig.Und Tibet blieb unabängig, bis Tibet 1950 von der VR China annektiert wurde.

    Übrigens war Korea auch ein Protektorat des mandschurischen Qing-Reiches, das erst 1897 unabhängig wurde.Nach deiner Logik könnte man das also auch als ein Argument eines chinesischen Annektion Koreas nutzen.

    China selber verfiel 1916 im Bürgerkrieg der Warlords, nachdem sich Yuan-Shi-kai zum Kaiser gekrönt hatte und daran scheitert war.Dann war die Zentralregierung in Peking nicht in der Lage, das Land politisch zu einen.Jedoch wurde China 1928, zumindest offiziell, unter der Flagge der nationalchinesischen Regierung von Nanking wieder vereint.

    Der Unterschied zu Tibet war, dass die chinesischen Provinzen selbst unter der Herrschaft der Walords die Souveränität der Republik China akzeptierten und in die Republik eigegliedert waren, obgleich sie der zentralregierung manchmal nicht gehorchten.

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    Wenn ich Ihre Kommentare lese, muss ich zugeben, dass Sie chinesische Geschichte sehr gut kennen. Leider ist man immer auch subjektiv (nicht nur objektiv). Ich bin z.B. kann auch subjektiv sein. Länder, die wir heute kennen, sind durch Geschichte und auch Zufall entstanden (Gott hat Hände hier nichts zu tun).
     
    Es stimmt, dass Tibet wie Korea und Mongolei zu dem Einflussgebiet Chinas war. Im Vergleich zu Tibet hatten diese zwei viel mehr Selbständigkeit und mehr Glück. Trotzdem leben heute ein Teil der Korea- und Mongolen-Volksgruppe in China (Der Provinz bei Korea wird koreanisch gesprochen und Innenmongolei liegt ja in China und nicht in der Mongolei). Wenn man von Nationen spricht, müsste China solche Gebiete abtrennen und Deutschland wäre viel grösser (Hitler lässt grüssen!). Daneben sind viele Volksgruppen in China, die auch einen eigenen Staat wünschen (ich selbst wollte/träume auch mein eigenes Königreich). China selbst war häufig auch nicht ein Land und heute leben etwa 100 Mio. der Han-Volksgruppe ausserhalb China. Natürlich ist man mehr oder wenig benachteiligt, wenn man nicht zu der Mehrheit gehört. Wenn eine Gesellschaft gut entwickelt ist und Gesetze mehr oder wenig gerecht sind, ist die Benachteiligung weniger schlimm.

    Wenn ich Ihre Kommentare lese, muss ich zugeben, dass Sie chinesische Geschichte sehr gut kennen. Leider ist man immer auch subjektiv (nicht nur objektiv). Ich bin z.B. kann auch subjektiv sein. Länder, die wir heute kennen, sind durch Geschichte und auch Zufall entstanden (Gott hat Hände hier nichts zu tun).
     
    Es stimmt, dass Tibet wie Korea und Mongolei zu dem Einflussgebiet Chinas war. Im Vergleich zu Tibet hatten diese zwei viel mehr Selbständigkeit und mehr Glück. Trotzdem leben heute ein Teil der Korea- und Mongolen-Volksgruppe in China (Der Provinz bei Korea wird koreanisch gesprochen und Innenmongolei liegt ja in China und nicht in der Mongolei). Wenn man von Nationen spricht, müsste China solche Gebiete abtrennen und Deutschland wäre viel grösser (Hitler lässt grüssen!). Daneben sind viele Volksgruppen in China, die auch einen eigenen Staat wünschen (ich selbst wollte/träume auch mein eigenes Königreich). China selbst war häufig auch nicht ein Land und heute leben etwa 100 Mio. der Han-Volksgruppe ausserhalb China. Natürlich ist man mehr oder wenig benachteiligt, wenn man nicht zu der Mehrheit gehört. Wenn eine Gesellschaft gut entwickelt ist und Gesetze mehr oder wenig gerecht sind, ist die Benachteiligung weniger schlimm.

    • reven
    • 18.09.2010 um 3:49 Uhr

    "Han-Chinesen und Mongolen hat es in Tibet seit vielen Jahrhunderten immer gegeben. "

    Machen Sie sich nicht lächerlich.Nach Ihrer Logik könnte man auch meinen, dass Frankreich oder England zu Deutschland gehören, weil es dort seit vielen Jahrhunderten Deutsche gegeben hat.Die Han-Chinesen und Mongolen waren eine absolute Minderheit im Alten Tibet.Vor 1950 wurde Tibet noch nie von den Han-Chinesen unterworfen.

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    "Machen Sie sich nicht lächerlich.Nach Ihrer Logik könnte man auch meinen, dass Frankreich oder England zu Deutschland gehören, weil es dort seit vielen Jahrhunderten Deutsche gegeben hat.Die Han-Chinesen und Mongolen waren eine absolute Minderheit im Alten Tibet.Vor 1950 wurde Tibet noch nie von den Han-Chinesen unterworfen."

    Von Macht und Unterwerfen habe ich nicht gesprochen. Das ist Ihre Denkschule. Die recht jungen tibetanischen Königgreiche (als Vorläufer der buddhistischen Diktatur) habe sich erst lang nach Christi Geburt gebildet, wo wir Germanen schon 600 Jahre vorher die Hochkultur der Römer zurückgedrängt hatten.

    Aber schon damals war der Austausch von Lhasa und dem Rest des Reiches intensiv: "Zur Politik des tibetischen Königshofes gehörte die Heirat des tibetischen Königs mit politisch bedeutenden Nachbarn. Der chinesische Kaiser erkaufte sich Frieden mit Tibet, indem er dem König eine Prinzessin (Wen Cheng) zur Frau gab. Sie kam 641 nach Tibet. Einige Jahre zuvor hatte Songtsen Gampo eine nepalesische Prinzessin (Bhrikuti) und eine Tochter des westtibetischen Königs von Shangshung geheiratet. Obwohl der Hof des Königs nomadisierte, wurde für Regierung und die Gemahlinnen des Königs die Stadt Lhasa gegründet."
    http://de.wikipedia.org/w...
    Siehe auch
    http://de.wikipedia.org/w...
    http://de.wikipedia.org/wiki/Weiße_Tara

    Man kann also in Ruhe auch etwas genauer hinsehen. qed

    "Machen Sie sich nicht lächerlich.Nach Ihrer Logik könnte man auch meinen, dass Frankreich oder England zu Deutschland gehören, weil es dort seit vielen Jahrhunderten Deutsche gegeben hat.Die Han-Chinesen und Mongolen waren eine absolute Minderheit im Alten Tibet.Vor 1950 wurde Tibet noch nie von den Han-Chinesen unterworfen."

    Von Macht und Unterwerfen habe ich nicht gesprochen. Das ist Ihre Denkschule. Die recht jungen tibetanischen Königgreiche (als Vorläufer der buddhistischen Diktatur) habe sich erst lang nach Christi Geburt gebildet, wo wir Germanen schon 600 Jahre vorher die Hochkultur der Römer zurückgedrängt hatten.

    Aber schon damals war der Austausch von Lhasa und dem Rest des Reiches intensiv: "Zur Politik des tibetischen Königshofes gehörte die Heirat des tibetischen Königs mit politisch bedeutenden Nachbarn. Der chinesische Kaiser erkaufte sich Frieden mit Tibet, indem er dem König eine Prinzessin (Wen Cheng) zur Frau gab. Sie kam 641 nach Tibet. Einige Jahre zuvor hatte Songtsen Gampo eine nepalesische Prinzessin (Bhrikuti) und eine Tochter des westtibetischen Königs von Shangshung geheiratet. Obwohl der Hof des Königs nomadisierte, wurde für Regierung und die Gemahlinnen des Königs die Stadt Lhasa gegründet."
    http://de.wikipedia.org/w...
    Siehe auch
    http://de.wikipedia.org/w...
    http://de.wikipedia.org/wiki/Weiße_Tara

    Man kann also in Ruhe auch etwas genauer hinsehen. qed

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