Wenn Gabi Leitenbauer in ihrem Büro den Computer hochfährt, erscheint auf dem Bildschirm nicht ein karibischer Sonnenuntergang in flammenden Farben, sondern das markante Gesicht von Lenin, dem Feuerkopf. Eine kleine Statue des Revolutionärs thront auf ihrem Schreibtisch. An der Wand wacht ein weiteres Idol, der legendäre deutsche Kommunistenführer Ernst Thälmann. Selbstverständlich blickt auch Che Guevara der 46-Jährigen mit dem blondierten Kurzhaarschnitt über die Schulter. Nur ein Wandschmuck passt nicht so recht in das klassenkämpferische Idyll: ein pittoreskes Landschaftsbild mit Wiesen und bewaldeten Bergrücken im Hintergrund.

So sieht sie also aus, die Schaltzentrale in der Hochburg der Kommunistischen Partei Österreichs. Einer Partei, die bei den vergangenen Nationalratswahlen gerade einmal 0,76 Prozent der Stimmen errang. In der Obersteiermark war hingegen bei den Gemeinderatswahlen im März eine kleine Revolution ausgebrochen. 14 Prozent der Wähler entschieden sich in Eisenerz für den antikapitalistischen Weg, 10 Prozent in Leoben, und in der Kleinstadt Trofaiach mit 8000 Einwohnern kreuzte sogar jeder Fünfte die Partei der werktätigen Massen an. 20 Prozent für die KPÖ – seitdem stellen die Kommunisten die Vizebürgermeisterin, Genossin Gabi Leitenbauer.

Hier muss es sich also verstecken, das Erfolgsgeheimnis einer Partei, die im übrigen Österreich so sehr eine Randgruppenerscheinung ist, dass man meinen sollte, der Name Kommunismus leite sich ursprünglich von kümmerlich her. Nicht etwa in der stolzen Stahlstadt Linz, nicht in einem anderen roten Herzland der Republik. Sondern in Trofaiach an der alten Eisenstraße.

Der Ort liegt malerisch im Vordernbergtal, zehn Kilometer nördlich der Industriestadt Leoben, in einer Gegend, die wirtschaftlich lange Zeit nahezu komplett von der Stahlverarbeitung abhing. Der Niedergang der verstaatlichten Industrie in den achtziger Jahren traf die Region hart. Noch immer kämpft man mit dem Strukturwandel. Viele haben kapituliert. Nirgendwo im Land ist die Selbstmordrate höher als hier im Norden der Grünen Mark. Trotz der Umbrüche wirkt Trofaiach noch immer wie ein liebreizendes, intaktes Städtchen. Es gibt ein Hallenbad, ein Heimatmuseum, eine Schützengilde, einen Arbeiterbriefmarkensammlerverein und die Trofaiacher Teufel, einen Krampusverein. Oberhalb des Ortskerns thront Schloss Mell, Privatbesitz. Nahe dem schmucken, im Stil der Neorenaissance gehaltenen Gebäude befindet sich das Gelände eines Reitklubs; Golfplatz gibt es keinen – woran die Kommunisten nicht ganz unschuldig sind.

Seit Jahrzehnten ist der Ort im Schatten der Eisenerzer Alpen eine Wohnstadt, von der aus die Werktätigen in das nahe Stahlwerk der Voestalpine in Leoben-Donawitz pendeln. Doch der Strom der Arbeiter versiegt langsam, mittlerweile sind bald ein Drittel der Trofaiacher Pensionisten. Im Ort existiert kein größerer Betrieb.

Die regierende SPÖ musste sich zuletzt einiges einfallen lassen, um Geld in die Gemeindekasse zu spülen. Eingefallen ist ihr vor allem der Verkauf städtischen Besitzes. Ein Filetgrundstück am Hauptplatz verscherbelte man an die Raiffeisenbank. Die Aufbahrungshalle, Gemeindewohnungen, das Altenpflegeheim und ein Teil des Naherholungsgebiets wurden privatisiert, jeweils gegen die Stimmen der KPÖ, dafür häufig mit dem Segen von ÖVP und FPÖ, die zusammen über ebenso viele Mandate verfügen wie die Kommunisten mit Genossin Leitenbauer an der Spitze.