Staufer-Ausstellung Barbarossas Welt
Viele Kostbarkeiten, kein Panorama: Die große Staufer-Schau in Mannheim besticht im Detail – ihr neues Bild der Zeit aber bleibt abstrakt

Miniatur des Heiligen Kaisers Friedrich Barbarossa. Sie stammt aus einer Handschrift von 1188 und liegt in der Vatikanischen Bibliothek
Dieser Zahn ist kein Zahn. Die »Reliquie des Heiligen Kaisers Friedrich Barbarossa«, seit Jahrhunderten verpackt in einem unscheinbaren Papierknäuel und heftig verehrt, entpuppte sich als ein morsches Stückchen Holz. Auch wird der Stauferkaiser, der 1190 auf seinem zweiten Kreuzzug in einem Fluss ertrank, nicht zu neuem Leben erwachen, wie es die Sage verheißt. Friedrich I. ist der sagenumwobenste, gefürchtetste, verachtetste, christlichste und vermeintlich deutscheste aller deutschen Kaiser. Wer von den Staufern handeln will, kommt um diesen Mythos nicht herum. Und so bilden ein Foto des ikonischen Barbarossa-Denkmals am thüringischen Kyffhäuser und der vermeintliche Zahn den Auftakt der Mannheimer Ausstellung. Die Aufnahme der wilhelminischen Barbarossa-Statue haben die Kuratoren in kleine Stücke geteilt und räumlich versetzt vor eine Wand montiert. Den Personenmythos der Staufer, so viel ist klar, will man hier gleich zu Beginn kräftig zerlegen.
Neu ist das nicht. Bereits die legendäre erste große Staufer-Schau in Stuttgart vor gut 30 Jahren hat das getan. In Mannheims Reiss-Engelhorn-Museen blickt man daher weiter, über die Alpen. Die Staufer und Italien heißt die Ausstellung. Der Untertitel, Drei Innovationsregionen im mittelalterlichen Europa, klingt eher nach einem Förderantrag auf EU-Hilfe. Dahinter verbirgt sich ein anspruchsvolles Programm: Einerseits will man die enge Verbindung der staufischen Herrscher mit Italien und den kulturellen Austausch zwischen Nord und Süd betonen; andererseits die Unterschiede ihres Machtbereichs anhand der drei Regionen aufzeigen, in die er sich gliedert – Rhein-Main-Neckar, Oberitalien und Sizilien. Ein Mammutprojekt, das es da mit einem Giganten der deutschen Geschichte aufnehmen will.
Deutsche Geschichte? Die Saga des heiligen Zahns führt zunächst einmal in den Norden Italiens, in das Städtchen Brienno am Comer See. Nicht allzu weit von dort entfernt erlitt Kaiser Friedrich I. im Jahr 1176 eine vernichtende Niederlage – in der Schlacht von Legnano gegen die Truppen des lombardischen Städtebundes unter Führung Mailands. Die Legende will, dass er sich davongeschlichen und Unterkunft in Brienno gefunden hat. Aus Frust über die verlorene Schlacht habe er sich dann derart betrunken, dass er auf der Treppe gestolpert sei und sich den Zahn ausschlug. Der Ort gehörte wie Pavia und einige andere Kommunen zu den kaisertreuen Gegnern der mächtigen Wirtschaftsmetropole Mailand, das sich von dem lästigen Kaiser in seinem politischen und ökonomischen Expansionsdrang behindert sah. Dieser war wie seine Nachfolger in unentwegten, doch letztlich erfolglosen Kämpfen damit beschäftigt, seinen Machtanspruch über die Region durchzusetzen und den honor imperii, die Würde seiner Herrschaft, zu sichern.
Dies betraf auch die Gebiete nördlich der Alpen zwischen Elsass und Böhmen sowie – bei Barbarossas Nachfolgern, besonders FriedrichII. – Sizilien. Das Rhein-Main-Neckar-Gebiet beschrieb Otto von Freising, Barbarossas Biograf, als »die größte Kraft des Reichs«. Hier errichteten die staufischen Könige ihre Pfalzen, gebaute Repräsentationen ihres Herrschaftsanspruchs, die sie selbst nur selten, als Stationen auf ihren Reisen und Heerzügen durch das Reich bewohnten. Schwere gezwirbelte Säulen und romanische ornamentierte Gesimse der Kaiserpfalz Gelnhausen hat man deshalb nach Mannheim geschafft, um das Repräsentationsbedürfnis der Kaiser zu veranschaulichen. Wirklich durchsetzen konnten sie ihre Herrschaft aber nur, wenn sie in dem dichten Geflecht aus Privilegien und Absprachen zu navigieren verstanden und Rücksicht auf Eitelkeiten von Gegnern wie Verbündeten nahmen.
Konkurrenten waren vor allem die Bischöfe und die an Einfluss gewinnenden Pfalzgrafen und Städte wie Kaiserslautern oder Frankfurt. »Dem Kaisertum«, schreibt Bernd Schneidmüller im exzellenten Begleitkatalog der Mannheimer Ausstellung, »blieb nur noch der zeremonielle Vorrang in einem pluralen System selbstbewusster ›Mitspieler‹.« Solches Selbstbewusstsein demonstriert etwa die Grabplatte des Erzbischofs Siegfried III. von Eppstein, die den Bischof dabei zeigt, wie er zwei deutlich kleiner dargestellten Gegenkönigen des Staufers Konrad IV. die Krone aufsetzt. Doch diese Grabplatte bleibt ein Solitär. Die Schau verzichtet darauf, von einzelnen Protagonisten, ihren Intrigen und Schlachten zu berichten. Stattdessen rückt sie die abstrakten Strukturen der staufischen »Königslandschaften« in den Mittelpunkt. Es bleibt bei der Präsentation von Siegeln und Münzen, Kapitellen und Büsten – auf deren nähere Beschreibung man zudem großzügig verzichtet. Das Problem jeder um sichtbare Quellen ringenden Mittelalter-Schau zeigt sich hier besonders eklatant: Aus der in der Wissenschaft längst überholten, doch spannungsreichen Geschichte der großen Männer macht man in Mannheim eine um akademische Modellvorstellungen bemühte, doch leider blutleere Schau großer Steine.
- Datum 24.09.2010 - 15:54 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 23.09.2010 Nr. 39
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Wer wir(also die heutzutage verloren Seienden)Mal waren,dass wir das heilige römische Reich deutscher Nation waren,dass selbst Sizilien das allergliebteste Insel-Land war-wer gedenket dessen?Stattdessen beerdigt man das Andenken an jene Zeit,indem man sie das finstere Mittelalter nennt.Finsterer jedoch bleibt das 20.Jahrhundert,erste Hälfte,-die mörderische Nazi-Zeit(wie Stalin ebenso ähnlich).Da im Artikel auch Sizilien gestreift wurde:
Sicilia,deiner gedenkend,
Historie aufsteiget
Aus uralten Zeiten vieler Völker:
Historie ,die keiner mehr kennt,
Wovon keiner mehr was weiß:
Geliebetes Insel-Land,Eigensein erweisend
Von immer her:Syracus,Ätna,Taormina,:
Insel,die Platon besuchte.
Unserer Geschichte ein Gedenk zu sein,der Artikel trägt bei.
Vielen Dank für den Beitrag zu den Staufern!
Dieser Titel gebuehrte nicht 'Friedrich Barbarossa' dem 1. Staufenkaiser, sondern seinem im Koenigreich Sizilien geborenen und aufgewachsenen Enkel 'Friedrich II'.
Am Hof von Palermo war er von islam. Gelehrten und islam. Kultur umgeben, die damals fuehrend in Europa war, wie im maurischen Spanien, wo es unter dem Kalifat von Cordoba zu gegenseitiger Toleranz und Befruchtung von Judentum, Christentum und Islam gekommen war.
Vom Koenigreich Sizilien aus, das damals bis an die Aussenbezirke Roms reichte wollte Friedrich II. ganz Italien und sein uebriges Reich in Recht und Verwaltung zum 'Musterlaendle' in Europa machen.
Mit dem Islam hatte er kein Problem auf Augenhoehe zu kommunizieren, was dem Papst ein Dorn im Auge war.
Als Friedrich der wiederholten Aufforderung zum Kreuzzug gegen die 'Unglaeubigen' nicht nachkam, liess ihn der Papst exkommunizieren.
Friedrich II. segelte trotzdem ohne paepstl. Segen mit seinem Heer gen Palestina und erreichte durch diplomat. Geschick und ohne Schlacht und Blutvergiessen mit dem Sultan die Uebergabe der Hl. Staetten an die Christen.
Er war nun Deutscher Koenig, Roemischer Kaiser und Koenig von Jerusalem -und damit das Staunen der damaligen Zeit.
Ob die Mannheimer Ausstellung diesen damals einzigartigen Zeitgeist wohl vermitteln kann?
Kritische Anmerkungen im obigen Artikel lassen daran zweifeln.
Dies kann man wohl heute auch nicht erwarten, erleben wir lt. Peter Scholl Latour doch den Abgesang des Weissen Mannes....
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