Urlaub in den Bergen – das ist der Härtetest für jedes Familienauto. Gibt es genug Ablagefläche für Apfelschorle, Schokokekse, Hasenbrote? Anschlüsse für die kindgerechte Unterhaltungselektronik? Ausreichend Platz im Kofferraum für Gepäck, das weniger an Ferien als an eine Südpolexpedition erinnert? Dabei soll der Wagen aber bitte auch mehr sein als ein Überseecontainer mit Rädern und dem Fahrer den Weg in die Alpen nicht noch länger werden lassen. Kann das ein einzelnes Auto, in diesem Fall der Renault Laguna Grandtour, leisten?

Die Autotests aus dem ZEITmagazin © Zeit Online

Grandtour ist im Automobilsprech ein Angeberwort für Kombi. Aber wie dieses Modell im Hof steht, weiß und schnittig, ist die Anspielung auf die traditionelle Bildungsreise gen Süden durchaus erlaubt. Seine Konstrukteure wissen zudem, dass auch im fürsorglichen Familienvater ein Möchtegern-Rennfahrer stecken kann. Ihm gibt man mit Startknopf (statt Schlüssel), verchromtem Doppelrohrauspuff, sportivem Lederlenkrad, ebensolchen Sitzen und den aufgebohrten Alu-Pedalen was zum Spielen. Spätestens in den engen Kurven der hessischen Hügelpampa, wenn der Grandtour ohne Mühe mit 180, 190 Sachen durch die Nacht jagt, zeigt sich, dass ihm auch ein rasantes Wesen zu eigen ist; die Allradlenkung, bei der die Hinterräder jenseits von 60 km/h in dieselbe Richtung einschlagen wie die Vorderräder, sorgt für eine Fahrt wie auf Schienen.

Die Beruhigungspillen für den Rest der Familie bestehen aus einem halben Dutzend Airbags, mehreren 12-Volt-Anschlüssen für DVD- und CD-Spieler sowie der Auskunft, dass es sich bei dem Dieselmotor um ein besonders schadstoffarmes Exemplar handelt. Aber nach 1100 Kilometern, am Schlussanstieg zur Tonnerhütte, 1600 Meter über Normalnull, wird die Luft für den Renault doch noch dünn. Zwischen all den Kehren der Schotterpiste kommt man aus dem ersten Gang gar nicht mehr raus, weil der zweite keine Wurst vom Teller, geschweige denn eine Familie auf den Berg zieht. Zu diesem Zeitpunkt hat der Familien-Chauffeur auch schon mehrfach entnervt auf das Armaturenbrett und die Zierleiste "im Mattchrom-Look" gehämmert, weil es dahinter vibriert und knattert, als backe eine Hornissenhorde Popcorn.

Was helfen Gimmicks wie Einparkhilfe oder Automatik für Licht und Scheibenwischer, wenn man nach zehn Stunden Fahrt Ohrgeräusche hat wie weiland nach dem Abitur bei der Grand Tour mit einem VW-Bus?

Technische Daten:

Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 131 kW (178 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 8,7 s
Höchstgeschwindigkeit: 213 km/h
CO 2 -Emission: 182 g/km
Durchschnittsverbrauch: 6,3 Liter
Basispreis: 32.900 Euro

Christof Siemes ist Kulturreporter im ZEIT-Feuilleton