Übernahmeversuch Erst Özil, jetzt Hochtief
Wer ist der spanische Bauriese ACS, der es auf den Essener Konzern abgesehen hat?
© Patrik Stollarz/AFP/Getty Images

Bald spanisch? Das Hauptquartier des größten deutschen Baukonzerns Hochtief in Essen
Von einer Männerfreundschaft konnte nie die Rede sein. Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter war seinerzeit zwar froh, als der Spanier Florentino Pérez mit seiner Baufirma ACS im Jahr 2007 als Hauptaktionär beim deutschen Bauprimus einstieg. Doch obwohl Lütkestratkötter Spanisch spricht, wurde der weitgereiste Bergsteiger und Marathonläufer mit dem etwas hölzernen caballero nicht so recht warm.
Seit voriger Woche aber ist die Stimmung eisig. »Ich kann mir keine wirkliche Notlage vorstellen, die mich davon abhalten würde, meinen Partner vor Überraschungen zu schützen«, rügte Lütkestratkötter die Initiative seines Partners, die ihn kalt erwischte. Deutlicher darf er nicht werden. ACS war einseitig mit der Ankündigung vorgeprescht, die Mehrheit bei Hochtief übernehmen zu wollen, und noch ist das Ganze in einem so frühen Stadium, dass das Aktienrecht dem Chef von Hochtief wenig Spielraum lässt.
Verblüfft hat ACS nicht nur die Essener Manager. Wenn derzeit von Spanien die Rede ist, dann als Land, das wegen der enormen Verschuldung von Privatleuten und Unternehmen in so großen finanziellen Schwierigkeiten steckt, dass zeitweilig sogar die EU als Retter ins Gespräch kam. Spaniens Firmen zeigen sich von alldem allerdings unbeeindruckt. In den vergangenen zwei Jahren gaben die zehn größten Eroberer mehr als 24 Milliarden Euro für ausländische Übernahmen aus. Bezieht man Käufe auf der Basis eines Aktientauschs mit ein, kamen sogar mehr als 30 Milliarden Euro zusammen. Auch ACS ist hoch verschuldet. Obwohl das Unternehmen bereits 2008 sein Aktienpaket an einem spanischen Energiekonzern und jüngst zudem noch einen Anteil am Mautstraßenbetreiber Abertis verkaufte, beträgt die Last noch immer rund 10 Milliarden Euro.
Viele Jahre lang konnte Spaniens größtes Bauunternehmen – nicht zuletzt dank der guten Kontakte seines inzwischen 63-jährigen Chefs in die Politik – von den Milliardensubventionen aus EU-Töpfen für Infrastrukturmaßnahmen profitieren. Nach Informationen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) stellte die Europäische Union Spanien zwischen 1999 und 2008 – also in den Jahren des frenetischen Baubooms – allein aus der sogenannten Kohäsionsförderung 70,4 Milliarden Euro zur Verfügung. Spanien sollte sozial und wirtschaftlich zu den wohlhabenderen Mitgliedsstaaten aufschließen. Zwar ist nicht bekannt, wie viel Geld davon am Ende bei ACS gelandet ist. Doch die spanische Bauwirtschaft prosperierte, sie legte in dieser Zeit jährlich um rund 5 Prozent zu.
Ausländische Konkurrenten tun sich bis heute schwer, Aufträge zu ergattern. Sie kommen nur selten zum Zug. »Aus dem Ausland an private oder öffentliche Aufträge in Spanien heranzukommen ist fast unmöglich«, urteilt Georg Oster von Germany Trade and Invest, einer Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing.
Das Problem ist bei Hochtief bekannt. Die Essener versuchten mehrfach, auf dem spanischen Markt Fuß zu fassen – vergeblich. Umso mehr stößt auf, dass der Konzern nun als Melkkuh herhalten sollen. So zumindest betrachten zahlreiche Analysten und Branchenexperten den Vorstoß von ACS. »Das Unternehmen kann sich geografisch ausdehnen und gleichzeitig seine Finanzen sanieren«, sagt etwa Manuel Romera, Finanzexperte an der Madrider IE Business School. Nachdem in Spanien – wie in den USA – die Immobilienblase geplatzt ist, muss Unternehmer Pérez sein Blickfeld erweitern. Alte Kontakte helfen ihm inzwischen nur noch bedingt weiter.
- Datum 26.09.2010 - 18:54 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 23.09.2010 Nr. 39
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Das darf doch nicht wahr sein. Wir finanzieren den Spaniern ihre Straßen und bekommen nicht mal Auftäge damit die dann unsere Konzerne übernehmen.
Gibt es nicht sowas wie europäische Vergabeverfahren?
Wer weiss vielleicht steigt ja jemand Staatliches ein. Es kann jedenfalls nicht im deutschen Interesse liegen, dass nachdem sie ihr eigenes Land in den Abgrund gestürzt haben, nun nach dem deutschen Markt greifen.
in der man seine Firma durch die Übernahme eines Konkurrenten finanziell sanieren kann.
Ich denke schon. Das war einfach nicht clever genug, Herr Luetkestratkoetter. Und es gibt immer Mittel sich gegen eine Uebernahme zu wehren. Siehe VW und Porsche. Die Manager deutscher Firmen und die Bundesregierung muessen endlich mal aufwachen. Der Dumme ist sonst wieder der deutsche Steuerzahler.
ist der nächste Titel hier in der Zeit.
Hier ist nur ein Beispiel dafür, dass damit nichts ausgerichtet wird.
Mir scheint, viele große Banken sind längst Teil der Mafia.
Sie geben Geld, damit ein krimineller Pleitier mit einer finanziellen Brechstange den Tresor eines anderen Unternehmens knacken kann. Diese Kriminalität auf höchstem Niveau ist aber legal.
Also sind die Gesetze selbst kriminell. Was soll da noch eine staatliche Aufsicht.
Könnte mir mal jemand präzise und in einfachen Worten erklären, wie das eigentlich geht, eine "feindliche Übernahme".
Die Spanier halten 30 % der Aktien, das ist noch nicht die Mehrheit.
Also, wie wollen sie an diese Mehrheit der Aktien kommen, bzw. wer verkauft sie Ihnen.
Das würde mich wirklich interessieren (ist jetzt nicht ironisch gemeint, ich würde es echt gern wissen).
Klingt jetzt vielleicht naiv, aber ich vermisse immer wieder in Wirtschaftsartikeln solche grundlegenden Informationen.
Die Aktien sind an der Börse einzukaufen. man muss nur genug Geld anbieten. Hört sich zunächst teuer an, aber wenn man eine "großzügige" Bank im Rücken hat, geht das.
Sobald man die Aktienmehrheit hat, beschließt man dann, dass die übernommene Firma einen Kredit aufnehmen muß, um ihren Erwerb zu bezahlen. Die käufer haben damit ihre Schulden bei der Bank getilgt. Die übernommene Firma wird dann soweit möglich ausgeraubt und darf gegebenenfalls Insolvenz anmelden, wenn nicht der Staat Geld nachschießt um Arbeitsplätze zu retten. Die Käufer = Aktionäre sind mit ihrem Raub fein raus. Dass ihre Firma nun pleite ist, stört dabei nicht.
Die Aktien sind an der Börse einzukaufen. man muss nur genug Geld anbieten. Hört sich zunächst teuer an, aber wenn man eine "großzügige" Bank im Rücken hat, geht das.
Sobald man die Aktienmehrheit hat, beschließt man dann, dass die übernommene Firma einen Kredit aufnehmen muß, um ihren Erwerb zu bezahlen. Die käufer haben damit ihre Schulden bei der Bank getilgt. Die übernommene Firma wird dann soweit möglich ausgeraubt und darf gegebenenfalls Insolvenz anmelden, wenn nicht der Staat Geld nachschießt um Arbeitsplätze zu retten. Die Käufer = Aktionäre sind mit ihrem Raub fein raus. Dass ihre Firma nun pleite ist, stört dabei nicht.
... wird sich zeigen, ob wir eine Regierung haben, die nationale Interessen verteidigt, indem sie die Übernahme eines deutschen Konzerns, der mit einem Umsatz von 18 Mill. EUR (2009) der größte Baukonzern Deutschlands ist, verhindert (was in Frankreich schon längst passiert wäre (s. die versuchte und gescheiterte Alstom-Übernahme durch Siemens) oder ob diese "konservative" = bewahrende Regierung ähnlich versagt wie seinerzeit die Politik bei der Höchst-Übernahme durch die Franzosen oder HypoVereinsbank-Übernahme durch die Italiener. Warten wir es ab. Das einzig Gute an dem Fall ist, dass wir live und in Farbe verfolgen können, wie ernst es unseren Regierenden
mit einer Politik der Bewahrung nationaler Interessen meint und ob sie die Kompetenz und die Fähigkeiten hat, diese auch umzusetzen. Zweimal schon fehlte es entweder an dem einen oder dem anderen. Wie gesagt, schauien wir dem Trauerspiel zu und ziehen unsere Lehren daraus.
Die Aktien sind an der Börse einzukaufen. man muss nur genug Geld anbieten. Hört sich zunächst teuer an, aber wenn man eine "großzügige" Bank im Rücken hat, geht das.
Sobald man die Aktienmehrheit hat, beschließt man dann, dass die übernommene Firma einen Kredit aufnehmen muß, um ihren Erwerb zu bezahlen. Die käufer haben damit ihre Schulden bei der Bank getilgt. Die übernommene Firma wird dann soweit möglich ausgeraubt und darf gegebenenfalls Insolvenz anmelden, wenn nicht der Staat Geld nachschießt um Arbeitsplätze zu retten. Die Käufer = Aktionäre sind mit ihrem Raub fein raus. Dass ihre Firma nun pleite ist, stört dabei nicht.
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