Online-BewerbungDas Zitat ... und Ihr Gewinn:

"Die Zukunft hat viele Namen: Für Schwache ist sie das Unerreichbare, für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Mutigen die Chance" (Viktor Hugo) von 

Die Romanistin (52) hämmerte im Beratungsgespräch mit ihrem Zeigefinger aufs Papier: »In der Ausschreibung heißt es doch: Bewerbung per E-Mail oder per Briefpost.« Ihre letzten drei Stellen habe sie auf dem Postweg ergattert – warum diesmal nicht auch? Weil seither zehn Jahre vergangen sind. Und weil die Onlinebewerbung, damals noch Exot, heute zum Standard geworden ist . Wer immer noch den Postweg einschlägt, läuft Gefahr, als Typ von Vorgestern, als Furchtsamer, der das Unbekannte meidet (wie Victor Hugo es ausdrückt), abgestempelt zu werden.

Doch wie gelingt eine Onlinebewerbung? Viele Fettnäpfe lauern, schon bei der E-Mail-Adresse: Wer als paul@web.de seine Unterlagen verschickt, obwohl er mit Nachnamen Müller heißt, bietet dem Personaler indirekt das Du an – keine gute Idee! Die E-Mail-Adresse sollte aus dem kompletten Namen bestehen, nicht aus Abkürzungen oder Pseudonymen.

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Jede Woche gibt der Coach Martin Wehrle Tipps für den Erfolg im Job in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn"

Jede Woche gibt der Coach Martin Wehrle Tipps für den Erfolg im Job in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn"  |  © Dwonderwall/Flickr.com

Manche Firmen laden Sie ein, Ihren Lebenslauf in ein Bewerbungsformular zu tippen. Der Trick: Greifen Sie möglichst viele Schlüsselwörter aus der Ausschreibung auf. So fällt der Scheinwerfer auf Sie, wenn die Texte automatisch durchsucht werden, was oft passiert.

Eine andere Möglichkeit, um aufzufallen, ist das Gewicht Ihrer Daten. Wer 10 Megabyte auf die Reise schickt, bringt Computer ins Schleudern und Personalchefs zum Fluchen.

Martin Wehrle
Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".

Dagegen transportiert ein kleines Datengewicht von maximal zwei Megabyte die Botschaft: Dieser Bewerber denkt empfängerfreundlich, wird also auch kundenfreundlich arbeiten. Die Kunst: nicht nur Daten komprimieren, sondern vor allem weglassen. Fassen Sie Dokumente zweiter Wahl, zum Beispiel ältere Fortbildungszertifikate, auf einer Liste zusammen, um sie auf Wunsch nachzureichen.

Weniger ist mehr, auch beim Versand: Rauben Sie dem Empfänger keine Zeit, indem Sie ihn zum Anklicken vieler Anhänge nötigen, packen Sie alle Unterlagen in ein einziges PDF-Dokument, inklusive Anschreiben.

Wenn alles komplett ist, folgt die Generalprobe: Mailen Sie Ihre Bewerbung einem Vertrauten zu. Kommen die Unterlagen wie gewünscht an? Lässt sich das PDF öffnen? Wenn ja, öffnen sich Ihnen neue Chancen. Auch die Romanistin fand schließlich auf dem virtuellen Weg einen handfesten Job.

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Leserkommentare
  1. Ich habe zwar eine tiefe Abneigung gegen fangfragende Personaler (in meinen Augen häufig charakterlich verkommene Menschen) und diesen ganzen Bewerbungszirkus, den Deutsche Unternehmen veranstalten.

    Die Online-Bewerbung ist hier jedoch wirklich eine positive Entwicklung, die den Bewerbern das Leben deutlich einfacher macht. Die Online-Bewerbung erzeugt keine Kosten und benötigt weniger Zeit, ohne die Qualität des Inhalts der Bewerbung zu verringern. Der lästige Aufwand des Ausdruckens und Zusammenstellens der Mappen entfällt, und die Gefahr, dass die Bewerbungsunterlagen auf dem Postweg beschädigt werden, ist auch nicht mehr vorhanden.

    Ich kann es daher überhaupt nicht nachvollziehen, dass Bewerber, sofern es nicht vom gesuchten Unternehmen ausdrücklich gewünscht wird, noch Bewerbungen per Post verschicken können.

    • dth
    • 26. September 2010 14:01 Uhr

    Setzen Sie doch nicht solche Ideen in die Welt! Womöglich liest auch der ein oder andere Personaler diese Kommentare...
    Und Sie wollen doch nicht ernsthaft behaupten, dass die Dinge, die jetzt schon praktiziert werden, weniger skurril wären.

    Antwort auf "Record-Interviewing"
  2. Vielleicht sollten Sie sich mal vor Augen halten, welchen enormen und vor allem kostenintensiven Aufwand sie verlangen!
    entsprechenden Internetanschluß, Pc auf dem neuesten Stand, Mitgliedschaft z.b. bei skyp usw. ;-)

    Es hört sich alles super und toll an, bloß was machen Sie, wenn Sie mit Gesprächspartner zu tun haben, die sehr viel Wert auf Diskretion legen?

    Ihnen ist offensichtlich nicht klar, daß sie viele Bewerber AUSGRENZEN, weil diese eben nicht in der Lage sind auf eine entsprechende Infrastruktur zurückzugreien. Dies gilt insbesondere für "Ältere Arbeitssuchende"!

    Datenschutz? Privatsphäre?

    Ich wünsche Ihnen jetzt schon viel Spaß, wenn Sie demnächst via webcam mit Ihrem zuständigen Sachbearbeiter der ARGE telefonieren.

    Willkommen in der Welt der totalen Überwachung!

    Bevor Sie laut losjubeln, denken Sie bitte nur einmal darüber nach, welcher Willkür Sie damit Tür und Tor öffnen!
    Heute Spaß und morgen totale Überwachung!

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Record-Interviewing"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Da hat aber jemand einen etwas übertriebenen Kommentar wohl sehr ernst genommen?!?
    Also ich hab die Situation in "RECORD INTERVIEWING" sehr lustig gefunden, obwohl ich mir durchaus vorstellen kann, dass der eine oder ander durchgeknallte Personaler wirklich auf so eine Schnapsidee kommen könnte und so was durchziehen will. Aber andererseits glaube ich auch, dass er damit alle potenziellen guten Leute abschreckt.
    Denn als Arbeitssuchender tut man sich aus meiner Sicht keinen Gefallen, wenn man den Personalern zu sehr nach dem Kopf redet und denkt, man muss ja schließlich, bei Erfolg, vielleicht Jahre in dem Unternehmen aushalten.

  3. sucht den Super-Angestellten auf xck 7 mit anschließendem Zuschauervoting (Legionellen Inc. nur 50 Cent der Anruf).

    Zum Thema "Onlinebewerbung"

    *Schluchtz* Die armen Unternehmen, kein Geld für Rückporto haben haben auch kein Geld, den Bewerbungsspam sorgfältig zu sichten.

    "Den Personaler nicht mit Datenmengen erschlagen"

    Yau, stellen Sie sich den Personaler einfach als ADHS'ler mit extrem kurzer Aufmerksamkeitsspanne vor, der am liebsten besonders kreative und aussagekräftige Anschreiben genießt (also Belletristik, schreiben Sie einen Kurzroman auf weniger als 2 Seiten!) und selber am allerliebsten mit Standardsätzen antwortet.

    Natürlich nicht ganz ernst gemeint, aber manche Firmen und deren "Personaler" sind die Kosten für das Ausdrucken der Stellenanzeige nicht wert. Ganz zu schweigen für das Anschreiben oder das Porto bzw. die Kosten für Internetanschluss und Scanner.

    Antwort auf "Record-Interviewing"
  4. Da hat aber jemand einen etwas übertriebenen Kommentar wohl sehr ernst genommen?!?
    Also ich hab die Situation in "RECORD INTERVIEWING" sehr lustig gefunden, obwohl ich mir durchaus vorstellen kann, dass der eine oder ander durchgeknallte Personaler wirklich auf so eine Schnapsidee kommen könnte und so was durchziehen will. Aber andererseits glaube ich auch, dass er damit alle potenziellen guten Leute abschreckt.
    Denn als Arbeitssuchender tut man sich aus meiner Sicht keinen Gefallen, wenn man den Personalern zu sehr nach dem Kopf redet und denkt, man muss ja schließlich, bei Erfolg, vielleicht Jahre in dem Unternehmen aushalten.

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  • Serie Das Zitat und Ihr Gewinn
  • Schlagworte Reise | Bewerbung | Botschaft | Computer | Kunst | Lebenslauf
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