Plagiate Schummler raus
Deutsche Unis sind viel zu nett zu Studenten, die abschreiben.
Welch charmantes, leicht angestaubtes Wort: Kavaliersdelikt. Was der Begriff verdeckt, ist weniger charmant: ein mitunter krasses Vergehen, das – aus welchen Gründen auch immer – nicht mit sozialer Ächtung gestraft wird. Leicht beschwipst Autofahren fiel zu 0,8-Promille-Zeiten in diese Kategorie. Das ist zum Glück vorbei, ebenso wie das öffentliche Prahlen mit den neuesten Steuerhinterziehungstricks. Wenn Studenten dagegen vom Mogeln an der Uni erzählen, bekommen viele immer noch dieses schelmische Grinsen.
In Zeiten von Google, Wikipedia und Copy-Paste-Funktion werden ganze Hausarbeiten in neue Dokumente umgehoben, aufgehübscht und dann, ohne mit der Wimper zu zucken, abgegeben. Plagiate sind ein kulturell akzeptiertes Massenphänomen. Erstsemester, die doch nach Meinung vieler Professoren inzwischen als faktische Analphabeten an die Unis kommen, legen erstaunliche Fertigkeiten an den Tag, wenn es darum geht, methodisch hochklassig zu schummeln.
Oft werden sie dennoch erwischt. Auch die Unis haben aufgerüstet, mit Software, die Arbeiten mit Texten im Internet vergleicht; mit Klausuraufsichten, die sich nicht mehr in ihrem Lieblingsbuch vergraben. Doch was folgt dann? Eine Ermahnung, eine Fünf in der Klausur oder Hausarbeit oder sogar die Chance, sie im selben Semester zu wiederholen. Bloß jeden Ärger vermeiden, heißt es an vielen Unis, der Schummler könnte ja vor Gericht ziehen.
Kleiner Vergleich: An US-Unis befinden studentische Gerichte über die Schuld der Schummler. Ist sie erwiesen, folgt der Rauswurf. Und siehe da: Plagiate sind kaum noch ein Problem. Ein Vorbild für Deutschland? In Maßen: ja. Wer zweimal schummelt, sollte auch bei uns fliegen. Wenige Hochschulen handhaben es so, die meisten aber sind zu feige. Solange aber die soziale Ächtung der Ehrlichen, die sich über Mogeleien beschweren, größer ist, als die Folgen für jene, die sich universitäre Zeugnisse erschleichen, haben unsere Unis ein ernsthaftes Problem.
- Datum 24.09.2010 - 13:40 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 23.09.2010 Nr. 39
- Kommentare 38
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Okay.. wer immer diesen Artikel geschrieben hat, hat ihn wohl für eine Zielgruppe geschrieben, die eh gerne einfach über alles die Nase rümpft. Die Uni ist ein Ort in der Akademiker ausgebildet werden! Natürlich ist es nicht gut, wenn man etwas einfach nur kopiert! Aber mal unter uns: Soll für so einen Fehler das Leben eins Menschen dermaßen radikal geändert werden? Ausserdem: Leute die nicht mehr in der Uni sind, nicht mehr betroffen davon sind, haben zwar das Recht auf eine eigene Meinung, sollten sich meiner Meinung nach aber aus Dingen, die sie selber IN KEINSTER WEISE betreffen, einfach mal raushalten. Das Recht sich zu beschweren haben aus meiner Sicht nur die Betroffenen Studenten und diese haben vielleicht eine Sache vergessen: Die Solidarität unter Studenten. Die Uni ist KEIN Wettrennen um die besten Plätze oder den meisten Erfolg! Es ist ein Entwicklungsschritt!
Ich weiß nicht, wie sie darauf kommen, der Autor wisse nichts vom Unialltag und was das "man soll doch niemand die Zukunft verbauen Argumentation" soll. Wenn ich eine Seminararbeit erhalte, die offensichtlich kopierte Textbausteine enthält, ist das eine sechs. Es wurde keine Leistung erbracht, abgesehen davon, daß die Dozentin für dumm verkauft werden soll. Ein einmaliges Exempel der Exmatrikulation würde den Sachverhalt wohl für immer aus der Welt schaffen...
Und noch z.T. "Faktische Analphabeten" In den meisten Fällen erkenne ich ein Plagiat, bevor ich es überprüfe, weil es sich um einen sicher formulierten, fehlerfreien Text handelt (Wir sprechen von einem Ingenieurstudiengang an der Universität).
Freundliche Grüße!
Sie erwähnen die Solidarität unter Studenten. Dabei vergessen Sie aber, dass das Abschreiben zu Lasten der ehrlichen Studenten geht, deren Leistungen im Verhältnis zum Plagiat abgewertet werden.
Während meines Studiums hatte ich selber einen Fall von Plagiarismus (in einer Gruppenarbeit). Meiner Meinung nach handelt es sich dabei nicht um ein Kavaliersdelikt und in krassen Fällen (also nicht bloß dem Kopieren von 1-2 Sätzen) sollte die Exmatrikulation die Konsequenz sein.
Ich weiß nicht, wie sie darauf kommen, der Autor wisse nichts vom Unialltag und was das "man soll doch niemand die Zukunft verbauen Argumentation" soll. Wenn ich eine Seminararbeit erhalte, die offensichtlich kopierte Textbausteine enthält, ist das eine sechs. Es wurde keine Leistung erbracht, abgesehen davon, daß die Dozentin für dumm verkauft werden soll. Ein einmaliges Exempel der Exmatrikulation würde den Sachverhalt wohl für immer aus der Welt schaffen...
Und noch z.T. "Faktische Analphabeten" In den meisten Fällen erkenne ich ein Plagiat, bevor ich es überprüfe, weil es sich um einen sicher formulierten, fehlerfreien Text handelt (Wir sprechen von einem Ingenieurstudiengang an der Universität).
Freundliche Grüße!
Sie erwähnen die Solidarität unter Studenten. Dabei vergessen Sie aber, dass das Abschreiben zu Lasten der ehrlichen Studenten geht, deren Leistungen im Verhältnis zum Plagiat abgewertet werden.
Während meines Studiums hatte ich selber einen Fall von Plagiarismus (in einer Gruppenarbeit). Meiner Meinung nach handelt es sich dabei nicht um ein Kavaliersdelikt und in krassen Fällen (also nicht bloß dem Kopieren von 1-2 Sätzen) sollte die Exmatrikulation die Konsequenz sein.
An Schulen und Universitäten ist schon seit eh und je gemogelt worden - und es wird dort auch zukünftig immer gemogelt werden. Letztenendes, so heisst es in einer alten Schulweisheit, dann aber nicht dafür bestraft, weil man gemogelt hat - sondern weil man so dumm war, sich dabei erwischen zu lassen.
So - und wer jetzt noch nie in der Schule gemogelt hat, werfe nun den ersten Stein! Ich werfe ihn nicht.
Es gibt keine Gleichheit im Unrecht. Schon deshalb ist der Spruch "wer noch nie gemogelt hat, werfe den ersten Stein" für die Beurteilung von Guttenbergs Betrug völlig irrelevant.
Weiterhin kann man wohl kaum typische Pennäler-Mogeleien wie das Abschreiben bei Klassenarbeiten (das eh meistens schief geht) oder gefälschte Hausaufgaben mit Plagiaten in einer Doktorarbeit vergleichen. Ladendiebstahl wird schließlich auch anders bestraft als schwerer Raub.
Also nochmal: Guttenberg hat erwiesenermaßen betrogen, und in Anbetracht des Umfangs und der Ausgestaltung dieses Betrugs gibt es keine andere mögliche Erklärung als Vorsatz mit größter krimineller Energie. Er ist ein Betrüger und Hochstapler und schon damit als Abgeordneter im Deutschen Bundestag, insbesondere als Minister, völlig indiskutabel.
Hinzu kommt sein offensichtlich völlig uneinsichtiger und arroganter Umgang mit der Affäre. Er versucht nach wie vor, zu verschleiern, zu vertuschen und zu leugnen, was nur zu leugnen geht. "Zugegeben" hat er gar nichts außer bereits offensichtlichem. Das reicht nicht für eine Strafmilderung.
Ob andere sowas auch machen oder getan haben, tut dabei überhaupt nichts zur Sache. Es geht hier nicht um deren Verfehlungen - die natürlich ggf. genauso verfolgt werden sollten -, sondern um die zu Guttenbergs. Auch das ganze gejammer um angebliche Hetzkampagnen der Linken sind nichts weiter als billige polemische Ablenkungsmanöver.
Es gibt keine Gleichheit im Unrecht. Schon deshalb ist der Spruch "wer noch nie gemogelt hat, werfe den ersten Stein" für die Beurteilung von Guttenbergs Betrug völlig irrelevant.
Weiterhin kann man wohl kaum typische Pennäler-Mogeleien wie das Abschreiben bei Klassenarbeiten (das eh meistens schief geht) oder gefälschte Hausaufgaben mit Plagiaten in einer Doktorarbeit vergleichen. Ladendiebstahl wird schließlich auch anders bestraft als schwerer Raub.
Also nochmal: Guttenberg hat erwiesenermaßen betrogen, und in Anbetracht des Umfangs und der Ausgestaltung dieses Betrugs gibt es keine andere mögliche Erklärung als Vorsatz mit größter krimineller Energie. Er ist ein Betrüger und Hochstapler und schon damit als Abgeordneter im Deutschen Bundestag, insbesondere als Minister, völlig indiskutabel.
Hinzu kommt sein offensichtlich völlig uneinsichtiger und arroganter Umgang mit der Affäre. Er versucht nach wie vor, zu verschleiern, zu vertuschen und zu leugnen, was nur zu leugnen geht. "Zugegeben" hat er gar nichts außer bereits offensichtlichem. Das reicht nicht für eine Strafmilderung.
Ob andere sowas auch machen oder getan haben, tut dabei überhaupt nichts zur Sache. Es geht hier nicht um deren Verfehlungen - die natürlich ggf. genauso verfolgt werden sollten -, sondern um die zu Guttenbergs. Auch das ganze gejammer um angebliche Hetzkampagnen der Linken sind nichts weiter als billige polemische Ablenkungsmanöver.
Ist das ein Artikel nach dem Motto: Was ich schon immer mal sagen wollte? ODER: Was mir schon Ewigkeiten auf die Nerven geht? Schön, dass man Zeit-Online für einen derart dünnen Artikel nutzen kann, andere Leute machen das mit ihren Statusupdates auf FB oder Twitter.
Copy und Paste ist ja noch harmlos. Wenn Unis dem nicht nachgehen, sind sie selber Schuld.
Viel heftiger finde ich Menschen, die sich ohne mit der Wimper zu zucken "Ghostwriter" besorgen. Da gibt's sogar nette Onlineangebote, hätte ich vielleicht mal für den etwas kurzen Artikel recherchiert. Zumal es das Phänomen leider gibt, wie ich bei Abschlüßen in Deutschland und Schottland mitbekommen haben ....
der jedoch wie man an den Vorkommentatoren sieht in D-land reinste Verschwendung ist.
Der "Artikel" (bzw. eher der eher inhaltlich schwammige Kommentar zum Thema) des Autors definiert in meinen Augen nicht so klar, was er als Schummeln ansieht. Was ich glaube herauszulesen ist, dass der Autor eine sehr sehr strikte Politik betreiben will. Jegliche Zuhilfenahme von Inhalten anderer ist Schummeln?
- Aufgaben/Übungsblätter die bergeweise in manchen Studienfächern erledigt werden müssen und die nicht zur Note beitragen, aber zur Prüfungszulassung notwendig sind?
- Jegliche Aufgabe auch in Laboren, wo man oft die Ergebnisse austauscht, sich weiterhilft und im Notfall auch mal sein Ergebnis weitergibt, damit der andere nicht daran scheitert? Diese sind ebenfalls nicht relevant für die Note, aber das Verständnis/Wissen das man dort erwirbt ist bei uns notwendig für die Klausuren. Man hilft sich also nicht wirklich, wenn man sie nicht selber macht. Es sei den um Zeit zu sparen um zu lernen.
Ich bin kein Freund davon, dass man die Arbeit seiner Kommilitonen abschöpft. Es nervt und zwar nicht nur, weil man sich dadurch Vorteile verschafft, sondern weil man die Arbeit und Mühen derer ausnutzen (und auch deren Nerven, wenn man sie ständig nach Lösungen fragt...) die die Aufgabenstellungen des Studiums selber meistern.
Aber wenn wir es so streng auslegen, dann werden wir bald einen enormen Fachkräftemangel und sehr leere Hochschulen haben.
Für die meisten von ihnen angesprochenen Situationen gibt es eine ganz einfache Methode: zitieren oder als Koautor nennen.
Das ist erlaubt und bringt auch keinerlei Ärger, solange es in sinnvollen Maßen passiert.
Außerdem zeigt man somit den Anstand die Leistung des anderen zu würdigen!
Wer 30-50% eines Textes kopiert der sollte Probleme bekommen. Erstes Mal eine sehr schlechte Note und Ermahnung. Zweites Mahl durch die entsprechende Prüfung durchgefallen und Ermahnung. Drittes MAl Exmatrikulation.
Für die meisten von ihnen angesprochenen Situationen gibt es eine ganz einfache Methode: zitieren oder als Koautor nennen.
Das ist erlaubt und bringt auch keinerlei Ärger, solange es in sinnvollen Maßen passiert.
Außerdem zeigt man somit den Anstand die Leistung des anderen zu würdigen!
Wer 30-50% eines Textes kopiert der sollte Probleme bekommen. Erstes Mal eine sehr schlechte Note und Ermahnung. Zweites Mahl durch die entsprechende Prüfung durchgefallen und Ermahnung. Drittes MAl Exmatrikulation.
...schreiben von ihren studenten ab, klauen ideen, argumente...
wer das akademische volk sühnen will, soll die akademischen herrschenden auch nicht dabei vergessen.
einseitiger artikel
saß ich in einem Kurs, der aus 3 Leuten bestand. Wir sollten jeweils eine abschließende Hausarbeit schreiben, mit relativ freier Auswahl, was das Thema anging. Ich schrieb sie "in orthodoxer Manier". Die anderen beiden hätten sich lieber vorher absprechen sollen - bevor sie sich das Gleiche aus dem Netz saugten und unverändert abgaben. Das was in der nächsten Unterrichtsstunde folgte, war wirklich lustig - wenn auch nur aus meiner Sicht...
Das hätte ich gerne miterlebt. Bisher habe ich noch keinen kopieren gesehen während meines Studiums.
Das hätte ich gerne miterlebt. Bisher habe ich noch keinen kopieren gesehen während meines Studiums.
in denen man eine Arbeit 1:1 abgeben kann, da diese so bereits schon einmal gelaufen ist, sind für mich keine ernstzunehmenden Studiengänge.
Es gibt ein einfaches Mittel gegen diese Vorgehensweise: nicht immer Kinderthemen nehmen, sondern ordentlich schwere, die so noch nicht behandelt wurden.
Nicht die Studenten sind Schuld an diesem Problem, sondern diejenigen, die offensichtlich zu leichte Ausarbeitungen verlangen.
Für ein Plagiat reicht es ja schon, wenn man in der Beschreibung des Arbeitsumfeldes Texte aus Büchern verwendet ohne das explizit anzugeben. Selbst wenn dann der eigentliche Arbeitsteil plagiatsfrei ist ist die Arbeit trotzdem 5.
Für ein Plagiat reicht es ja schon, wenn man in der Beschreibung des Arbeitsumfeldes Texte aus Büchern verwendet ohne das explizit anzugeben. Selbst wenn dann der eigentliche Arbeitsteil plagiatsfrei ist ist die Arbeit trotzdem 5.
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