Deutsche Einheit 20 Dinge, die wir bei der nächsten Wiedervereinigung besser machenSeite 5/6
16 Auslandsspione enttarnen
Ganz am Ende, beim halsbrecherischen Showdown des deutschen Jahrhundertkrimis, haben die Bösen die Guten moralisch erpresst. Wollt ihr wirklich Schuld auf euch laden und unsere Auslandsagenten enttarnen?, fragte die Stasi die Bürgerrechtler. Wollt ihr, dass Genossen vom Klassenfeind gefoltert oder gar geköpft werden? Na ja, murrten die Bürgerrechtler, das nun nicht, aber in die Akten würden wir – Neiiiiiin!, kreischten die MfSler, dann fallen wir der CIA, den Arabern und Pinochet in die Hände! Das ängstigte unsere braven DDR-Revolutionäre beträchtlich, zumal sie noch nicht oft im westlichen Ausland gewesen waren und sich das Schlimmste ausmalten. Grummelnd erlaubten sie die Vernichtung der HVA-Akten. Später hat einer der Übertölpelten bissig bemerkt: »Gutmenschen sind unberechenbar.«
Dabei hatten sie fast alles richtig gemacht. Todesmutig brachen sie am 4. Dezember 1989 in die Stasizentralen ein – erst in Erfurt, dann in Leipzig und Rostock. Sie wummerten an die Eisentore und begehrten Einlass beim Erzfeind, bewaffnet nur mit ihren Keine-Gewalt-Parolen. Der Gegner, baff über so viel Naivität, wusste nicht: Ist das der Ernstfall, für den wir Handgranaten gehortet haben? Der oberste Berliner Befehlshaber des MfS ging mal wieder nicht ans Telefon – und so machten die Stasis das Tor auf.
Das hätte der Sieg sein können. Der Erfurter Informatiker Christian Petzold, der in der ersten Nacht Bürgerwache schob, erinnert sich an das Gefühl von Triumph, aber auch Mitleid, als sie die alten Computer der Stasi fanden: »8-Bit-Rechner ohne internen Speicher! Dabei hatten wir im Büro schon 16 Bit!« Aber es war ihm auch mulmig, vor allem als zwanzig Bürger nachts Akten bewachten, während noch tausend Hauptamtliche im Haus aushielten. »Die Stasis rannten ja die ganze Zeit voll bewaffnet an uns vorbei.«
Abenteuerliche Zeiten! Dass es heute tatsächlich eine Behörde BStU für die Stasiakten gibt, wäre ein heroisches Happy End – wenn, ja wenn nicht die AG Sicherheit des Runden Tisches im Januar 1990 beschlossen hätte, dass die Hauptverwaltung Aufklärung des MfS sich selbst auflösen soll. Spione wickeln Spione ab. Wie konnte das passieren? »Die Stasileute führten vom ersten Tag an das Argument vom Rechtsstaat im Munde«, erklärt Tobias Hollitzer, einst Stasibesetzer in Leipzig, heute Leiter des dortigen Stasimuseums. »Sie sagten: Ihr wollt doch nicht selber so werden, wie ihr uns vorwerft zu sein?« Also kooperierten die Bürgerrechtler mit DDR-Staatsanwälten. Das sollte ein Zeichen gegen die blutige Tradition der linken Revolutionen sein. Aber es war auch ein bisschen blöd. Damals begann jener Triumph des Rechts über die Gerechtigkeit, der im Rückwirkungsverbot des Einigungsvertrages festgeschrieben und nach 1990 in zahllosen Klagen der Täter gegen die Opfer befestigt wurde.
Hätten wir das verhindern können? Auch wer die demokratische Rechtsauffassung teilt, dass unser gerechtes Rachebedürfnis durch Gesetze einhegt gehört, muss doch die juristische Bevorteilung der Täter falsch nennen. Tobias Hollitzer hat leider recht, wenn er schimpft, dass »die politische Klasse in Ost und West eben alles vermeiden wollte, was nach offener Aufarbeitung roch«. Im Februar 1990 beklagte Helmut Kohl gegenüber Gorbatschow bereits die angebliche Hatz auf DDR-Funktionäre. Im Herbst konnten die Bürgerrechtler nur durch Hungerstreiks die Schließung sämtlicher Stasiakten verhindern.
Wie man die Akten der Auslandsspionage landesweit hätte sichern können – die Leipziger machten es damals vor. Als ein von Innenminister Peter-Michael Diestel eigenhändig bestätigter Brief aus Berlin sie aufforderte, eine Lastwagenladung HVA-Akten zum Schreddern zu schicken, da verbündeten sich Hollitzer und Co. mit der Volkspolizei. »Wir sagten zur VP: Jungs, wenn hier Akten rausgebracht werden, dann rennen die Leipziger wieder zu Zehntausenden auf die Straße. Wollt ihr das? Herr Diestel ist dann ganz weit weg!« Das sahen die Vopos ein, und so konnten die Bürger unbehelligt eine Mahnwache im Stasigebäude veranstalten. »Ein paar Wochen schliefen wir auf Feldbetten neben den Akten der HVA. Als Diestel persönlich auftauchte, erklärten wir ihm, dass wir nur die Volkskammer akzeptieren.« Die kam aber nie.
Und deshalb liegt heute ein echter HVA-Aktenbestand von etwa 150 Metern in der Leipziger Außenstelle der BStU. Man kann dort noch manchen westdeutschen Spion finden. Beim nächsten Mal machen wir es wie die Sachsen: Von Schwejk lernen heißt siegen lernen.
Evelyn Finger
17 Dissidenten an die Macht
Es mag ja sein: Ein mutiges Leben gegen die Macht hat die DDR-Oppositionellen für die Ausübung von Macht nicht gerade trainiert. Und die notwendige Kompromisslosigkeit in der Diktatur ist etwas anderes als notwendige Kompromissfähigkeit in der Demokratie. Doch dass ihr frühes Dagegensein ihr späteres Dabeisein bis heute so komplett verhindert hat, wirft den größten Schatten auf die deutsche Wiedervereinigung. Es ist nicht nur historisch ungerecht. Nein, es ist auch schädlich für den Zustand der Eliten und der demokratischen Institutionen hierzulande. Denn deren Druck nach innen erzeugt momentan zu viele Anpasser, die sich verbiegen, um nach oben zu gelangen. Anpasser waren Bärbel Bohley und Wolfgang Ullmann, sind Jens Reich, Wolfgang Templin, Ulrike Poppe, Rainer Eppelmann und all die anderen eben nicht. Sie haben sich nur im neuen Deutschland allmählich zurückgezogen: ins Private, auf Parlamentshinterbänke und in die – dringend nötige – Vergangenheitsbewirtschaftung.
Aber Gesellschaften brauchen ganz oben dringend solche Störfaktoren, sonst erstarren sie und produzieren schließlich Störfälle am laufenden Band, wie man gegenwärtig erleben kann: Überall wird dem Ideal scheinbar professioneller Reibungslosigkeit gehuldigt, was am Ende nur kraftlose Stromlinienförmigkeit erzeugt. Dass aus den Reihen jener Dissidenten, die 1989 erfolgreiche Demokratiegründer wurden, ausgerechnet im zwanzigsten Jahr der Wiedervereinigung nicht einmal Joachim Gauck Bundespräsident werden konnte, das Land stattdessen jemanden bekam, der bislang durch sein Engagement bei den Personalien Jogi Löw und Thilo Sarrazin sowie das Tattoo seiner Frau auffiel – das verheißt zumindest nichts Gutes. Dass heute mit sehr viel größerer Wahrscheinlichkeit ein ehemaliger IM zum Minister wird als ein ehemaliger politischer Häftling, bleibt ein Skandalon in unserer politischen Kultur.
Beim nächsten Mal also: Mehr Dissidenten in Regierungsämter und Führungspositionen! Schlechter als die Allparteieninzucht aus RCDS-, JuLi- und Juso-Gewächsen werden sie es nicht machen.
Alexander Cammann
18 Reiseverbot für Wessis
Nächstes Mal könnten arbeitslose Grenztruppen als ABM-Kräfte nach Marienborn abkommandiert werden. Dort verweigern sie Versicherungsvertretern das Übertreten der Zonengrenze. EJ
19 Der dritte Weg: Indianerreservat
Die Berliner Volksbühne wählte vor einigen Jahren das Motto »Die Ostdeutschen als Indianer« und irritierte damit irritierenderweise ihr Publikum. Indianer? Ostdeutsche? Das könnte eine Beleidigung sein, wurde aber als Witz missverstanden.
Noch im Jahr 1991 veröffentlichte der beliebte Reiseratgeberverlag Know How Reisen unter dem Titel
DDR
ein Handbuch, in dem die ersten westdeutschen Siedler erläuterten, »wie man das unbekannte Land problemlos bereist«, und davor warnten, »dem Ostdeutschen einfach Geld zu schenken«, also ihn zu füttern oder zu schnell in fremden, dem Eingeborenen unvertrauten Dialekten zu sprechen (das gilt explizit für Schwaben, die besonders bedrohlich auf die ostdeutschen Ureinwohner wirkten).
Der dritte Weg ist im Nachhinein klar erkennbar: Das Hoheitsgebiet der DDR hätte nach dem Sturz der SED-Regierung sofort in ein Reservat umgewandelt werden müssen. Ein Reservat, in dem Ostdeutsche unter gewohnten Bedingungen und im natürlichen Lebensraum bleiben. Um das Projekt zu finanzieren, hätte man Teile dieses Reservates in einen Themenpark umgewandelt. An den Eingängen von Kombinaten, Kindergärten und POS wären Kassenhäuschen mit Kartenabreißer aufgestellt worden.
- Datum 02.10.2010 - 11:33 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 23.09.2010 Nr. 39
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Ich gratuliere zu diesem wirklich schlauen und ehrlichen Beitrag. Insbesonders die beiden Punkte 'Währungstausch' und 'Treuhand' sind gut formuliert. Es ist diese ökonomische Dreistigkeit, mit der die ja durchaus mögliche innerdeutsche Konkurrenz zugunsten der West-Wirtschaftskonzerne blockiert wurde, die einen selbsttragende Aufschwung in vielen Regionen der neuen Bundesländer noch heute unmöglich macht. Im Westen über den Soli zu jammern aber dies auszuklammern, ist schäbig.
p.s.: um dem Klischee gleich vorzubeugen: ich bin Wessi
Ja, da kann man wirklich nur sagen, hätte der Hund nicht gesch..., hätte er den Hasen gekriegt.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Vereinigung (Wiedervereinigung ist albern) auch jetzt anders verlaufen würde. Die würde meiner Meinung noch fürchterlicher verlaufen.
Stellen Sie einmal eine heutige Talk-Runde im Fernsehen vor! Da gibt es 6 Leute und auch 6 verschiedene Meinungen.
Diese Vereinigung würde meiner Meinung nicht friedlich verlaufen, die Leute würde sich alle in die Haare bekommen.
Die Vereinigung ist nicht falsch gelaufen, die wurde bewußt falsch durchgeführt, weil in Westdeutschlan alles so bleiben sollte, so einfach ist das.
Heute sehen wir, dass auch in Westdeutschland viele Dinge sehr verbesserungswürdig sind.
Was soll der Unsinn, die Neubauten hätten man wegreißen sollen, wo doch im Westen dieselben häßlichen Dinger stehen. Es werden Zeiten kommen, da werden wir uns nach diesen Unterkünften noch sehnen, denn die Armut wächst und diese Leute müssen dann ja irgendwo untergebracht werden. Schon heute müssen viele Leute ihre Eigenheime aufgeben. Und wenn die Natur sich weiter ändert und die Überschwemmungen zunehmen, müssen viele Orte regelrecht geräumt werden und dann sind diese Unterkünfte sehr gefragt.
Wie gesagt, die 20 angegebenen Dinge sind fromme Wünsche, an denen man sich aber nicht lange festhalten sollte. Sie kennen ja den Ausspruch noch von Honnecker: Vorwärts immer Rückwärts nimmer. Kleiner Spass von mir.
Zitat: "Die Vereinigung ist nicht falsch gelaufen, die wurde bewußt falsch durchgeführt, weil in Westdeutschlan alles so bleiben sollte, so einfach ist das."
Wir im Westen haben den Kommunismus besiegt, also waren wir "besser" und warum soll man "Besseres" ändern? Am (west-)deutschen Wesen soll die (ostdeutsche ) Welt genesen!
Wir im Osten haben wegen der Bankrott-Wirtschaft den Heilsbringer im Kapitalismus ( "soziale Marktwirtschaft" ) gesehen und haben deshalb demütig auf die "Segnungen von oben" gewartet, wie bis dato auch immer alles von oben gekommen ist. Vom Westen lernen heißt siegen lernen!
Zitat: "Die Vereinigung ist nicht falsch gelaufen, die wurde bewußt falsch durchgeführt, weil in Westdeutschlan alles so bleiben sollte, so einfach ist das."
Wir im Westen haben den Kommunismus besiegt, also waren wir "besser" und warum soll man "Besseres" ändern? Am (west-)deutschen Wesen soll die (ostdeutsche ) Welt genesen!
Wir im Osten haben wegen der Bankrott-Wirtschaft den Heilsbringer im Kapitalismus ( "soziale Marktwirtschaft" ) gesehen und haben deshalb demütig auf die "Segnungen von oben" gewartet, wie bis dato auch immer alles von oben gekommen ist. Vom Westen lernen heißt siegen lernen!
Die Diskussion was man alles hätte besser oder anders machen können, bringt unser Volk heute keinen Schritt weiter. Viel wichtiger ist doch, was kann man in Zukunft aus der Vergangenheit lernen und wie können wir alle gemeinsam unsere Republik in Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde erhalten. Wollen wir weitermachen wie bisher, oder können wir auch nachfolgenden Generationen ein lebenswertes Dasein in Aussicht stellen. Die Herausforderungen der heutigen Zeit in einer globalisierten Welt erfordert den persönlichen Einsatz jedes Menschen guten Willens. Wir sollten uns aber immer bewusst sein, dass wir in unserem Lande nur gemeinsam zukunftsfähig sein können, egal ob Ost, West, Süd- oder Norddeutscher. Egal welche Glaubensrichtung wir vertreten oder welcher Nationalität als in Deutschland lebender Ausländer wir angehören, es ist nur gemeinsam zu schaffen!
Und bitte nicht vergessen: Das nächste Mal warten bis die Bundestagswahl vorüber ist. Hätte Kohl nicht eine Wahl zu gewinnen gehabt, hätte vielleicht Rationalität eine größere Rolle gespielt. Hätte Kohl die Wahl gewonnen, wenn der Wechselkurs nicht 1 zu 1 gewesen wäre? Einfach mal durch den Kopf gehen lassen.
Von welcher nächsten Wiedervereinigung wird denn hier schwadroniert?
Die Menschen in den ehemaligen deutschen Gebieten, die seit 1945 zu anderen Ländern gehören, haben sicher ganz andere Probleme und Empfindlichkeiten als die Bürger der DDR sie hatten.
Ob die tatsächlich eines Tages um einen de-facto Anschluß bitten, wie es die Demonstranten am Ende der DDR getan haben, ist sehr fraglich. Um Geld umzuleiten, haben wir mittlerweile die EU, Reisefreiheit gibt es dort schon. Es braucht niemand mehr seine Souveränität aufzugeben, um Geld aus dem Südwesten der Republik zu bekommen. Hätte die DDR übrigens auch so machen können. Aber es haben Geduld, Vertrauen in die neue Regierung der DDR und vielleicht auch etwas die Kenntins der EU gefehlt.
Mich würde mal ein ehrlicher Rückblick auf die Haltungen der damaligen tonangebenden Kreise im Westen interessieren, besonders derjenigen, die sich mit der Aufteilung Deutschlands durch die Siegermächte bequem arrangiert hatten.
Wenigstens einer erwähnt die Siegermächte. Es wird ja gar so getan als wäre das alles in den Händen der Deutschen gelegten, von wegen Wiedervereinigung und so. Deutschland, ganz Deutschland, war auch 1989 noch ein besetztes Land! Und die Aliierten hatten in allem das letzte Wort. Das mögen sie bei Alltagsfragen nicht mehr genutzt haben, wozu sich mit lästigen Kleinigkeiten befassen, aber das war doch immer im Hintergrund. Und bei wichtigen Dingen ging es in Bonn nie ohne einen Anruf in London, Paris oder zumindest Washington, in Berlin (Ost) nie ohne einen Anruf in Moskau. Ist doch alles bekannt und erforscht, historisch belegt. Hätten die Siegermächte nicht mitgespielt gäb es heute noch eine Deutsch-Deutsche-Grenze. Und angesichts des neuen Großmachtgehabes der Russen könnte es durchaus wieder einen Kalten Krieg auf Sparflamme geben - man sieht ja an der Ostalgie wie sich unsere Mitbürger im Ostern gegen ihre westlichen Brüder und Schwestern aufstacheln lassen. Und Berlin schaut ja heute noch in weiten Teilen wie eine sowjetische Metropole aus, "Betonchic", worauf man dort ja auch stolz ist und jede Reurbanisierung zurück zu einer deutschen Metropole als "Gentrifizierung" ablehnt. Das ist mental so tief drin, die Jahrzehnte der politischen und gesellschaftlichen Umerziehung, mich erschreckt vorallem dass es nicht wenige junge Leute meiner Generation gibt die immer noch den "Klassenfeind" im Kopf haben.
Wenigstens einer erwähnt die Siegermächte. Es wird ja gar so getan als wäre das alles in den Händen der Deutschen gelegten, von wegen Wiedervereinigung und so. Deutschland, ganz Deutschland, war auch 1989 noch ein besetztes Land! Und die Aliierten hatten in allem das letzte Wort. Das mögen sie bei Alltagsfragen nicht mehr genutzt haben, wozu sich mit lästigen Kleinigkeiten befassen, aber das war doch immer im Hintergrund. Und bei wichtigen Dingen ging es in Bonn nie ohne einen Anruf in London, Paris oder zumindest Washington, in Berlin (Ost) nie ohne einen Anruf in Moskau. Ist doch alles bekannt und erforscht, historisch belegt. Hätten die Siegermächte nicht mitgespielt gäb es heute noch eine Deutsch-Deutsche-Grenze. Und angesichts des neuen Großmachtgehabes der Russen könnte es durchaus wieder einen Kalten Krieg auf Sparflamme geben - man sieht ja an der Ostalgie wie sich unsere Mitbürger im Ostern gegen ihre westlichen Brüder und Schwestern aufstacheln lassen. Und Berlin schaut ja heute noch in weiten Teilen wie eine sowjetische Metropole aus, "Betonchic", worauf man dort ja auch stolz ist und jede Reurbanisierung zurück zu einer deutschen Metropole als "Gentrifizierung" ablehnt. Das ist mental so tief drin, die Jahrzehnte der politischen und gesellschaftlichen Umerziehung, mich erschreckt vorallem dass es nicht wenige junge Leute meiner Generation gibt die immer noch den "Klassenfeind" im Kopf haben.
Ich weiss nicht ob das eine Glosse ist? Wenn nicht dann grenzt das meiner Meinung nach an Realitätsverlust. Das mag nicht unser "gefühltes" und tradiertes Geschichtsbild sein, aber weder die Leipziger haben die Einheit erzwungen, noch Kanzler Kohl ermöglicht. Es war einzig die globale Euphorie über das Ende des Kalten Krieges die die Regierungen der Westmächte gezwungen hat dem zuzustimmen (besonders in Paris und London hat man keinen Hehl daraus gemacht dass man die Teilung gerne beibehalten würde - nur die Amerikaner waren versöhnlich). Und nicht zuletzt der Kollaps Russlands, man hatte andere Sorgen.
Und nicht nur war das ein Moment der so einmalig war dass es fahrlässig gewesen wäre auch nur eine Sekunde zu zögern oder mehr "Orga-Kram" als notwendig zu machen (a lá neue Verfassung, bloß damit jetzt "Verfassung" anstatt "Grundgesetz" über Artikel 1 steht...). Und es gab auch ganz andere drängende Probleme, wie sicherzustellen dass die Stromversorgung in der DDR nicht kollabiert. Der Ostblock ist ja von innen kollabiert und wurde nicht von der Bevölkerung aufgelöst, das kam dann hinzu.
Wir müssen froh sein dass es funktioniert hat und endlich mit der Rückwärtsgewandtheit aufhören, ja ich bin für "Schlußstriche", ganz viele. Wir haben in der Gegenwart genug Probleme. Zumal wir alles Deutsche sind, wir machen aus Ostalgie und deutscher Kleinstaaterei das was Stalin und SED nie geschafft haben freiwillig: die mentale Spaltung des deutschen Volkes zu unserem Schaden.
Schön, daß Sie nochmal auf den historischen Glücksfall für uns Deutsche hinweisen.
recht hat, hat es recht!
Schön, daß Sie nochmal auf den historischen Glücksfall für uns Deutsche hinweisen.
recht hat, hat es recht!
Wenigstens einer erwähnt die Siegermächte. Es wird ja gar so getan als wäre das alles in den Händen der Deutschen gelegten, von wegen Wiedervereinigung und so. Deutschland, ganz Deutschland, war auch 1989 noch ein besetztes Land! Und die Aliierten hatten in allem das letzte Wort. Das mögen sie bei Alltagsfragen nicht mehr genutzt haben, wozu sich mit lästigen Kleinigkeiten befassen, aber das war doch immer im Hintergrund. Und bei wichtigen Dingen ging es in Bonn nie ohne einen Anruf in London, Paris oder zumindest Washington, in Berlin (Ost) nie ohne einen Anruf in Moskau. Ist doch alles bekannt und erforscht, historisch belegt. Hätten die Siegermächte nicht mitgespielt gäb es heute noch eine Deutsch-Deutsche-Grenze. Und angesichts des neuen Großmachtgehabes der Russen könnte es durchaus wieder einen Kalten Krieg auf Sparflamme geben - man sieht ja an der Ostalgie wie sich unsere Mitbürger im Ostern gegen ihre westlichen Brüder und Schwestern aufstacheln lassen. Und Berlin schaut ja heute noch in weiten Teilen wie eine sowjetische Metropole aus, "Betonchic", worauf man dort ja auch stolz ist und jede Reurbanisierung zurück zu einer deutschen Metropole als "Gentrifizierung" ablehnt. Das ist mental so tief drin, die Jahrzehnte der politischen und gesellschaftlichen Umerziehung, mich erschreckt vorallem dass es nicht wenige junge Leute meiner Generation gibt die immer noch den "Klassenfeind" im Kopf haben.
"Und Berlin schaut ja heute noch in weiten Teilen wie eine sowjetische Metropole aus, "Betonchic", worauf man dort ja auch stolz ist und jede Reurbanisierung zurück zu einer deutschen Metropole als "Gentrifizierung" ablehnt."
Wie sieht denn Ihrer Meinung nach eine "deutsche Metropole" aus? Gibt es da Standard-Vorgaben, die ich noch nicht kenne? Haben Sie sich tatsächlich schonmal in Ost-Berlin umgeschaut? Ich selbst habe in beiden Teilen der Stadt jeweils mehrere Jahre gelebt und kann diese Äußerung nicht bestätigen.
Wie soll es praktisch umsetzbar sein, alle Plattenbauten direkt abzureißen? In diesen Häusern leben Menschen, die man nicht einfach von jetzt auf gleich in andere Gebäude umsiedeln kann!
Und wenn wir schon beim Beispiel Berlin sind: Dann müsste man das Märkische Viertel und ähnliche Siedlungen im Westen der Stadt gleich mit niederwalzen.
"Und Berlin schaut ja heute noch in weiten Teilen wie eine sowjetische Metropole aus, "Betonchic", worauf man dort ja auch stolz ist und jede Reurbanisierung zurück zu einer deutschen Metropole als "Gentrifizierung" ablehnt."
Wie sieht denn Ihrer Meinung nach eine "deutsche Metropole" aus? Gibt es da Standard-Vorgaben, die ich noch nicht kenne? Haben Sie sich tatsächlich schonmal in Ost-Berlin umgeschaut? Ich selbst habe in beiden Teilen der Stadt jeweils mehrere Jahre gelebt und kann diese Äußerung nicht bestätigen.
Wie soll es praktisch umsetzbar sein, alle Plattenbauten direkt abzureißen? In diesen Häusern leben Menschen, die man nicht einfach von jetzt auf gleich in andere Gebäude umsiedeln kann!
Und wenn wir schon beim Beispiel Berlin sind: Dann müsste man das Märkische Viertel und ähnliche Siedlungen im Westen der Stadt gleich mit niederwalzen.
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