Zunächst mal gibt es natürlich ganz im Ernst nicht das Allergeringste dagegen zu sagen, dass Stephanie zu Guttenberg, von ihrer guten Freundin Soscha zu Eulenburg auf das Thema Kindesmissbrauch aufmerksam gemacht, vor Jahren begann, sich dagegen zu engagieren. Sie wurde Präsidentin von Innocence in Danger, einem Verein, der beispielsweise traumatisierten Kindern therapeutische Ferien ermöglicht. Es ist ein langjähriges Engagement, über das sie jetzt ein Buch geschrieben hat.

Das Thema ist nicht ganz neu, aber wer schafft das schon: ein wirklich neues Thema zu finden, weshalb sie – völligst verständlich – versucht, dem Buch etwas Drive zu geben, indem sie in der Bild -Zeitung über die pornografisierte Gesellschaft spricht, was ja immerhin eine vergleichsweise anständige Art ist, Aufmerksamkeit zu generieren; außerdem nerven die ganzen Sängerinnen in Pornopose wirklich.

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Und natürlich ist es auch kein Argument, dass der Einsatz für Kinder für eine blonde, adlige Politikerehefrau fast parodistisch naheliegend ist. Es steht uns nicht zu, zu erwarten, Stephanie zu Guttenberg möge sich für kontroversere Themen einsetzen oder zumindest im Interview etwas sagen, das wirklich neu ist oder sogar ein bisschen Mut erfordert, so wie Michelle Obama, die zum Beispiel zugab, dass es mit ihrer Ehe nicht immer zum Besten stand, eine Offenbarung, die für Millionen von zerfledderten berufstätigen Paaren natürlich tausendmal angenehmer ist, als immer nur das Publikum abzugeben für die Guttenbergs auf Bällen, Familienausflügen, Flugzeugträgern und AC/DC-Konzerten.

Dass die Guttenbergs sich selbst ganz gern präsentieren, wäre noch verzeihlich, schließlich geben alle ab und zu mal an. Was aber nervt, was wirklich, wirklich nervt, ist, dass sie dabei in jedem zweiten Satz so tun, als sei ihnen unsere Anerkennung, weil sie als Adlige ja in einer aus sich heraus sinnstiftenden Tradition stünden, eigentlich völlig egal.