Hennen in der Massentierhaltung auf einer Hühnerfarm © Fabrizio Villa/AFP/Getty Images

Vor einem Haufen Asche in der Mitte einer Ruine, die ein Stall werden sollte, stehen die Eickhoffs und blicken stoisch in die Kameras. Gerhard, seine Frau Angela und ihr Sohn Malte. Um sie herum: vier verrußte Klinkermauern und verkohlte Futtersilos, die sich in den Septemberhimmel strecken. Dazu Journalisten, Nachbarn, Anzugträger. Die Eickhoffs geben eine Pressekonferenz in den Trümmern ihrer Existenz.

Gerhard Eickhoff, Landwirt, 50 Jahre alt, ist ein drahtiger Mann mit scharf geschnittenem Gesicht. Seine Haut hat die rotbraune Farbe von Lehm, die Hände sind von der Landarbeit geschunden. Er muss sich die Tränen verkneifen, als er schildert, wie das war am 30. Juli. Damals weckten ihn die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr im Morgengrauen. Wo es brannte, wusste er nicht. Der Löschwagen bog in die Kirchhofstraße ein und fuhr am Friedhof vorbei, aus dem Dorf heraus, zehn Minuten über den Feldweg bis zu einem brennenden Stall. Es war Eickhoffs eigener. Ein sechs Tennisfelder großer Neubau, fast fertig, mit Platz für 36.800 Hähnchen. Nur der Strom fehlte noch, dann hätte es losgehen können.

»Der Brand ist eine Folge der Proteste der Tierschutzverbände«, schimpft ein Agrarfunktionär in die Mikrofone. Ein anderer spricht von einem »Anschlag auf die moderne Form der Geflügelhaltung insgesamt«. Die expandiert niedersachsenweit gerade im großen Stil. Dagegen formiert sich im ganzen Land der Protest von Bürgerinitiativen und Tierschützern. Ihnen geht es um Grundsätzliches. Aus einem guten Bauer wird da schnell ein böser Bauer. Nicht dem Wohl der Tiere verbunden, sondern den Ideen des Marktes. So wie in Sprötze.

Etwas mehr als 2000 Einwohner zählt das Dorf am Rand der Lüneburger Heide. Die Böden der Umgebung sind fruchtbar. Die meisten Landwirte betreiben Ackerbau, große Viehzuchtbetriebe sind selten. Mitten im Dorf liegt der Hof der Eickhoffs. Wie ein Familienmotto steht auf dem Giebel ihres Hauses: »Treu bewahren wir die Scholle für das kommende Geschlecht«. Ein paar Garagen aus Klinker gibt es, außerdem ein Gemüse- und ein Blumenbeet. In einem Hofladen werden eigene Erzeugnisse verkauft.

»Wochen existenzieller Bedrohung« hätten sie hinter sich, sagt Gerhard Eickhoff. Eine halbe Million Euro sei mit dem Stall verbrannt. Ein 200 Jahre altes Familienunternehmen, von Militanten an den Rand des Ruins getrieben – »’ne harte Nummer« nennt er das. Dabei sei es doch ein naheliegender Schritt gewesen, in die Hähnchenmast zu investieren. Schließlich wollte Malte, der Älteste von drei Kindern, den Hof weiterführen. Er hatte seine Lehre gemacht und suchte nach einer Aufgabe. Auf 180 Hektar betreiben die Eickhoffs Ackerbau. 30 Rinder, 400 Schweine und 3000 Legehennen gibt es schon. Aber Rinder brauchen viel Platz, und Schweine machen viel Arbeit. Also sollten es fast 37.000 Hähnchen werden.

»Kleiner geht nicht, wenn man eine Familie ernähren will«, sagt Eickhoff. Durchschnittlich 30 Cent, sagt die Statistik, verdiente ein niedersächsischer Bauer 2009 an einem Huhn. Erst die Masse macht das Geschäft. Beim Wort Bio lacht Eickhoff zum ersten Mal an diesem Tag auf. Zu wenig Nachfrage. Zu teuer.

Im nahen Wietze hingegen geht der Hähnchenbedarf in die Millionen. Dort baut der Hühnerbaron Franz-Josef Rothkötter gerade einen neuen Schlachthof, den größten Europas. An ihn wollte Eickhoff liefern. 430.000 Vögel können dort jeden Tag getötet werden. Wenn im nächsten Jahr die Zerlegebänder anlaufen, steigt die deutsche Hähnchenproduktion mit einem Schlag um ein Viertel. Hunderte neue Ställe wie der in Sprötze sollen für die Fleischfabrik entstehen.