Eat Pray Love Schäfisch abgeklappert
Julia Roberts wie immer wunderbar. Ihr neuer Film eher weniger
© Sony Pictures

Julia Roberts ist selbst erklärte Anhängerin der Autorin Elizabeth Gilbert, die sie im Film verkörpert
Dieser Film sieht aus, als liege ihm eine Wette zugrunde. Julia Roberts wollte beweisen, dass sie auch in ihrem 43. Lebensjahr allein mit ihrem Lachen und ihrer alterslosen Schönheit noch den steindümmsten Zweieinhalbstundenfilm zum Ereignis machen kann. Anders ist kaum zu erklären, wie die Oscar-Preisträgerin in Eat Pray Love hineingeraten ist, die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Elizabeth Gilbert. Oder ist es wirklich schon so, dass selbst göttinnengleiche Schauspielerinnen jenseits der 40 in Hollywood keine vernünftigen Rollen mehr bekommen?
Das Buch der amerikanischen Journalistin erzählt von ihrer einjährigen Weltreise zu sich selbst. Der Film, in dem Julia Liz spielt, klappert die Stationen schäfisch ab und kommt trotz all der Kilometer nie in Fahrt, weil es dem Zuschauer geht wie Liz’ Ehemann: Er versteht gar nicht, was der Frau an ihm, ihrem Job, ihrem Leben nicht gefällt. Eine diffuse Leere rührt die erfolgreiche Reporterin zu nächtlichen Tränen; eine Prise Grübelei über Karriere versus Kinderwunsch treibt sie zunächst in die Arme eines dekorativen Liebhabers und dann in die Welt hinaus.
© Sony Pictures

Elizabeth Gilbert (Julia Roberts) sucht sich selbst – unter anderem in Italien
Dort widerfährt ihr – nichts. Es ist eine Expedition in das Reich der Kalendersprüche, wo man durch den Graben schwimmen muss, um zur Burg zu gelangen, und nur mit dem Herzen gut sieht. Nicht mal das italienische Fremdenverkehrsamt hätte sich getraut, den Abstecher nach bella Italia in einen solchen Propagandafilm über Pasta, Mamas, Muttersöhnchen und toskanische Landgüter zu verwandeln. Die Kamera von Robert Richardson zaubert goldene Heiligenscheine über alles und jeden, da sieht doch selbst die Zwangsheirat, deren Zeugin Liz in Indien wird, richtig lecker aus. Unverdrossen biegt der Film an jeder seit dem Vorspann vorhersehbaren Kreuzung in die erwartete Richtung ab und endet schließlich auf Bali, in den Armen des pittoresk verwitterten Brasilianers Felipe. Damit auch jeder gleich begreift, dass er der Richtige ist, hat man die Rolle mit noch einem Oscar-Preisträger besetzt, Javier Bardem, der statt eines stoischen Killers endlich mal den Knuddelbären geben darf. Die Botschaft am Grunde dieses Eimers voller Schmierseife: Liebe und Familie machen das Leben schön.
Und Julia Roberts? Muss stellvertretend für alle frustrierten Frauen dieser Welt auch noch in den balinesischen Sonnenuntergang tuckern. Ist aber trotzdem unzerstörbar.
- Datum 24.09.2010 - 11:26 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 23.09.2010 Nr. 39
- Kommentare 16
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...so ist doch wenigstens der Artikel darüber köstlich und amüsant geschrieben :-).
offensichtlich hat der Autor das Buch nicht gelesen. Er sollte sich schämen derart über das Leben - auch wenn es hier verfilmt wurde und ich muss eingestehen, dass ich ihn nicht gesehen habe - plakativ schreibt. Ich dachte, dass man von der Zeit mehr erwarten kann aber inzwischen wundert mich nichts mehr hier!
[Anmerkung: Bitte bestärken Sie Ihre Kritik mit Argumenten. Danke. Die Redaktion/ew]
..um hier überhaupt ein Kommentar abgeben zu können, vor allem dann, wenn man darüber herziehen will, was andere dazu denken, die ihn gesehen haben.
..um hier überhaupt ein Kommentar abgeben zu können, vor allem dann, wenn man darüber herziehen will, was andere dazu denken, die ihn gesehen haben.
wurde in den 80ern bekannt mit einem Theaterstück, Backen Beten, Bum..en.
Was damals eine Provokation in guter Absicht war, ist heute offensichtlich eine Einladung zum Mitmachen, die gerne angenommen wird. Die Buchungszahlen der Reiseveranstalter nach Bali deuten dies jedenfalls an.
Als Ergänzung zum Film empfehle ich: Badesalz - Bali mach uff!
ich fand den Film gut: sehr nett gemacht und genau das richtige für einen regnerischen Sonntag nachmittag. Habe mich jedenfalls nicht gelangweilt.
Ich lese gerade das Buch...
PS: Man merkt schon nach kurzer Zeit, daß die Filmkritik von einem Mann geschrieben wurde. Ich glaube, es wäre eventuell besser gewesen, eine Frau hätte die Kritik geschrieben, da die Thematik des Film meiner Meinung nach eher Frauen anspricht als Männer. ;)
Ich hab wie wild nach dem Namen des Autors gesucht, um mich zu bestätigen.
Dem Autor geht's tatsächlich wie dem Ehemann. "Eine diffuse Leere"...Ja was hat'se jetzt? Kann die nicht mal laut und plakativ aufschreien, was ihr Problem ist? Wenigstens 2-3 mal?
Beim vierten mal merken dann die intellektuellen Herren, dass es plakativ wird, da muss Gewalt als verdeutlichendes Stilmittel her, damit einleuchtet: Aha, ein Problem!!!
Ich hab den Film nicht gesehen, die Rezension hat mich trotzdem amüsiert.
Man kann den Film durchaus auch als Frau flach und kitschig finden. Meiner Ansicht nach ist der Film sehr vorhersehbar und enttäuschend: die Hauptfigur ist völlig überspannt und am Ende trotz Gurus kein bisschen weiser. Das Ganze ist ein beruhigender Kuschelfilm für Menschen (wahrscheinlich tatsächlich vor allem Frauen), die jemanden bzw. ein filmisches Vorbild brauchen, das ihnen offiziell erlaubt, etwas so Exotisches wie Essen oder die Liebe zu genießen, da sie ihrem eigenen Urteil offensichtlich nichts zutrauen.
Ich hab wie wild nach dem Namen des Autors gesucht, um mich zu bestätigen.
Dem Autor geht's tatsächlich wie dem Ehemann. "Eine diffuse Leere"...Ja was hat'se jetzt? Kann die nicht mal laut und plakativ aufschreien, was ihr Problem ist? Wenigstens 2-3 mal?
Beim vierten mal merken dann die intellektuellen Herren, dass es plakativ wird, da muss Gewalt als verdeutlichendes Stilmittel her, damit einleuchtet: Aha, ein Problem!!!
Ich hab den Film nicht gesehen, die Rezension hat mich trotzdem amüsiert.
Man kann den Film durchaus auch als Frau flach und kitschig finden. Meiner Ansicht nach ist der Film sehr vorhersehbar und enttäuschend: die Hauptfigur ist völlig überspannt und am Ende trotz Gurus kein bisschen weiser. Das Ganze ist ein beruhigender Kuschelfilm für Menschen (wahrscheinlich tatsächlich vor allem Frauen), die jemanden bzw. ein filmisches Vorbild brauchen, das ihnen offiziell erlaubt, etwas so Exotisches wie Essen oder die Liebe zu genießen, da sie ihrem eigenen Urteil offensichtlich nichts zutrauen.
Ich hab wie wild nach dem Namen des Autors gesucht, um mich zu bestätigen.
Dem Autor geht's tatsächlich wie dem Ehemann. "Eine diffuse Leere"...Ja was hat'se jetzt? Kann die nicht mal laut und plakativ aufschreien, was ihr Problem ist? Wenigstens 2-3 mal?
Beim vierten mal merken dann die intellektuellen Herren, dass es plakativ wird, da muss Gewalt als verdeutlichendes Stilmittel her, damit einleuchtet: Aha, ein Problem!!!
Ich hab den Film nicht gesehen, die Rezension hat mich trotzdem amüsiert.
Auch ich habe mich über diesen weiteren (siehe z.B. spiegel.de) "männlichen" Kommentar geärgert, bei dem es nur um Oberflächlichkeiten geht, die vermuten lassen, dass der Autor das zugrunde liegende Buch nicht gelesen hat. Andernfalls wäre ein genauere Kritik im Vergleich Buch-Film
wünschenswert gewesen. Das Buch ist nämlich durchaus lesenswert und kaum diffus leer.
Da es hier nur um die Filmkritik geht, mag dies entschuldigt sein, nicht aber die plakative, achso witzige Art. - Aber womöglich ist der Film tatsächlich so schlecht umgesetzt, dass man hinterher frustriert ist.
Ich bin es schon vor der Sichtung.
Vielen Dank für den wunderbaren Kommentar, ich bin mir jetzt bereits sicher, dass er mich mehr amüsiert, als der Film.
Man kann den Film durchaus auch als Frau flach und kitschig finden. Meiner Ansicht nach ist der Film sehr vorhersehbar und enttäuschend: die Hauptfigur ist völlig überspannt und am Ende trotz Gurus kein bisschen weiser. Das Ganze ist ein beruhigender Kuschelfilm für Menschen (wahrscheinlich tatsächlich vor allem Frauen), die jemanden bzw. ein filmisches Vorbild brauchen, das ihnen offiziell erlaubt, etwas so Exotisches wie Essen oder die Liebe zu genießen, da sie ihrem eigenen Urteil offensichtlich nichts zutrauen.
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