Endlos wölbt sich die blaugraue Weite über der Bucht von Mont-Saint-Michel. Unter der meergeschwängerten Luft breiten sich Watt, Marsch, Weiden, Streuobstwiesen und Äcker wie zu einem einladenden Gastmahl aus. Am liebsten würde man große Stücke herausbeißen und genussvoll auf der Zunge zergehen lassen, um sie schließlich mit ein oder zwei Flaschen Cidre hinunterzuspülen. Die Normandie ist eben eine kulinarische Landschaft, vor allem, wenn der Abend den Himmel mit Kupferblech verhängt, einem Metall, das besonders in den Küchen der Region glänzt. So war es schon zu Zeiten Rabelais. In seinem grotesken Roman von 1532 fabuliert er über das Riesenbaby Pantagruel, für dessen unstillbaren Appetit alle Ressourcen des Landes angezapft werden mussten. Erst wurden Tausende Kühe gemolken und dann "alle Pfannenschmiede von Villedieu in der Normandie damit beschäftigt, Pantagruels Stieltopf zu schmieden".

Das Kupfer und Villedieu-les-Poêles sind von jeher schicksalhaft verbunden. Hier werden die Töpfe und Pfannen geschmiedet, auf die nicht nur einflussreiche Küchenchefs, sondern zunehmend auch Hobbyköche schwören. Die meisten Touristen auf dem Weg von Paris zum Meer rauschen allerdings achtlos an dem Ort vorbei. "Vor dem Bau der Autobahn", klagt Etienne Dulin, "da kamen über 40000 Besucher im Jahr. Heute sind es gerade die Hälfte." Der Inhaber der Manufaktur Atelier du Cuivre weiß, was die Bleifußfahrer verpassen. Würden sie doch nur dem sonnenroten Glanz des Kupfers folgen, hinein in einen der historischen Handwerkerhöfe, dann sähen sie, was die französische Küche groß gemacht hat.

"Kupfer ist einfach das ideale Metall für Töpfe", schwärmt Dulin. "Es wirkt antibakteriell und leitet die Hitze wie der Teufel." Der gelernte Maschinenbauer hatte mit der Konstruktion von Nussknackern sein Geld verdient, bis er vor einem Vierteljahrhundert seine Liebe zum Kupfer entdeckte. Damals ging hier eine traditionsreiche Topfschmiedewerkstatt aus dem 19. Jahrhundert pleite. "Weil ich das nicht mitansehen konnte, habe ich die Konkursmasse gekauft und den Laden wieder eröffnet." So entstand sein Atelier du Cuivre.

"Die Leute im Ort haben mich für verrückt gehalten, als ich die entlassenen Handwerker wieder eingestellt habe", erzählt er. Aber das Konzept ging auf. Im Atelier können die Besucher hautnah miterleben, wie Töpfe und Pfannen in allen Größen und Formen das Licht der Welt erblicken. So hat Dulin seine Manufaktur wie ein lebendes Fossil in unsere Zeit gerettet.

Dong! Dong! Deng! Der junge Kerl mit Cordhut und Dreadlocks ist einer von sechs Handwerkern, die in der staubigen Produktionshalle lärmen. Wie wild drischt er auf ein Kupferblech ein, das sich unter seinen Schlägen zu einer Hohlform wölbt. Dabei pfeift er vor sich hin, anscheinend macht die Arbeit ihm Spaß. "Als ich in Villedieu angefangen habe, gab es noch 15 Manufakturen", sagt Dulin. "Davon haben nur zwei überlebt. Wir und Mauviel."

"Der Innenbelag ist aus reinem Silber, auch ein Patent von mir"

Größer könnte der Gegensatz kaum sein: hier das Atelier du Cuivre mit seinen verrußten Essen im Hinterhof. Und dort, dreihundert Meter die Straße hinauf, die propere Industriehalle von Mauviel. Dort produziert man für eine weltweite Fangemeinde exklusive Rolls-Royce-Töpfe, inzwischen vor allem aus Aluminium, Edelstahl und magnetischen Legierungen, die sich anders als Kupfer für moderne Induktionsplatten eignen.