20 Jahre Einheit Wir sind anders

Warum die Wirklichkeit des Ostens es so selten in die Medien und also in den Westen schafft.

Jana Hensel im Oktober 2009

Jana Hensel im Oktober 2009

1. Als die ehemalige ZEIT- Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff letztes Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, ehrte diese Zeitung sie mit einer Titelgeschichte. Auf Seite eins war ein großes Bild zu sehen, auf dem ihre Haare lila getönt waren. Wie zum Test ließ ich diese Ausgabe länger als gewöhnlich auf meinem Küchentisch liegen, und fast alle meine ostdeutschen Freunde riefen erstaunt, als sie die Zeitung sahen: »Ach, machen die jetzt was über Margot Honecker?«

2. Auch ich selbst hatte bei dem Foto sofort, nach endlos langer Zeit mal wieder, an die Frau von Erich Honecker gedacht. Die Haarfarbe der Gräfin Dönhoff hatte mich einfach an sie erinnert. In der Redaktion der ZEIT schien diese Assoziation niemand zu teilen – sonst, ich bin mir sicher, hätte man ein anderes Titelbild gewählt. Diesen eher unsinnigen Vergleich konnte doch niemand gewollt haben?

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3. Dieses Beispiel ist kein Einzelfall, im Gegenteil. Betrachtet man die Berichterstattung über den Osten Deutschlands in den überregionalen Medien, lassen sich drei Muster feststellen: Sie findet sprunghaft statt kontinuierlich statt, folgt einer häufig ausschließenden statt integrierenden Absicht und ist oft von Emotionalität statt von Sachkenntnis geprägt.

4. Das liegt auch daran, dass es 20 Jahre nach der Einheit keine überregionalen ostdeutschen Medien gibt. Die Berichterstattung Ost steht damit vor der einseitigen Herausforderung, sich in die Berichterstattung West integrieren zu müssen. Oder anders gesagt: Während die Ostdeutschen an den westdeutschen Medien teilhaben, in ihnen und von ihnen definiert werden, bedürfen die Westdeutschen dieser Übersetzung nicht. Der Westen ist die Definition selbst.

5. Der Osten ist zu einem dauernden Fremdkörper geworden, den man aus westdeutscher Perspektive beschreibt, mit westdeutschen Kategorien und Maßstäben misst. Er selbst ist dadurch in eine Situation der Sprachlosigkeit geglitten, in einen Zustand des Nicht-gesehen-Werdens.

6. Die einzige Veränderung, die diese Situation in den letzten Jahren erfuhr, war ihre Verstetigung. Das Ungleichgewicht in der Darstellung von Ost und West wurde zur Normalität.

7. Von den Medien selbst wird dieses Ungleichgewicht selten thematisiert. Es ist eine Ausnahme, wenn Michael Althen, Filmkritiker der FAZ, nach dem Tod der Schauspielerin Jenny Gröllmann im Jahr 2006 selbstkritisch einräumt: »Man muß sich da auch stets an die eigene Nase fassen, weil die Defa immer noch so sehr ein unbekannter Kontinent ist, daß selbst der Tod von Erwin Geschonnek im letzten Jahr nicht annähernd mit derselben Bewegtheit begleitet worden ist wie der deutlich weniger bedeutender Schauspieler des bundesrepublikanischen Kinos.« Was bei diesem eigentlich anrührenden Geständnis wiederum niemand bemerkt hat, ist, dass Erwin Geschonneck, der mit dem Film Jakob der Lügner 1974 für den Oscar nominiert war, eigentlich mit »ck« geschrieben wird.

Leser-Kommentare
    • optun
    • 28.09.2010 um 19:14 Uhr
    1. pravo

    Dem ist wirklich nichts hinzu zu fügen. Ich beklage mich keineswegs, aber der Artikel tut mir als Ostdeutscher gut.
    Ich bin auch froh, dass ich anders bin, als die Westdeutschen. Wir hatten im Osten jedenfalls eine andere Beziehungskultur.
    Ostdeutsche und Westdeutsche kann man sofort daran erkennen, wie sie in einer Schlange stehen (Kartenkauf).
    Die Ostdeutschen stehen eng zusammen, die Westdeutschen stets auf Abstand.

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    ...ich als Bayer erlebe von Rheinländern wie von Sachsen die gleiche Ablehnung (und mir sind wechselseitig die Rheinländer und Sachsen gleichermaßen suspekt, in gewissem Maße). Dass ein Kölner so unfassbar viel mit einem Münchner und Stuttgarter gemeinsam hat ist gut zu wissen, "wir Wessis" haben das nämlich bisher nicht gewusst, aber jetzt wo Sie es sagen... *Ironie*

    der heute etwas jüngeren Ost-generation ist, ihnen fehlt die mit der Muttermilch aufgesogene kapitalistische oder milder: die ökonomische (=materialistische?) Orientierung der Werte, die im Westen Gang und gebe ist (war). Wie wir sehen aber überlebt sich dieses System gerade selbst und der Ossi hat vielleicht sogar bessere Überlebens-chancen :D

    ...ich als Bayer erlebe von Rheinländern wie von Sachsen die gleiche Ablehnung (und mir sind wechselseitig die Rheinländer und Sachsen gleichermaßen suspekt, in gewissem Maße). Dass ein Kölner so unfassbar viel mit einem Münchner und Stuttgarter gemeinsam hat ist gut zu wissen, "wir Wessis" haben das nämlich bisher nicht gewusst, aber jetzt wo Sie es sagen... *Ironie*

    der heute etwas jüngeren Ost-generation ist, ihnen fehlt die mit der Muttermilch aufgesogene kapitalistische oder milder: die ökonomische (=materialistische?) Orientierung der Werte, die im Westen Gang und gebe ist (war). Wie wir sehen aber überlebt sich dieses System gerade selbst und der Ossi hat vielleicht sogar bessere Überlebens-chancen :D

  1. In den Religionswissenschaften ist ein Kanon eine Zusammenstellung heiliger Schriften. Insofern scheidet im gesamtdeutschen Erfahrungskanon der Osten aus.
    Unsere Nachkommen müssen sich die Kenntnis der gesamtdeutschen Vergangenheit bis 1990 wohl ausschließlich aus den heiligen Schriften des westlichen Teils unseres Vaterlandes aneignen. Praktiziertes Motto "Bild Dir Deine Meinung" ...

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    Allerdings erinnert es mich mehr an eine Sekte. Diverse Kanäle, und eine Partei die quasi nur davon lebt eine gekränkte Ostseele herbeizulabern, füttern das. Und jeder der die Erzählungen vom Paradies anzweifelt ist ein Ketzer.

    Was Stalin, Sowjets und SED nie geschafft haben, das deutsche Volk mental zu teilen ("Klassenfeind") und zu entfremden, besorgen wir jetzt selbst. Und zwar, typisch deutsch, mit größter Gründlichkeit.

    • TDU
    • 29.09.2010 um 13:37 Uhr

    Dann ist es also der Westen schuld, dass man auf der Fahrt nach Berlin nicht von der Route abweichen durfte. Und das man als Nichtangeöriger einer kommunistischen Organisation oder ohne Angehörige zu haben, gar nicht in die DDR einreisen durfte.

    Dass es nur im wesentlichen eine Zeitung gab, in der aber über nachteilige Entwicklungen nicht geschrieben werden durfte.

    Dass der Begriff und das Programm "Sozialimus" nur die "Entweder Oder" Diskussion erlaubte, und es somit schwer war, das Schulsystem als teilweise gelungen zu propagieren.

    Und das man das Verschwinden von Menschen und Folterungen hier nicht haben wollte ist doch gut oder nicht?. Wäre es besser gewesen man hätte sich unter einer westlichen Stasi verienigen können?.

    Sie sollten gerade hier im Zeit Forum nicht davon ausgehen, dass die Bild Zeitung Hauptinformationsquelle überdei DDR war. Für mich war es überhaupt keine.

    Allerdings erinnert es mich mehr an eine Sekte. Diverse Kanäle, und eine Partei die quasi nur davon lebt eine gekränkte Ostseele herbeizulabern, füttern das. Und jeder der die Erzählungen vom Paradies anzweifelt ist ein Ketzer.

    Was Stalin, Sowjets und SED nie geschafft haben, das deutsche Volk mental zu teilen ("Klassenfeind") und zu entfremden, besorgen wir jetzt selbst. Und zwar, typisch deutsch, mit größter Gründlichkeit.

    • TDU
    • 29.09.2010 um 13:37 Uhr

    Dann ist es also der Westen schuld, dass man auf der Fahrt nach Berlin nicht von der Route abweichen durfte. Und das man als Nichtangeöriger einer kommunistischen Organisation oder ohne Angehörige zu haben, gar nicht in die DDR einreisen durfte.

    Dass es nur im wesentlichen eine Zeitung gab, in der aber über nachteilige Entwicklungen nicht geschrieben werden durfte.

    Dass der Begriff und das Programm "Sozialimus" nur die "Entweder Oder" Diskussion erlaubte, und es somit schwer war, das Schulsystem als teilweise gelungen zu propagieren.

    Und das man das Verschwinden von Menschen und Folterungen hier nicht haben wollte ist doch gut oder nicht?. Wäre es besser gewesen man hätte sich unter einer westlichen Stasi verienigen können?.

    Sie sollten gerade hier im Zeit Forum nicht davon ausgehen, dass die Bild Zeitung Hauptinformationsquelle überdei DDR war. Für mich war es überhaupt keine.

  2. Also bitte. Davon abgesehen dass keiner uns Wesis fragt ob wir denn eigentlich profitiert haben oder ob wir unsere neue gemeinsame Republik, die sich sehr wohl seit 1990 extrem verändert hat, denn mögen (bis zur Unkenntlichkeit für jemand der in den 1980ern in's Koma gefallen wäre und jetzt erst wieder erwacht). Und so weiter und so fort. Wir müssen uns nur immer die Klagen und nostalgischen Anekdoten, die ich schon bei Familienfesten langweilig genug finde, der Ossis anhören.

    So, das war jetzt mal der provokative Teil meines Kommentars. Und zum Sachlichen, die DDR ist eben nicht "die andere Hälfte Deutschland" gewesen sondern nur ein Fitzelchen, nicht einmal 1/4 des besetzten Nachkriegsdeutschland gehörte zur SBZ. Nordrhein-Westfalen hat viel mehr Einwohner als die ehemalige DDR jemals hatte. Und jetzt vergleiche man mal empirisch wie oft es in bundesweiten Medien um Nordrhein-Westfalen, sei es Politik oder Alltagsleben, geht und wie oft um die Neuen Länder (im Übrigen hätte man in Gelsenkirchen sicher mehr Grund zur Klage als in Jena, Dresden oder Potsdam!).

    Schon eine Ironie der Geschichte dass sich die Deutschen über die tatsächlich Teilung hinweg immer noch als ein Volk, was sie ja auch sind, fühlten und die Wiedervereinigung ersehnten, kaum zu hoffen wagten so zementiert schien die Mauer. Und jetzt, nach der Wiedervereinigung, da ein Popanz geschürt wird der echt erstaunlich ist. Da sind die Medien ganz vorne mit dabei. Ulkige DDR Anekdoten statt Aufklärung.

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    ...als in Jena, Dresden oder Potsdam?!"

    In diesen Städten ist es normal, dass die Familienväter unter der Woche im Westen arbeiten, weil sie daheim keinen Job finden können.

    In Rüsselsheim hingegen wurde jüngst den Opel-Arbeitern angeboten, nach Eisenach zu gehen und KEIN EINZIGER meldete sich. Ich habe auch noch im Hinterkopf wie 2003 das BKA nach Berlin umziehen sollte und die Mitarbeiter sich nicht schämten, öffentlich zu jammern: Wir mußten doch nach dem 11. September sooo viele Überstunden machen und jetzt sollen wir auch noch umziehen ?

    Wir 'Jammerossis' machen ständig Überstunden und haben trotzdem kaum Einfluß darauf, wie weit weg von der Familie der nächste Arbeitsplatz sein wird.

    Zugegebenermaßen sind Rüsselsheim und Wiesbaden nicht Gelsenkirchen, aber ich denke, auch dort würde man eine Job-Offerte in Dresden o.ä. als Schlag unter die Gürtellinie empfinden.

    • ludna
    • 29.09.2010 um 9:28 Uhr

    Nordrhein-Westfalen: 17,87 Mill Einwohner(2009)
    DDR : 16,68 (1988)

    Alos hat Nordrhein-Westfalen nicht VIEL mehr Einwohner ald die DDR je hatte. Rest hat mein Vorredner schon gesagt.

    diese Städte - und manchmal noch Leipzig - gelten als die "Leuchttürme des Ostens.Keine von denen kann sich mit München, Frankfurt oder Stuttgart messen.
    Und das wird wohl auch nicht mehr passieren: der beste Ex-Bundeskanzler aller Zeiten, Helmut Schmidt, hatte in dieser Zeitung mal gesagt, dass der Aufbau Ost seit 1995 stagniert.
    Hier im Westen scheint sich tatsächlich ein kleiner Boom anzubahnen - zumindest in der aktuellen Nachfrage nach Arbeitskräften.
    Im Osten ist davon überhaupt nichts zu spüren. Da gibt es hier und da mal eine Stelle für Nachrücker, zu wesentlich ungünstigeren Kondition.
    Ergo: wer einmal weg ist, bleibt weg.

    ...als in Jena, Dresden oder Potsdam?!"

    In diesen Städten ist es normal, dass die Familienväter unter der Woche im Westen arbeiten, weil sie daheim keinen Job finden können.

    In Rüsselsheim hingegen wurde jüngst den Opel-Arbeitern angeboten, nach Eisenach zu gehen und KEIN EINZIGER meldete sich. Ich habe auch noch im Hinterkopf wie 2003 das BKA nach Berlin umziehen sollte und die Mitarbeiter sich nicht schämten, öffentlich zu jammern: Wir mußten doch nach dem 11. September sooo viele Überstunden machen und jetzt sollen wir auch noch umziehen ?

    Wir 'Jammerossis' machen ständig Überstunden und haben trotzdem kaum Einfluß darauf, wie weit weg von der Familie der nächste Arbeitsplatz sein wird.

    Zugegebenermaßen sind Rüsselsheim und Wiesbaden nicht Gelsenkirchen, aber ich denke, auch dort würde man eine Job-Offerte in Dresden o.ä. als Schlag unter die Gürtellinie empfinden.

    • ludna
    • 29.09.2010 um 9:28 Uhr

    Nordrhein-Westfalen: 17,87 Mill Einwohner(2009)
    DDR : 16,68 (1988)

    Alos hat Nordrhein-Westfalen nicht VIEL mehr Einwohner ald die DDR je hatte. Rest hat mein Vorredner schon gesagt.

    diese Städte - und manchmal noch Leipzig - gelten als die "Leuchttürme des Ostens.Keine von denen kann sich mit München, Frankfurt oder Stuttgart messen.
    Und das wird wohl auch nicht mehr passieren: der beste Ex-Bundeskanzler aller Zeiten, Helmut Schmidt, hatte in dieser Zeitung mal gesagt, dass der Aufbau Ost seit 1995 stagniert.
    Hier im Westen scheint sich tatsächlich ein kleiner Boom anzubahnen - zumindest in der aktuellen Nachfrage nach Arbeitskräften.
    Im Osten ist davon überhaupt nichts zu spüren. Da gibt es hier und da mal eine Stelle für Nachrücker, zu wesentlich ungünstigeren Kondition.
    Ergo: wer einmal weg ist, bleibt weg.

  3. ...ich als Bayer erlebe von Rheinländern wie von Sachsen die gleiche Ablehnung (und mir sind wechselseitig die Rheinländer und Sachsen gleichermaßen suspekt, in gewissem Maße). Dass ein Kölner so unfassbar viel mit einem Münchner und Stuttgarter gemeinsam hat ist gut zu wissen, "wir Wessis" haben das nämlich bisher nicht gewusst, aber jetzt wo Sie es sagen... *Ironie*

    Antwort auf "pravo"
  4. Allerdings erinnert es mich mehr an eine Sekte. Diverse Kanäle, und eine Partei die quasi nur davon lebt eine gekränkte Ostseele herbeizulabern, füttern das. Und jeder der die Erzählungen vom Paradies anzweifelt ist ein Ketzer.

    Was Stalin, Sowjets und SED nie geschafft haben, das deutsche Volk mental zu teilen ("Klassenfeind") und zu entfremden, besorgen wir jetzt selbst. Und zwar, typisch deutsch, mit größter Gründlichkeit.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Die" Wessis und "die" Ossis besorgen die Entfremdung nicht.
    "Die" verstehen sich zumeist gut, wenn sie sich begegnen.
    Einzelne Armleuchter gibt es auf beiden Seiten. Das ist auch normal.
    Das Problem sind unsere Politiker und ihre Sprachrohre. Die anhaltende Hysterie der Abrechnung hetzt die Menschen gegeneinander, schürt Neid und spaltet.
    Da hilft nur eines: besucht Euch, redet miteinander, toleriert Euch. Lebt und lasst leben. Egal, welcher Dialekt gesprochen wird und welches regionale Essen auf den Tisch kommt.

    "Die" Wessis und "die" Ossis besorgen die Entfremdung nicht.
    "Die" verstehen sich zumeist gut, wenn sie sich begegnen.
    Einzelne Armleuchter gibt es auf beiden Seiten. Das ist auch normal.
    Das Problem sind unsere Politiker und ihre Sprachrohre. Die anhaltende Hysterie der Abrechnung hetzt die Menschen gegeneinander, schürt Neid und spaltet.
    Da hilft nur eines: besucht Euch, redet miteinander, toleriert Euch. Lebt und lasst leben. Egal, welcher Dialekt gesprochen wird und welches regionale Essen auf den Tisch kommt.

  5. "Das liegt auch daran, dass es 20 Jahre nach der Einheit keine überregionalen ostdeutschen Medien gibt."
    Nicht ganz richtig! Immerhin gibt es SPIESSER aus Dresden, eine bundesweit erscheinende Jugendzeitschrift: www.SPIESSER.de

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    Mich machen solche Artikel nach 20 Jahren Einheit wirklich betroffen. Als Westdeutsche, die 10 Jahre im Osten (Leipzig) verbracht hat, bin ich immer wieder fassungslos angesichts des "Wir sind anders", "Ihr (Wessis) versteht uns nicht", "der Osten hat sich immer noch nicht dem Westen angeglichen". Ich hatte nach 10 Jahre Osten von genau diesen Kommentaren die Nase ziemlich voll, denn der Osten lebt von den Klischees, den er vom Westen im Kopf hat, ohne sich ernsthaft mit "dem Westen". Er erlebt sich selbst als beanchteiligt und suhlt sich genüsslich darin. Nach 20 Jahren 'Einheit'kann ich nicht anders, als dem Osten zuzurufen: Heult doch!

    Mich machen solche Artikel nach 20 Jahren Einheit wirklich betroffen. Als Westdeutsche, die 10 Jahre im Osten (Leipzig) verbracht hat, bin ich immer wieder fassungslos angesichts des "Wir sind anders", "Ihr (Wessis) versteht uns nicht", "der Osten hat sich immer noch nicht dem Westen angeglichen". Ich hatte nach 10 Jahre Osten von genau diesen Kommentaren die Nase ziemlich voll, denn der Osten lebt von den Klischees, den er vom Westen im Kopf hat, ohne sich ernsthaft mit "dem Westen". Er erlebt sich selbst als beanchteiligt und suhlt sich genüsslich darin. Nach 20 Jahren 'Einheit'kann ich nicht anders, als dem Osten zuzurufen: Heult doch!

  6. Der West-Ost "Konflikt" ist doch nur das, was früher Nord-Ost war. Der einzige Unterschied ist, dass wir Ossis behaupten, etwas besonderes, weil anderes, erlebt zu haben... nämlich Diktatur. Ich denke, dass Wessis keine Probleme machen dürften, wenn wir endlich mal schweigen und einfacht atmen... oder eben halt essen. Wo Frau Hensel ein Problem sieht, sehe ich die pommersche Landschaft (nämlich nichts, so und jetzt alle mal Finger hoch, von wessen Regionen dergleichen behauptet wird.) Stigmatisierung funktioniert wunderbar in zwei Richtungen und die Klischees, die man teilweise liest hat jedes andere Land in beinahe gleichen Auswüchsen.

    Die Ostdeutsche Perspektive hat übrigens nichts mit FAKTEN à la Arbeitslosenmarkt zu tun. Zum Glück muss ich mir nicht immer anhören wieviel schlechter die Lage in den Neuen Bundesländern aussieht.
    Die Ostdeutsche Perspektive gibt es gar nicht. Also, eine einzige... gut, das behauptet ja auch keiner. Aber warum ist dann trotzdem dauernd davon die Sprache?

    Das einzige was Ostdeutsche verbindet ist, dass sie sich entweder, je nach Situation, mal für ihre Herkunft schämen oder trotzig stolz sind wenn es um das Durchgestandene geht. Natürlich sind an beidem die Wessis schuld. ;)

    • dafe
    • 28.09.2010 um 21:20 Uhr

    kann ich Jana Hensel in wesentlichen Punkten zustimmen und ergänzen, dass die mediale Deutungshoheit über die DDR-Vergangenheit oft genug in Gesprächen im Bekanntenkreis seine Entsprechung findet. Ansonsten durchaus aufgeklärte und taktvolle Zeitgenossen finden häufig immer noch nichts dabei, die Vergangenheit anwesender Ostdeutscher kategorisch abzuqualifizieren und bei ihnen nach Übereinstimmung zu heischen, offenbar nicht im Bewusstsein dessen, das diese Vergangenheit Teil der betroffenen Personen ist. Diese können aus gesprächstaktischen Gründen meistens nchts entgegnen, was nicht umgehend als Gejammer oder DDR-Verklärung auslegbar wäre. Ich fände das mal einer näheren gruppensoziologischen Betrachtung wert.

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