ZEITmagazin: Frau Breth, Sie sagten einmal, dass Sie beim Inszenieren ein Faible für Katastrophen haben.

Andrea Breth: Ja, da kenne ich mich aus. Katastrophen zeichnet ein besonders unangenehmer Humor aus. Ich finde sie irrsinnig komisch.

ZEITmagazin: Ist das eine Spiegelung Ihres eigenen Ich?

Breth: Kann sein. Denn sonst könnte ich mir diese Katastrophen ja nicht ausdenken. Jedes Mal, wenn ich eine neue Arbeit beginne, wünsche ich mir, dass es gut ausgeht, dass da irgendein kleines Licht im Tunnel ist. Aber dann stelle ich fest, es ist wieder dunkel geworden.

ZEITmagazin: Sie waren ein Shootingstar, haben viele Erfolge gehabt. Doch in Ihrer Biografie gibt es auch Brüche – einerseits eine große Stärke, andererseits eine große Zerbrechlichkeit.

Breth: Meine Stärke ist, dass ich manche Dinge unbedingt machen muss. Denn ohne Theater könnte ich nicht existieren. Ich wirke zwar stark, aber ich bin es in keiner Weise, sondern eigentlich ein ängstliches Wesen. Das versuche ich jedoch zu verbergen, um mich vor Verletzungen zu schützen. Es gibt auch irrsinnig viele Geschichten über mich – dass die Menschen Angst vor mir haben oder dass die Schauspieler weinend aus der Probe gehen. Aber die stimmen nicht. Ich halte mich für einen sehr umgänglichen Menschen.

ZEITmagazin: Sie litten immer wieder unter Depressionen, haben einmal sogar einen Selbstmordversuch unternommen...

Breth: ...und ihn zu meinem Entsetzen überlebt. Ich war unheimlich gut darauf vorbereitet, hatte sehr viel gelesen über Selbstmord, um sicherzugehen. Den habe ich wirklich perfekt inszeniert.

ZEITmagazin: Was hat Sie gerettet?

Breth: Der reine Zufall. Wir haben damals in Ludwigsburg geprobt. Die anderen vermuteten wohl, was ich vorhatte. Deshalb fuhr ich in mein Haus in Gauting. Den Wagen parkte ich ganz weit weg, und meinen Hund hatte ich zu meinen Eltern gebracht, damit er mich nicht verrät. Trotzdem wurde ich gefunden. Mein Vater ließ von der Feuerwehr die Tür eintreten, und ich wurde in letzter Sekunde auf die Intensivstation gebracht.