Hartz IVAuch im Ausland wird geknausert
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Mamma soll es richten: Italien setzt auf Unterstützung durch die Familie

Um eine Art Grundsicherung zu bekommen, müssen Italiens Bürger erst das Rentenalter erreichen. Ab 65 gibt es für alle, gleichgültig ob Italiener oder Ausländer, mit einem Jahreseinkommen unter 5350 Euro eine Sozialrente von 412 Euro. Jüngere gehen leer aus.

Mit Sozialleistungen hält sich der italienische Staat sehr bedeckt. Ähnliches wie die deutsche Grundsicherung für Arbeitslose (Hartz IV) oder Sozialhilfe existiert nicht. Zwar ist Italien ein klassischer Sozialstaat, der etwa allgemeine Gesundheitsfürsorge garantiert. Doch über diese Grundversorgung hinaus sind die Italiener selbst gefragt. Ihre Familiensolidarität ersetzt noch immer weitgehend staatliche Hilfe. Das fängt in den Krankenhäusern Süditaliens an, wo Familienmitglieder den Patienten das Essen bringen und mancherorts sogar frische Laken. Und es hört bei der Unterstützung der arbeitslosen Kinder noch längst nicht auf. Dabei liegt die Arbeitslosenquote in Italien deutlich höher als in Deutschland – bei 7,6 statt 6,7 Prozent (auf Basis international vergleichbarer Statistiken). Die Jugendarbeitslosigkeit gehört mit durchschnittlich 29,2 Prozent sogar zu den höchsten in ganz Europa. Und in einigen Regionen des Mezzogiorno sind sogar 40 Prozent der unter 24-Jährigen ohne Beschäftigung.

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Auf Arbeitslosengeld hoffen kann indes nur, wer in einem Betrieb mit mehr als 15 Angestellten gearbeitet hat. Die Cassa Integrazione garantiert dann für sechs Monate 60 Prozent des Gehalts. Das entspricht etwa dem regulären deutschen Arbeitslosengeld, das allerdings je nach Alter bis zu zwei Jahre lang gezahlt wird. In Italien sinkt die Arbeitslosenunterstützung nach einem halben Jahr schrittweise ab – auf 50, dann auf 40 Prozent. Zumindest theoretisch. In der Praxis stellen die großen Industrieunternehmen wie der Autokonzern Fiat immer wieder Tausende Arbeiter für mehrere Wochen bei der Cassa Integrazione ab und sorgen so dafür, dass über Jahre eine Art Kurzarbeitergeld gezahlt wird.

In jüngster Zeit wird über eine Reform der Arbeitslosenunterstützung diskutiert. Angestoßen hat die Debatte Notenbankchef Mario Draghi mit dem Hinweis, das System sei nicht mehr zeitgemäß. Es beschränke sich immer noch auf die Versorgung von Arbeitern und Angestellten in Großunternehmen, obwohl dort längst nicht mehr so viele Menschen beschäftigt seien wie in früheren Zeiten. Mindestens 1,6 Millionen Arbeitnehmer in kleineren Betrieben und Subunternehmen sind nach Draghis Angaben ohne Schutz. Der Notenbankchef regte daher eine Reform für ein einheitliches Arbeitslosengeld an – Berlusconis Arbeitsminister Maurizio Sacconi pflichtete ihm bei. Das war Anfang des Jahres. Inzwischen ist diese Reformidee aber schon längst wieder unter den Kabinettstisch gefallen. Besonders verlässlich ist die italienische Sozialpolitik nicht. ( Birgit Schönau)

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Leserkommentare
  1. Dann hätten wir nach der Lehman Pleite alle bei Null angefangen. Und mit Null meine ich Null. Alle Banken hätten ihr Geld eingefroren, keine Investitionen mehr, kein Unternehmen hält das durch. Von den Banken wären die Unternehmen pleite gegangen die Jobs wären futsch. (waren jetzt einige Schritte dazwischen, aber ich will ja auch kein Buch schreiben)Das taten andere wie, z.B. Reinhart /Rogoff:This Time Is Different.
    Immernoch eine gute Idee Banken pleite gehen zu lassen?

    Antwort auf "Bla bla"
    • snoek
    • 28. September 2010 14:57 Uhr

    Abgesehen von einigen, die einen Teil des H4 in ihre Heimatländer schicken fließt es im Normalfall in den Kreislauf zurück. Das Gros der Profiteure dürfte hier wohl bei den Vermietern, Energiekonzernen und Discounterketten liegen dürfte.

    Antwort auf "Bla bla"
  2. dass es verwunden ist. Es ist nicht mehr in der Verfügung des Staates. Es kann sich ja auch schlecht in Luft auflösen. Es geht mir ja auch mehr darum, dass Leute endlich mal verstehen, dass die Banken das Geld nicht geschenkt bekommen.

    Antwort auf "Bla bla"
  3. ...schade um das verplemmperte H4-Geld.
    Verhungern lassen wäre doch eine Option!
    Da bleibt dann mehr Boni-Geld übrig für unsere Helden, die Banker.

    Antwort auf "Bla bla"
  4. Deutschland und vielen Dank für den Hinweis. Ich werde den Beitrag übersetzen und meinen Leuten in Irland sagen, dass sie sich die schlechteren Verhältnisse als Arbeitslose nur einbilden und es bei uns in Deutschland viel schlechter ist.

    Danke, nochmals für die Richtigstellung...

    Antwort auf "Zufällig...."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    sind (!) die Verhältnisse, wie ich bereits sagte, in Deutschland viel besser, da es in Irland kein Arbeitslosengeld I gibt. Man erhaelt bei Arbeitslosigkeit in der Regel nur eine kleine Abfindung des Arbeitgebers, aber keine staatliche Unterstuetzung oder Versicherungsleistung.
    Es soll ja auch Arbeitslose geben, die nicht beduerftig sind, z.B. weil der Partner noch genug verdient. die erhalten in Deutschland Arbeitslosengeld 1 - in Irland nichts.

  5. sind (!) die Verhältnisse, wie ich bereits sagte, in Deutschland viel besser, da es in Irland kein Arbeitslosengeld I gibt. Man erhaelt bei Arbeitslosigkeit in der Regel nur eine kleine Abfindung des Arbeitgebers, aber keine staatliche Unterstuetzung oder Versicherungsleistung.
    Es soll ja auch Arbeitslose geben, die nicht beduerftig sind, z.B. weil der Partner noch genug verdient. die erhalten in Deutschland Arbeitslosengeld 1 - in Irland nichts.

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