Es wird von einer Sekunde auf die nächste geschehen und weder zu hören noch zu sehen sein. Doch wenn die Deutschen am letzten Arbeitstag dieser Woche aufwachen, werden auf ihnen neue Schulden lasten. Rund 2500 Euro, pro Kopf, vom Baby bis zum Greis.

Schuld ist die Hypo Real Estate (HRE) . In der Nacht zum Freitag wird ein großer Teil der Bank, deren Name in Deutschland zum Synonym der Finanzkrise geriet, in eine bundeseigene Abwicklungsanstalt übertragen. Sie übernimmt Verbindlichkeiten von rund 200 Milliarden Euro. Damit springt die deutsche Staatsverschuldung um rund acht Prozentpunkte nach oben – auf mehr als 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Fast auf den Tag genau zwei Jahre nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel die marode HRE mit Milliardenhilfen vor dem Untergang bewahrte, kommt die Rettung zu ihrem vorläufigen Abschluss. Die Geschichte des staatlichen Ausflugs in den Bankensektor ist damit aber noch lange nicht zu Ende. In gewisser Weise beginnt sie gerade erst.

Im deutschen Kreditwesen ist die Zeit des großen Aufräumens angebrochen. Es wird entsorgt, abgespalten und umgebaut – nicht nur bei der HRE, deren mehr oder weniger gesunder Rest unter dem Namen Deutsche Pfandbriefbank sein Glück versuchen soll. Die WestLB hat Ballast abgeworfen und prüft nun einen Zusammenschluss mit der BayernLB . Die teilverstaatlichte Commerzbank arbeitet daran, die Dresdner Bank zu integrieren, zu schrumpfen und sich frisches Kapital zu besorgen, um den Bund ausbezahlen zu können.

Am Ende soll der Müll aus den Bilanzen entfernt und der nützliche Rest zu einem stabilen Ganzen zusammengefügt sein. Soll. Denn sicher ist nur: Der Umbau ist höchst schwierig – und er wird teuer.

Die großen Häuser brauchen 90 Milliarden Euro neues Kapital

Seit Langem ist das deutsche Kreditwesen sanierungsbedürftig, es gibt einfach zu viele Banken. Im Boom störte das niemanden, weil die weltweiten Kreditexzesse genug Rendite für alle abwarfen. In der Krise sprang der Staat den Instituten zur Seite . Ob gesund oder krank, ob nützlich oder überflüssig – alle wurden sie gerettet. Zu groß schien das Risiko, dass eine Pleite das gesamte Finanzsystem in den Abgrund stürzt.

Der Nachteil der Pauschalstütze: Sie löst die zugrunde liegenden Probleme nicht. Im Gegenteil: Für die Geldhäuser ohne echte Daseinsberechtigung ist der Anreiz groß, sich wieder unter die Zocker zu begeben. "Aufgrund der Abwesenheit eines tauglichen Geschäftsmodells wird es bei einigen Landesbanken weiter eine Tendenz zur exzessiven Risikoübernahme auf der Suche nach Profiten geben", warnt etwa der Internationale Währungsfonds.

Dabei hat sich in den Jahren der Exzesse schon so einiges an Bilanzmüll angesammelt. Nicht nur bei der HRE, deren Abwicklungsbank FMS Wertmanagement neben den Verbindlichkeiten auch Forderungen übernimmt, Kredite an Hotels in Las Vegas etwa oder Staatsanleihen aus Südeuropa.

• Die WestLB hat 77 Milliarden Euro in eine staatliche Mülldeponie mit dem Namen Erste Abwicklungsanstalt transferiert – ein buntes Sammelsurium aus Schifffahrtskrediten, Immobiliendarlehen und diversen Anleihen.

• Die Sachsen LB hat rund 13,5 Milliarden Euro abgestoßen – darunter Kreditkartenforderungen und verbriefte Studentendarlehen.