»Fehlerteufel«, dieses Wort sagt alles: Fehler werden mit der Hölle verbunden, mit Forke und Feuer, mit schwerem Leid. Wenn ein Projekt baden geht, ein Produkt floppt oder ein Großkunde abspringt – was passiert dann in Ihrer Firma? Ich wette, schon Minuten später beginnt die Fahndung nach einem Schuldigen. Wer Fehler begeht, scheint des Teufels.

Dieses Treiben schüchtert ein – so sehr, dass mancher Mitarbeiter den ganzen Tag damit verbringt, Fehler zu vermeiden . Alle Entscheidungen, die über das Hochfahren des Computers hinausgehen, stimmt er mit seinem Vorgesetzten ab. Alle Ideen, denen kein Szenenapplaus sicher ist, behält er für sich. Und jeden Schritt abseits des Dienstwegs, auch wenn der Erfolg dort winkt, unterlässt er tunlichst.

Jede Woche gibt der Coach Martin Wehrle Tipps für den Erfolg im Job in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn"

Doch schon aus der griechischen Sage ist bekannt: Wenn man etwas fürchtet und vermeiden will – zum Beispiel Ödipus den Vatermord –, dann beschwört man es herauf. Der Fehler kann eben darin bestehen, Fehler vermeiden zu wollen. Oder, wie der Philosoph Ernst Bloch es ausdrückte: »Wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin um.«

Der Risikoscheue gleicht einem Fußballstürmer, der nur dann aufs Tor schießt, wenn der Ball auch ganz sicher drin sein wird. Das hat zwei Folgen: Erstens sinkt die Zahl seiner Treffer rapide, weil mindestens die Hälfte der Tore aus riskanten Schüssen hervorgeht. Und zweites wird sein Spiel unendlich langweilig, ohne Volleyschuss, ohne Fallrückzieher, ohne auffällige Aktionen. 

Dasselbe gilt im Beruf: Profilieren können Sie sich nie, indem Sie lediglich Fehler vermeiden – sondern nur, indem Sie Fehler riskieren . Eine Idee für die strategische Entwicklung Ihrer Firma, eine Entscheidung über Ihren Kompetenzbereich hinaus, eine visionäre Rede: Das alles ist riskant – aber es bietet gleichzeitig große Chancen. Solche Aktionen verschaffen Ihnen Aufmerksamkeit und (heimliche) Anerkennung.

Es reicht, wenn von drei solchen Schüssen einer in den Winkel trifft. Sogar für mutige Fehlschüsse – wie beim Fußball Fallrückzieher – kann es Applaus geben, wenn die gute Idee dahinter sichtbar wird und Ihr beherztes Handeln Sie von den Berufszauderern unterscheidet.

Wer kalkulierte Risiken eingeht, hebt sich von der Masse ab und kommt vorwärts. Alle großen Karrieren haben so begonnen. Wer aber nur Fehler vermeidet, landet auf der Ersatzbank – und kommt um in jener Gefahr, die er meiden wollte. Martin Wehrle