Business Schools Mehr wertSeite 2/2
In Oxford interessiert sich inzwischen rund die Hälfte der MBA-Studenten für das Thema – auch wenn bei Weitem nicht alle Sozialunternehmer werden wollen. Auch wer in eine Bank gehe, könne sich dort für mehr gesellschaftliche Verantwortung einsetzen, sagt Pamela Hartigan, die Direktorin des Skoll Centre. Künftig werde die Lösung von gesellschaftlichen Problemen auch bei profitorientierten Unternehmen zunehmend zum Bestandteil des Kerngeschäfts – sei es, um sich besser im Wettbewerb zu positionieren oder um neue strategische Wachstumsfelder zu erschließen. Sie plädiert daher dafür, das Thema in den Lehrplan auch für andere MBA-Studenten zu integrieren.
Grace Sai sieht sich dabei als Vorbild. Dass sie mit ihren Ansichten manchmal bei ihren Kommilitonen aneckt, stört sie nicht. »Man kann keinen zwingen, ein Sozialunternehmer zu werden«, sagt sie. »Aber zumindest erfahren sie etwas über das Thema.« Von den Kommilitonen bekommt sie Anerkennung für ihren Einsatz. Vorher habe er mit dem Thema nichts zu tun gehabt, sagt der Deutsche Lorenz Koch, der vor dem MBA-Studium in Oxford beim Baustoffkonzern Holcim für das Thema CO₂-Emissionsdaten zuständig war. Inzwischen verstehe er den Sektor besser und wisse, welche Herausforderungen es dort gebe.
»Wir sind auf dem richtigen Weg«, sagt auch Max Oliva von der IE Business School in Madrid. So hätten in den letzten Jahren fast alle Business Schools das Thema in irgendeiner Form integriert, sei es mit Spezialisierungen, Wahlkursen oder Projekten in Non-Profit-Organisationen. Sozialunternehmertum sei längst keine exotische Nische mehr. Letztlich gehe es doch immer darum, Unternehmen nachhaltiger zu führen, sagt Oliva. »Wir müssen die Grenzen zwischen gewinnorientierten Firmen, Sozialunternehmen und Nichtregierungsorganisationen aufheben und neue Verbindungen schaffen.«
An der IE Business School werden alle MBA-Studenten mit dem Thema konfrontiert. Da geht es darum, Modelle zu entwickeln, etwa wie die »Ärmsten der Welt« als Kunden oder Lieferanten in die unternehmerische Wertschöpfungskette eingebunden werden können. An der Insead Business School in Fontainebleau und Singapur gibt es ebenfalls ein eigenes Wahlfach, zu dem ein 16-wöchiges internationales Feldprojekt gehört. Auch im deutschsprachigen Raum etablieren sich inzwischen erste Ansätze, soziale Themen in das Studium zu integrieren. So werden die Studenten im Executive MBA an der Wirtschaftsuniversität Wien ab Herbst aufgefordert, die Preisträger des Wettbewerbs »Ideen gegen Armut« bei der Umsetzung ihrer Konzepte zu unterstützen. Zudem ist Sozialunternehmertum erstmals auch Inhalt eines Pflichtmoduls. An der Mannheim Business School gehören soziale Projekte in der Metropolregion Rhein-Neckar zum Lehrplan, und erstmals befassten sich auch die MBA-Studenten der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Vallendar in einem dreitägigen Pflichtworkshop mit dem Thema.
Für die Studentin Katharina Wagner war der neue Kurs sogar ein wichtiger Grund, sich für das Studium an der WHU zu entscheiden. »Ich baue gerade mit Freunden einen Verein für Straßenkinder in Lateinamerika auf«, erzählt die 27-Jährige. Dass sich nun auch ihre Kommilitonen mit sozialen Themen beschäftigen, findet sie sinnvoll. Etwa wenn sie einen Geschäftsplan für ein Projekt erarbeiten, bei dem Frauen auf den Philippinen aus Plastikmüll Designertaschen herstellen, die auch in Europa verkauft werden sollen. Solche Themen seien eben nicht nur etwas für Träumer: »Der Kurs hat viele bewegt, und ihnen ist bewusst geworden, dass wir unser Wissen auch außerhalb der Uni nutzen können.«
- Datum 29.09.2010 - 13:44 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 30.09.2010 Nr. 40
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