Arbeitsmarktreform: Wir und Hartz IV
Wie die Arbeitsmarktreform seit ihrer Einführung vor fünf Jahren das Leben von drei Familien verändert hat.
Es ist kurz nach acht morgens, Sonja Pietsch ist seit zwei Stunden wach und hat schon wieder Feierabend. Ihre drei Kinder hat sie versorgt, sie sind auf dem Weg zur Schule. Jetzt sitzt Sonja Pietsch allein in ihrer Küche in Wattenscheid, vor sich eine Tasse Kaffee, und wartet. Die nächsten Stunden wird sie sich hier nicht wegbewegen. Einen Job hat sie nicht. Nicht weil die 39-Jährige nichts findet, sie sucht nicht mehr. »Manchmal vermisse ich das Arbeiten«, sagt sie.
50 Kilometer entfernt in einer kleinen Wohnung in Hagen sitzt und wartet auch der 31-jährige Samir Amraoui. Lieber wäre er jetzt auf dem Friedhof der Stadt. Dort wird er immer wieder als Ein-Euro-Jobber beschäftigt. Er liebt es, draußen im Freien zu arbeiten, sich zu verausgaben und abends geschafft nach Hause zu kommen. Er hofft, dass er bald wieder dort anfangen kann. »Wenn es sein muss, würde ich für immer Ein-Euro-Jobs machen«, sagt er, »es ist auf jeden Fall besser, als nichts zu tun.«
Heidemarie Danzer hat das Warten aufgegeben. Sie war Menübotin, hat in Apotheken geputzt. Die drahtige, dünne Frau hat schon viele Arbeiten gemacht, verdient hat sie in Berlin mal drei, mal vier, mal fünf Euro die Stunde. Zum Leben gereicht hat das nie. Wer die 60-Jährige in diesem Herbst besuchen will, muss weit reisen, sie hat Deutschland verlassen. Vielleicht die beste Idee, die sie in den letzten Jahren hatte.
Sonja Pietsch, Samir Amraoui und Heidemarie Danzer sind drei Menschen von sieben Millionen, deren Leben sich durch Hartz IV verändert hat. Während das Land vom neuen Wirtschaftsboom schwärmt, davon, dass die Zahl der Arbeitslosen sinke, spüren Langzeitarbeitslose wie sie davon kaum etwas, weil sie zu lange raus sind aus diesem Arbeitsmarkt, weil ihre Qualifikation nicht reicht für die Stellen, die der Aufschwung in Deutschland hervorbringt.
Gleich nach der Reform, im Jahr 2005, begannen wir sie und einige andere zu begleiten. Seitdem wurde viel über Hartz-IV-Empfänger geredet, aber wenig mit ihnen. Jetzt, im Herbst 2010, hallt noch der Streit aus dem Frühjahr nach, als Guido Westerwelle die Vorzüge des Sozialstaats dekadent nannte. Es wird über die Höhe des Hartz-IV-Satzes debattiert und über Chipkarten für die Kinder von Hartz-IV-Empfängern, denen der Besuch des Freibads oder der Musikschule finanziert werden soll. Debatten wie diese sind oft so hitzig wie kurzatmig. Aber wie ist das Leben mit Hartz IV tatsächlich? Dekadent? Oder ist es ein Leben in »Armut per Gesetz«, wie viele auf den Montagsdemonstrationen beklagen, die seit fünf Jahren in den Innenstädten stattfinden? Leben die Menschen vom Amt, weil sie nicht arbeiten wollen oder weil man sie nicht lässt? Kann man heute, nach fünf Jahren, sagen, ob die Reform den Arbeitslosen etwas gebracht hat?
Herbst 2006. Das zweite Jahr von Hartz IV. Für Samir Amraoui ist es das erste Jahr als Ein-Euro-Jobber. Er ist Ende 20 und hat mit seiner Frau gerade eine kleine Tochter bekommen. Amraoui hat einen Hauptschulabschluss und keine Ausbildung, aber er will unbedingt arbeiten. Deshalb hat das Hagener Arbeitsamt ihn wie viele andere Langzeitarbeitslose auf den Friedhof der Stadt geschickt. Sie sollen kehren, sich um die Gräber kümmern. Samir Amraoui ist begeistert. Schließlich ist das hier eine echte Chance. Die Arbeitslosen sollen ein halbes Jahr lang gemeinnützige Arbeit erledigen, die ansonsten liegen bliebe. Dafür gibt es bis zu 1,50 Euro die Stunde zusätzlich zu den Hartz-IV-Leistungen und die Hoffnung, dass auf den Ein-Euro-Job eine echte Stelle folgt. Amraoui findet die Idee gut. »Ich will mich beweisen.« Sein Traum ist es, als fester Mitarbeiter übernommen zu werden.
Drei Jahre später sind wir wieder auf dem Hagener Friedhof. Auch Samir Amraoui ist da. Er freut sich über seine neue Arbeitskleidung – grün, wie die der Festangestellten. »So erkennt niemand, dass wir Ein-Euro-Jobber sind«, sagt er und dreht sich einmal um sich selbst. Amraouis Traum hat sich nicht erfüllt. Er hat sich angestrengt. Aber der Friedhof hat ihn immer wieder nur als Ein-Euro-Jobber beschäftigt. Seit es Hartz IV gibt, lebt Amraoui im Sechs-Monats-Rhythmus: sechs Monate Ein-Euro-Job. Dann Pause. Dann der nächste Ein-Euro-Job. Amraoui will den Job auf dem Friedhof unbedingt. Aber langsam verliert er die Hoffnung: »Wenn der eine sein halbes Jahr Ein-Euro-Job voll hat, kommt halt der Nächste.«
In der Kapelle unten am Hang bereitet die Friedhofsverwalterin gerade eine Beisetzung vor. Sie ist stolz auf ihre Ein-Euro-Kräfte. Der Friedhof nutzt alle Möglichkeiten, die es seit Hartz IV für Arbeitgeber gibt. »Klar«, sagt sie ganz offen, »wenn die Ein-Euro-Jobber nicht wären, bräuchten wir mehr Festangestellte.« Die Idee hinter den Ein-Euro-Jobs klingt zunächst logisch: erst Qualifikation, dann Weitervermittlung in echte Arbeit. Dass das aber nicht klappt, hat die Bundesagentur für Arbeit in einer eigenen Studie herausgefunden. Die Chance, danach eine reguläre Arbeit zu finden, erhöht sich durch den Ein-Euro-Job nur um etwa ein Prozent. Warum sollte Samir Amraoui auf dem Friedhof auch eine feste Stelle bekommen? Es ist viel billiger, ihn als Ein-Euro-Jobber zu beschäftigen.
Durch Hartz IV hat sich am unteren Ende des Arbeitsmarkts viel verändert. Da sind die vielen Ein-Euro-Jobber, Hilfskräfte, vom Staat bezahlt. Und da sind die vielen zusätzlichen Förderungen und Maßnahmen, die das Amt seit den Reformen finanziert, sobald eine Firma einen Arbeitslosen beschäftigt. Fünf Milliarden Euro kostet das alles pro Jahr. Geld, an das sich die Firmen gewöhnt haben. »Viele fragen sofort: Wie viel kriege ich denn, wenn ich einen Arbeitslosen beschäftige?«, sagt ein Mitarbeiter des Hagener Arbeitsamtes. Wenn die Förderung dann ausläuft, werden viele Angestellte wieder arbeitslos.
Sonja Pietsch hatte zu Beginn von Hartz IV dasselbe Ziel wie Samir Amraoui. Sie wollte wieder einen Job finden. Als wir Sonja Pietsch 2006 kennenlernen, ist sie Mitte 30, alleinerziehende Mutter von Rabea, Philipp und Max, sieben, acht und elf Jahre alt. Als uns Rabea mittags die Tür öffnet, bugsiert ihre Mutter gerade drei volle Teller gleichzeitig zum Esstisch: Es gibt Klöße und Rotkohl. Eilig wischt sie sich noch die Hände an der Schürze ab, um uns dann lächelnd zu begrüßen. Sonja Pietsch wirkt mit ihrem jugendlichen Gesicht wie eine, die alles im Griff hat, eine, die zupacken kann. Man muss ihr lange zuhören, um zu begreifen, dass dieser erste Eindruck trügt.
Sozialarbeiter, die sich in Wattenscheid um Arbeitslose kümmern, hatten uns ihre Adresse gegeben. Sonja Pietsch sei eine, die jede Hilfe annehme. Eine, bei der das Prinzip von Hartz IV, das Fördern und Fordern, klappen könne. Außerdem sei ihre Geschichte typisch für so viele, die vom Amt leben. 42 Prozent der alleinerziehenden Mütter und Väter in Deutschland bekommen Hartz IV. In keiner anderen Bevölkerungsgruppe ist das Armutsrisiko so hoch.
Sonja Pietsch hatte für ein paar Jahre das, was man ein »geordnetes Leben« nennt. Sie hat Verkäuferin gelernt und bei Aldi gearbeitet, bis die Kinder kamen. Danach war sie Hausfrau, ihr Mann verdiente gut. Die Geschichte ihres Abstiegs begann, als er sie verließ. Mit der Trennung kamen die Geldsorgen, die Überlastung, dann ein Nervenzusammenbruch. »Ich habe die dümmste Art des Suizids versucht, ich habe aufgehört zu leben«, sagt Sonja Pietsch. »Ich habe den Kindern irgendetwas zu essen hingestellt, und das war’s.« Ihr Leben geriet außer Kontrolle. Sonja Pietsch kam in die Psychiatrie, ihre Kinder mussten in Einrichtungen des Jugendamtes. So ein Abstieg, sagen die Helfer, gehe schnell. Aber es dauere Jahre, ein Leben wieder neu zu ordnen.
Später an jenem ersten Tag mit Sonja Pietsch gehen wir mit zu ihrer Arbeitstherapie in der Wattenscheider Innenstadt. Dort bemalt sie kleine Holzhunde. Sonja Pietsch grundiert die Rohlinge weiß, tupft dann sorgfältig braune Punkte auf das Holz. »Das sind Kantenhocker«, sagt sie. »Die kann man auf den Türrahmen setzen. Oder auf ein Regal.« – »Und was lernen Sie dabei?«, wollen wir wissen. »Ich lerne, mich zu beschäftigen«, antwortet Sonja Pietsch. »Es ist alles eine Vorbereitung für mich, irgendwann wieder arbeiten zu gehen.« Damals nutzt Sonja Pietsch viele Hilfsangebote, sie geht zur Schuldnerberatung, zur Familienhilfe, zur Therapie. Ihre Helfer sehen sie auf dem richtigen Weg, raten ihr aber, sich nicht zu viel vorzunehmen. Deshalb plant Sonja Pietsch langfristig: Vier, maximal fünf Jahre werde es noch dauern, bis sie wieder arbeiten könne, sagt sie. Ein langer Zeitraum, aber eine Perspektive.
Heute, vier Jahre später, hocken die Holzhunde über Sonja Pietschs Küchentür. Das Ziel, wieder arbeiten zu gehen, hat sie erst mal aufgegeben. Die Suche überfordert sie. »Deshalb gehe ich den sicheren Weg.« Der sichere Weg ist ein Leben ohne Arbeit. »Ich bin nicht schuld daran, dass ich nicht arbeiten kann«, sagt Sonja Pietsch. »Ich weiß einfach, dass ich den Druck nicht aushalten würde.«
Fördern, fordern, den Druck erhöhen. So wollte der Staat vor allem die Langzeitarbeitslosen wieder in Arbeit bringen. Bei Sonja Pietsch hat das nicht funktioniert. Der Druck hat bei ihr genau das Gegenteil bewirkt. Nach den Reformen musste sie alle vier Wochen zum Arbeitsamt. »Ich war zwei Wochen vorher nervös und zwei Wochen danach«, sagt sie. »Ich sollte zeigen, wo ich mich beworben habe, was ich tue, um Arbeit zu finden. Immer musste ich mich rechtfertigen, warum, wieso, weswegen ich noch keine Arbeit habe.« Als Sonja Pietsch merkte, dass der Druck immer größer wurde, gab sie auf. Vor zwei Jahren wurde ihr Antrag auf Erwerbsunfähigkeit bewilligt. Bis 2012 ist Pietsch vorerst von der Arbeit befreit, wegen ihrer psychischen Erkrankung.
Aber hätte sie überhaupt eine Chance auf diesem Arbeitsmarkt? Hartz IV hat nicht nur eine Masse von Ein-Euro-Jobbern wie Samir Amraoui hervorgebracht, die den regulär bezahlten Arbeitnehmern Konkurrenz machen. Es hat auch dafür gesorgt, dass der Druck auf die, die noch Arbeit haben, steigt. Seit den Hartz-Reformen gilt: Wer länger als maximal zwei Jahre arbeitslos ist, verliert den Anspruch auf Arbeitslosengeld I und muss jeden Job annehmen. Das trägt dazu bei, dass die Löhne am unteren Ende der Skala sinken. Der Anteil der Billigjobber stieg in Deutschland rapide an, schneller als in den anderen EU-Ländern.
Frühling 2007. Die Ampel springt auf Rot, Heidemarie Danzer überlegt kurz und tritt aufs Gas. Bremsen kostet nicht nur Zeit, es kostet Geld. Das hat sie in ihrem Job als Menübotin schnell gelernt. Denn sie wird nicht nach Stunden, sondern nach gelieferten Essen bezahlt – pro Menü 43 Cent. Bremsen, einparken, das Essen herausholen, in allem, was sie tut, ist sie schnell. Danzer hat Apothekenhelferin gelernt und bei Schering in Berlin gut verdient, dann machten sie und ihr Mann sich mit einem Restaurant selbstständig. Das ging schief. Jetzt ist sie einer von sechseinhalb Millionen Menschen in Deutschland, die für Niedriglöhne arbeiten. Sie hat keine andere Wahl, ihr Mann verdient als Koch gerade mal 1300 Euro brutto, daher ist sie selbst nicht Hartz-IV-berechtigt. Auf das Geld vom Menüservice sind sie dringend angewiesen.
Wir halten vor einem grauen Hochhaus. Bevor wir überhaupt den Gurt gelöst haben, springt Heidemarie Danzer schon aus dem weißen Kastenwagen, macht die Hecktür auf und nimmt eine mit Alufolie verschweißte Plastikschale aus dem Wärmeschrank. Die 50 Meter bis zum Wohnblock rennt sie. Im sechsten Stock angekommen, macht eine alte Dame die Tür auf. Heidemarie Danzer versucht ein freundliches Lächeln. »Guten Tag!« Dann drückt sie ihr schnell den verpackten Schweinebraten in die Hand. »Ihr Essen. Guten Appetit! Bis morgen dann.« Und schon ist sie wieder weg. Für einen Plausch ist keine Zeit. »Manchmal würde ich gerne mehr mit den Leuten reden, aber wenn ich zwölf Kunden pro Stunde schaffen will, bleiben mir fünf Minuten pro Kunde, mit Fahrzeit«, sagt Danzer, als wir wieder im Wagen sitzen. Zwölf – das ist ihr Ziel, das wäre richtig gut. Normalerweise schafft sie neun bis zehn. Dieser Donnerstag ist einer der miesen Tage. Nach über fünf Stunden Arbeit und drei bei Rot überfahrenen Ampeln kommt Heidemarie Danzer erledigt nach Hause – mit einem Tagesverdienst von 16 Euro.
Am Abend sitzt sie mit ihrem Mann im Wohnzimmer ihrer kleinen Mietwohnung. »Ich komme mit diesem Lohnzettel überhaupt nicht klar«, sagt sie. Ihr Mann Horst tippt noch einmal die Zahlen in den Taschenrechner. »In deiner Lohnabrechnung vom Februar stehen 270 Euro und 90 Cent. Du hast in diesem Monat 73,5 Stunden gearbeitet, so steht’s in deinem Büchlein. Wenn ich die Zahlen jetzt dividiere, komme ich auf exakt 3 Euro und 68 Cent pro Stunde.« Heidemarie Danzer weint. Aber sofort wischt sie die Tränen wieder weg. »Ich habe heute einen schlechten Tag«, entschuldigt sie sich. – »Das Problem ist, du hast diese schlechten Tage, seitdem du bei dieser Firma bist«, sagt ihr Mann. Jetzt wird sie richtig wütend. »Das sind ja nicht nur wir Menüboten. Bei Briefträgern, Bauarbeitern und Friseuren ist das doch genauso«, sagt sie. »Das ist staatlich genehmigter Sklavenhandel.« Dass die Löhne so niedrig sind, daran seien auch die Hartz-IV-Reformen schuld. »Das war das schlimmste Gesetz, das denen jemals eingefallen ist«, sagt sie. Heidemarie Danzer findet, dass es in diesem Land immer ungerechter zugeht. Als kurz darauf ihr Mann arbeitslos wird, muss sie doch zum Amt. Wenige Monate später beschließen die beiden, das alles nicht mehr mitzumachen. Sie entscheiden sich, Deutschland zu verlassen.
Als wir Samir Amraoui in diesem Herbst treffen, hat er gerade keinen Ein-Euro-Job. Er verbringt jetzt viel Zeit in seiner Wohnung. Zu viel Zeit, findet er. Er wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern im vierten Stock eines Mietshauses in der Nähe des Hagener Friedhofs. Seine Frau holt in der Abendschule ihren Realschulabschluss nach. Sie hat zu tun – Samir Amraoui nicht.
Ab und an sitzt er zu Hause beim Tee mit Freunden zusammen, denen es genauso geht wie ihm. Sie reden viel über sich und ihre Situation, aber die große Politik, die Debatte über die Höhe der Hartz-IV-Sätze, das interessiert sie kaum mehr. »Es gab schon so viele Vorschläge, und nie hat sich in den letzten fünf Jahren etwas Konkretes verändert.« Aber das mit der Chipkarte für Kinder, das hat er mitbekommen. »Eine gute Idee«, sagt Samir Amraoui. »Ich finde es auch in Ordnung, das Geld nicht den Eltern zu geben. Es gibt eben schwarze Schafe unter den Hartz-IV-Empfängern. Da kenne ich auch welche«, sagt er. Amraoui hätte gerne, dass seine Tochter Geige spielt, wenn er ihr das mit der Karte ermöglichen könnte, fände er das toll. Von der neuen Idee der Kanzlerin, Langzeitarbeitslose als Pflegekräfte einzusetzen, hat er noch nichts gehört. Er denkt kurz nach. »Ich kann gut mit alten Menschen. Wenn das auf Dauer wäre, würde ich das machen«, sagt er. »Ich glaube aber, dass nicht jeder dafür geeignet wäre. Dann zu sagen: Du musst das machen, das fände ich falsch, auch den alten Leuten gegenüber.«
Und wenn, wie so oft, die Diskussion aufkommt, dass sie vor allem selbst schuld seien an der Misere? »Ich könnte mir eine Arbeit besorgen«, sagt Samir Amraoui. »Das ist nicht das Problem. Aber unter dem Niveau, auf dem ich jetzt schon lebe.« Wenn er nicht mehr verlangen würde als vier oder fünf Euro pro Stunde, würde er sofort etwas finden, sagt er. Das Amt hat ihm bisher solche Stellen nicht angeboten. »Das wäre, ehrlich gesagt, auch unmöglich. Das schafft man nicht mit Frau und zwei Kindern.« Letztlich müsste dann wieder der Staat einspringen, den fehlenden Betrag aufstocken und so seine schlecht bezahlte Arbeit subventionieren. Samir Amraoui hat ausgerechnet, dass er 7,50 Euro brutto pro Stunde verdienen müsste, um genauso viel zu haben wie mit Hartz IV.
In der politischen Debatte ist oft vom »Lohnabstandsgebot« die Rede: Wer arbeitet, soll mehr haben als einer, der vom Amt lebt. Viele Politiker folgern daraus, dass die Hartz-IV-Sätze sinken müssten, damit Menschen wie Samir Amraoui auch für vier oder fünf Euro die Stunde arbeiten würden. Also für einen Lohn, der zum Leben nicht reicht. Damit würden aber Leute wie er, die heute schon wenig haben, noch weiter abrutschen. Hartz IV deckt die Grundversorgung: Wohnung, Essen, günstige Kleidung. Mit weniger wäre ein würdiges Leben kaum möglich.
Samir Amraoui sucht nach einem Job, mit dem er seine Familie ernähren kann. Nach fünf Jahren Hartz IV muss er feststellen: »Solche Jobs gibt es für mich nicht.« Dabei versucht er alles, um Arbeit zu finden. Er ist bekannt bei den Hagener Firmen, denn er gibt Bewerbungen persönlich ab. »Wenn Läden neu aufmachen, ziehe ich mich schnieke an, gehe sofort hin und frage, ob sie jemanden brauchen. Auch wenn irgendwo renoviert wird, gehe ich hin. Ich würde alles machen.« Das Problem aber sei, dass das inzwischen viele Arbeitslose in Hagen tun. »Die Chefs sind gewohnt, dass wir vorbeikommen.«
Samir Amraoui sucht trotzdem weiter nach Arbeit und versucht durchzuhalten. Jetzt hat das Amt ihn wieder angeschrieben, er solle vorbeikommen und mit seinem Sachbearbeiter über seine berufliche Situation sprechen. Gab es schon mal ein konkretes Stellenangebot, fragen wir. »Noch nie«, antwortet er. »Noch nie.« Wofür das Amt dann noch gut sei, wollen wir wissen. »Um sich selbst zu beschäftigen«, grinst er. »Ohne uns hätten die ja auch keine Arbeit mehr, und das wollen sie ja auch nicht.«
Sonja Pietsch hat den Aufstieg, den die Sozialarbeiter ihr zutrauten, in die Zukunft vertagt. »Mit meinem Hauptschulabschluss«, sagt sie, »da war nicht viel zu holen. Deshalb arbeite ich daran, dass die Kinder eine bessere Schulbildung haben als ich. Das ist das A und O, um aus der Unterschicht rauszukommen.« Sonja Pietsch will unbedingt, dass ihre Kinder das schaffen, was ihr nicht gelungen ist.
Sie weckt die drei jeden Morgen um 6.15 Uhr. Sie schmiert Brote, kontrolliert die Schulsachen, hält Kontakt zu Lehrern. Den Hobbys der Kinder soll man nicht anmerken, dass die Familie sparen muss: Rabea lernt Klavier spielen, sie malt und reitet ab und zu. Philipp will mit Aikido anfangen. Dass Kinder aus armen Familien in Vereine gehen, Musikinstrumente lernen, ist selten. »Ich kann schon verstehen, dass viele Hartz-IV-Empfänger denken: Warum stehe ich überhaupt auf? Und dass die es dann nicht schaffen, sich richtig um ihre Kinder zu kümmern«, sagt Pietsch. So sei es ja bei ihr auch gewesen. »Aber ich habe mich zusammengerissen. Darauf bin ich stolz.«
Sonja Pietsch plant ein Leben ohne Arbeit. Das Geldverdienen wird die nächste Generation übernehmen müssen. Philipp wird im Oktober 13. Alt genug für einen Schülerjob. Am Tag nach seinem Geburtstag will er anfangen, Werbeprospekte auszuteilen. »Er hat das Prinzip verstanden«, sagt Pietsch. »Er geht arbeiten, dann kann er sich etwas leisten.«
Gut fünf Jahre sind vergangen seit der Einführung von Hartz IV. Die Gesetze sollten denjenigen Chancen auf Arbeit eröffnen, die bislang kaum Chancen hatten. Keiner der Menschen, die wir bei unseren Recherchen begleitet haben, hat in Deutschland den Weg aus der Arbeitslosigkeit geschafft. Vieles von dem, was Hartz IV wollte und sollte, hat nicht funktioniert. Trotzdem besteht das Gesetz weiter, und die Menschen müssen damit leben.
Und dann, nach dem letzten Treffen mit Sonja Pietsch, lässt sich doch noch eine Erfolgsgeschichte erzählen. Keine, die mit den Sozialreformen zusammenhängt. Keine, die Ergebnis einer gezielten und erfolgreichen Politik ist, sondern eine, die nicht in Deutschland spielt.
»Zweimal Tagesgericht, einmal Backkartoffel und drei Curry mit Pommes!«, ruft Heidemarie Danzer, die ehemalige Menübotin aus Berlin, über die Theke. Ihr Mann wischt sich seine Hände an der Schürze ab und legt Nachschub auf den Grill. Vor der Tür seiner »Grillboxx« hält schon der nächste Wagen an. Dass der Laden so gut laufen würde, damit hatten Horst Danzer und seine Frau anfangs gar nicht gerechnet. Vor acht Wochen haben sie ihn eröffnet. Ein kleines Blockhaus, innen mit Deckchen und einer roten Rose auf jedem Tisch. Die Danzers sind ins österreichische St. Georgen oberhalb vom Attersee ausgewandert. Heidemarie Danzer hatte nicht mehr daran geglaubt, in Deutschland einen Job zu finden, von dem sie auch leben kann. Die Flucht nach Österreich war ihre Rettung. Ihr Mann bekam eine gut bezahlte Stelle als Koch und sie eine als Putzfrau. Zwei Jahre hat es gedauert, dann hatten sie genug Geld gespart, um den Imbiss zu pachten. Sie, die in Berlin für drei, vier Euro die Stunde gejobbt hat, kann es noch nicht fassen, wenn sie abends die Einnahmen zählt. Gut 300 Euro kommen jeden Tag rein, so viel hat sie früher im ganzen Monat verdient.
Als der Mittagsansturm in der Grillboxx vorbei ist, geht Heidemarie Danzer zu Fuß nach Hause, die Wohnung liegt nur ein paar Straßen weiter. Sie will sich kurz ausruhen und umziehen. Um 17 Uhr beginnt ihr zweiter Job, fünfmal die Woche arbeitet sie noch immer als Putzfrau, in einem Bürogebäude am Dorfrand. Sie macht das zur Sicherheit, um weiter Rücklagen für die Grillboxx zu sparen. In Österreich bekommt sie allein fürs Putzen zehn Euro brutto pro Stunde. Seit 2008 gibt es hier einen landesweit gültigen Mindestlohn. Bei Vollzeitstellen darf das Gehalt nicht niedriger als 1000 Euro pro Monat sein.
Am Abend sind wir bei den Danzers zu Hause. Viel hat sich verändert, seit sie Deutschland den Rücken gekehrt haben. Ihre Wohnung ist doppelt so groß, Maisonette, zwei Bäder, große Fenster, ein riesiger Südbalkon. »Früher habe ich mich gefragt, wofür ich bei der schlechten Bezahlung überhaupt arbeite«, sagt Heidemarie Danzer. Jetzt ist sie vor allem froh, dass sie nicht mehr als Bittstellerin zur Arbeitsagentur muss. Vor diesen Terminen hatte es ihr oft gegraut. Nur ihr letzter Besuch beim Amt sei prima gewesen. Da hat Danzer verkündet, dass sie in Österreich einen Job gefunden habe und auswandern wolle. »Meine Sachbearbeiterin hat mich richtig angestrahlt. Und sogar eine Umzugshilfe haben sie mir bezahlt. So schnell hatte ich noch nie Geld auf dem Konto.« Und so ist Heidemarie Danzers Geschichte auf absurde Weise für beide Seiten ein Erfolg: Sie hat einen festen Job, und in der Arbeitslosenstatistik des Amtes taucht sie nicht mehr auf.






ja so sieht die Wirklichkeit in der BRD aus. Wir werden von der Industrie und den Bänkstern mit Hilfe der Politik arm gemacht. Anstatt mal einer aufsteht und sagt "es gibt keine Jobs", nein, es wird nur darauf rumgeritten dass die Leute faul sind und nicht wollen. Die Industrie schmeißt doch die Leute raus und holt sich wieder Leiharbeitskräfte oder nur befristet Beschäftigte. Das ist doch der Skandal hier. Diesen Artikel sollte jeder in Berlin, vor allem die v.d.L. lesen und dann mal öffentlich darüber nachdenken was er beinhaltet. Wir sind doch jetzt schon eine Bananenrepublik.
Wissen Sie, die Menschen belügen sich gerne selbst. Sie lesen Beiträge wie diese und wählen anderntags CDU, FDP, welche sog. Leistungsträger fördern, so als ob Hartz-4-Menschen Vieh seien und die Gesellschaft in einer einfachen Westerwelle-Kalkulation lösbar wäre.
Haben Sie je über die Steuerungleichheit von Einzelpersonen nachgedacht, im Vergleich zur Gleichheit bei Unternehmen?
Ich betrachte die deutsche Republik als zunehmend liberalistisch. Der Einzelne muss als Ausrede für die Bequemlichkeit und Feigheit der Mittelschicht herhalten, die sich damit rühmt, dass sie monatlich 3000 Euro Netto übrig hat. Es lebe das Stehkragenproletariat.
"es wird nur darauf rumgeritten dass die Leute faul sind und nicht wollen." - Rahmen Sie sich das ein. Sie werden diese Aussage in anderer Form überall in dieser oder in anderen Zeitungen wiederfinden.
Die Weltwoche hat vor Jahren einen interessanten Beitrag über die politische Profillosigkeit moderner Redakteure verfasst. Auch diese werden zunehmend liberalistisch, aber nicht etwa theoretisch - obwohl auch das naiv wäre -, sondern in Form einer relativistischen, naiven, aber engagierten Politikperspektive. Da habe ich herzlich gelacht. Heute beobachte ich, dass die meisten Menschen so feige und bequem wie die Zeitungen, Fernsehsender, Romane und Gedichte sind, die sie kaufen - und welche mittlerweile die Öffentlichkeit dominieren. Mein Eindruck.
Wissen Sie, die Menschen belügen sich gerne selbst. Sie lesen Beiträge wie diese und wählen anderntags CDU, FDP, welche sog. Leistungsträger fördern, so als ob Hartz-4-Menschen Vieh seien und die Gesellschaft in einer einfachen Westerwelle-Kalkulation lösbar wäre.
Haben Sie je über die Steuerungleichheit von Einzelpersonen nachgedacht, im Vergleich zur Gleichheit bei Unternehmen?
Ich betrachte die deutsche Republik als zunehmend liberalistisch. Der Einzelne muss als Ausrede für die Bequemlichkeit und Feigheit der Mittelschicht herhalten, die sich damit rühmt, dass sie monatlich 3000 Euro Netto übrig hat. Es lebe das Stehkragenproletariat.
"es wird nur darauf rumgeritten dass die Leute faul sind und nicht wollen." - Rahmen Sie sich das ein. Sie werden diese Aussage in anderer Form überall in dieser oder in anderen Zeitungen wiederfinden.
Die Weltwoche hat vor Jahren einen interessanten Beitrag über die politische Profillosigkeit moderner Redakteure verfasst. Auch diese werden zunehmend liberalistisch, aber nicht etwa theoretisch - obwohl auch das naiv wäre -, sondern in Form einer relativistischen, naiven, aber engagierten Politikperspektive. Da habe ich herzlich gelacht. Heute beobachte ich, dass die meisten Menschen so feige und bequem wie die Zeitungen, Fernsehsender, Romane und Gedichte sind, die sie kaufen - und welche mittlerweile die Öffentlichkeit dominieren. Mein Eindruck.
Wissen Sie, die Menschen belügen sich gerne selbst. Sie lesen Beiträge wie diese und wählen anderntags CDU, FDP, welche sog. Leistungsträger fördern, so als ob Hartz-4-Menschen Vieh seien und die Gesellschaft in einer einfachen Westerwelle-Kalkulation lösbar wäre.
Haben Sie je über die Steuerungleichheit von Einzelpersonen nachgedacht, im Vergleich zur Gleichheit bei Unternehmen?
Ich betrachte die deutsche Republik als zunehmend liberalistisch. Der Einzelne muss als Ausrede für die Bequemlichkeit und Feigheit der Mittelschicht herhalten, die sich damit rühmt, dass sie monatlich 3000 Euro Netto übrig hat. Es lebe das Stehkragenproletariat.
"es wird nur darauf rumgeritten dass die Leute faul sind und nicht wollen." - Rahmen Sie sich das ein. Sie werden diese Aussage in anderer Form überall in dieser oder in anderen Zeitungen wiederfinden.
Die Weltwoche hat vor Jahren einen interessanten Beitrag über die politische Profillosigkeit moderner Redakteure verfasst. Auch diese werden zunehmend liberalistisch, aber nicht etwa theoretisch - obwohl auch das naiv wäre -, sondern in Form einer relativistischen, naiven, aber engagierten Politikperspektive. Da habe ich herzlich gelacht. Heute beobachte ich, dass die meisten Menschen so feige und bequem wie die Zeitungen, Fernsehsender, Romane und Gedichte sind, die sie kaufen - und welche mittlerweile die Öffentlichkeit dominieren. Mein Eindruck.
"Der Einzelne muss als Ausrede für die Bequemlichkeit und Feigheit der Mittelschicht herhalten, die sich damit rühmt, dass sie monatlich 3000 Euro Netto übrig hat. Es lebe das Stehkragenproletariat."
Hab gerade nachgerechnet. Wenn ich 5400 Euro verdienen würde, hätte ich 3018 Euro netto.
Wie sieht aus Ihrer Sicht ein gerechtes Steuersystem aus? Ab wann darf man 3000 Euro netto übrig haben in einer gerechten Gesellschaft?
"Der Einzelne muss als Ausrede für die Bequemlichkeit und Feigheit der Mittelschicht herhalten, die sich damit rühmt, dass sie monatlich 3000 Euro Netto übrig hat. Es lebe das Stehkragenproletariat."
Hab gerade nachgerechnet. Wenn ich 5400 Euro verdienen würde, hätte ich 3018 Euro netto.
Wie sieht aus Ihrer Sicht ein gerechtes Steuersystem aus? Ab wann darf man 3000 Euro netto übrig haben in einer gerechten Gesellschaft?
Wenn unsere "Elite" so weitermacht, dann haben sie in ein paar Jahren 1 Mio. aufgebrachter Menschen in Berlin vor dem Reichstag.
Ihr bekommt kein anderes Volk!
das wär doch mal was!
Genau, diese Großprojekte. Die vernichten die Arbeitsplätze, Perspektiven und die hochprofitbale kleinteilige Wirtschaft.
Man sieht doch ständig, wieviel Profit kleine Bauernhöfchen, Tante Emma Läden und das Denken von Oberdorf nach Unterdorf die Ingenieurskunst beflügelt und Enwticklungen fördert, die früher ja ordentlich Arbeitsplätze geschaffen haben. Als Vorbild könnte ja das golden Mittelalter dienen.
Das muss jetzt der Staat übernehmen. Ich fürchte nur, dass intelligenten Menschen wie diesen hier, ihre versorgte Nichtsnutzigkeit auch irgendwann auffällt und Unzufriedenheit hervorruft. Dieselbe, die von der Ostalgie ja trefflich überdeckt wird. Denn sonst wäre ja die DDR Musterland gewesen
das wär doch mal was!
Genau, diese Großprojekte. Die vernichten die Arbeitsplätze, Perspektiven und die hochprofitbale kleinteilige Wirtschaft.
Man sieht doch ständig, wieviel Profit kleine Bauernhöfchen, Tante Emma Läden und das Denken von Oberdorf nach Unterdorf die Ingenieurskunst beflügelt und Enwticklungen fördert, die früher ja ordentlich Arbeitsplätze geschaffen haben. Als Vorbild könnte ja das golden Mittelalter dienen.
Das muss jetzt der Staat übernehmen. Ich fürchte nur, dass intelligenten Menschen wie diesen hier, ihre versorgte Nichtsnutzigkeit auch irgendwann auffällt und Unzufriedenheit hervorruft. Dieselbe, die von der Ostalgie ja trefflich überdeckt wird. Denn sonst wäre ja die DDR Musterland gewesen
Ich frage mich, was der artikel bewirken soll. soll ich nun denmken arme arbeitslose? Ich sag es nicht gern, aber in anderen laendern kostet es das leben "die jobsuche aufzugeben", weil man nichts zu essen mehr hat, keine wohnung.In d. BRD ist das nicht so. Natuerlich muss ein arbeitsloser jeden monat zeigen wo er sich beworben hat, wir koennen es uns nicht leisten leute mit durchzubringen die keine lust haben oder sich aufgeben. ich rede nicht von Leuten d. krank sind, ich will auch niemanden verhungern lassen, natuerlich nicht. Aber, wenn der staat mir d. geld zum leben gibt dann hat der staat auch das recht zu ueberwachen ob ich mich bemuehe mich wieder selbst zu versorgen, d. hat d. staat das recht zu sagen ich gebe dir weniger, solange er mich nicht verhungern laesst. stellen wir uns vor wir haben einen freund der kommt zu einem und fragt ob du ihn miternasehren kannst. wuerde ich das machen wuerde ich logischerweise auch versuchen ihn dazu zu bringen das er sich wieder selbst versorgt.
U. d. ungerechtigkeit zwischen denen die nicht arbeiten u. denen d. arbeiten eroertere ich hier gar nicht gross. Nur soviel: viele arbeitende elternm koennen sich fuer ihre kinder keine musikschule leisten.
Hartz4 ist ein geschenk des staates, niemandem steht es zu. ALG1 steht einem zu, dafuer zahlt man waehrend man einen job hat, fuer Hartz4 nicht!
Und natuerlich kann man es als dekadent bezeichnen denn 50 prozent des bundeshaushalts fuer sozialstaatlichkeit ausgegeben werden!
...Sie lesen sich das Grundgesetz noch mal durch.
Harz IV ist kein Geschenk, das steht einem zu.
....wenn Leute mit Ländervergleichen kommen.
Salopp gesagt, wenn wir den Arbeitslosen in D noch weniger zukommen lassen gibt es davon in Indien auch nicht weniger Hungernde.
Dieses "seid doch froh dass ihr nicht hungern müsst" ist doch ein Scheinargument - deren Verfechtern geht es doch nur darum selbst mehr in der Tasche zu haben.
Es kann nicht Deutschlands Anspruch sein sich mit dem Sozialsystem eines Drittweltlandes zu messen. Nicht wenn 6 Billionen an Privatvermögen in unserem Land rumliegen.
Der Artikel zeigt doch beispielhaft dass nicht die Arbeitslosen im Allgemeinen das Problem sind, sondern die Verfügbarkeit adequater Jobs von denen man leben kann.
Und das ein Land auch mit Mindestlöhnen nicht dem Untergang geweiht ist zeigt auch das Beispiel Österreich - ich sehe es ebenso - wer Vollzeit arbeitet, sollte mind. 1000€/Monat im Portemonnaie haben. Wenn eine Arbeit uns nicht soviel Wert ist brauchen wir sie scheinbar auch nicht.
Was viele "leistungserbringende" Steuerzahler auch zumeist vergessen ist dass der Grund für ihre eigene hohe Abgabenlast nicht allein Schuld der Arbeitslosen ist. Ein System in dem sich Beamte ,Selbstständige und alle mit mehr als 4000€/Monat aus der Gesetzlichen verabschieden können treibt die Abgaben für den Rest in die Höhe. Gleiches gilt für unterschiedliche Besteuerung von Einkommen aus Arbeit und Kapital.
Aber nach oben lieber buckeln. Treten nur nach unten.
Wäre ich jemand, würde ich mich für Sie schämen...
"Aber, wenn der staat mir d. geld zum leben gibt dann hat der staat auch das recht zu ueberwachen ob ich mich bemuehe mich wieder selbst zu versorgen"
1. "Der Staat" ist keine Person, die "Geld gibt".
2. Er ist ein Zusammenschluss von Menschen und der Sozialstaat verpflichtet sich dazu, Ungerechtigkeiten auszugleichen.
3. Da "Dieser Staat" keine Arbeitsplätze geschaffen, ermöglicht, gefördert hat, verdrehen nicht "er", sondern die gewählten Politiker in einer einmaligen und unschlagbaren Umkehrung aller christlichen Werte die "Wirklichkeit" und machen die Arbeitslosen selbst für ihr Schicksal verantwortlich. Im nächsten Schritt wird dann doch etwas Geld überwiesen, denn man möchte ja kein Mörder sein. Und dann setzt man Ursula Leyen (in anderen Ländern Europas ist das Tragen von Adelstiteln verboten) in die Fernsehsender und lässt sie ihre faschistische Botschaft vom Recht des Staates, in das Privatleben derer, denen man Geld "schenkt", massiv einzugreifen. Und das trifft auf offene Ohren, wie man bei Ihnen sieht. Haben Sie sich schon eihnmal überlegt, was Sie da mittragen, wenn Sie sowas unterstützen? Überlegen Sie sich das mal und bedenken Sie, wieviel Irrsinn in dieser Logik steckt. An Ihrer Stelle würde ich mich für so etwas nicht zur Verfügung stellen. Aber das ist Ihre Verantwortung.
Keine Ahnung wie man so ahnungslos sein kann. ALG II kostet exakt 24,3 Milliarden Euro und somit nicht mal 10 Prozent des Bundeshaushaltes.
http://www.bundestag.de/d...
Von diesen 24,3 Milliarden gehen alleine 11 Milliarden in die Finanzierung sogenannter Aufstocker und sind somit ausschliesslich eine Maßnahme, die einzig und alleine der Wirtschaft zu Gute kommt.
Eine Wirtschaftssubvention über die Sozialausgaben eben.
Ich bin immer wieder fassungslos wie uninformiert Menschen die neoliberale Propaganda nachplappern. 50
...Sie lesen sich das Grundgesetz noch mal durch.
Harz IV ist kein Geschenk, das steht einem zu.
....wenn Leute mit Ländervergleichen kommen.
Salopp gesagt, wenn wir den Arbeitslosen in D noch weniger zukommen lassen gibt es davon in Indien auch nicht weniger Hungernde.
Dieses "seid doch froh dass ihr nicht hungern müsst" ist doch ein Scheinargument - deren Verfechtern geht es doch nur darum selbst mehr in der Tasche zu haben.
Es kann nicht Deutschlands Anspruch sein sich mit dem Sozialsystem eines Drittweltlandes zu messen. Nicht wenn 6 Billionen an Privatvermögen in unserem Land rumliegen.
Der Artikel zeigt doch beispielhaft dass nicht die Arbeitslosen im Allgemeinen das Problem sind, sondern die Verfügbarkeit adequater Jobs von denen man leben kann.
Und das ein Land auch mit Mindestlöhnen nicht dem Untergang geweiht ist zeigt auch das Beispiel Österreich - ich sehe es ebenso - wer Vollzeit arbeitet, sollte mind. 1000€/Monat im Portemonnaie haben. Wenn eine Arbeit uns nicht soviel Wert ist brauchen wir sie scheinbar auch nicht.
Was viele "leistungserbringende" Steuerzahler auch zumeist vergessen ist dass der Grund für ihre eigene hohe Abgabenlast nicht allein Schuld der Arbeitslosen ist. Ein System in dem sich Beamte ,Selbstständige und alle mit mehr als 4000€/Monat aus der Gesetzlichen verabschieden können treibt die Abgaben für den Rest in die Höhe. Gleiches gilt für unterschiedliche Besteuerung von Einkommen aus Arbeit und Kapital.
Aber nach oben lieber buckeln. Treten nur nach unten.
Wäre ich jemand, würde ich mich für Sie schämen...
"Aber, wenn der staat mir d. geld zum leben gibt dann hat der staat auch das recht zu ueberwachen ob ich mich bemuehe mich wieder selbst zu versorgen"
1. "Der Staat" ist keine Person, die "Geld gibt".
2. Er ist ein Zusammenschluss von Menschen und der Sozialstaat verpflichtet sich dazu, Ungerechtigkeiten auszugleichen.
3. Da "Dieser Staat" keine Arbeitsplätze geschaffen, ermöglicht, gefördert hat, verdrehen nicht "er", sondern die gewählten Politiker in einer einmaligen und unschlagbaren Umkehrung aller christlichen Werte die "Wirklichkeit" und machen die Arbeitslosen selbst für ihr Schicksal verantwortlich. Im nächsten Schritt wird dann doch etwas Geld überwiesen, denn man möchte ja kein Mörder sein. Und dann setzt man Ursula Leyen (in anderen Ländern Europas ist das Tragen von Adelstiteln verboten) in die Fernsehsender und lässt sie ihre faschistische Botschaft vom Recht des Staates, in das Privatleben derer, denen man Geld "schenkt", massiv einzugreifen. Und das trifft auf offene Ohren, wie man bei Ihnen sieht. Haben Sie sich schon eihnmal überlegt, was Sie da mittragen, wenn Sie sowas unterstützen? Überlegen Sie sich das mal und bedenken Sie, wieviel Irrsinn in dieser Logik steckt. An Ihrer Stelle würde ich mich für so etwas nicht zur Verfügung stellen. Aber das ist Ihre Verantwortung.
Keine Ahnung wie man so ahnungslos sein kann. ALG II kostet exakt 24,3 Milliarden Euro und somit nicht mal 10 Prozent des Bundeshaushaltes.
http://www.bundestag.de/d...
Von diesen 24,3 Milliarden gehen alleine 11 Milliarden in die Finanzierung sogenannter Aufstocker und sind somit ausschliesslich eine Maßnahme, die einzig und alleine der Wirtschaft zu Gute kommt.
Eine Wirtschaftssubvention über die Sozialausgaben eben.
Ich bin immer wieder fassungslos wie uninformiert Menschen die neoliberale Propaganda nachplappern. 50
...Sie lesen sich das Grundgesetz noch mal durch.
Harz IV ist kein Geschenk, das steht einem zu.
Nachdem meine Schwester als Mutter eines zwölfjährigen Kindes nach mehreren Ein-Euro_Jobs, einer einjährigen Weiterqualifizierung und einer halbjährigen Anstellung in einer Zeitarbeitsfirma endlich eine Anstellung auf Probe mit der Aussicht auf Festanstellung in einem kleinen Unternehmen bekam, stellte sich am Ende heraus, dass es sich offensichtlich nur um eine Urlaus-und Krankenvertretung für fünf Monate handelte, was leider nie so kommuniziert wurde - im Gegenteil.
Anstatt mit offenen Karten zu spielen wurde sie am Ende hinausgemobt, erlitt einen Nervenzusammenbruch und hat seit dem zwei Suizidversuche mit Einlieferung auf der Intensivstation hinter sich.
Vielen Dank an alle marktradikalen Ideologen!
"Der Einzelne muss als Ausrede für die Bequemlichkeit und Feigheit der Mittelschicht herhalten, die sich damit rühmt, dass sie monatlich 3000 Euro Netto übrig hat. Es lebe das Stehkragenproletariat."
Hab gerade nachgerechnet. Wenn ich 5400 Euro verdienen würde, hätte ich 3018 Euro netto.
Wie sieht aus Ihrer Sicht ein gerechtes Steuersystem aus? Ab wann darf man 3000 Euro netto übrig haben in einer gerechten Gesellschaft?
Machen wir uns mal von allem Neiddenken frei. So! Nun sehe ich einen Arbeitnehmer mit 60.000 Euro Jahreseinkommen vor mir. Dann einen Privatier der 60.000 Euro aus Zinseinkünften erzielt. Der Arbeitnehmer zahlt für viele Stunden harte Arbeit 42% Steuern, der Privatier fürs Nixtun nur 25% Kapitalertragssteuer. Da liegt der Hase im Pfeffer. Die Arbeitnehmer als Melkkühe im Steuersystem. Anders herum wäre das Steuersystem gerecht, wenn der Arbeitnehmer nur 25% Spitzensteuersatz und der Privatier fürs Nixtun 50% Steuersatz zahlen müsste aber zumindest ein gleich hoher Steuersatz für alle Einkommensarten wäre richtig. Egal ob die Einkünfte aus Arbeitseinkommen, aus Vermietung und Verpachtung, aus der Landwirtschaft oder aus Kapitalvermögen kommen - sie sollten für alle gleich hoch sein!
Machen wir uns mal von allem Neiddenken frei. So! Nun sehe ich einen Arbeitnehmer mit 60.000 Euro Jahreseinkommen vor mir. Dann einen Privatier der 60.000 Euro aus Zinseinkünften erzielt. Der Arbeitnehmer zahlt für viele Stunden harte Arbeit 42% Steuern, der Privatier fürs Nixtun nur 25% Kapitalertragssteuer. Da liegt der Hase im Pfeffer. Die Arbeitnehmer als Melkkühe im Steuersystem. Anders herum wäre das Steuersystem gerecht, wenn der Arbeitnehmer nur 25% Spitzensteuersatz und der Privatier fürs Nixtun 50% Steuersatz zahlen müsste aber zumindest ein gleich hoher Steuersatz für alle Einkommensarten wäre richtig. Egal ob die Einkünfte aus Arbeitseinkommen, aus Vermietung und Verpachtung, aus der Landwirtschaft oder aus Kapitalvermögen kommen - sie sollten für alle gleich hoch sein!
Hartz4 ist kein Geschenk. Es ist (auch) ein Schutz.
Wenn man der unqualifizierten Mehrheit Hartz4 entziehen würde, gäbe es eine erhebliche Kriminalitätssteigerung.
Immerhin will keiner vor Hunger sterben.
Man muss abwägen, was mehr kostet.
Zynismus ist eine starke Waffe. Sie werden bald, sehr bald merken, dass ihr Zynismus sie nicht beschützen wird.
Menschen sind sehr leidensfähig und das deutsche Volk ist darin Weltmeister. Selbst wenn man uns Bomben auf den Kopf wirft, rufen wir noch mit voller Kehle "Ja!"
Doch 1848, 1918, 1989 können und werden wieder passieren und dann, liebe Zyniker, werdet ihr hinweggefegt.
Einen Wehmutstropfen gibt es dann doch. Ein System der Ausbeutung wird, nach einer Übergangszeit, durch ein anderes ersetzt. Feudalismus durch Kapitalismus Kaptitalismus durch ? dann aber wieder ? durch Ausbeutung. Wenn sie das Zynismus nennen wollen, dann gebe ich Ihnen vielleicht recht.
Zynismus ist eine starke Waffe. Sie werden bald, sehr bald merken, dass ihr Zynismus sie nicht beschützen wird.
Menschen sind sehr leidensfähig und das deutsche Volk ist darin Weltmeister. Selbst wenn man uns Bomben auf den Kopf wirft, rufen wir noch mit voller Kehle "Ja!"
Doch 1848, 1918, 1989 können und werden wieder passieren und dann, liebe Zyniker, werdet ihr hinweggefegt.
Einen Wehmutstropfen gibt es dann doch. Ein System der Ausbeutung wird, nach einer Übergangszeit, durch ein anderes ersetzt. Feudalismus durch Kapitalismus Kaptitalismus durch ? dann aber wieder ? durch Ausbeutung. Wenn sie das Zynismus nennen wollen, dann gebe ich Ihnen vielleicht recht.
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