Über mangelnden Respekt kann sich die Mathematik eigentlich nicht beklagen. Sie gilt als wichtig, wenngleich schwierig. Und dass TV-Prominente dumm, eitel und stolz mit ihren schlechten Mathenoten kokettieren, kommt zum Glück auch immer seltener vor. Just die Mathematikleistungen in der Schule sind – so wissen Bildungsforscher – der beste Indikator für späteren Erfolg im Beruf.

Gleichzeitig ist Mathematik ein Angstfach. Die Mehrheit empfindet hohe Ehrfurcht vor ihr – mit Betonung auf »Furcht«. Schlimmer noch, die meisten nehmen nicht viel aus der Schulmathematik mit ins spätere Leben. Einem Viertel der Erwachsenen fehlen die grundlegendsten Rechenfertigkeiten. Fragt man nach, woran das liege, dann hört man gern Anekdoten von furchtbaren Mathelehrern. Ist der Faden durch ein traumatisches Schulerlebnis einmal gerissen, kann man später nur schwer wieder anknüpfen.

Der Vorwurf an die Lehrer ist richtig und falsch zugleich. Schlechte Lehrer gibt es überall. In der Mathematik jedoch steckt der Fehler auch im System: Noch immer werden an den meisten Universitäten spätere Pädagogen zusammen mit den Fachmathematikern ausgebildet – und erleben dort mit höherer Mathematik denselben Frust wie ihre Schüler mit viel einfacheren Formeln. Nur wenigen gelingt es später, ihren Gegenstand als lebendig und kreativ zu präsentieren. Zu oft wird das Fach auf eine Sammlung von Rechenrezepten reduziert.

Neue Ideen für den Matheunterricht, aber auch für die außerschulische mathematische Bildung existieren, sie haben nur noch nicht den Weg in die Lehrpläne gefunden. Anstrengungen wie das breit angelegte Sinus-Projekt versanden, wenn sie nicht in die Lehrerausbildung einziehen. Aber die ist Ländersache, das wurde in der Föderalismusreform vor vier Jahren noch einmal zementiert. Und 16 Curricula zu verändern ist für Bildungsreformer eine praktisch unmögliche Aufgabe.

Wo der Bund nicht mehr zentral eingreifen darf, tut sich nun ein Feld für private Förderer auf. Die Telekom-Stiftung wird ein Nationales Fortbildungszentrum Mathematik einrichten, das sich insbesondere um die Ausbildung von Lehrern kümmern soll. Das jedenfalls empfiehlt eine Arbeitsgruppe »Mathematik entlang der Bildungskette«, die von der Stiftung eingesetzt wurde. Der Begriff »Bildungskette« bedeutet, dass man nicht nur die Schulen im Blick haben will, sondern alle Orte, an denen Bildung passiert. Gerade sucht die Stiftung eine Partnerhochschule für ihr Zentrum. Eine Million Euro pro Jahr hat sie zur Finanzierung bereits in Aussicht gestellt.

Ähnliche Einrichtungen gibt es woanders schon, etwa in Großbritannien. Für Deutschland wäre ein solches Zentralinstitut eine Premiere – und ein weiteres Indiz dafür, dass es vielleicht doch keine so gute Idee war, die Bildungshoheit komplett an die Länder zu verschachern. Im Saarland gelten nämlich dieselben Rechenregeln wie in Brandenburg.