Der Hamburger Kultursenator Reinhard Stuth von der CDU will das über hundert Jahre alte Altonaer Museum einfach wegsparen. Schon im kommenden Jahr soll es geschlossen werden. Es wäre das brutale Ende für ein Kunsthaus, das nicht nur bildet und amüsiert, sondern auch zum Träumen anregt. Wer als Kind das Altonaer Museum besucht, der träumt danach mindestens ein paar Wochen lang davon, Fischer zu werden oder Matrose oder Strandpirat.

Nahe an der Elbe gelegen, ist die Sammlung für Kunst und Kulturgeschichte seit ihrer Gründung darauf angelegt, das Charakteristische des norddeutschen Raums zu präsentieren, und da spielen das Meer, die Küste, die Elbe und die Tätigkeiten, die sich mit diesem Naturraum verbinden, eben eine wichtige Rolle.

Auf den Gemälden im Altonaer Museum sind oft große Segelschiffe in schwerer See zu sehen, aber auch Strandidyllen oder Genrebilder, Fischerjungen beim Krabbenpulen. Es gibt eine wunderschöne Welle, von Max Pechstein gemalt, und viele spektakuläre Helgoland-Ansichten, unter anderem von Walter Leistikow, Franz Radziwill und Andreas Achenbach.

Doch die meisten Bilder im Altonaer Museum stammen von Künstlern, die keine akademische Ausbildung durchlaufen haben: Sie malten die Bilder auf Schränke und Kacheln, ritzten sie in gläserne Salzgefäße und in Pottwalzähne. Gerade für diese Volkskunst lohnt sich ein Besuch des Museums.

Im ZEIT-Museumsführer stellen wir Ihnen jede Woche eines der schönsten Museen Deutschlands vor. Um alle bisher veröffentlichten Museumsführer der ZEIT aufzurufen, klicken Sie bitte auf das Bild © Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Etwa die dramatischen Szenen vom Walfang, die ein unbekannter Matrose mit einfachem, aber gekonntem Strich in den Pottwalzahn geritzt hat: Der Riesenfisch bläst eine Wasserfontäne aus und steigt aus den Wellen, gefährlich nahe den Walfängern in ihrem winzigen Ruderboot, das zu kentern droht.

Miniaturen wie diese werden in demselben Saal gezeigt, in dem auch ein gutes Dutzend Galionsfiguren aufgestellt sind: bemalte Holzskulpturen, die wie die Walfischzähne viel über die Wünsche und Ängste der Seeleute erzählen, die manchmal für Monate auf hohe See gingen, um Fracht von einem Ort zum anderen zu bringen, um unbekannte Gebiete zu entdecken oder mit Kanonen zu erobern. Und so zeigen mehrere der lebensgroßen Figuren – die Galionsfiguren sollten vor Unglück schützen und den richtigen Weg weisen – siegreiche Admirale und erfolgreiche Kapitäne.