Psychologie Macht und Mitgefühl

Wenige haben sie, alle wollen sie. Nie war es schwieriger als heute, Autorität zu erlangen – und sie zu behalten.

Charismatiker Pierluigi Collina: Sechsmal Weltschiedsrichter des Jahres, heute Chef des Uefa Referees Committee

Charismatiker Pierluigi Collina: Sechsmal Weltschiedsrichter des Jahres, heute Chef des Uefa Referees Committee

Wie bleibt in der Hierarchie oben, wer oben ist? Durch »soziale Intelligenz und psychologisches Geschick«, sagt Robert M. Sapolsky. Der Professor aus Stanford hat Aufstieg und Fall vieler autoritärer Charaktere erlebt. Salomon, Nebukadnezar und wie sie alle hießen. »Um seine Autorität und damit seine Macht zu festigen, muss der Chef wissen, mit wem er Koalitionen schmieden sollte. Und von wem er sich besser fernhält.«

So beschreibt der Forscher das Erfolgsgeheimnis der Führungspersönlichkeiten, die er genauestens beobachtet hat. Ein besonders wichtiges Element sei auch die Impulskontrolle: »Den anderen einfach ignorieren, wenn die Angelegenheit nicht wirklich wichtig ist – auch das schafft Autorität.«

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Sapolsky ist Neurobiologe. Und seine Einsichten ins Wesen der Autorität erlangte er in Kenia, bei einer Pavianhorde. Der Forscher hat es nicht beim distanzierten Beobachten belassen, sondern wurde über die Jahre ein anerkanntes Mitglied der Affenbande. In seiner Autobiografie Mein Leben als Pavian schildert er ihre Machtspiele und die Rollenverteilung über viele Affengenerationen hinweg – Buddenbrooks für Primatologen.

Die Paviane Salomon, Nebukadnezar, Deborah, Naomi und Aaron haben Sapolsky die Augen für wiederkehrende Verhaltensmuster geöffnet. Denn wie alle sozialen Wesen müssen auch die Affen eine Hackordnung festlegen. Und wer nach oben kommen will, braucht vor allem eines: Autorität.

Doch was ist die Basis dieser geheimnisvollen Eigenschaft? Wer verfügt über Autorität? Und wie erlangt man sie? Diese Fragen stellen sich nicht nur in der Pavianhorde, sondern ebenso in der Politik, am Familientisch, in der Schule oder auf dem Fußballplatz. Und Antworten sind heute schwieriger zu finden denn je.

Einerseits wünschen sich die Menschen in einer unübersichtlicher werdenden Welt nichts sehnlicher als überzeugende Führungsfiguren, die ihnen Weg und Richtung weisen. Andererseits begegnet der aufgeklärte Bürger spätestens seit 1968 jeder vermeintlichen Autoritätsperson mit grundsätzlichem Misstrauen. Wir wollen an die Hand und zugleich ernst genommen werden, wir wollen Führung und Basisdemokratie – und wundern uns, dass diesem unmöglichen Anspruch so gut wie keine Respektsperson genügen kann.

Autorität ist unter solchen Umständen zu einem schwierigen Spagat geworden. Politiker, Vorstandsvorsitzende oder Lehrer sollen bitte schön Führungsstärke zeigen, aber bloß nicht autoritär daherkommen. Gerne sind wir zur Heldenverehrung bereit (Beispiel Barack Obama), aber wenn der Held nicht umgehend unsere Erwartungen erfüllt, wenn er keinen Erfolg hat, lassen wir ihn bereitwillig fallen. In der modernen Gesellschaft, so scheint es, ist Autorität immer nur vorübergehend und auf Abruf möglich.

Wer Autorität erringen und bewahren möchte, muss viele, manchmal widersprüchliche Anforderungen erfüllen. Da wären zunächst jene reflexhaften Erwartungen, die evolutionsbiologisch in unserem Erbe stecken: Größe, Körperbau und energisches Auftreten beeindrucken den Homo sapiens heute noch ebenso sehr wie in der Steinzeit.

Experimente zeigen, dass wir bei einer Begegnung schon in den ersten Sekundenbruchteilen nach diesen äußeren Autoritätsmerkmalen Ausschau halten. US-Psychologen haben statistisch nachgewiesen, dass große Menschen beruflich erfolgreicher sind und bei Wahlen dynamische Kandidaten bevorzugt werden. Männern verschafft höheres Alter einen Autoritätsbonus, Frauen profitieren von kürzerem Haar. Ebenfalls von Vorteil sind kräftige Stimme und gepflegte Sprache.

Leser-Kommentare
  1. 1. ~ 1109

    Dieser Beitrag leidet unter einer nicht hinterfragten Voraussetzung: Ist Autorität nötig, ist sie gar ratsam für eine sich entwickelnde Gemeinschaft? Diese Frage gewinnt gerade durch die im Text selbst aufgeführten Widersprüchlichkeiten von autoritären Merkmalen und Verhaltensweisen sowie ihrer Konsequenzen an Gewicht. Mehr noch, da bietet sich schon die Frage an, ob man solche "Trainer" gutheißen soll, die allein an Aussehen und Auftreten arbeiten, um eine höhere Autorität jenseits von Kompetenz oder Nützlichkeit als Effekt zu bewirken. Einige Politiker sind doch gerade ein Beispiel dafür, dass der Schein einer natürlichen Autorität eher schädlich für den Erfolg der Gemeinschaft sein kann. Sollte man Autorität nicht als das sehen, was eine frühere ihrer Komponenten, nämlich körperliche Stärke, auch schon ist: ein anachronistisches Überbleibsel, das zu überwinden ist? Autorität hilft weder Arzt noch Politiker oder AKW-Techniker darin, seine Arbeit gut zu tun. So denke ich, dieser Artikel weist in die falsche Richtung.

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    ... ganze Zeit Affen bleiben. Betrachtet man manche Firmenstruktur, manche Strukturen in der Politik, im Militär und in der Kirche, glaubt man sich auf den sprichwörtlichen Affenfelsen versetzt.
    Und man muss natürlich manches auf die Füße stellen: Der "Silberrücken", der Alpha-Gorilla, hat nicht etwa seine weißen Haare, um seinen Status als Chef zu dokumentieren - nein, er ist im Stress und kriegt deshalb graue Haare, weil er sich dauernd Sorgen macht, Chef zu bleiben ...

    ... ganze Zeit Affen bleiben. Betrachtet man manche Firmenstruktur, manche Strukturen in der Politik, im Militär und in der Kirche, glaubt man sich auf den sprichwörtlichen Affenfelsen versetzt.
    Und man muss natürlich manches auf die Füße stellen: Der "Silberrücken", der Alpha-Gorilla, hat nicht etwa seine weißen Haare, um seinen Status als Chef zu dokumentieren - nein, er ist im Stress und kriegt deshalb graue Haare, weil er sich dauernd Sorgen macht, Chef zu bleiben ...

  2. "Nie war es schwieriger als heute, Autorität zu erlangen" auch irgendwelche sinnvollen Hinweise oder Belege?

  3. Alles drängt sich bei Gruppenfotos um die Kanzlerin ..., gerade so, als ob deren Glanz auf einen selbst abfärben würde.

    Die Damen und Herren, die um die Kanzlerin Merkel herumschwirren und sich da in die Nähe des Mittelpunktes stellen würden, sind für mich arme Würstchen. So hat zum Beispiel auch Herbert Grönemeyer ausgeschlossen sich jemals mit der Kanzlerin zu treffen. Wahrscheinlich fürchtete er auch (zurecht) dass man ihn zu einem unglaubwürdigen Zirkusclown abstempeln würde. Es kann also auch das Wischi- Waschi, das Intrigenhafte, der Machterhalt auf Teufel komm raus, selbst wenn das Schiff schon untergeht, vernünftige Menschen davon abhalten, sich "Autoritäten" zu nähern um nicht in den Sog des Strudels zu geraten. Sehr interessant fand ich die Verbannung des Darmstädter Bürgermeisters in weite Ferne von Wulff. Allerdings vermute ich, dass Künstler Grönemeyer sich auch meilenweit von Wulff wegsetzen und ihn per Bodyguard von einer Annäherung abhalten würde. Wo Wulff auftaucht, wird der beste Wein sofort und irreversibel in Wasser verwandelt. Und das will man ja auch nicht immer...

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    Und der einzige, jedenfalls scheinbar, der noch Autorität hat bzw. davon noch mehr erlangt hat ist unser so eleganter Verteidigungsminister; wie Sie in einem überlangen Artikel auf der Sartseite lesen können.

    Weitere Komentarmöglichkeiten erspare ich mir denn sonst wird mir meine Meinungsfreiheit von der ONLINE-Reaktion gestrichen!

    Und der einzige, jedenfalls scheinbar, der noch Autorität hat bzw. davon noch mehr erlangt hat ist unser so eleganter Verteidigungsminister; wie Sie in einem überlangen Artikel auf der Sartseite lesen können.

    Weitere Komentarmöglichkeiten erspare ich mir denn sonst wird mir meine Meinungsfreiheit von der ONLINE-Reaktion gestrichen!

  4. ... ganze Zeit Affen bleiben. Betrachtet man manche Firmenstruktur, manche Strukturen in der Politik, im Militär und in der Kirche, glaubt man sich auf den sprichwörtlichen Affenfelsen versetzt.
    Und man muss natürlich manches auf die Füße stellen: Der "Silberrücken", der Alpha-Gorilla, hat nicht etwa seine weißen Haare, um seinen Status als Chef zu dokumentieren - nein, er ist im Stress und kriegt deshalb graue Haare, weil er sich dauernd Sorgen macht, Chef zu bleiben ...

    Antwort auf "~ 1109"
  5. Und der einzige, jedenfalls scheinbar, der noch Autorität hat bzw. davon noch mehr erlangt hat ist unser so eleganter Verteidigungsminister; wie Sie in einem überlangen Artikel auf der Sartseite lesen können.

    Weitere Komentarmöglichkeiten erspare ich mir denn sonst wird mir meine Meinungsfreiheit von der ONLINE-Reaktion gestrichen!

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    wieder in die Nähe des Herrn Wullf, falls er sich da aufhalten möchte und keine Angst vor Ansteckung hat und setze den Bürgermeister von Duisburg in weite Ferne, so daß er nicht auf einem Bild zusammen mit Christian Wulff und seiner Frau Bettina erscheinen muss. Vielen Dank für Ihren Hinweis @DetlefVolmert ! Wollten Sie eigentlich mit Merkel zusammen abgebildet werden, meinetwegen gegen Honorar und Aufwandsentschädigung?

    wieder in die Nähe des Herrn Wullf, falls er sich da aufhalten möchte und keine Angst vor Ansteckung hat und setze den Bürgermeister von Duisburg in weite Ferne, so daß er nicht auf einem Bild zusammen mit Christian Wulff und seiner Frau Bettina erscheinen muss. Vielen Dank für Ihren Hinweis @DetlefVolmert ! Wollten Sie eigentlich mit Merkel zusammen abgebildet werden, meinetwegen gegen Honorar und Aufwandsentschädigung?

  6. wieder in die Nähe des Herrn Wullf, falls er sich da aufhalten möchte und keine Angst vor Ansteckung hat und setze den Bürgermeister von Duisburg in weite Ferne, so daß er nicht auf einem Bild zusammen mit Christian Wulff und seiner Frau Bettina erscheinen muss. Vielen Dank für Ihren Hinweis @DetlefVolmert ! Wollten Sie eigentlich mit Merkel zusammen abgebildet werden, meinetwegen gegen Honorar und Aufwandsentschädigung?

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    dann nur zur Abdankung sozusagen a.d. !!!!!!!!!!!

    dann nur zur Abdankung sozusagen a.d. !!!!!!!!!!!

  7. dann nur zur Abdankung sozusagen a.d. !!!!!!!!!!!

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    allerdings aus meienm schmalen Salär selbst entrichten.

    allerdings aus meienm schmalen Salär selbst entrichten.

  8. allerdings aus meienm schmalen Salär selbst entrichten.

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