BundeswehrProfis ohne Mission

Was ist die Aufgabe der Bundeswehr von morgen? Die geplante Reform der Streitkräfte führt in die Irre.

Deutsche Soldaten in der afghanischen Stadt Faisabad

Deutsche Soldaten in der afghanischen Stadt Faisabad

Die Bundeswehr im Jahr 2015 hätte, folgt man den aktuellen Plänen der Regierung und ihres Verteidigungsministers, den Charakter einer militärisch hoch professionellen Berufsarmee. Ihre Soldaten könnten mit modernen Transportflugzeugen und Helikoptern schnell verlegt werden. Ihre Kampfhubschrauber und Drohnen sorgten für Luftunterstützung. Ihre kleinen gepanzerten Einheiten wären für den asymmetrischen Guerillakrieg mit Fahrzeugen gerüstet, die gegen Minen und Sprengfallen geschützt sind. Und doch wäre die Bundeswehr, wenn es so käme, nicht einsetzbar. Denn die geplante Reform führt geradewegs in ein militärpolitisches Desaster.

Der Autor

Thomas Speckmann lehrt am Institut für  Politische Wissenschaft und Soziologie der  Universität Bonn

Während sich Deutschland gerade entschließt, eine Interventionsarmee zu schaffen, die Auslandseinsätze auch über lange Zeiträume hinweg durchstehen kann, sind ebendiese im neuen strategischen Konzept der Nato kaum mehr vorgesehen. Führende Militärexperten des Nordatlantischen Bündnisses gehen davon aus, dass sich die Allianz nach den traumatischen Erfahrungen in Afghanistan in den kommenden Jahren von einem globalen Akteur zu einem klassischen Verteidigungsbündnis zurückentwickeln wird. Der Forschungsdirektor des Nato Defense College in Rom, Karl-Heinz Kamp, hat die Lage in der FAZ auf den Punkt gebracht: »Keines der Nato-Mitgliedsländer wird künftig noch Illusionen über den Staatsaufbau in armen und instabilen Weltregionen haben.« Die Bereitschaft zum Nation-Building in Krisengebieten nehme dramatisch ab. Selbst Bilder von Gräueltaten, etwa im Kongo oder Sudan, dürften daran wenig ändern. Stattdessen werde die Einsicht der Bündnispartner den künftigen Kurs prägen, dass die eigenen Mittel und Möglichkeiten begrenzt seien.

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Diese Schlussfolgerungen macht sich derzeit auch das Nato-Hauptquartier in Brüssel zu eigen. Man habe am Hindukusch begriffen, heißt es dort, dass die Nato weder für den Wiederaufbau von gescheiterten Staaten noch für Stabilisierungseinsätze geeignet sei. Zwar will das Bündnis auch in Zukunft generell bereit sein, auf Bitten der Vereinten Nationen oder im Zusammenspiel mit der Europäischen Union an internationalen Einsätzen mitzuwirken. Aber mit Afghanistan vergleichbare Missionen soll es auf absehbare Zeit nicht mehr geben. Stattdessen will sich die Nato künftig auf rein militärische Eingriffe zur Verteidigung der Sicherheitsinteressen ihrer Mitglieder beschränken – ohne ziviles Krisenmanagement, wie es die EU betreibt.

Worin bestehen diese Interessen? Wo sind sie gefährdet? Wo dürften die nächsten Einsatzorte der Nato und damit auch der Bundeswehr liegen? Der islamistische Terrorismus gilt zwar weiterhin als eine ernst zu nehmende Gefahr für den Westen. Aber seine Bekämpfung wird bereits heute mehr und mehr in die Hände der Geheimdienste gelegt. Die New York Times berichtete Mitte August, Präsident Barack Obama habe im Verborgenen neue geheimdienstliche Operationen beginnen lassen: verstärkte Drohnenangriffe in Pakistan, Attacken auf Al-Qaida-Mitglieder in Somalia, Kampagnen im Jemen und von Basen in Kenia aus. Die jüngsten Nachrichten über einen Angriff auf deutsche Islamisten in Pakistan weisen in dieselbe Richtung. Die Strategie des verdeckten Krieges soll die konventionellen Armeeeinsätze im Kampf gegen den Terrorismus ablösen. Das Weiße Haus setzt nach Auskunft von Obamas Anti-Terror-Berater John Brennan nun auf das »Skalpell«. Der »Hammer« bleibt künftig im Schrank.

Auf diese Art von Konflikt wird die neue Bundeswehr nicht vorbereitet. Die Einsatzbeschränkungen des Grundgesetzes erlauben keine »Schattenkriege«. Doch selbst da, wo »skalpellartige« Operationen im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten liegen, wie bei der Befreiung deutscher Geiseln im Ausland, werden auch zukünftig große Defizite in der Ausrüstung bleiben. Bei der geplanten und schließlich abgebrochenen GSG-9-Befreiungsoperation für die Besatzung des von somalischen Piraten gekaperten deutschen Containerschiffs Hansa Stavanger im vergangenen Jahr konnte die Marine keinen Hubschrauberträger zur Verfügung stellen, da Deutschland kein Schiff dieses Typs besitzt und in nächster Zeit auch nicht besitzen wird. Zwar heißt es im Weißbuch der Großen Koalition von 2006, »die Sicherheitspolitik Deutschlands wird von dem Ziel geleitet, den freien und ungehinderten Welthandel als Grundlage unseres Wohlstands zu fördern«. Aber in den Plänen für die neue Bundeswehr schlägt sich diese Zielsetzung nicht nieder. Im Gegenteil: Die Marine, unerlässlich für die Sicherung der für Deutschland als Exportmacht so wichtigen Seewege, soll große Teile ihrer Flotte verlieren. Sechs der bislang zehn U-Boote sind bereits seit Juni außer Dienst gestellt. Acht Fregatten, zehn Schnellboote und 21 Hubschrauber sollen folgen; statt vier sollen nur noch drei neue Fregatten bestellt werden. Als Ersatz für die sechs stillgelegten alten U-Boote befinden sich lediglich zwei moderne Einheiten im Bau.

Leserkommentare
  1. eine vom Autor angedachte Trägergruppe politisch durchzusetzen. Zu diesem Zwecke müsste wieder eine Koalition von SPD und Grünen antreten. Nur die Grünen könnten von dem vollständig defensiven Charakter einer Trägergruppe politisch überzeugen. Symbolträchtig würden die Grünen den 1. Deutschen Flugzeugträger nach dem 2. Weltkrieg dann "Käthe Kollwitz" taufen.

  2. "Ich schliesse mich der Meinung meines grossen Vorbildes Helmuth Schmidt an, der klar analysiert hat, dass der Umbau der Bundeswehr eine politische Strategie vorrausgehen muss. Was für Aufgaben soll die Bundeswehr erfüllen? Ist diese neue Strategie durch das Grundgesetz gedeckt? Erst wenn diese Fragen klar politisch definiert sind, kann eine Umstrukturierung der Bundeswehr erfolgen."

    In diesem Land werden durch einen kleinen Circel zunächst die Ziele der Militärstrategie in Hinterzimmern festgezurrt, dann werden die Parteien instrumentalisiert und schließlich das Grungesetz angepasst oder das Grungesetz wird ignoriert durch absurde dem Geist der Verfassung widersprechende Umdeutung.

    • cvnde
    • 10.10.2010 um 12:27 Uhr

    Welche Experten hier mal wieder kommentieren.
    Scheint mal wieder eine Vollversammlung des Darmstädter Signals zu sein.

    Aber zur Sache:
    1. Deutschland braucht endlich eine Gesamstrategie für seine Streitkräfte.

    2. Die Bundeswehr und somit der Verteidigungs-Etat darf nicht die Spardose für miserable Haushaltsführung bleiben.

    3. Die Ausrüstung der Bundeswehr muss an ihren Aufgaben oriebtiert sein.

    4. Alle Minderwertigkeitskonflikte und Gejammere von wegen man sei doch eh "viel zu schwach" sind grundsätzlich zu unterbleiben.

    5. Irgendwelche Phantastereien von wegen einem Nuklearkrieg auf See könnte man auch erstmal einpacken.
    Wenn die Marine der PLA so toll wäre, dann wäre sie längst auf Taiwan, sie haben es in 60 Jahren nicht geschafft.
    Natürlich ist auch ein Krieg gegen China in entsprechender "Force Ratio" gewinnbar.
    Auch ohne den Einsatz von ABC-Waffen.

    Eine Leserempfehlung
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    Genau,Sie haben mir mit Ihrem Kommentar deutlich vor Augen geführt, wie gefährlich eine Berufsarmee für Deutschland ist. Der nächste Schritt wäre aus der Parlamentsarmee eine Kanzleramtsarmee zu machen. An diesem undemokratischen Ziel würden die Grünen sicherlich mitarbeiten bzw. sie wühlen ja schon an den Fundamenten.

    Genau,Sie haben mir mit Ihrem Kommentar deutlich vor Augen geführt, wie gefährlich eine Berufsarmee für Deutschland ist. Der nächste Schritt wäre aus der Parlamentsarmee eine Kanzleramtsarmee zu machen. An diesem undemokratischen Ziel würden die Grünen sicherlich mitarbeiten bzw. sie wühlen ja schon an den Fundamenten.

  3. Genau,Sie haben mir mit Ihrem Kommentar deutlich vor Augen geführt, wie gefährlich eine Berufsarmee für Deutschland ist. Der nächste Schritt wäre aus der Parlamentsarmee eine Kanzleramtsarmee zu machen. An diesem undemokratischen Ziel würden die Grünen sicherlich mitarbeiten bzw. sie wühlen ja schon an den Fundamenten.

    Antwort auf "Weia Weia...."
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    • cvnde
    • 10.10.2010 um 14:13 Uhr

    das sieht mal mal wieder das Clausewitz nicht gelesen wird.

    Es ist mittlerweile nur noch peinlich und beschämend wie die größte Wirtschaftsmacht in europa rumeiert wenn es um außenpolitische Sicherheit und ihre Interessen geht.

    Das problem an sich ist doch und darum geht es, dass man auf der Hardthöhe bzw. im Kanzleramt nicht weiss was man will.

    Frau Merkel, wie auch ihre beiden Amtsvorgänger, ist in Frage der westlich Allianz nur an netten Phototerminen interessiert und an netten Frillfesten mit zweitklassigen Politikern, die zufällig gerade im Ovaloffice sitzen oder sonst wo.
    Welche aber auch nicht wissen was sie eigentlich wollen und wie sie es erreichen könnte.

    Was wäre eigentlich so schlimm daran richtige Kriegsschiffe zu bauen?
    Die Briten und Franzosen basteln da ale paar Jahre dran.
    Warum will sich deutschland eigentlich keine schweren Schiffe leisten um seine Interesse zu schützen?

    Warum weren imer gleich Kriegsängste heraufbeschworen?

    • cvnde
    • 10.10.2010 um 14:13 Uhr

    das sieht mal mal wieder das Clausewitz nicht gelesen wird.

    Es ist mittlerweile nur noch peinlich und beschämend wie die größte Wirtschaftsmacht in europa rumeiert wenn es um außenpolitische Sicherheit und ihre Interessen geht.

    Das problem an sich ist doch und darum geht es, dass man auf der Hardthöhe bzw. im Kanzleramt nicht weiss was man will.

    Frau Merkel, wie auch ihre beiden Amtsvorgänger, ist in Frage der westlich Allianz nur an netten Phototerminen interessiert und an netten Frillfesten mit zweitklassigen Politikern, die zufällig gerade im Ovaloffice sitzen oder sonst wo.
    Welche aber auch nicht wissen was sie eigentlich wollen und wie sie es erreichen könnte.

    Was wäre eigentlich so schlimm daran richtige Kriegsschiffe zu bauen?
    Die Briten und Franzosen basteln da ale paar Jahre dran.
    Warum will sich deutschland eigentlich keine schweren Schiffe leisten um seine Interesse zu schützen?

    Warum weren imer gleich Kriegsängste heraufbeschworen?

  4. Der letzte Satz war vor allem gut:
    Nur im Kalten Krieg, war die Bundeswehr adäquat organisiert und bewaffnet, aber mußte zum Glück nicht kämpfen, um es zu beweisen.
    Heute ist die Bundeswehr ein Torso, bedingt durch X-Reorganisierungen seit 20 Jahren durch das Parlament.
    International trägt sie den wenig ehrenvollen Titel:"Die Kuchenfresserarmee"!
    Sie ist ganz im Sinn der Sieger des WK2 oder wie es Winston Churchill es ehrlich ausdrückte:
    Deutschland soll fett, aber impotent sein/werden.
    Wenn die CDU-Guttenberg-Regierung die Bundeswehr jetzt in ihrer bestehenden Torsoform abwrackt, dann bleiben nur noch Beamte in diesem neuen-alten Haufen, der ein Mittleres Alter von 50 Jahren erreichen wird und weder kampffähig, geschweige kriegsfähig zu sein.
    "Deutschland schafft sich ab!" ist die Wahrheit, die Sarrazin auch hier bei der Guttenberg-Reform getrost anbringen kann.

    • Dray
    • 10.10.2010 um 13:52 Uhr

    Ich stimme ihrer Einschätzung bis auf den letzten Absatz zu. Der Afghanistan-Krieg war nicht verfassungswidrig, das wird sich in der Historie auch nicht ändern, weil es eine rechtliche und keine politische Frage ist.
    Wenn man sich über einen Krieg aufregen will, dann wohl über den Kosovokrieg, der war noch nicht mal vom Weltsicherheitsrat sanktioniert.

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    • cvnde
    • 10.10.2010 um 14:16 Uhr

    war aber im deutschen Interesse, weil wir nicht wieder 100.000de Flüchtlinge aufnehmen hätte können wie aus Bosnien.

    Somit kann man die Sache in Kosovo schon als einen indirekten Angriff auf Deutschland und die EU werten.

    • cvnde
    • 10.10.2010 um 14:16 Uhr

    war aber im deutschen Interesse, weil wir nicht wieder 100.000de Flüchtlinge aufnehmen hätte können wie aus Bosnien.

    Somit kann man die Sache in Kosovo schon als einen indirekten Angriff auf Deutschland und die EU werten.

    • cvnde
    • 10.10.2010 um 14:13 Uhr
    15. Tja...

    das sieht mal mal wieder das Clausewitz nicht gelesen wird.

    Es ist mittlerweile nur noch peinlich und beschämend wie die größte Wirtschaftsmacht in europa rumeiert wenn es um außenpolitische Sicherheit und ihre Interessen geht.

    Das problem an sich ist doch und darum geht es, dass man auf der Hardthöhe bzw. im Kanzleramt nicht weiss was man will.

    Frau Merkel, wie auch ihre beiden Amtsvorgänger, ist in Frage der westlich Allianz nur an netten Phototerminen interessiert und an netten Frillfesten mit zweitklassigen Politikern, die zufällig gerade im Ovaloffice sitzen oder sonst wo.
    Welche aber auch nicht wissen was sie eigentlich wollen und wie sie es erreichen könnte.

    Was wäre eigentlich so schlimm daran richtige Kriegsschiffe zu bauen?
    Die Briten und Franzosen basteln da ale paar Jahre dran.
    Warum will sich deutschland eigentlich keine schweren Schiffe leisten um seine Interesse zu schützen?

    Warum weren imer gleich Kriegsängste heraufbeschworen?

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Wehrpflichtarmee"
    • cvnde
    • 10.10.2010 um 14:16 Uhr

    war aber im deutschen Interesse, weil wir nicht wieder 100.000de Flüchtlinge aufnehmen hätte können wie aus Bosnien.

    Somit kann man die Sache in Kosovo schon als einen indirekten Angriff auf Deutschland und die EU werten.

    Antwort auf "Zustimmung"
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    • Dray
    • 21.10.2010 um 16:54 Uhr

    Ich halte es für sehr fraglich aus einem Interesse einen Angriff zu konstruieren. Politisch kann man geteilter Meinung sein, rechtlich war der Kosovo-Krieg denke ich nicht deswegen gerechtfertig weil Flüchtlinge gekommen wären. Allerhöchstens könnte man darüber nachdenken ob der Frieden nicht schon gestört war und damit keine Friedensstörung iSd Art. 26 GG mehr eintreten konnte durch den Angriff.

    • Dray
    • 21.10.2010 um 16:54 Uhr

    Ich halte es für sehr fraglich aus einem Interesse einen Angriff zu konstruieren. Politisch kann man geteilter Meinung sein, rechtlich war der Kosovo-Krieg denke ich nicht deswegen gerechtfertig weil Flüchtlinge gekommen wären. Allerhöchstens könnte man darüber nachdenken ob der Frieden nicht schon gestört war und damit keine Friedensstörung iSd Art. 26 GG mehr eintreten konnte durch den Angriff.

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