Naturschutz Pflanzlich, aber schädlich
Palmöl steckt in Bio-Diesel und vielen Lebensmitteln. Doch nun ist der Rohstoff in Verruf geraten und wird von mehr und mehr Unternehmen gemieden.
Das YouTube-Video ist starker Tobak: Ein ermüdeter Büroangestellter sitzt am Papierzerkleinerer und vernichtet ein Dokument nach dem anderen. »Have a break?«, fragt eine Stimme aus dem Off. Dankend für die Idee, nimmt der junge Mann ein KitKat und bricht davon einen Riegel ab. Aber der Riegel entpuppt sich als behaarter Finger eines Orang-Utans. Unbeirrt von den entsetzten Reaktionen seiner Arbeitskollegen, beißt nun der Mann in den Knochen, Blut tropft sein Kinn herunter, auf die Tastatur. Im Hintergrund ertönt das Geräusch von Kettensägen. Dann endlich ist der Betrachter erlöst, und es folgt der Text: »Give the Orang Utan a break.« Und: »Nestlé, kein Palmöl aus Urwaldzerstörung.«
Die Umweltorganisation Greenpeace macht mit diesem Schockvideo seit einiger Zeit auf eine Katastrophe aufmerksam, die sich weit weg von uns in den Urwäldern Indonesiens abspielt. Dort und in Malaysia werden seit Jahren große Flächen an Regenwäldern gerodet, um Platz für Ölpalmen zu schaffen. Allein in Indonesien sollen seit den 1950er Jahren 74 Millionen Hektar Wald verloren gegangen sein – das entspricht einer Fläche zweimal so groß wie Deutschland. Das Geschäft ist doppelt lukrativ: Zuerst kann das Tropenholz profitabel verkauft werden, später ist es der Anbau von Ölpalmen, der die Kassen von Regierung und Plantagenbesitzern füllt.
Das Öl der Palme Elaeis guineensis ist mittlerweile ein wertvoller Rohstoff – die Nachfrage steigt, in den vergangenen Jahren im Schnitt um rund 15 Prozent jährlich. Die Welternährungsorganisation FAO schätzt, dass sich die globale Nachfrage im Vergleich zum Jahr 2000 bis 2030 verdoppeln, bis 2050 sogar verdreifachen wird. Hauptanbauländer sind mit 85 bis 90 Prozent Malaysia und Indonesien. Kolumbien, Nigeria und Thailand verfügen über kleinere Anbauflächen. Derzeit gibt es in Indonesien rund 7 Millionen Hektar Ölpalmplantagen. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Plantagenfläche fast verzehnfacht.
Ein Antreiber für diese Expansion ist die Nachfrage nach Biosprit. So dient Palmöl als Zusatz zu Bio-Diesel und treibt etwa in verschiedenen deutschen Städten Busse an. Allerdings werden nur 5 Prozent der Weltproduktion in dieser Branche verbraucht. Der Löwenanteil, nämlich 90 Prozent, steckt in Lebensmitteln. Ein Hauptabnehmer neben Europa ist Asien. Und dort gilt es, immer mehr Menschen mit Nahrung zu versorgen. Palmöl ist Zutat von Fertigprodukten wie Tiefkühlpizza, Keksen, Backmischungen, Suppen und Saucen. Mengenmäßig findet man am meisten in Margarine.
Weil es bei einer Temperatur von 30 bis 38 Grad schmilzt und dadurch ein angenehmes Mundgefühl vermittelt, wird es zudem in Schokoladenfüllungen verwendet. Wo Palmöl konkret drinsteckt, ist jedoch schwer zu sagen, weil es nicht explizit auf der Packung stehen muss. Meist verbirgt sich der in Misskredit geratene Rohstoff hinter der Formulierung: »Pflanzliches Fett« oder »Pflanzliches Öl«. Experten des World Wide Fund for Nature (WWF) schätzen, dass die Hälfte aller Lebensmittel im hiesigen Supermarkt Palmöl enthalten.
Auch in die Rezeptur von Kosmetika und Hygieneprodukten gehört immer öfter Palmöl. Rund 5 Prozent der Weltproduktion fließen in diese Branche. Waschmitteltenside hat man früher aus Erdöl gewonnen, nun setzt man vielfach auf den »nachwachsenden Rohstoff« Palmkernöl. Im Jahr 2008 wurden 43 Millionen Tonnen Palm- und Palmkernöl erzeugt, momentan sollen es circa 45 Millionen Tonnen pro Jahr sein. Der niederländische Global Player Unilever, der etwa die Marken Dove, Sunil und Becel innehat, ist mit jährlich 1,6 Millionen Tonnen respektive drei Prozent vom Weltmarkt der Hauptabnehmer von Palmöl. Nestlé verbraucht jährlich 320.000, beim Waschmittelproduzenten Henkel sind es 100.000 Tonnen.
- Datum 08.10.2010 - 13:22 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 07.10.2010 Nr. 41
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ist das "vernetzte Denken." Wir denken linear mit Tunnelblick.
Letztendlich werden wir feststellen:
Bei allem was wir tun ,werden wir Raubbau betreiben.Raubbau am Menschen ,an Tieren an der Natur.Die Forschung und die Wissenschaft haben viel geleistet.Sie ermöglichen uns ein langes,gut ausgestattetes Leben.Doch die Unterhaltungskosten für die vielen Milliarden Menschen fordern ihren Tribut.Den zahlen die,die nicht in der Lage sind sich zu wehren.Das sind die Naturvölker,die Tierwelt insgesamt,die Natur.Es gab eine Zeit da war man der Auffassung das wir unsere Natur nicht brauchen.Sie war uns im Weg.Auen wurden trockengelegt,alte Obstbaumbestände fielen der Axt zum Opfer.Es wurde zubetoniert was zubetoniert werden konnte.Die letzte Spinne wurde noch mit Insektizit getötet.Wir brauchten die Natur nicht,sie mußte unserer Entfaltung weichen.Und was ist der aktuelle Stand?Mittlerweile ist den meisten Menschen klar das wir nur mit der Natur eine Überlebenschance haben.Das ist in der heutigen Entwicklungsphase des Menschen jedoch schwierig da jeder den gleichen Wohlstand wie sein Nachbar fordert.Die Erde hat jedoch nur begrenzten Raum zur Verfügung.Und mit der Erderwärmung und den einhergehenden Problemen sind auch die natürlichen und biologischen Möglichkeiten begrenzt.Letztendlich werden wir nur dann eine Chance auf die Zukunft haben wenn wir begreifen das die Wegwerfgesellschaft in eine verantwortungsvolle sparsame und nachdenklich handelnde neue Generation gewandelt wird.
... "Home" bei Google eingeben. Hr. Bertrand versucht schon seit Jahren(!) auf derartige Probleme aufmerksam zu machen, wobei Palmöl im übrigen nicht der einzige "Rohstoff" ist, der solche Schwierigkeiten verursacht.
Ein schönes Beispiel wie schädlich derartige durch den Menschen geschaffenen "Monokulturen" sind und durch "kurzsichtige" Verbraucher auch noch gefördert werden.
sind es die Maisfelder.
sind es die Maisfelder.
der Zeit-Online-Redaktion sich einem solchen Thema anzunehmen!
Was mindest genauso wichtig ist, wie die Primärwaldzerstörung durch Palmöl, ist die Zerstörung durch die Papierindustrie.
Natürlich ist der Zuckeranbauboom den anderen beiden Produkten ebenbürtig!
sind es die Maisfelder.
...wenn wir schonmal bei Palmöl und Schokolade sind dann kann man auch gleich mal sich folgendes ansehen. Die Natur spielt dabei aber eher eine Sekundäre Rolle.
http://www.ardmediathek.d...
sind 70 Mill. km², was mehr als dem der 35fachen der Gesamtfläche Indonesiens entspricht. Ein Prozent davon, also 70 Millionen ha wären eine realistische Größe (fast 2 mal die Fläche Deutschlands s.o..
Es geht auch anders - die Produktion von Palmöl kann Mensch und Natur vor Ort durchaus nützlich sein! Zum Beispiel, wenn man hilft, das Verrotten der empfindlichen Früchte und Qualitätsverluste auf langen Transportwegen zu verhindern, indem man Mühlen in der Nähe von Kleinbauernpflanzungen baut und betreibt. Zusätzlich hilft das den Kleinbauern, bessere Preise zu erzielen und sich aus der Abhängigkeit von Mühlen zu lösen, die den Besitzern großer Plantagen gehören. In der deutschen ecocap bio commodities AG (www.ecocap.eu) haben sich engagierte Menschen zusammengeschlossen und mit eigenem Geld und Engagement viel versprechende Projekte in die Wege geleitet. Ziel ist durchaus, Geld zu verdienen, aber eben nicht auf Kosten von Mensch und Natur vor Ort, sondern im Einklang damit bzw. mit positivem Effekt für alle Beteiligten. Weitere strategische Investoren aus der Nahrungs- und Kosmetikindustrie sind ausdrücklich eingeladen, sich hier ein schönes, wirklich sinnvolles und damit auch PR-trächtiges Engagement aufzubauen.
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