"Bis auf Weiteres habe ich kein Verlangen danach, ins Studio zu gehen, um meine Solokarriere fortzusetzen", sagt Robbie Williams © Julian Broad

ZEITmagazin: Herr Williams, Sie sind seit zwanzig Jahren im Musikgeschäft. Sind Sie in dieser Zeit erwachsen geworden?

Robbie Williams: Nein, um Gottes willen! Ich bin nicht erwachsen und werde es in diesem Leben auch nicht mehr. Ich bin 36 Jahre alt und habe mir in dieser Woche ein Paar Rollschuhe gekauft. Damit bin ich dann im Hydepark Rollschuh gelaufen. So was habe ich nicht mehr getan, seit ich 21 war. Aber dummerweise ist mein Rücken erwachsen geworden, die Schmerzen waren groß. Was ich sagen will, ist: Ich würde gerne wie verrückt auf Rollschuhen herumsausen, aber es geht nicht, weil mein Körper nicht mehr mitmacht. Mein Rücken, meine Knie, überhaupt alle meine Knochen und sogar mein Gesicht sind alt. Nur innen drin bin ich ein Teenager geblieben. Rollschuh laufen werde ich wohl nie wieder.

ZEITmagazin: Haben Sie auch Ihren Lieblingssport Fußball an den Nagel gehängt?

Williams: Im Gegenteil, in letzter Zeit habe ich besonders viel Fußball gespielt, fünfmal die Woche. Eigentlich geht das nicht mehr. Viel zu oft werde ich auf dem Rasen umgenietet, und mein Körper steckt solche Blessuren einfach nicht mehr weg. Wenn ich vernünftig wäre, müsste ich mit Fußball sofort aufhören, aber weil ich diesen Sport über alles liebe und die Mentalität eines Kindes habe, werde ich weiterspielen, bis meine morschen Knochen brechen. Ich werde eben nicht erwachsen.

ZEITmagazin: Wie definieren Sie »erwachsen«?

Williams: (denkt lange nach) Als einen Zustand kompletter Freudlosigkeit. Ich weiß schon, dass erwachsen zu sein bedeutet, dass man Verantwortung für sein Leben und in der Gesellschaft übernimmt. Aber soweit ich es sehe, gibt man für diese Verantwortung viel zu viel Freude und Freiheit auf, und das finde ich wenig verlockend. Emotional wäre ich allerdings gern ein wenig erwachsener, nennen Sie es reifer.

ZEITmagazin: Welche Art von Reife?

Williams: Als Kind regt man sich über kindische Angelegenheiten auf, man trauert und leidet wegen lächerlicher und nichtiger Anlässe. In fortgeschrittenen Jahren immer noch das Gefühlsleben eines Kindes zu haben macht das Leben nicht einfacher. Ich muss lernen, vieles gelassener zu nehmen, mich nicht mehr so schnell über irgendwelchen Quatsch zu ärgern: (imitiert Weinen) »...uuuaah, der Junge hat mich geärgert.« Sensibel zu sein ist kein Vergnügen.

ZEITmagazin: Sie sind nun wieder bei Take That eingestiegen, der Boygroup, mit der Sie berühmt wurden. Wollen Sie wieder ein Teenager sein?

Williams: Diese Entscheidung bedeutet für mich vor allem, und damit sind wir wieder beim Thema Erwachsensein, dass ich tun und lassen kann, was ich will; so wie ein riesiges, verwöhntes Kind. Das ist totaler Luxus, und nicht viele Menschen in meinem Alter genießen solche Freiheit. Ich weiß dieses Privileg absolut zu schätzen, und das ist wichtig. Ich öffne gerade ein neues Kapitel meines Lebens; es muss nur noch geschrieben werden.

ZEITmagazin: Ist das das Ende von Robbie Williams als Solokünstler?

Williams: Alles ist vorstellbar. Meine nächsten achtzehn Monate sind durchorganisiert, und für die Zeit danach habe ich keinen Plan. Ich werde abwarten, wie alles läuft. Bis auf Weiteres habe ich kein Verlangen danach, ins Studio zu gehen, um meine Solokarriere fortzusetzen.