Eine chinesische Bankangestellte in der Provinz Anhui zählt Yuan- und Dollar-Banknoten © STR/AFP/Getty Images

Für eine Stunde wird der Westen noch einmal unter sich sein, wie in den alten Zeiten. Der kanadische Botschafter in Washington hat die Finanzminister und Notenbankchefs aus Europa, Japan und Nordamerika anlässlich der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds an diesem Freitag zum Abendessen geladen. Die Runde wird Gemeinsamkeiten suchen für die Verhandlungen mit den aufstrebenden Wirtschaftsnationen aus Asien und Lateinamerika am Wochenende.

Die Finanzkrise hat die Weltpolitik verändert. Vielseitiger ist sie geworden und komplizierter. Schwellenländer wurden in die globalen Wirtschaftsgremien aufgenommen, die G7 wurde zur G20 ausgebaut. Diese Gemeinschaft hat Banken gerettet, die Konjunktur angekurbelt und die Märkte offen gehalten. Doch nun endet sie offenbar. Im dritten Jahr der Krise ist sich jeder selbst der Nächste.

In den Mittelpunkt der Auseinandersetzung rückt eine ebenso subtile wie effektive Waffe: die eigene Währung. Ob China, Japan oder Südkorea – eine wachsende Zahl von Ländern manipuliert den Wert ihres Geldes, um sich auf dem Weltmarkt Vorteile zu verschaffen. Schon warnt Brasiliens Finanzminister Guido Mantega vor einem »Währungskrieg«.

Der Wettlauf am Devisenmarkt ist Symptom einer fundamentalen Unwucht in der Weltwirtschaft: Bis heute ist nicht geklärt, wo künftig die Güternachfrage herkommen soll.

Vor der großen Krise waren die Verhältnisse klar: Die Amerikaner kauften die überschüssigen Produkte auf, die im Rest der Welt hergestellt wurden. Nun müssen die überschuldeten US-Verbraucher kürzertreten. Und Präsident Barack Obama will die Exporte binnen fünf Jahren verdoppeln.

Beschleunigen ließe sich das, wenn die Währung schwächer würde. Dann wären heimische Produkte im Ausland billiger, und so ist es kein Wunder, dass die Politik Druck macht. Vergangene Woche billigte das Repräsentantenhaus in Washington einen Gesetzesentwurf, der Schutzzölle gegen Länder erlaubt, die ihre Exporte mittels einer »fundamental unterbewerteten Währung« subventionieren. Im Visier der Parlamentarier: China . »Unsere Geduld ist zu Ende«, so der Abgeordnete Dave Camp aus dem Städtchen Midland in Michigan.

Diesseits des Atlantiks würde man etwas dezenter formulieren, aber auch Kanzlerin Angela Merkel ist zunehmend verstimmt über die fernöstliche Währungspolitik . Eine »Beeinflussung von Wechselkursniveaus zur Erlangung von Wettbewerbsvorteilen« sei »problematisch«, sagt Bundesbankvorstand Andreas Dombret.

Chinas Zentralbankchef Zhou Xiaochuan wird sich am Wochenende in Washington kritische Fragen gefallen lassen müssen. Tatsächlich ist sein Land einer der größten Währungsmanipulatoren . Der chinesische Renminbi ist Schätzungen zufolge 20 bis 40 Prozent unterbewertet – auch deshalb ist es den Chinesen möglich, die Weltmärkte mit ihren Waren zu überschwemmen. Im Außenhandel erwirtschaftet das Land einen gewaltigen Überschuss.

Die Finanzmärkte hätten wahrscheinlich längst eine Aufwertung erzwungen – in China genau wie in vielen anderen Boomländern. Allein in diesem Jahr fließen nach Schätzungen des internationalen Bankenverbands IIF 825 Milliarden Dollar aus den reifen Volkswirtschaften in die neuen Märkte. Ein solcher Zustrom an Kapital würde den Wechselkurs normalerweise nach oben treiben.