Am Mittwoch vergangener Woche startete auf dem Digitalkanal ZDF neo die amerikanische Kultserie Mad Men . Die deutschen Fernsehzuschauer bekamen einen Einblick in die Geschäfte, Affären und Intrigen einer New Yorker Werbeagentur im Jahr 1960. Jedenfalls jene Zuschauer, die aufs deutsche Fernsehen angewiesen sind. Die eingefleischten Mad Men- Fans befinden sich dagegen längst im Jahr 1965, in dem die aktuelle vierte Staffel der Serie spielt. Auch deutsche Aficionados sind schon fünf Jahre weiter als der gemeine ZDF-Konsument.

Wie kommt man in Deutschland an aktuelle amerikanische Fernsehware? Übers Internet natürlich. Wer eine US-Kreditkarte hat, kann die Serie für drei Dollar pro Folge in Apples Online-Store kaufen. Im freien Internet ist es ein bisschen schwieriger – amerikanische Anbieter sperren deutsche Computer oft aus Lizenzgründen aus. Aber mit ein bisschen Suchen findet auch der deutsche Surfer seine Quellen und kann die Abenteuer des smarten Machos Don Draper und seiner Kollegen sozusagen in Echtzeit verfolgen. Sogar in hoher Auflösung (HD).

Ebenfalls in der vergangenen Woche kündigten zwei Hersteller Geräte für das neue Google TV an, das es vorerst nur in den USA geben wird. Fernsehen und Internet wachsen zusammen – bei jeder Funkausstellung in den letzten Jahren haben wir diesen Satz gehört. Aber jetzt könnte es tatsächlich so weit sein.

Das Beispiel der Serienfans zeigt, dass das Fernsehen längst auf dem Computer angekommen ist. Es begann 2005 mit ein paar ruckelnden Amateurvideos auf YouTube, inzwischen ist der Computer für viele zum Ersatzfernseher geworden. Zahlreiche in- und ausländische Sender stellen ihr Programm kostenlos als Livestream ins Netz, Dienste wie Zattoo bündeln diese Ströme auf einer Seite – 105 Fernseh- und Rundfunksender hat Zattoo derzeit im Programm. Und viele Sendungen sind nach der Ausstrahlung in den Mediatheken der einzelnen Sender verfügbar.

In der ARD/ZDF-Onlinestudie 2010 gaben knapp 60 Prozent der Befragten an, übers Internet Fernsehsendungen und Videos abzurufen – bei den 9- bis 14-jährigen Kindern waren es fast 100 Prozent. Inzwischen sind mehr als die Hälfte der Daten, die übers Internet transportiert werden, Videobilder. Breitbandleitungen, schnellere Computer und größere Festplatten haben es möglich gemacht, dass sich Bewegtbilder heute problemlos in guter Qualität übertragen lassen.

Wenn also heute noch über die "Konvergenz" von Internet und TV nachgedacht wird, dann geht es vor allem um die andere Richtung: Wie bekomme ich die Bewegtbilder aus dem Netz auf den Fernseher? Technisch ist das überhaupt kein Problem. So wie jeder Computer heute Videos abspielt, so ist auch fast jeder neue Fernseher für den Internetempfang vorbereitet (und einen Computer enthält er obendrein). Die Frage ist: Welche Vorteile könnte Internet auf dem TV-Gerät bringen?

Naheliegend, aber falsch ist das Argument, auf dem Fernseher seien Bild und Ton besser. Moderne Laptops haben inzwischen so viele Pixel wie ein HD-Fernseher. Das individuelle Medienerlebnis ist nicht schlechter, wenn man den Computer auf dem Schoß hat und die Kopfhörer einstöpselt.

Aber es ist eben individuell: Der Computer ist ein Medium für den Einzelnen, der Fernseher zumindest potenziell ein Gerät für den kollektiven Mediengenuss (auch wenn in der traurigen Realität Millionen einsam vor der Flimmerkiste sitzen). In seiner Hochzeit war das Fernsehen das viel beschworene "Lagerfeuer", vor dem sich die Familie allabendlich versammelte. Und am nächsten Tag hatten die Kollegen im Büro oder die Mitschüler dasselbe Programm gesehen.