Hotels unter 100 EuroVerjüngter Jugendstil

Der Kärntnerhof im ersten Bezirk von Wien charmiert seine Gäste mit Gemütlichkeit und Humor. von Rosemarie Noack

Die Innenstadt von Wien

Die Innenstadt von Wien  |  © AyuLIN / photocase.com

Inmitten der verwinkelten Straßen der Wiener Altstadt liegt das Hotel Kärntnerhof so wohlbehütet wie ein Ei im warmen Nest. »Schönlaternengasse«, »Wollzeile«, »Fleischmarkt« steht auf den emaillierten Straßenschildern umliegender Häuser. Eine Fülle schmalbrüstiger Lädchen und eine Reihe namhafter Gasthäuser liegen hier dicht beieinander – historisches Wien-Konzentrat sozusagen.

Zum Stephansdom sind es nur ein paar Schritte und auch zum Postamt, das sich einen Spezialschalter für Sonderbriefmarken leistet.

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Ein Zimmer des Hotels Kärntnerhof

Ein Zimmer des Hotels Kärntnerhof  |  ©Cyrus Saedi für DIE ZEIT

Der Hoteldirektor Wolfgang Krenn, von dem ich wissen möchte, ob er sich genauso schreibe wie Kren (österreichisch für Meerrettich), sagt ganz cool: »Kren mit zwei n, weil ich doppelt so scharf bin.« Dieser Satz überrascht deshalb, weil Herr Krenn ein ansonsten bescheiden zurückhaltender Mann mittleren Alters ist. Wahlwiener seit Jahrzehnten, wandelndes Glossar und nimmermüdes Auskunftsbüro für seine Gäste.

Er sagt, dass die bevorzugte Lage des Kärntnerhofs allein noch kein Erfolgsrezept sei. Die Gäste liebten auch den Charme und die Intimität des Hauses – und den zeitgemäßen Komfort.

Im Kärntnerhof verbindet sich traditionelles Ambiente mit einem erfrischenden Quantum Modernität. Viele der insgesamt 44 Räume sind gerade renoviert worden, heiter und hell, mit Parkettböden, hübschen Tapeten aus belgischen Manufakturen und dicken Stoffrollos in angenehmen Farben.

Kabelloser Internetzugang ist im ganzen Haus – und selbst auf der hübschen Dachterrasse – möglich. In den Kärntnerhof darf man sogar sein Hunderl mitbringen, vorausgesetzt, es weiß sich zu benehmen.

Das Glanzstück des ehemaligen Wohnhauses, das an der Wende zum 20. Jahrhundert entstand, ist ein Aufzug, der etwa zur gleichen Zeit installiert wurde und noch immer wacker Dienst tut. Innen eine mahagonifarbene Schmuckschachtel mit glänzenden Messingstangen, mit Spiegeln und kunstvoll verziertem Glas, außen ein schneeweißes Gittergehäuse mit Jugendstilelementen – so bewegt er sich wie ein großer Vogelkäfig über fünf Stockwerke auf und ab. Dieser Aufzug, gestand ein zutiefst beeindruckter Japaner dem Hoteldirektor, sei für ihn keine geringere Sensation als das Riesenrad im Prater.

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