Zensur Fragen verboten
Wie der Iran Druck auf Journalisten ausübt.
© TIZIANA FABI/AFP/Getty Images

Eine freie Berichterstattung über die vom Tod bedrohte Sakineh Mohammadi Aschtiani ist in Iran nicht möglich (Foto aus Rom)
»Haben Sie Angst?«, fragte der deutsche Journalist seinen iranischen Interviewpartner. »Ja«, antwortete Sajjad, 22, Sohn der zu Steinigung verurteilten Sakineh Mohammadi Aschtiani . »Ich habe Angst, festgenommen zu werden.« Sie befanden sich im Büro von Aschtianis Anwalt in Tabris, einer Stadt im Nordwesten Irans, es war Sonntag gegen 17 Uhr. Sie hatten sich hier nach zweimonatiger Vorbereitung getroffen, um über den Fall von Sajjads Mutter zu sprechen, ebenfalls anwesend waren Aschtianis Anwalt und ein deutscher Fotograf. Minuten später wurden alle festgenommen. So erzählt es die deutsch-iranische Menschenrechtsaktivistin Mina Ahadi, die das Interview arrangiert hatte und per Telefon zugeschaltet war.
Sie sagt, alle Beteiligten seien sich eines gewissen Risikos bewusst gewesen: Die beiden Mitarbeiter einer Sonntagszeitung, die fünf Tage zuvor als Touristen eingereist waren und nicht als Journalisten. Die Iraner, denen es eigentlich verboten war, mit ausländischen Medien zu sprechen. Dennoch haben die vier offensichtlich nicht damit gerechnet, dass sie für dieses Gespräch im Gefängnis landen würden.
Die Festnahme der Deutschen belastet das ohnehin angespannte Verhältnis Berlins zur Islamischen Republik. Angela Merkel pocht auf eine schnelle Freilassung, das Auswärtige Amt hat einen Krisenstab eingesetzt. Die (staatlich kontrollierte) iranische Presse berichtet über den Vorfall, als sei er eine von der Oppositionellen Ahadi eingefädelte Verschwörung.
Der Fall zeigt, wie schwierig es ist, in und über Iran zu berichten. Im Juni 2009 galt das Land noch als Hort der »Twitter Revolution«. Proteste nach der gefälschten Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadineschad wurden über den Kurznachrichtendienst, Blogs und Facebook organisiert, das YouTube-Video der sterbenden Demonstrantin Neda Agha-Soltan machte sie zum Symbol der iranischen Revolution. Es war die Rede von einer mächtigen kritischen Öffentlichkeit, die vielleicht das Regime stürzen könnte. Aber sie konnte es nicht.
Seit Ahmadineschads Wiederwahl im vergangenen Jahr seien über 200 iranische Journalisten und Blogger festgenommen worden, noch mehr seien ins Ausland geflüchtet, berichtet die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen. 14 Zeitungen und Tausende Webseiten wurden seitdem blockiert. Ende September wurde der Blogger Hossein Derakhshan wegen Propaganda gegen die Islamische Republik zu knapp 20 Jahren Haft verurteilt. Er hatte zeitweise in Kanada gelebt und von dort über Iran berichtet, bevor er nach Teheran zurückkehrte. In manchen Texten hatte er die Regierung sogar verteidigt.
Wer als ausländischer Journalist über Iran berichten will, muss ein Visum beantragen, das in den meisten Fällen nicht genehmigt wird. Die iranischen Behörden führen eine Liste, in der die Namen der ausländischen Journalisten sowie ihre Berichte notiert sind. Interviews arrangiert eine staatlich zugelassene Agentur, die auch Dolmetscher, Fahrer und Handys zur Verfügung stellt. Das kostet 150 bis 300 US-Dollar pro Tag.
Wahrscheinlich haben sich die zwei deutschen Journalisten, die nun verhaftet wurden, aus diesen Gründen nicht offiziell angemeldet. Das Problem ist, dass sie durch ihr Verhalten ihre iranischen Gesprächspartner gefährdet haben könnten. Und vielleicht wird es jetzt für andere ausländische Journalisten noch schwieriger, ein Visum zu bekommen.
Maximal zehn ausländische Korrespondenten sind derzeit in Iran stationiert, schätzt der ehemalige ARD-Korrespondent Peter Metzger. Eine von ihnen ist die Spanierin Angeles Espinosa, seit fünf Jahren Iran-Korrespondentin der linksliberalen Zeitung El Pais . Espinosa wurde im Juli in der heiligen Stadt Ghom festgenommen, nachdem sie den Sohn eines verstorbenen regimekritischen Großayatollahs interviewt hatte. »Wir Journalisten dürfen Teheran nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Regierung verlassen. Für dieses Interview hätte ich diese nie bekommen«, sagte sie der tageszeitung . Espinosa wurden der Pass und der Presseausweis abgenommen, am 10. Oktober folgte die Ausweisung: Espinosa muss das Land binnen zwei Wochen verlassen.
- Datum 16.10.2010 - 14:23 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 14.10.2010 Nr. 42
- Kommentare 48
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"Wahrscheinlich haben sich die zwei deutschen Journalisten, die nun verhaftet wurden, aus diesen Gründen von nicht offiziell angemeldet."
Man stellt sich die Frage, ob sie auf eigene Faust oder im Auftrag in den Iran eingereist sind. Ersteres müsste man als komplette Idiotie ansehen, letzteres als quasi kriminellen Akt des Arbeitgebers, der seine Leute und die betroffenen Iraner unkalkulierbaren Risiken aussetzt. Man fragt sich auch, wem soll das nützen? Frau Ashtiani?
Die Zeiten, in denen ein ehemaliger CIA Offizier (Reuel M. Gerecht) auf eigenes Risiko sich im Truck versteckt über die Türkei nach Tabriz einschmuggeln ließ, sind lange vorbei.
Dass ausgerechent die BILD Zeitung seinerzeit Luftaufnahmen von der Bombardierung des Tanklasters auf der Sandbank bei Kunduz veröffentlichte, hatte ich ihr hoch angerechnet. Wahrscheinlich brauchten die jetzt wieder eine Sensation und haben ihre beiden 'Journalisten' (samt Sohn und Anwalt) geopfert.
Na wollen Sie behaupten, dass es den iranischen Journalisten besser geht, wenn Sie versuchen neutral bericht zu erstatten?? Oder haben Sie wieder Beweise, dass es sich bei den beiden Journalisten um Spione gehandelt hat.
Ich verstehe die Reaktion der Medien hierzulande nicht. Das, was beschrieben wird ist reine Repression, die sich seit dem AhmaGHinejad-Putsch 2009 verzehnfacht hat. Fragen Sie sich doch mal, weievie iranische Journalisten in den iranischen Gefängnissen sitzen, weil sie ihre Meinung geäußert haben. Wer im Iran sich kritisch zur Diktatur äußert, riskiert verhaftet und gefoltert zu werden. Ausländische Staatsbürger und Journalisten sind mittlerweile ein beliebtes Zielobjekt für die Mullah-Schurken. Sie werden verhaftet und später gegen hohen Lösegelder freigelassen. Wer freiwillig hinreist, um von dort kritisch zu berichten, handelt auf eigene Faust und darf sich nicht wundern, verhaftet zu werden.
Na wollen Sie behaupten, dass es den iranischen Journalisten besser geht, wenn Sie versuchen neutral bericht zu erstatten?? Oder haben Sie wieder Beweise, dass es sich bei den beiden Journalisten um Spione gehandelt hat.
Ich verstehe die Reaktion der Medien hierzulande nicht. Das, was beschrieben wird ist reine Repression, die sich seit dem AhmaGHinejad-Putsch 2009 verzehnfacht hat. Fragen Sie sich doch mal, weievie iranische Journalisten in den iranischen Gefängnissen sitzen, weil sie ihre Meinung geäußert haben. Wer im Iran sich kritisch zur Diktatur äußert, riskiert verhaftet und gefoltert zu werden. Ausländische Staatsbürger und Journalisten sind mittlerweile ein beliebtes Zielobjekt für die Mullah-Schurken. Sie werden verhaftet und später gegen hohen Lösegelder freigelassen. Wer freiwillig hinreist, um von dort kritisch zu berichten, handelt auf eigene Faust und darf sich nicht wundern, verhaftet zu werden.
Demokratie erringt ein Volk aus eigener Kraft aber nie von Außen, das ist auch ein Problem an dem die Deutschen noch zu nagen haben.
Na wollen Sie behaupten, dass es den iranischen Journalisten besser geht, wenn Sie versuchen neutral bericht zu erstatten?? Oder haben Sie wieder Beweise, dass es sich bei den beiden Journalisten um Spione gehandelt hat.
Ich verstehe die Reaktion der Medien hierzulande nicht. Das, was beschrieben wird ist reine Repression, die sich seit dem AhmaGHinejad-Putsch 2009 verzehnfacht hat. Fragen Sie sich doch mal, weievie iranische Journalisten in den iranischen Gefängnissen sitzen, weil sie ihre Meinung geäußert haben. Wer im Iran sich kritisch zur Diktatur äußert, riskiert verhaftet und gefoltert zu werden. Ausländische Staatsbürger und Journalisten sind mittlerweile ein beliebtes Zielobjekt für die Mullah-Schurken. Sie werden verhaftet und später gegen hohen Lösegelder freigelassen. Wer freiwillig hinreist, um von dort kritisch zu berichten, handelt auf eigene Faust und darf sich nicht wundern, verhaftet zu werden.
Ich bin gerade dabei die Blogs in der Zeit Online mit Ihren Kommentaren durchzugehen.
Ich melde mich sehr bald mit den Resultaten.
Das Ganze und Ihr gestriger Kommentar hat noch ein Nachspiel.
Ich bin gerade dabei die Blogs in der Zeit Online mit Ihren Kommentaren durchzugehen.
Ich melde mich sehr bald mit den Resultaten.
Das Ganze und Ihr gestriger Kommentar hat noch ein Nachspiel.
Ich bin gerade dabei die Blogs in der Zeit Online mit Ihren Kommentaren durchzugehen.
Ich melde mich sehr bald mit den Resultaten.
Das Ganze und Ihr gestriger Kommentar hat noch ein Nachspiel.
"Das Ganze und Ihr gestriger Kommentar hat noch ein Nachspiel."
Bitte bleiben Sie beim Thema. Mit Argumenten erreichen Sie deutlich mehr als mit Drohungen.
Vor einer Meldung bei der iranischen Behörden habe ich übrigens keine Angst!
"Das Ganze und Ihr gestriger Kommentar hat noch ein Nachspiel."
Bitte bleiben Sie beim Thema. Mit Argumenten erreichen Sie deutlich mehr als mit Drohungen.
Vor einer Meldung bei der iranischen Behörden habe ich übrigens keine Angst!
ist es, die Verbindungen nicht sehen zu wollen, wieso und warum das Interview zustande gekommen ist,(Augen auf - steht im obigen Artikel) welches der iranische Geheimdienst gewalttätig - und nicht ohne die Rechtsanwaltspraxis zu verwüsten - ohne jegliche rechtliche Grundlage, durchgeführt hat.
Bis heute sind der Anwalt und der Sohn verschwunden - abgesehen von den Journalisten - insofern erinnert der Überfall eher an die Praxis der faschistischen argentinischen Diktatur, Menschenrechtler spurlos verschwinden zu lassen.
In diesen Zusammenhang über Tanklaster zu "schwadronieren", ist genauso "bescheuert" wie der Hinweis auf Sensationsjournalismus.
Hier küßt jemand durch die Blume die Füße von Ahmadinejad.
Wie schade, das bei Ihrem Kommentar die "Substanz" als auch eine Verbindung zum obigen Artkel kunstvoll verborgen ist.
Geht das bei Ihnen überhaupt bei Ihnen - sich zum Thema zu äußern ?
Und täglich grüßt die Iran-Propaganda in der Zeit. Liebe Redakteure, wie wäre es mal mit einem Bericht über die politischen Gefangenen, die in Saudi-Arabien gefoltert werden.
Zitat Amnesty International:
"Menschenrechtsverteidiger und Regierungskritiker, die sich friedlich für politische Reformen eingesetzt hatten, wurden inhaftiert oder befanden sich nach wie vor in Gewahrsam, darunter auch gewaltlose politische Gefangene. Die Rechte auf freie Meinungsäußerung, Religionsfreiheit, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit blieben stark eingeschränkt(..)Das Strafrechtssystem war weiterhin von Geheimhaltung und Willkür geprägt. Systematische Folterungen und Misshandlungen von Gefangenen waren weit verbreitet, und die Täter gingen straffrei aus. Auspeitschungen wurden auch im Berichtsjahr häufig als Haupt- oder Zusatzstrafe verhängt."
Aber das ist ja bei Freunden keine Nachricht wert, gell liebe Zeit?!
Sie müßten mal erklären, warum sie sich so auf den Iran eingeschossen haben. Sicherlich -es gibt da eine Menge zu kritisieren..aber sind Schicksale in anderen Ländern uninteresant?
Vielleicht deshalb?
Aus dem Länderbericht von den "Reportern ohne Grenzen" heißt es:
"Ein Jahr nach der Präsidentschaftswahl(..)zieht Reporter ohne Grenzen eine Bilanz der Repressionen gegen Medienschaffende in der islamischen Republik in den vergangenen Monaten.
Das Ausmaß der Unterdrückung und Verfolgung kritischer Stimmen seit dem umstrittenen Wahlsieg Mahmud Ahmadinedschads ist dramatisch:
Mehr als 170 Journalisten und Blogger wurden in den vergangenen zwölf Monaten festgenommen, 37 von ihnen sind noch im Gefängnis und mehr als 100 Medienschaffende haben ihre Heimat verlassen.
„Die Behörden haben in einer riesigen Operation jeglichen politischen Protest unterdrückt. Die Maßnahmen und Mechanismen der Repression beruhen auf einer ausgeklügelten Strategie. Sie zielte darauf, die Proteste gegen die Wiederwahl Ahmadinedschads zu unterdrücken und den Rückhalt der Opposition in der Bevölkerung zu schwächen“, so ROG.
(..)
Die Revolutionären Garden sorgten mit Zensur, Schließungen von Zeitungen und Festnahmen von Journalisten dafür, dass Oppositionsführern der Zugang zu Medien verwehrt blieb. (..)
Inhaftierung, Folter, finanzieller Druck, soziale und berufliche Ausgrenzung von Medienmitarbeitern und deren Verfolgung bis ins Exil – die staatlichen Repressionen haben langfristige Auswirkungen:
„Das iranische Regime hat einen ganzen Berufsstand von Journalisten und politischen Beobachtern zerschlagen."
Da ist z.Zt. nämlich die Hölle los :
www.amnesty.at/aktiv_werd...
Wollen Sie den Iran (bzw. dessen Regierung) etwa schützen?
Der Artikel bezieht sich doch klar auf die zwei festgenommenen deutschen Reporter, darf man das jetzt nicht mehr kritisieren? Nur weil es auch in anderen Ländern so läuft? Wo leben Sie denn?
Vielleicht deshalb?
Aus dem Länderbericht von den "Reportern ohne Grenzen" heißt es:
"Ein Jahr nach der Präsidentschaftswahl(..)zieht Reporter ohne Grenzen eine Bilanz der Repressionen gegen Medienschaffende in der islamischen Republik in den vergangenen Monaten.
Das Ausmaß der Unterdrückung und Verfolgung kritischer Stimmen seit dem umstrittenen Wahlsieg Mahmud Ahmadinedschads ist dramatisch:
Mehr als 170 Journalisten und Blogger wurden in den vergangenen zwölf Monaten festgenommen, 37 von ihnen sind noch im Gefängnis und mehr als 100 Medienschaffende haben ihre Heimat verlassen.
„Die Behörden haben in einer riesigen Operation jeglichen politischen Protest unterdrückt. Die Maßnahmen und Mechanismen der Repression beruhen auf einer ausgeklügelten Strategie. Sie zielte darauf, die Proteste gegen die Wiederwahl Ahmadinedschads zu unterdrücken und den Rückhalt der Opposition in der Bevölkerung zu schwächen“, so ROG.
(..)
Die Revolutionären Garden sorgten mit Zensur, Schließungen von Zeitungen und Festnahmen von Journalisten dafür, dass Oppositionsführern der Zugang zu Medien verwehrt blieb. (..)
Inhaftierung, Folter, finanzieller Druck, soziale und berufliche Ausgrenzung von Medienmitarbeitern und deren Verfolgung bis ins Exil – die staatlichen Repressionen haben langfristige Auswirkungen:
„Das iranische Regime hat einen ganzen Berufsstand von Journalisten und politischen Beobachtern zerschlagen."
Da ist z.Zt. nämlich die Hölle los :
www.amnesty.at/aktiv_werd...
Wollen Sie den Iran (bzw. dessen Regierung) etwa schützen?
Der Artikel bezieht sich doch klar auf die zwei festgenommenen deutschen Reporter, darf man das jetzt nicht mehr kritisieren? Nur weil es auch in anderen Ländern so läuft? Wo leben Sie denn?
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