Das Unglaubliche tritt ein: Dell ist pleite. Alle Mitarbeiter werden auf die Straße gesetzt und die Lager geleert. Die Regionalzeitung Austin American Statesman schreibt einen Nachruf auf das texanische Unternehmen. In einer Pressemitteilung erklärt die Firma: »In dem gegebenen Marktumfeld wurde ein nachhaltiger finanzieller Erfolg unmöglich.«

Die Rede ist von Susan Dell. Die Ehefrau der IT-Ikone Michael Dell musste Ende vergangenen Jahres ihre Modefirma Phi dichtmachen. Zwei Jahrzehnte lang hatte sie ihrem Gatten den Rücken freigehalten – die beiden haben vier Kinder – und ihn mit zu einem der erfolgreichsten Manager aller Zeiten gecoacht. Doch Anfang der nuller Jahre wollte sie mehr. »Ich möchte eine Modehaus wie Chanel aufbauen«, sagte sie damals.

Das war keine gute Idee. Nicht nur legte das Label mit zuletzt acht Millionen Dollar Umsatz eine ordentliche Pleite hin. In Susans Abwesenheit ging auch bei ihrem Mann und bei der von ihm 1984 gegründeten Computerfirma so einiges daneben.

2003 war Dell Inc. 80 Milliarden Dollar an der Börse wert. Heute sind es 27 Milliarden Dollar. Die Finanzkrise erklärt nur einen Teil der Misere. Konkurrent Hewlett-Packard steigerte im gleichen Zeitraum seine Marktkapitalisierung von 60 auf 93 Milliarden Dollar. Noch schlimmer fällt der Vergleich mit Apple aus: Unter der Regie von Steve Jobs vervielfachte sich der Börsenwert von sieben auf 270 Milliarden Dollar.

Gerüchte über einen Rückzug Dells von der Börse kochen in den Medien immer wieder hoch. Darauf angesprochen, friert Michael Dells Bubenlächeln ein: »Sie sind ja wirklich nett, und ich hoffe, unsere Unterhaltung bleibt es auch.«

Sein Vermögen wird auf 14 Milliarden Dollar geschätzt

Das Hauptproblem von Dell ist der Erfolg in der Vergangenheit. Über Jahrzehnte verkaufte das Unternehmen gigantisch viele Computer, Drucker oder Workstations »build-to-order«: Der Kunde kann sich das Produkt nach Belieben zusammenstellen, erst nach der Bestellung wird es zusammengebaut. Das senkt die Lagerhaltungskosten und erfreut die Käufer. Doch dann fielen die PC-Preise vor allem durch die asiatische Billigkonkurrenz stark, fast alle Geräte verfügen heute über die tollen Grafikkarten oder hohen Speicherkapazitäten, von denen man vor Jahren nur träumen konnte. Damit entfällt das Bedürfnis nach maßgeschneiderten Produkten. Auch schwächeln die Absatzzahlen bei den lukrativen Laptops, seit Apple mit dem iPad so erfolgreich ist. Der Erfolg der Apple-Geschäfte weltweit zeigt überdies: Privatkunden wollen den Computer im Laden ausprobieren. Bis vor Kurzem konnte man dagegen Dell-Produkte nur per Internet oder Telefon bestellen.

Mit 14 Milliarden Dollar ist Michael Dell immer noch der fünfzehntreichste Mensch in Amerika. Sein Status als Tech-Pionier ist unbestritten. Aber er will es noch einmal wissen.