Computer : Dem alten Erfolg hinterher

Michael Dell baute den größten PC-Hersteller der Welt auf, dann ging er – und kam wieder zurück. Dell will Dell neu ausrichten.
Michael Dell spricht am 22. September 2010 auf der Oracle Open World Konferenz in San Francisco © Justin Sullivan/Getty Images

Das Unglaubliche tritt ein: Dell ist pleite. Alle Mitarbeiter werden auf die Straße gesetzt und die Lager geleert. Die Regionalzeitung Austin American Statesman schreibt einen Nachruf auf das texanische Unternehmen. In einer Pressemitteilung erklärt die Firma: »In dem gegebenen Marktumfeld wurde ein nachhaltiger finanzieller Erfolg unmöglich.«

Die Rede ist von Susan Dell. Die Ehefrau der IT-Ikone Michael Dell musste Ende vergangenen Jahres ihre Modefirma Phi dichtmachen. Zwei Jahrzehnte lang hatte sie ihrem Gatten den Rücken freigehalten – die beiden haben vier Kinder – und ihn mit zu einem der erfolgreichsten Manager aller Zeiten gecoacht. Doch Anfang der nuller Jahre wollte sie mehr. »Ich möchte eine Modehaus wie Chanel aufbauen«, sagte sie damals.

Das war keine gute Idee. Nicht nur legte das Label mit zuletzt acht Millionen Dollar Umsatz eine ordentliche Pleite hin. In Susans Abwesenheit ging auch bei ihrem Mann und bei der von ihm 1984 gegründeten Computerfirma so einiges daneben.

2003 war Dell Inc. 80 Milliarden Dollar an der Börse wert. Heute sind es 27 Milliarden Dollar. Die Finanzkrise erklärt nur einen Teil der Misere. Konkurrent Hewlett-Packard steigerte im gleichen Zeitraum seine Marktkapitalisierung von 60 auf 93 Milliarden Dollar. Noch schlimmer fällt der Vergleich mit Apple aus: Unter der Regie von Steve Jobs vervielfachte sich der Börsenwert von sieben auf 270 Milliarden Dollar.

Gerüchte über einen Rückzug Dells von der Börse kochen in den Medien immer wieder hoch. Darauf angesprochen, friert Michael Dells Bubenlächeln ein: »Sie sind ja wirklich nett, und ich hoffe, unsere Unterhaltung bleibt es auch.«

Sein Vermögen wird auf 14 Milliarden Dollar geschätzt

Das Hauptproblem von Dell ist der Erfolg in der Vergangenheit. Über Jahrzehnte verkaufte das Unternehmen gigantisch viele Computer, Drucker oder Workstations »build-to-order«: Der Kunde kann sich das Produkt nach Belieben zusammenstellen, erst nach der Bestellung wird es zusammengebaut. Das senkt die Lagerhaltungskosten und erfreut die Käufer. Doch dann fielen die PC-Preise vor allem durch die asiatische Billigkonkurrenz stark, fast alle Geräte verfügen heute über die tollen Grafikkarten oder hohen Speicherkapazitäten, von denen man vor Jahren nur träumen konnte. Damit entfällt das Bedürfnis nach maßgeschneiderten Produkten. Auch schwächeln die Absatzzahlen bei den lukrativen Laptops, seit Apple mit dem iPad so erfolgreich ist. Der Erfolg der Apple-Geschäfte weltweit zeigt überdies: Privatkunden wollen den Computer im Laden ausprobieren. Bis vor Kurzem konnte man dagegen Dell-Produkte nur per Internet oder Telefon bestellen.

Mit 14 Milliarden Dollar ist Michael Dell immer noch der fünfzehntreichste Mensch in Amerika. Sein Status als Tech-Pionier ist unbestritten. Aber er will es noch einmal wissen.

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Kommentare

12 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Krude Mischung aus Homestory und IT-Halbwissen

"Noch schlimmer fällt der Vergleich mit Apple aus: Unter der Regie von Steve Jobs vervielfachte sich der Börsenwert von sieben auf 270 Milliarden Dollar."

Der Vergleich ist in der Tat schlimm. Dass ein Macbook ab 1000€ und ein Dell ab 300€ zu haben ist, sollte schon darauf hindeuten dass hier Äpfel mit Birnen verglichen werden. Und vielleicht die Tatsache dass Apple mit Itunes, Ipod und co einen netten Nebenverdienst hat, der sich eigentlich in einer komplett anderen Sparte abspielt.

Dell...

...hat ein Qualitätsproblem.

Die Preise sind gefallen und die Qualität auch.
Hört man Positives über Dell Notebooks - nun, im Notebookreview Forum habe ich nichts gutes gehört.

Und die Desktops haben einen angeschlagenen Ruf aufgrund eines Kondensatorproblems bei dem sie ihren Fehler nicht wirklich eingestehen wollten... (oder noch wollen).
http://www.nytimes.com/20...

Heutzutage wollen Kunden "billig und zuverlässig" - wenn ein Unternehmen dann Fehler bei der Qualität macht schadet es dem Ruf - vor allem wenn es große Unternehmen sind dessen Namen in aller Munde sind.

Dell und Apple

Mal davon abgesehen, dass ich witzig finde, dass der allererste Kommentar zu diesem Artikel zu Dell sofort wieder eine Klage über die angeblich hohen Preise von Apple ist, hier mal ein konkretes Beispiel dazu:

Vor eineinhalb Jahren hat sich eine Freundin ein Dell Notebook gekauft, das mit der gleichen Ausstattung unter dem Strich kaum weniger gekostet hat als mein kurz zuvor gekauftes MacBook. Mittlerweile bereut diese Freundin ihre Entscheidung zutiefst und hat mir ernsthaft vorgeworfen, dass ich sie nicht nachhaltiger dazu gedrängt habe, ein MacBook zu kaufen.

Grund: Der Dell ist grottig. Die Tastatur ist miserabel, das Touchpad grauenhaft (nur im absoluten Notfall zu verwenden, ohne eingestöpselte Maus kann man nicht damit arbeiten), das Gehäuse knarzt und knackt bei jeder Berührung, man braucht zwei Hände um das Ding aufzuklappen, Ruhezustand hat nie richtig funktioniert, die Kiste ist voll mit Dell-Crapware, laufend gibt es Probleme mit der eingebauten WLAN-Karte...

Sie war jetzt drauf und dran, das Ding zu verkaufen. Ist aber sinnlos, weil man nix mehr dafür bekommt. Mein MacBook ginge immer noch für 2/3 des Neupreises weg, wenn ich es abgeben wollte, wozu ich aber nicht die geringste Veranlassung habe, weil es einfach ein in jeder Hinsicht großartiges Gerät ist, bei dem einfach alles stimmt.

Wie heißt es doch so schön: Der bittere Geschmack schlechter Qualität hält noch lange an, nachdem die Süße gesparten Geldes schon lange verflogen ist.

Apple ist nicht due Lösung

Apple ist nicht die Lösung aller Probleme - apple Zeugs hat genauso Probleme wie andere Produkte.
(Eines der ersten Notebooks bei dem die NVidia 8xxx Serie kaputtging und wenn ich mich nicht irre verbeulen die Notebooks, verbiegen (Aluminium falsch eingesetzt) und es gab auch Berichte darüber dass die Unterseite wohl etwas heiß wurde)

Des weiteren behalten apple Produkte ihren Wert nur weil sie Modeprodukte zum angeben sind - anders lässt sich der geringe Preisverfall nicht rational erklären.
(Nicht wenn bei JEDEM anderen Hersteller 1-2 Jahre alte Hardware als Restposten verkauft wird wenn überhaupt).

Das Dells einen schlechten Ruf haben stimmt - aber es gibt noch viele andere Hersteller die wesentlich mehr bieten können als apple.

Keine Klage

@uhuznaa: Mit meinem Kommentar wollte ich keineswegs über die hohen Preise bei Apple klagen, die ich bisher ohne Reue bezahlt habe. Es ging mir um den etwas hinkenden direkten Vergleich zwischen den Herstellern. Für mich einfach zwei verschiedene Marktsegmente. Wobei Ihr Punkt mit dem fast so teuren Dell PC dann auch wieder stimmt.

@DetlevCM: Welche Hersteller bieten bei Laptops denn so viel mehr als Apple?