Sie war unsere Rettung »Ich hatte den Schlüssel zum Hasch»
Elke Bunse, die jahrezehntelange Redaktionsassistentin des ZEITmagazins, war oftmals eine Rettung für die Redaktion. Wie sie die Jahre erlebte, erzählt sie in dieser Folge
ZEITmagazin: Liebe Frau Bunse, wenn das ZEITmagazin eine Seele hat, dann sind Sie das. Sie waren vom ersten bis zum letzten Tag vor der vorübergehenden Einstellung im Jahr 1999 dabei. Erinnern Sie sich an die erste Ausgabe?
Elke Bunse: Der Langhaarige auf dem Titel, natürlich! Das war für die ZEIT ein Kulturschock.
ZEITmagazin: Hatten Langhaarige denn 1970 noch wirkliches Provokationspotenzial?
Bunse: Auf der Straße nicht, aber in der Redaktion gab es nicht so viele Langhaarige, bloß unseren Artdirektor. Den Kollegen gefiel nicht, dass wir über so ein alltägliches Thema schrieben. Dem Verleger war es zu gewagt.
ZEITmagazin: Das Magazin war Gerd Bucerius’ Erfindung.
Bunse: Es sollte Geld bringen, und das war es, was uns im Haus verdächtig machte. Vor allem die Feuilletonisten wollten nichts mit unserem bunten Blatt zu tun haben.
geboren 1945 in Marienbad, wuchs bei Hannover und im Ruhrgebiet auf. Zur ZEIT kam sie 1967, zunächst als Assistentin im Politik-Ressort. Zusammen mit Hans Gresmann, dem ersten Leiter des ZEITmagazins, bildete sie den Kern der Gründungsmannschaft. Fast dreißig Jahre lang liefen bei ihr die Fäden der Magazin-Redaktion zusammen. Von 1999 an baute sie die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der ZEIT auf. 2010 ging sie in den Ruhestand
ZEITmagazin: Die Nullnummer, eine Probeausgabe, hatte Willy Fleckhaus entwickelt, die Grafiker-Lichtgestalt jener Zeit, der große »Twen«-Erfinder. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?
Bunse: Wir waren da noch eine sehr kleine Mannschaft, und auf einmal schwebte er ein, zusammen mit seinem Artdirektor Günter Halden. Das Sunday Times Magazine war unser Vorbild. Im Grunde machte Halden die Arbeit. Fleckhaus war der Grandseigneur.
ZEITmagazin: Die prägende Figur des Magazins war dann Jochen Steinmayr, der Ende 1970 als Chef geholt wurde. Ein Bayer in Hamburg. Ein Mann, der gern Kutteln aß, wie Siebeck.
Bunse: Steinmayr war ein Unterhaltungsmann, er kam vom stern. Er musste sich in diesem gediegenen Haus ganz schön zur Wehr setzen, aber das machte ihm nichts. Er hatte ein Holzbein, das er fröhlich schwang. Er hat das Blatt geliebt und uns, seine Redaktion.
ZEITmagazin: Würden Sie sagen, Sie waren eine Familie?
Bunse: Unbedingt. Wir haben alles zusammen gemacht, gearbeitet und gefeiert. Es gab viel Wein.
ZEITmagazin: Nicht nur den, heißt es.
Bunse: Wir haben in den Anfangszeiten auch gekifft. Bei uns hat es immer gut gerochen. Das Hasch lagerte zusammen mit Filmen in einem Kühlschrank, aber es war ein Schloss davor.
- Datum 12.10.2010 - 10:56 Uhr
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- Serie Das war meine Rettung
- Quelle ZEITmagazin, 14.10.2010 Nr. 42
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Liebe Frau Bunse,
Grandseigneur trifft das Wesen meines Vaters Willy Fleckhaus schon ziemlich gut.
Und wer viele Visionen und Ideen - wie er hat(te) - braucht jede Menge Menschen, die sie umsetzen.
Früher waren das z. B. die Klebemäuse, die ganz genau arbeiten mussten und sicherlich insgeheim sehr geschimpft haben.
An den Namen Halden erinnere ich mich noch, habe aber kein Bild und Gesicht vor Augen.
viele Grüße aus Odenthal
Nelly Fleckhaus
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