Viel trinken – das ist so ein immer wieder gehörter Standardratschlag für Patienten, die unter Atemwegserkrankungen leiden. Es klingt ja auch plausibel: Bei Schnupfen trocknen die Schleimhäute aus, und Wasser trägt dazu bei, den Schleim zu verflüssigen. Wenn die Krankheit mit Fieber verbunden ist, dann schwitzt der Patient mehr und verliert Flüssigkeit. Den Verlust muss man durch Trinken wieder ausgleichen.

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Aber soll der Kranke über den natürlichen Durst hinaus besonders viel Flüssigkeit aufnehmen? Für Gesunde kann der Rat, mehr zu trinken, als der Körper verlangt, durchaus gefährlich sein (siehe ZEIT Nr. 4/09). Und es gibt auch keine klinischen Untersuchungen, die einen Vorteil des übermäßigen Trinkens für Kranke belegen – im Gegenteil, es gibt gute Gründe, bei einigen Krankheiten die Flüssigkeitszufuhr zu drosseln.

Das jedenfalls schrieben australische Ärzte um Chris Del Mar 2004 im British Medical Journal. Einige Atemwegserkrankungen, namentlich Bronchitis und Lungenentzündung, gehen einher mit einer erhöhten Produktion des antidiuretischen Hormons (ADH), das die Ausscheidung über die Nieren reduziert: Es bleibt viel Wasser im Körper, das Blut wird verdünnt, und wenn man dann zu viel trinkt, kann der Salzmangel im Blut sogar lebensgefährlich werden. Die Forscher berichten von Fällen, in denen Kinder an Natriummangel gestorben sind. Auch für Kranke gilt also: Große Mengen Flüssigkeit in sich hineinzuschütten kann durchaus schädlich sein.

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