Die deutsche Nordseeküste. Wind. Watt. Weltnaturerbe. Und ein echtes Notstandsgebiet, was zeitgemäße Quartiere angeht.

Hinterm Deich sind die achtziger Jahre nie zu Ende gegangen, diese Mischung aus rotem Klinker und dem Beige von Buche furniert, das so gut zu den Windjacken mit Strickbündchen und den Gesundheitsschuhen passt. Doch ausgerechnet in dieser Hochburg der stillgestellten Zeit, in Sankt Peter-Ording, hat die Gegenwart Anker geworfen. Und zwar an zentraler Stelle, direkt an der Promenade, wo die 1,2 Kilometer lange Seebrücke über wogende Salzwiesen hinausfingert zum endlosen Strand.

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Hier liegt seit nunmehr drei Jahren das StrandGut Resort, das mit allerlei Zitaten aus dem Schiffsbau – Steg, Deck, Reling – zwischen lauter angejahrten Pötten die schnittige Jacht spielt. Allein die Farbe des nahezu schwarzen Klinkers und der honigfarbenen Fensterrahmen ist eine Kampfansage an das Ortsübliche, das so viel Revolution prompt mit Kosenamen wie "Touristensarg" und "Schuhkarton" heimzahlt. Doch hier spricht nur der Neid; die in diesem Landstrich einzigartige Mischung aus Designhotel, Coffeeshop, Lounge und asiatisch inspirierter Wellnessoase ist ein Erfolgsmodell, Auslastung übers Jahr: 90 Prozent.

Von all den Stationen zwischen Monaco und Vietnam, Bangkok und New York, die die Hoteliersfamiliensprösslinge Jens und Jörn Sroka durchliefen, haben sie sich für ihr erstes eigenes Haus etwas abgeschaut.

Das Badezimmer mit Aussicht zum Beispiel, durch dessen Glaswand der Blick zu den Schaumkronen der Wellen weit draußen schweifen kann (wer im Bad eher anderen Geschäften nachgehen will, zieht einfach einen Vorhang vor). Oder die Teelounge in der Lobby, eine für Gäste kostenlose Außenstelle der Hamburger Kult-Teemarke Samova.

So leer sind die Betten fast nie: Das StrandGut ist zu 90 Prozent ausgelastet, Reservierung empfohlen

Im Detail ist den Brüdern der Designgaul mitunter durchgegangen, etwa im Bad, in dem Waschbecken und Wasserhähne so flach sind, dass man sich kaum die Hände waschen kann. Oder den Duschköpfen, die ein Dschungelregengefühl vermitteln sollen, während der Wasserdruck nur für einen norddeutschen Nieselregen reicht. Aber wenn man hinter den großen Fensterfronten in der hoteleigenen Gastronomie Deichkind (Bar, Bistro, Coffeeshop, Restaurant in einem) quasi direkt in den Dünen sitzt und dem himmlischen Wolkenburgenbau zusieht, sind solche Kleinigkeiten wie weggeblasen.

Dass es eins der 100 Zimmer schon für 69 Euro pro Nacht gibt, ist nur mit ein paar Taschenspielertricks möglich; das Frühstück (10,90 Euro) zählt ebenso extra wie der Bademantel und die Schlappen (je 2,50 Euro). Und der riesige Wellnessbereich im StrandGut-Prospekt gehört gar nicht zum Hotel, sondern ist in Wahrheit die öffentliche Dünen-Therme, die man freilich über einen eigenen Zugang direkt im Bademantel erreichen kann.

Weil bei den Anwendungen aber gleichsam ganz St. Peter-Ording in der Schlange steht, empfiehlt es sich, die "Seidig & Frisch"-Behandlung und Ähnliches zwei Wochen im Voraus zu buchen.

Umgekehrt steht nur wirklich das auf der Hotelrechnung, was man auch genossen hat; der Gast tilgt nicht über einen hohen Zimmerpreis den Hypothekenkredit für ein Schwimmbad, das er nie betritt. Das Gefühl von Luxus für kleines Geld – auch darin ist das StrandGut Resort ganz auf der Höhe der Zeit.

StrandGut Resort, Am Kurbad 2, 25826 St. Peter-Ording, Tel. 04863/99990, www.strandgut-resort.de. DZ ab 69 Euro ohne Frühstück