Kühltürme eines Kohlekraftwerk im britischen Warrington © Christopher Furlong/Getty Images

DIE ZEIT: Herr Lomborg, lange galten Sie als Relativierer in Sachen globaler Erwärmung. Jetzt schreiben Sie in Ihrem neuen Buch: "Der Klimawandel ist eines der größten Probleme der Menschheit." Woher dieser Sinneswandel?

Björn Lomborg: Ich habe den Klimawandel nie verharmlost. Fakt ist: Die globale Erwärmung gibt es, sie ist vom Menschen verursacht, und wir müssen etwas dagegen tun. Aber so wie im Moment funktioniert es nicht.

ZEIT: Aber als Sie 2004 in Ihrem "Copenhagen Consensus" die dringendsten Probleme der Welt aufgelistet haben, stand der Klimawandel noch ganz unten auf der Agenda.

Lomborg: Dabei ging es ja um Lösungsmöglichkeiten. Die Frage war: Wo verspricht Hilfe den größten Erfolg? Beim Klimawandel jedenfalls nicht. Hunger dagegen können wir sehr effizient bekämpfen. Und wer heute Abend hungrig ins Bett geht, den interessiert die Temperatur in 100 Jahren nicht.

ZEIT: Es geht also um Effizienz von Hilfsmaßnahmen. Wie wollen Sie die messen?

Lomborg: Per Kosten-Nutzen-Rechnung. Wer heute einen Euro im Kampf gegen den Klimawandel investiert, etwa in die Reduzierung des CO₂-Ausstoßes, der verhindert nur 20 Cent an Schaden. Wer in den Entwicklungsländern aber einen Euro für Spurenelemente wie Zink, Vitamin A oder Eisen ausgibt, tut für 22 Euro Gutes – indem Leben gerettet, Gesundheitsausgaben oder Nothilfeprogramme gespart werden.

ZEIT: Sie berufen sich auf die "grundlegenden Prinzipien der Ökonomie". Hoffnungsfroh stimmt das nach der Finanzkrise nicht gerade.

Lomborg: Ja, Ökonomen lagen in letzter Zeit oft falsch. Andererseits haben wir die Ursachen des Klimawandels in den vergangenen 20 Jahren nicht in den Griff bekommen. Wir stoßen heute rund 40 Prozent mehr CO₂ aus als 1990. Ich vermute daher: Bisherige Lösungsansätze waren wirtschaftlich nicht attraktiv. Man hat die Ökonomie ausgeblendet.

ZEIT: Rajendra Pachauri, der Vorsitzende des Weltklimarates, hat Sie einen Kriminellen im Mantel des Statistikers genannt, da Sie Umweltschäden und menschliches Leid verrechneten.

Lomborg: Diese Leute sagen, Wirtschaftlichkeit dürfe kein Kriterium sein, wenn es darum geht, Gutes oder Notwendiges zu tun. Nur, mit moralischen Appellen bekommt man den Klimawandel nicht in den Griff.

ZEIT: Ihr Lösungsvorschlag also?

Lomborg: Bisher ist man nach der Methode verfahren: Wenn eine höhere CO₂-Konzentration in der Atmosphäre höhere Temperaturen bedeutet, senken wir eben den Ausstoß. Dabei hat man vergessen, dass die fossilen Energieträger unsere Welt am Laufen halten. Solange es keine Alternative gibt, die sich auch Inder und Chinesen leisten können, wird sich daran nichts ändern. Deshalb plädieren wir in unserem Buch dafür, global jährlich 100 Milliarden Dollar in die Erforschung erneuerbarer Energien zu investieren. Dann werden sie in 20 bis 40 Jahren billiger sein als Öl. Zurzeit investieren wir nur zwei Milliarden.